Eustace Mullins
Die Bankierver-
schwörung
Monetarismus — Anstoß zur Völkerbefreiung und Aus-
söhnung zwischen »Esau und Jakob« oder Kulmination in
der apokalyptischen Zerstörung der Erde?
Menning bon Stasch
Bergstr. 34
3392 Üluusthal-Zellerfeld
Verlag für ganzheitliche Forschung/
Verlag für biologische Sicherheit
Neuveröffentlichung des Buches von Mullins im Rahmen des Abdrucks von Pro-
zeßmaterialien aus dem Brokdorf-Prozeß (die Ausführungen von Eustace Mullins
wurden als Anlage eines Schriftsatzes von Roland Bohlinger am 16.12.1980 beim
OVG Lüneburg eingereicht; der Schriftsatz ist am Anhang dieser Veröffentli-
chung abgedruckt).
Erstveröffentlichung des Druckes von Mullins im Verlag Common Sense, Union,
New Jersey, USA.
Copyright 1954
Alle Rechte vorbehalten
Neuveröffentlichung in deutscher Übersetzung im Verlag für ganzheitliche For-
schung in Zusammenarbeit mit dem Verlag für biologische Sicherheit, 2251 Wob-
benbüll, 1980
Satz und Druck: Breklumer Druckerei, Manfred Siegel, 2257 Breklum
ISBN 3-922314-07-4
Gebt mir die Befugnisse einer Notenbank; dann kümmere ich mich nicht
um den Gesetzgeber. Anselm Rothschild.
In ehrenvollem Gedenken an
George Stimpson.
Seine nie ermüdende Hilfsbereitschaft und der hohe Stand seiner wissen-
schaftlichen Kenntnisse förderte diese Arbeit.
Ich möchte meinen Dank den Mitarbeitern aus dem Stabe der Kongreßbi-
bliothek aussprechen, die durch ihre freundlichen Anregungen, Hilfelei-
stungen und Mitgestaltungen diese Arbeit ermöglichten. Ganz besonders
danke ich Herrn Luther Evans, Bibliothekar des Kongresses, Col. Willard
Webb von der Archiv- und Leseabteilung und vielen anderen Angestell-
ten, die mir mit großem Entgegenkommen bei der Vorbereitung zu dieser
Arbeit geholfen haben.
INHALT
VorwortdesVerfassers ......2eceeeseeeneneee ernennen 6
VorwortdesVerlags .......r2eeeeeeeeeeeeen essen en n nn een 7
1. Kap.: Nelson Aldrich .......... Kerseernenerersnenennn 9
2. Kap.: SenatorAldrich .......crenensenensenenenenennen 19
3. Kap.: SamuelUntermyer ......r2seeeeeneneneenennennn 30
4. Kap.: Woodrow Wilson .........ureneneeenseenernennn 33
5, Kap.: CarterGlass ......2eser rennen nennen nennen 38
6. Kap.: PaulWarburg ........222seeneneereeennesnenenen 46
7. Kap.: NochmehrüberPaulWarburg ...........rrere0.. 51
8. Kap.: BernardBaruch .........2eerceeenenennerennnn 59
9. Kap.: AlbertStrauss .....2.2cuecneneeeenenenennnen nen 74
10. Kap.: UndnochmehrüberPaul Warburg ...............- 80
11. Kap.: AndrewMellon ...........-22eeeeeeeeenennenene 94
12. Kap.: HerbertHoover ............nreeeerneneeneennene 111
13. Kap.: FranklinD. Roosevelt .........c.ceereeerereenenn 118
14. Kap.: MarrinerEecles .........-eecneeneeenerene nenne 130
15. Kap.: HerbertLehman ...........rccreeeeenneneneneen 142
16. Kap.: ThomasB.McCabe .......ceneseeeeeeeneenennenn 148
Auszüge aus dem Anhang zur zweiten amerikanischen
Ausgabe (1954) „22222 eeneeeeeeeneneresne nenne nenn nennen 161
Verzeichnis der wichtigsten benutzten Quellen ................ 165
Weiterführende oder ergänzende, derzeitlieferbareBücher ...... 165
Anhang ...22esseseeeeesenseneneseesesneseneeneenenennne 167
VORWORT DES VERFASSERS
Im Herbst 1949 ging ich in die Bibliothek des Kongresses, um Material
für einen Zeitungsartikel über den Federal-Reserve-Board zu bekommen.
Ich glaubte, daß mich diese Arbeit etwa eine Woche lang beschäftigen
würde; doch aus ihr wurde eine Forschungsarbeit von 19 Monaten. Bei
meinen anfänglichen Studien entdeckte ich, daß es keinen einzigen Bericht
über den Ursprung und die Tätigkeiten dieser machtvollen Organisation
gab. Infolgedessen suchte ich mir die Informationen aus einer Unzahl von
Zeitschriften zusammen, die von der volkstümlichen Saturday Evening
Post bis hin zum exklusiven Magazin der Bankiers The Economist reich-
ten.
Die klassischen Werke über das Federal-Reserve-System mit ihren un-
klaren Formulierungen und geradezu unverständlichen Fachausdrücken
waren für mich von geringem Wert. Auch die üblichen Lehrbücher über
das Wechselwesen enthielten keine Information über die Umstellung der
amerikanischen Wirtschaft vom Kreditsystem des offenen Buches zum
Wechselsystem, das so weitreichende Veränderungen in unserem Han-
delsleben bewirkt hat. Dazu fand ich nun einige Abhandlungen, die von
1915 bis 1928 vom American Acceptance Council herausgegeben worden
waren. Darum ist es nicht verwunderlich, daß selbst der promovierte
Volkswirtschaftler hier zum erstenmal Material vorfindet, von dem er ei-
gentlich schon in seinen ersten Semestern gehört haben sollte.
Jekyl Island, der Geburtsort des Federal-Reserve-Gesetzes, ist heute
ein öffentlicher Park im Staate Georgia; doch der Tourist findet hier kei-
nen Hinweis auf das bedeutende Ereignis das mit dem Namen des Parks
verknüpft ist. Das ist weniger ein Versehen der Parkverwaltung als der zu-
ständigen Berichterstatter über den Federal-Reserve-Board, die noch im-
mer glauben, daß das Gesetz in den Hallen des Kongresses geboren wurde
und der Klugheit eines Carter Glass und eines Woodrow Wilson zu ver-
danken ist. Der Verfasser hofft, daß diese und ähnliche falsche Vorstel-
lungen bald nach der Veröffentlichung dieser Arbeit verschwinden wer-
den.
VORWORT DES VERLAGS
» Die Stunde hat geschlagen für die Hochfinanz, öffent-
lich ihre Gesetze für die Welt zu diktieren, wie sie es bis-
her im Verborgenen getan hat ... . Die Hochfinanz ist
berufen, die Nachfolge der Kaiserreiche und Königtü-
mer anzutreten, mit einer Autorität, die sich nicht nur
über ein Land, sondern über den ganzen Erdball er-
streckt. «
Erklärung anläßlich der Gründung der internationalen
Bankenallianz 1913 in Paris
Internationale Finanzmächte haben sich in unserem Jahrhundert an fast
allen bedeutenden Unternehmungen fördernd bis maßgebend beteiligt.
Meist geschah das nicht offen sondern verdeckt, häufig auch mit unter-
schiedlicher Motivation der einzelnen Finanzmächte und ihrer Führer,
was dann immer wieder zu Rivalitäten führte. Derzeit bereitet die an-
scheinend führende Gruppe innerhalb der Hochfinanz eine Weltwirt-
schaftskrise vor, neben der jene von 1929-33 völlig verblassen soll. Falls
sie eintrifft, wird sie weltweit Hungerkatastrophen, Massenarbeitslosig-
keit, unzählige Firmenzusammenbrüche und einen umfassenden politi-
schen Wandel herbeiführen. Näheres erfährt der Leser in diesem Buch.
Die erste Veröffentlichung der von Eustace Mullins vorgenommenen
Untersuchung erfolgte 1954 in den USA. 1956 erschien eine deutsche
Ausgabe. Diese wies erhebliche Mängel in der Übersetzung auf. Sie wurde
beschlagnahmt, wobei als Vorwand vor allem ein Satz im Anhang diente.
Vor rund zwei Jahren stieß ich auf die Schrift von Mullins. Ich legte sie
in der deutschen Ausgabe von 1956 in einem Atomprozeß vor, und zwar
als Teil des Beweismaterials für eine bestehende Verschwörung. Zugleich
entschloß ich mich, die Schrift von Mullins neu herauszugeben. Die jetzt
vorgelegte Ausgabe bietet eine gründliche Neuübersetzung. Die seiner-
zeit beanstandeten Stellen sind gestrichen, sie besaßen keine wesentliche
Bedeutung. In der Neuübersetzung legte ich am 15. 12. 1980 die Schrift
zusammen mit anderen Materialien, die den von Mullins aufgenommenen
Faden bis in die Jetztzeit weiterverfolgen, im Brokdorf-Prozeß vor.
Ursprünglich sollte die hier vorgelegte Veröffentlichung mit dem Ab-
druck des Prozeß-Schriftsatzes beginnen, um deutlich zu machen, daß die
Veröffentlichung im Rahmen einer Prozeßdokumentation erfolgt. Ich
entschloß mich jedoch, die Ausführungen von Mullins voranzustellen;
das wird der Bedeutung und Leistung des Verfassers besser gerecht.
Roland Bohlinger
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1. Kapitel
NELSON ALDRICH
Am Abend des 22. November 1910 traf sich eine größere Zahl von Zei-
tungsberichterstattern auf dem Bahnhof Hoboken in New Jersey. Sie hat-
ten einen Hinweis bekommen, daß einige sehr hochstehende Persönlich-
keiten von New York City nach Hoboken kommen würden, um dort in
geheimem Auftrag mit dem Zug abzureisen. Welcher Art dieser Auftrag
war oder welchen Personenkreis er umschloß, wußte niemand von ihnen,
aber sie waren sich dessen gewiß, daß ein außerordentlich bedeutsames
Ereignis geplant war.
Senator Nelson Aldrich betrat den Bahnhof. Das war der Beweis für
Ihre Vermutung. Die Berichterstatter sammelten sich um ihn herum. Er
verhielt sich würdevoll, obgleich er wegen seiner Schroffheit und der
Schwierigkeit, von ihm eine Auskunft zu erhalten, bekannt war. Das war
durch seine Verbindung zum mächtigen Gummi-Trust und zum Tabak-
Trust begründet. Als einer der fünf republikanischen Senatoren, die da-
mals den Senat beherrschten, hatte Aldrich seine durch die Wahl errun-
gene Stellung dazu ausgenutzt, eine Reihe von Zollbestimmungen und
Gesetzen zu erlassen, die für seine Interessen von Nutzen waren. Er war
auch mehrfach wegen seiner kalten Mißachtung des Amtseides angezeigt
worden, da er seine Machtstellung den Plänen der internationalen Geld-
leute zugute kommen ließ.
Aldrich war kürzlich mit der Nationalen Währungskommission, deren
Leiter er war, aus Europa zurückgekehrt. Diese Kommission war vom
Kongreß gebildet worden, um dem allgemeinen Verlangen nach einer Re-
gierungsmaßnahme gegen jene großen Bankiers zu entsprechen, die 1907
künstlich eine Panik hervorgerufen hatten. Sie war damit beauftragt wor-
den, die Praxis des Geldwesens gründlichst zu studieren, bevor sie ein
Bank- und Währungsreformgesetz für den Kongreß entwarf. Gleichzeitig
zweifelte man jedoch daran, daß ein Gesetz, das unter der Führung eines
Mannes mit Aldrichs bekannten Sympathien und Beschäftigungen zu-
stande käme, eine echte Reform darstellen würde. Doch der Kongreß
blieb solcher Kritik unzugänglich.
Senator Aldrich und die Nationale Währungskommission hatten auf
Kosten der amerikanischen Steuerzahler fast zwei Jahre in Europa zuge-
bracht und dabei mehr als 300000 Dollar öffentliche Gelder verbraucht,
obgleich sie von allen wichtigen europäischen Geldleuten eingeladen und
bewirtet worden waren und zu Lasten des jeweiligen Landes zu leben
schienen, in dem sie reisten.
Seit seiner Rückkehr nach Amerika hatte Senator Aldrich keinerlei Ver-
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suche unternommen, dem Kongreß das Ergebnis seiner Reise mitzuteilen
oder irgendwelche Gedanken zur Finanzreform zu äußern. Die Nation
erwartete, daß er Maßnahmen vorschlüge, um die Wiederkehr finanzieller
Krisen zu verhindern, die das Geschäftsleben und die kleinen Vermögen
seit dem Bürgerkriege fortgesetzt geschädigt hatten. Aber er hatte keiner-
lei klaren Vorschlag zur Abhilfe gemacht.
In der Begleitung von Senator Aldrich befand sich A. Piatt Andrew,
von Beruf Volkswirtschaftler und Hilfssekretär im Schatzamt; er war als
Sonderassistent der Nationalen Währungskommission mit Aldrich nach
Europa gereist.
Ihnen folgten Aldrichs Privatsekretär Shelton, außerdem Gepäckträger
mit zahlreichen Gepäckstücken. Offensichtlich verreisten sie für längere
Zeit. Die sie bedrängenden Reporter, welche die meisten der großen New
Yorker Tageszeitungen vertraten, waren davon überzeugt, daß der Ge-
heimauftrag mit der beabsichtigten Finanzreform zusammenhängen müs-
se. Angriffslustig umschwärmten sie Aldrich, um irgendeine Mitteilung
zu ergattern.
Aldrich war gewöhnt mit Reportern umzugehen; er ging an ihnen vor-
bei, ohne irgendeine ihm zugerufene Frage zu beantworten; auch seine
Begleitung beachtete die Zeitungsleute nicht. Sie bestiegen Aldrichs Son-
derwagen am Ende des Zuges, und die Vorhänge wurden sofort vor die
Fenster gezogen. Die Reporter hatte man einfach stehen lassen; sie konn-
ten nun untereinander mutmaßen, was die Gesetzesmacher vorhatten.
Die Neugier der Reporter wurde gesteigert, als sie zwei weitere Ban-
kiers auf den Bahnhof kommen sahen, ebenfalls von einigen Gepäckträ-
gern gefolgt. Der eine war Frank Vanderlip, ein stämmiger, heiterer
Mann, der sich vom Landarbeiter bis zum Präsidenten der National City
Bank of New York, der mächtigsten Bank Amerikas, emporgearbeitet
hatte. Sie gehörte dem Bankhaus Kuhn, Loeb and Company, vertrat die
Ölinteressen Rockefellers und die Eisenbahngesellschaft, hatte große Be-
sitzungen in Südamerika und wurde 1898 beschuldigt, die Vereinigten
Staaten in den Krieg mit Spanien gedrängt zu haben. Jedenfalls ging die
National City Bank aus diesem Kriege als Eigentümerin der kubanischen
Zuckerindustrie hervor.
Mit Vanderlip kam der ernste Henry P. Davison, der Seniorpartner der
J. P. Morgan Company, und Charles D. Norton, der Präsident von Mor-
gans First National Bank of New York. Diese drei Männer waren tonan-
gebend in der kleinen Gruppe der New Yorker Bankiers, welche man be-
zichtigt hatte, das gesamte Geld- und Kreditwesen der Vereinigten Staaten
zu kontrollieren. Mr. Vanderlip erklärte einem Reporter, daß sie lediglich
beabsichtigten, ein geruhsames Wochenende auf dem Lande zu verleben.
Diese Männer kontrollierten das Öl, die Eisenbahnen, das Nachrich-
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tenwesen und die Schwerindustrie des Landes. Welches geplante Unter-
nehmen veranlaßte sie, sich aus New York hinauszuschleichen, um einen
privaten Zug auf der anderen Seite des Flusses zu besteigen? So mächtige
Männer hatten eigentlich keinen Grund, ihr Kommen und Gehen zu ver-
bergen. In vergangenen Tagen hatten sie die öffentliche Meinung und das
Gemeinwohl offen mißachtet. Kein großes Unternehmen konnte begon-
nen werden, ohne daß einer oder mehrere dieser Männer aufgesucht wur-
de, und sie achteten darauf, daß ihr Rat und ihre Hilfe wohl belohnt wur-
den. Sie bestimmten Kongreßmitglieder, ernannten Richter, kauften oder
verkauften Zeitungen und Verlagshäuser, wann immer sie es für nötig
hielten. Einer von ihnen erntete einmal geradezu Ruhm, weil er ausgeru-
fen hatte: »Die Öffentlichkeit schert uns den Teufel!« Es lag einfach nicht
in ihrer Art, sich mit Geheimnistuerei zu umhüllen.
Die Reporter hatten das gleiche Glück mit diesen Bankiers, wie sie es
mit Aldrich gehabt hatten; sie mußten zusehen, wie ihre »Story« in Al-
drichs Sonderwagen verschwand.
Die nächste Person, die erschien, war ihnen nicht so gut bekannt. Es
war Paul Moritz Warburg, ein deutscher Einwanderer, der in weniger als
acht Jahren die Möglichkeiten Amerikas so zu nutzen verstanden hatte,
daß er bereits Teilhaber im Bankhaus von Kuhn, Loeb and Company war
mit einem jährlichen Gehalt von 500000 Dollar. Sein Stammhaus M. M.
Warburg Co. in Hamburg und Amsterdam war der deutsche Hauptver-
treter der großen europäischen Bankfamilie der Rothschilds. Außerdem
hatte sich Jakob Schiff mit einem großzügigen Betrag aus Rothschilds Ka-
pital eine Partnerschaft bei Kuhn, Loeb and Company gekauft, wodurch
es in weniger als zwanzig Jahren gelungen war, die unumstrittene Herr-
schaft über das große Eisenbahnwesen der Vereinigten Staaten zu erlan-
gen.
Paul Warburg hatte dem Geschäft, seitdem er in dieses Land kam, nicht
viel Aufmerksamkeit gewidmet. Stattdessen verbrachte er viel Zeit mit
dem Studium und Schreiben über das Problem der Finanzreform. Das
schien in direktem Widerspruch zu seinen persönlichen Interessen und
denen seiner Arbeitgeber zu stehen, denn eine wirkliche Finanzreform in
Amerika würde sicherlich deren Einkünfte und Macht verringern. Aber
seine Tätigkeit in dieser Richtung brachte ihm ein wachsendes Gehalt und
genügend Zeit, um, wie sich später herausstellte, eine Bankgesetzgebung
vorzubereiten, die der Errichtung einer Zentralbank in den Vereinigten
Staaten diente, ähnlich den Zentralbanken in Europa. Es dauerte auch
nicht lange, und Warburg wurde das »Bankgehirn« von New York ge-
nannt, und wenn er in den Versammlungen der Handelskammer oder an-
derer verbrüderter Bankiergruppen sprach, umgab ihn bald ein großes
Auditorium New Yorker Bankleute.
11
Mit Warburg kam Benjamin Strong. Dieser hatte sich auf der Wall
Street während der Panik von 1907 als ein fähiger Mitarbeiter von ]J. P.
Morgan hervorgetan, besonders durch seine Geschicklichkeit in der Aus-
führung von Anordnungen. Jene Panik war von Morgan hervorgerufen
worden, um die Konkurrenz der Heinze-Morse-Gruppe ım Bankge-
schäft, Schiffswesen und der Schwerindustrie auszuschalten. Es war kein
Zufall, Strong in der Begleitung von Warburg zu sehen; denn die Interes-
sen von J. P. Morgan und Kuhn, Loeb Co. hatten 1901 zu einer Vereini-
gung geführt, die als Northern Securities Company bekannt wurde und
seitdem das Land beherrschte. Diese Vereinigung hatte Theodore Roose-
velt 1904 zum Präsidenten der Vereinigten Staaten gemacht, um die ge-
richtliche Verfolgung der Norbern Securities Company hinauszuschieben.
Roosevelt erreichte dies, und die Morgan-Kuhn-Loeb-Allianz konnte ein
komplizierteres und weniger verwundbares System ausarbeiten. Für diese
Tat erntete Roosevelt den Namen eines »trust-buster« (Konzernzer-
trümmerer).”
Warburg und Strong blieben den Reportern gegenüber ebenso schweig-
sam wie die anderen. Die Reporter sahen den Zug, ohne ein Wort von den
Bankiers gehört zu haben, den Bahnhof verlassen. Sie kehrten zu ihren
Zeitungen zurück mit nichts als ein paar Zeilen über die Tatsache der ge-
heimnisvollen Abreise der Finanzleute aus New York. Aber keine Tages-
zeitung der Hauptstadt veröffentlichte etwas. Die Herausgeber übersahen
das Ereignis wohlweislich.
Der erste öffentliche Hinweis auf das geheimnisvolle Unternehmen er-
schien erst ungefähr sechs Jahre später, drei Jahre nachdem das Federal-
Reserve-Gesetz erlassen worden war und sich bereits auswirkte. Der
Hinweis erfolgte in einem Artikel von E. C. Forbes, der in Frank Leslie’s
Magazin zum Lobe von Paul Warburg erschien, wobei beiläufig eine Er-
* Die Northern Securities umfaßten die gesamte Einflußsphäre der Rothschilds in Amerika.
Nachdem J. P. Morgan and Co. 1869 die führende internationale Agentur in Amerika ge-
worden war, gingen J. P. Morgan und Anthony Drexel nach London und schlossen mit N.
M. Rothschild Company ein Abkommen, daß J. P. Morgan Company von nun an als ihr
Agent handeln sollte. In gleicher Weise betrieben folgende Firmen die Geschäfte Rothschilds
nach 1869: Drexel Company in Philadelphia, J. P. Morgan in New York, Grenfell & Com-
pany in London und Morgan, Harjes & Company in Paris. So war es den Rothschilds mög-
lich, sich unter weniger bekannten Namen zu verstecken. J. P. Morgan wurde zu dieser ho-
hen Ehre auserkoren wegen der Karabiner-Affäre während des Bürgerkrieges, als er seine ei-
gene Regierung damit betrog, daß er der Unions-Armee Karabiner aus dem Bundesarsenal
verkaufte, welche die Armee für unbrauchbar erklärt hatte. Diese Angelegenheit ist einge-
hend in Gustavus Myers’ History of the Great American Fortunes (Geschichte der großen
amerikanischen Vermögen) behandelt worden. J. P. Morgans Vater, Julius S. Morgan, war
ein Partner von George Peabody and Company, der ein Finanzagent der Bundesregierung in
London während des Bürgerkrieges war, und als solcher auch im Interesse der Rothschilds
handelte, was auch von Myers dokumentiert wird.
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zählung über »Jekyl Island« und somit die erste Enthüllung über das Ge-
schehen im November 1910 gebracht wurde. Während der nächsten drei-
ßig Jahre wurde der Bericht von Forbes nach und nach durch Erzählungen
und Biographien der Hauptbeteiligten ergänzt, bis die ganze Geschichte
bekannt wurde.
Aldrichs privater Eisenbahnwagen, der mit geschlossenen Vorhängen
Hoboken verlassen hatte, brachte die Finanzleute zur Insel Jekylim Staate
Georgia, und zwar zum Jekyl Island Hunt Club, einem sehr exklusiven
Jagdklub, der J. P. Morgan und einigen einflußreichen New Yorker Ban-
kiers gehörte. Er lag in völliger Einsamkeit und diente als behaglicher Zu-
fluchtsort, weit entfernt von den Sorgen des New Yorker Geldmarktes.
Seine vorteilhafte Lage machten ihn besonders geeignet für andere Zwecke
als nur die der Jagd. In solchen Fällen wurden die Klubmitglieder benach-
richtigt, für eine bestimmte Anzahl Tage nicht im Klub zu erscheinen. Als
Aldrichs Gruppe New York verließ, waren die Klubmitglieder bereits be-
nachrichtigt, daß die nächsten 14 Tage das Klubhaus besetzt sein würde.
Die Aldrich-Gruppe interessierte sich diesmal nicht für die Jagd. Sie
war nach Jekyl Island gekommen, um viel zu arbeiten, und zwar in völli-
ger Geheimhaltung. Zu diesem Zwecke hatte sie zuvor bereits die Ange-
stellten des Klubs auf zwei Wochen beurlaubt und neue Bedienstete her-
beigeschafft. Sie sah die Geheimhaltung der Identität der Teilnehmer so-
gar als so dringend an, daß während der nächsten zwei Wochen keine Be-
suche gestattet wurden und sie sich nie mit ihrem Familiennamen, sondern
nur mit ihren Vornamen anredeten, wie Henry, Ben und Paul.
Das erwies sich für alle Beteiligten als so zufriedenstellend, daß sie diese
Maßnahme nach ihrer Rückkehr nach New York in verpflichtender Form
beibehielten und den sogenannten »Vornamen-Klub« gründeten, wobei
sie die Mitgliedschaft auf jene beschränkten, die auf Jekyl Island gewesen
waren.
Warum diese Geheimnistuerei? Weshalb diese Fahrt über tausend Mei-
len in geschlossenem Eisenbahnwagen zu einem entfernten Jagdklub? Die
Aldrich-Gruppe fuhr dorthin, um das Bank- und Währungsgesetz auszu-
arbeiten, das vorzubereiten der National Monetary Commission aufgetra-
gen worden war. Die künftige Kontrolle über das Geld- und Kreditwesen
der Vereinigten Staaten stand auf dem Spiel. Hätte der Kongreß irgend-
eine Finanzreform verabschiedet, die nicht von und zugunsten der New
Yorker Bankiers abgefaßt wurde, dann wäre deren Macht beendet. Als
derjenige, der sich am besten im Detail auskannte, erhielt Paul Warburg
den Auftrag, den größten Teil des Gesetzes zu entwerfen, Senator Nelson
Aldrich sollte ihm die Form geben, die vom Kongreß angenommen wer-
den konnte, und die anderen Bankiers sollten zusätzliche Vorschläge ma-
chen und bei besonderen Bankfragen helfen. Anstatt also dem Kongreß
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und dem amerikanischen Volk über die Ergebnisse der Europareise der
National Monetary Commission zu berichten, fuhr Senator Aldrich nach
Jekyl Island, um ein Gesetz aufzusetzen, das später vom Kongreß ange-
nommenund 1913 vom Präsidenten Woodrow Wilsonals Federal-Reserve-
Act (Zentralbank-Gesetz) unterzeichnet wurde.
Die Jekyl-Island-Gesellschaft verbrachte neun Tage im Klubhaus, eif-
rig bemüht, ihr Werk zu vollenden; denn der Kongreß beklagte sich be-
reits, daß die Währungskommission kein Ergebnis erzielt zu haben
schien. Trotz des gemeinsamen Interesses der Anwesenden ging die Ar-
beit nicht ohne Reibungen vonstatten. Senator Aldrich betrachtete sich als
Leiter der Gruppe und konnte sich nicht enthalten, alle zu kommandie-
ren. Zugleich fühlte er sich ein wenig fehl am Platze, da er als einziger kein
Bankier war. Er wußte sehr wenig über die technische Seite finanzieller
Unternehmungen, da er bis jetzt nur darauf geachtet hatte, daß die Ge-
setze des Landes ihn bei seinen Geschäften schützten. Paul Warburg
wünschte, daß jede Frage durchdiskutiert wurde und ließ sich keine Gele-
genheit entgehen, umfangreiche Erläuterungen abzugeben oder die ande-
ren durch das Ausmaß seines Fachwissens zu beeindrucken. Das erschien
den anderen oft als Zeitverschwendung und verursachte manch spitze
Bemerkung von Aldrich, so daß esmanchmal die ganze diplomatische Ge-
schicklichkeit von Henry P. Davison erforderte, alle bei der Stange zu hal-
ten. Auch Warburgs starker ausländischer Akzent verärgerte sie. Er selbst
empfand die Schwierigkeit seiner Position als einziger Außenseiter in die-
ser Clique amerikanischer Aristokraten; trotzdem stritt er bei jeder Gele-
genheit um technische Fragen, die er als sein ureigenstes Arbeitsfeld be-
trachtete.
Eine der Hauptschwierigkeiten bei der Ausarbeitung eines Reformpla-
nes, der als Werk der National Monetary Commission ausgegeben werden
konnte, war es, die eigentlichen Autoren zu verheimlichen. Seit 1907 war
die Abneigung des Volkes gegen Bankiers so groß, daß kein Mitglied des
Kongresses es gewagt hätte, einem Gesetz zuzustimmen, das den Makel
der Wall Street trug, selbst ohne Rücksicht darauf, wer ihm seine Wahlko-
sten finanziert hatte. Der Plan, der in Jekyl Island ausgearbeitet wurde,
war der Entwurf für eine Zentralbank. In der Geschichte Amerikas gab es
eine weit zurückreichende Tradition im Kampf gegen die Einführung ei-
ner Zentralbank für Geldangelegenheiten des Landes, und bis 1896 gab es
auch einen ununterbrochenen Kampf gegen eine totalitäre Beherrschung
unserer Geldmittel. Er begann mit Jeffersons Kampf gegen den Plan Ale-
xander Hamiltons bezüglich der First Bank ofthe United States. Er setzte
sich fort in Andrew Jacksons erfolgreichem Kampf gegen Nicholas Bidd-
les Second Bank of the United States (Biddle war hierbei von James Roth-
schild in Paris gestützt worden). Dieser Bürgerkrieg auf finanziellem Ge-
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biet endete mit der Einführung des Independent-Sub-Treasury-System
(Unabhängiges Schatzamt), welches vermutlich die Hände der großen
Bankiers von den Werten der Vereinigten Staaten weitgehend ferngehal-
ten hat. Weil sich unsere staatlichen Werte unter der Verwaltung des
Schatzamtes befanden, hatten die Bankiers die Geldpaniken von 1873,
1893 und 1907 verursacht, womit sie ein weitverbreitetes Elend im Land
hervorriefen und die Bevölkerung antrieben, zu verlangen, daß der Kon-
greß ein Gesetz erlasse, das die Wiederkehr künstlich erzeugter Geldpani-
ken verhindern sollte. Eine solche Finanzreform schien nunmehr unver-
meidlich; es kam nur darauf an, das in die Hand und unter Kontrolle zu
bekommen, was die Nationale Währungskommission mit dem Multimil-
lionär Nelson Aldrich an ihrer Spitze zu entwerfen hatte. Der innere Kreis
der Geldleute war auf Jekyl Island zusammengekommen, um ein Bankge-
setz zu entwerfen, das ihre Interessen schützte, aber als ein »Bankgesetz
des Volkes« veröffentlicht werden könnte.
Nach Paul Warburgs Meinung galt es vor allem, den Namen »Zentral-
bank« zu vermeiden, und er schlug deshalb die Bezeichnung Federal-Re-
serve-System vor. In der Öffentlichkeit würde dies den Verdacht min-
dern, daß die Schaffung einer Zentralbank beabsichtigt wäre. In Wirk-
lichkeit jedoch besäße das Federal-Reserve-System die drei wichtigsten
traditionellen Funktionen einer Zentralbank: Es wäre Eigentum von Pri-
vatpersonen, die ihren Profit aus dem Besitz von Aktien ziehen und den
Geldumlauf in der nationalen Wirtschaft kontrollieren könnten; es würde
das Verfügungsrecht über sämtliche Staatsgelder haben; es könnte die
Vereinigten Staaten in größere ausländische Kriege verwickeln und da-
durch zur finanziellen Beteiligung anregen und in Schulden stürzen.
Ein weiteres grundsätzliches Problem war, wie verheimlicht werden
konnte, daß das vorgeschlagene Federal-Reserve-System von den Män-
nern des New Yorker Geldmarktes beherrscht werden würde. Die Abge-
ordneten des Kongresses aus dem Süden und besonders aus dem Westen
würden bei der Befürwortung eines Wall Street-Planes ihren Sitz verlie-
ren, denn die Farmer und kleinen Geschäftsleute in diesem Gebiet hatten
viel unter den wiederholten Finanzkrisen zu leiden gehabt, und seit dem
Bürgerkrieg bestand eine allgemeine Abneigung gegen die Ost-Bankiers.
Die persönlichen. Aufzeichnungen und Briefe von Nicholas Biddle,
welche erst nahezu hundert Jahre nach seinem Tode veröffentlicht wur-
den, lassen erkennen, daß schon zu dieser Zeit die östlichen Bankiers die
Abneigung gegen sich in Betracht zu ziehen hatten.
Paul Warburg hatte bereits den grundlegenden Trick ausgearbeitet, der
verhindern sollte, daß die Bevölkerung das Projekt als das einer Zentral-
bank erkennen konnte. Es war dies das regionale Reserve-System, eine
Organisation von vier, später zwölf Zweig-Reserve-Banken, die in ver-
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schiedenen Teilen des Landes gelegen waren. Niemand, dem die Einzel-
heiten der nationalen Kreditverhältnisse unbekannt waren, würde sich
darüber klar werden können, daß die gegenwärtige Konzentration der
meisten Schulden und des meisten Geldes der Nation in New York die
Einrichtung regionaler Reserve Banken zu einer Farce machen würde,
weil diese letztlich von der Höhe des Kredites oder der Menge des Geldes
abhängig sein würden, die für sie in New York verfügbar wären.
Die wichtigste Bestimmung, welche die Finanzleute in das Gesetz auf-
nahmen, war die Wahl der Administratoren des Systems. Aldrich erklärte
als erster, daß die Angestellten nur von ihnen berufen sein sollten und daß
der Kongreß überhaupt nichts mit ihnen zu tun haben dürfe. Als erfahre-
ner Senator wußte er, daß jede Kontrolle des Kongresses über die Verwal-
tung des Systems die Wall Street-Interessen stören würde und daß die
Schnüffler im Kongreß jede Gelegenheit wahrnähmen, um nach Unre-
gelmäßigkeiten zu forschen, um den Wählern zu beweisen, daß sie es sind,
die die alten Feinde, die »Eastern Bankers«, bekämpfen.
Die Befreiung des Systems von jeder Kontrolle und Überwachung
durch den Kongreß machte den Gesetzesvorschlag von Anfang an verfas-
sungswidrig. Die Federal-Reserve-Bank besäße das Recht einer Noten-
bank, obwohl nach der Verfassung der Kongreß allein dazu berechtigt
war. Artikel 1, Abschnitt 8, Paragraph 5 der Verfassung bestimmt:
»Der Kongreß soll die Macht haben, Münzen zu prägen und ihren Wert,
auch den Wert von ausländischem Geld, zu bestimmen. «*
Die Einführung von Warburgs Federal-Reserve-System bedeutete, daß
die Legislative ihre Selbständigkeit verlieren und das System der Kontrolle
und des Gleichgewichts der staatlichen Gewalt zerstört würde, für das
Thomas Jefferson so lange gekämpft hatte. Die Administratoren des Sy-
stems würden in Zukunft die Geldausgabe und däs Kreditwesen kontrol-
lieren und nur noch durch die Exekutive kontrolliert werden. Da die Ge-
richtsbarkeit (der oberste Gerichtshof etc.) bereits mittels ernannter Be-
amter durch die Exekutive kontrolliert wurde, wäre damit die gesetzge-
bende Gewalt wirksam entmachtet. Das aber ermöglichte eine schnell vor
sich gehende Machtzusammenballung hinter dem Rücken des Weißen
Hauses in Washington.
Vier Jahre nach der Verabschiedung des Federal-Reserve-Act im Jahre
1913 waren die Vereinigten Staaten in den Ersten Weltkrieg verwickelt
* Der höchste Gerichtshof hat entschieden, daß die Übertragung des Münzprägerechtes
und der Geldausgabe an private Banken verfassungsgemäß sei, weil der Kongreß es für »nö-
tig und richtig« hielt, dies zu tun. »Nötig und richtig«, sagte der Gerichtshof, »bedeutet be-
quem«. Natürlich ist die »bequemste« Art, die durch die Verfassung festgelegte Macht aus-
zuüben, diejenige, Macht an private Interessen abzutreten. (Mc-Culloch gegen Maryland, 4
Wheat 316, 4. L.ed. 579.)
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und in den Griff einer absoluten Diktatur von drei Männern geraten, die
jeden einkerkerten, der sich ihnen widersetzte. So wurde ein Präsident-
schaftskandidat der Sozialistischen Partei, Eugene Debs, von Woodrow
Wilson ins Gefängnis von Atlanta geschickt, weiler es unterließ, die Teil-
nahme der amerikanischen Jugend auf den Schlachtfeldern Flanderns zu
begrüßen. Unsere Schwerindustrie stand unter der Diktatur des Wall
Street-Spielers Bernard Baruch; Ernährungswesen und Landwirtschaft
unterstanden der Diktatur Herbert Hoovers, eines Goldspekulanten der
Londoner Börse, der vor seiner Ernennung durch Woodrow Wilson
zwanzig Jahre lang nicht in Amerika gelebt hatte; und die Finanzen stan-
den unter der Diktatur von Paul Warburg, dem Vorsitzenden des Auf-
sichtsrates der Federal-Reserve-Banken, dessen entscheidende Bindung
die zu seinem Familien-Bankhaus M. M. Warburg Co. in Hamburg war.
M. M. Warburg finanzierte zu jener Zeit den Krieg des Kaisers gegen
Amerika, und Paul Warburgs Firma Kuhn, Loeb Co. hatte im Schatzamt
der Vereinigten Staaten fünf Vertreter, die mit der Ausgabe der Frei-
heits-Anleihen beschäftigt waren, mit denen unser Krieg gegen den Kaiser
finanziert wurde.
Baruchs Partner in der Alaska-Juneau Gold Mining Co., Eugene Mey-
er, war Leiter der War Finance Corporation. Er vereinnahmte Kommis-
sionsgebühren für die Hunderte von Millionen Dollar Freiheits-Anlei-
hen, die er als Leiter der Kriegsfinanzierungs-Gesellschaft von sich selbst
und dann wieder an sich selbst, nämlich an Eugene Meyer & Co. 14. Wall
St., New York verkaufte. Es war daher kein Wunder, daß er sich durch
Aktienmehrheit die Kontrolle über den ungeheuren Chemietrust, die Al-
lied Chemical and Dye Corporation, erkaufte und sich zum Verleger in
Washington machte, u.a. zum Eigentümer der extrem linksgerichteten
Washington Post, die später so eifrig den Verräter Alger Hiss verteidigte.
Solche Machtpositionen standen auf dem Spiele; es war daher nicht
verwunderlich, daß die Aldrich-Gruppe tausend Meilen weit in verschlos-
senem Eisenbahnwagen nach Jekyl Island reiste, um ihre Planung ‚zur
Machtübernahme im Lande auszuarbeiten. Die Niederschrift des Plans
war freilich nur der erste Schritt.
Zur ersten ernsten Auseinandersetzung während der Arbeit auf Jekyl
Island kam es, als Senator Nelson Aldrich erklärte, daß er die von War-
burg vorgeschlagene Bezeichnung: Federal-Reserve-System nicht im Zu-
sammenhang mit dem Gesetz dulden könne. Sein Name sei der Öffent-
lichkeit im Zusammenhang mit der geplanten Finanzreform bereits so ge-
läufig, daß es Verdacht errege, wenn ein Gesetz dem Kongreß vorgelegt
würde, das nicht seinen Namen trüge. Warburg wandte vergeblich dage-
gen ein, der Name Aldrich sorge dafür, daß das Gesetz von vornherein als
Interessenvertretung der Wall Street verurteilt werde, denn Aldrich sei
17
allgemein bekannt wegen seiner Zollgesetze zu Gunsten der Tabak- und
Gummikonzerne. Doch Aldrich hatte es sich in den Kopf gesetzt, daß das
neue Gesetz seinen Namen tragen müßte, und ließ keine Einwendungen
gelten.
Die meisten Vorschläge Warburgs waren schon in das Gesetz hineinge-
arbeitet worden, und so sahen seine Mitarbeiter in dieser Meinungsver-
schiedenheit eine Gelegenheit, ihn wenigstens in diesem Punkte zu schla-
gen und ließen Warburg in seiner Opposition gegen Aldrich allein. Ob-
wohl Warburg voraussah, daß allein schon Aldrichs Name die Annahme
ihrer Arbeit erschweren, wenn nicht gar unmöglich machen würde, be-
miühte er sich dennoch, gemeinsam mit den anderen, dem Gesetz den letz-
ten Schliff zu geben; und etwa zehn Tage, nachdem sie sich aus der Stadt
geschlichen hatten, kehrten sie mit einem fertigen Finanzgesetz zurück,
das dem Kongreß als der »Aldrich-Plan« vorgelegt werden sollte.
Warburg war es bestens gelungen, einen höchst wichtigen Punkt in den
Plan hineinzubringen: Allen Banken in den Vereinigten Staaten sollte vor-
geschrieben werden, einen einheitlichen Diskontsatz zu erheben. Das war
die Arbeitsweise bei den großen europäischen Zentralbanken, über die
Warburg so gut Bescheid wußte. Ein Diskontsatz, der von einer Zentral-
bank für das ganze Land festgesetzt würde, eröffnete nicht nur die Mög-
lichkeit, auf dem New Yorker Geldmarkt eine Panik auszulösen wie 1893
oder 1907, sondern auch die Möglichkeit, die Geldknappheit zu einem
allgemeinen Zustand zu machen. Tatsächlich erfolgten dann auch die
Krise in der Landwirtschaft von 1920/21 und die Weltwirtschaftskrise von
1929 bis 1931. Für beide war, wie wir sehen werden, das Federal-Reser-
ve-System direkt verantwortlich.
In seinem Memorandum, das in der offiziellen Biographie von Nelson
Aldrich zitiert wird, sagt Warburg:
»Die Angelegenheit eines einheitlichen Diskontsatzes wurde auf Jekyl
Island beraten und beschlossen. «
Obgleich dies Warburgs einziger Hinweis auf Jekyl Island war (in ei-
nem 2500 Seiten umfassenden Werk von ihm über das Federal-Reserve-
System unterläßt er es, jenes Treffen irgendwie zu erwähnen), blieben die
anderen Mitglieder des »Vornamen-Klubs« nicht so verschwiegen. Im
Jahre 1935 ging Vanderlip in der Saturday Evening Post auf Einzelheiten
der Vorgänge auf Jekyl Island ein. In der Einleitung zu seinem Bericht
sagte er:
» Trotz meiner Ansichten über den Wert größerer Publizität bei Korpo-
rations-Angelegenheiten, gab es ein Ereignis, und zwar gegen Ende des
Jahres 1910, bei dem ich mich so verschwiegen und heimlich benahm wie
ein Verschwörer. Da es für Senator Aldrichs Plan verhängnisvoll gewesen
wäre, wenn man erfahren hätte, daß er die Hilfe von Wall Street-Leuten
18
für die Ausarbeitung seines Gesetzes erbat, wurden alle Vorsichtsmaßre-
geln ergriffen, die das Herz von James Stillmann (Präsident der National
City Bank während des Spanisch-Amerikanischen Krieges) erfreut hät-
ten.«
Frank Vanderlip bestätigte ferner in seiner Autobiographie Vom Bau-
ernjungen zum Finanzmann:
»Unsere geheime Expedition nach Jekyl Island hatte den Zweck, das
festzulegen, was später als Federal-Reserve-System verwirklicht wurde.
Alle wesentlichen Punkte des Aldrich-Planes waren in dem Federal Re-
serve Act enthalten, als es angenommen wurde. «
In einem Vorwort zu einigen Abhandlungen Warburgs, in denen er eine
Zentralbank befürwortete, sagte Prof. E.R. A. Seligman, einer aus der
Gruppe der internationalen Bankiers und Vorsitzender der volkswirt-
schaftlichen Abteilung der Columbia-Universität:
»Das Federal-Reserve-Act (Bundesbankgesetz) ist in der Hauptsache
das Werk von Mr. Warburg. «
Die Tatsachen bestätigen die Aussage von Mr. Seligman.
2. Kapitel
SENATOR ALDRICH
Gleich nach der Rückkehr von Jekyl Island begannen die Finanzleute
einen Propaganda-Feldzug im ganzen Lande, um dem Volke den »Al-
drich-Plan« schmackhaft zu machen. Alle nationalen Banken mußten zu
einem Bestechungsfonds von 5 Millionen Dollar beisteuern; die großen
Universitäten wurden die Bollwerke der Propaganda, unterstützt von den
Universitäts-Rektoren und den Professoren der Volkswirtschaft.
Woodrow Wilson, der Rektor der Princeton-Universität, war der pro-
minenteste Erzieher, der sich für den Aldrich Plan einsetzte: ein Verhal-
ten, das ihm sofort den Gouverneurssitz von New Jersey einbrachte.
Während der Krise von 1907 hatte Wilson erklärt:
»Das ganze Mißgeschick hätte vermieden werden können, wenn wir ein
Komitee von sechs oder sieben Männern mit der nationalen Gesinnung ei-
nes J. P. Morgan ernannt hätten, um die Angelegenheiten des Landes in
die Hand zu nehmen.« .
Dieses Eintreten für eine finanzielle Diktatur verschaffte ihm die Gunst
der Bankiers, und er wurde zusammen mit James Stillman, dem damaligen
Präsidenten der National City Bank, von Frank Vanderlip zum Essen ein-
geladen. Stillman bemerkte nachher Vanderlip gegenüber, daß Woodrow
Wilson kein bedeutender Mann wäre. Trotzdem wurde er mit Unterstüt-
19
zung der National City Bank zum Präsidenten der Vereinigten Staaten
gemacht, nachdem er versprochen hatte, dem Federal-Reserve-Act Geset-
zeskraft zu geben.
Viele Gelder des Propaganda-Feldzuges der Bankiers wurden unter
dem Schutz einer Organisation gespendet, die sich National Citizens Lea-
gue (Nationale Bürger-Vereinigung) nannte, die jedoch keineswegs na-
tional war und richtiger eine Vereinigung von Volkswirtschaftlern hätte
genannt werden müssen, da ihr hauptsächlich Dozenten angehörten, die
vorwärts kommen wollten. An ihrer Spitze stand J. Laurence Laughlin,
der prominenteste Volkswirtschaftler und Leiter der Volkswirtschaftli-
chen Fakultät an der Rockefeller-Universität von Chikago. Diese Liga
ließ viele schwer verständliche Broschüren mit technischen Ausdrücken
drucken und verteilen, in denen sie die Notwendigkeit einer Zentralbank
und anderer Finanzreformen behauptete.
Der Aldrich-Plan wurde dem Kongreß als das Ergebnis eines mit einem
Kostenaufwand von über 300000 Dollar erfolgten dreijährigen Studiums
während der Europareise der National Monetary Commission vorgelegt.
In Wirklichkeit hatten nur zwei Mitglieder der Kommission etwas mit
dem Plan zu tun: Senator Aldrich und A. Piatt Andrew. Die anderen ge-
nossen eine zweijährige Vergnügungsreise durch Europa und unterzeich-
neten willig alles, was Aldrich von ihnen forderte.
1911 wurde der Aldrich-Plan ins offizielle Parteiprogramm der Repu-
blikanischen Partei aufgenommen. Dies war ein Fall, bei dem der Besen
die Hexe reitet, denn die Republikanische Partei hatte stets seit dem Bür-
gerkrieg alle Versuche erbittert bekämpft, die eine Geldreform betrafen,
und zwar bis zum Jahre 1910, und sie hatte die bis dahin größte Summe für
eine Präsidentenwahl bei der Wahlschlacht gegen William Jennings Bryan
im Jahre 1896 ausgegeben. Bryan veranstaltete einen Propagandafeldzug
für eine Währungsreform und erzielte eine derartige Wirkung, daß inter-
nationale Bankiers hier und in Europa Geld in einen republikanischen
Fonds fließen ließen und damit Millionen von Stimmen erkauften. Der
Betrag, welcher bei diesem Wahlfeldzug ausgegeben wurde, ist niemals
annähernd genau festgestellt worden, doch spätere Nachforschungen des
Kongresses nannten Zahlen von sechs bis achtzehn Millionen Dollar. Die-
selben Bankiers, welche einst Geld gaben, um die Währungsreform von
1896 zu bekämpfen, gaben 1911 großzügige Spenden, um das Reformge-
setz zur Annahme zu bringen.
Die Republikanische Partei galt in Geldangelegenheiten allgemein als
die Vertreterin der Konservativen, und ihre plötzliche Wendung erregte
einigen Verdacht. Das Eintreten für eine Währungsreform war bisher das
Reservat der Demokratischen Partei gewesen. William Jennings Bryan
hatte die Präsidentschaft fast nur auf Grund eines Programms erreicht, das
20
eine Gold- und Silberwährung propagierte, obgleich er gegenüber dem
Volkswirtschaftler Arthur Kitson bemerkte, »Frei-Silber ist nur Fenster-
Schmuck. In Wirklichkeit kommt es nur auf die Kontrolle des Geldes und
des Kreditwesens der Nation an.« Als er seine berühmte Rede vom »Gol-
denen Kreuz« hielt, worin er den New Yorker Bankiers anbefahl, die
amerikanischen Bürger nicht an ein goldenes Kreuz zu schlagen, hörten
sie nicht auf ihn.
1911 gab es noch viele unabhängige, volksfreundliche Zeitungen, deren
Herausgeber nicht von den Bankiers bezahlt wurden. Diese Verleger er-
kannten in dem Aldrich-Plan die versteckte Gefahr für ihre Gremien und
starteten einen heftigen, wirkungsvollen Kampf gegen ihn. Sie wiesen dar-
auf hin, wie Paul Warburg es vorausgesehen hatte, daß Senator Nelson
Aldrich weder die Allgemeinheit noch irgendeinen vertrat, der weniger als
eine Million Dollar besaß, wofür es viele Beweise gab. Infolgedessen ent-
stand eine über das ganze Land verbreitete Opposition gegen den Al-
drich-Plan. Andererseits schuf das Geschrei gegen ihn eine günstige At-
mosphäre, eben diesem Plan unter der Patenschaft Woodrow Wilsons und
der Demokratischen Partei als Federal-Reserve-Act von 1913 Gesetzes-
kraft zu verleihen.
Louis Brandeis führte den Kampf in Harper’s Weekly mit einer Serie
von Artikeln über den »Großen Geld-Konzern«. Die publizistische Pe-
riode, welche als die des »Ausmistens« bekannt ist, war in vollem Gange.
Ida Tarbell enthüllte im American Magazine in mehreren Abhandlungen
die ungesetzlichen Tätigkeiten von Senator Aldrich, veröffentlichte eine
genaue Geschichte über Rockefellers Standard Oil und wies nach, daß
Rockefellers gigantische Expansion ohne die Gelder, die ihm von der Na-
tional City Bank und Kuhn, Loeb Co. vorgestreckt wurden, nicht mög-
lich gewesen wäre. Anschaulich beschrieb Miss Tarbel auch die Armut, in
der die Arbeiter der Fabriken von Aldrich lebten, während er in Sicht ihrer
Elendsquartiere Orchideen in Gewächshäusern züchtete. Aldrich hatte
sich die Zustimmung des Senats zur Bildung der großen Trusts am Ende
des 19. Jahrhunderts gesichert, er war auch selbst an zwei der größten
Konzerne beteiligt, dem Tabaktrust mit Duke an der Spitze und dem
Gummi-Trust, der von Rockefeller und Guggenheim geführt wurde. Die
technische Handhabung dieser großen Zusammenschlüsse wurde von ei-
nem glänzenden jungen Finanziers, mit Namen Bernard Baruch, organi-
siert, der sich gerade erst auf der Wall-Street hervorgetan hatte.
In Harper’s Weekly vom 7. Mai 1910 heißt es in einem Leitartikel:
»Das Gebiet der Finanzen und Zölle untersteht Nelson Aldrich. Es unter-
steht seiner alleinigen Überwachung und Gesetzgebung. Herr Aldrich
bemüht sich mit Hilfe der National Monetary Commission, ein Bank-
und Währungsgesetz durchzusetzen. Viele Hunderttausende sind fest da-
21
von überzeugt, daß Herr Aldrich in seiner Person die größte und ernsteste
Gefahr für das Wohl des Volkes der Vereinigten Staaten vereinigt. Ernst
Newman sagte kürzlich: »Was der Süden den Negern in politischer Hin-
sicht auferlegt, würde Aldrich dem Norden zumessen, wenn er einen siche-
ren und praktischen Weg dazu wüßte!«
Der Aldrich-Plan war ein sicherer und praktischer Weg, die Wünsche
Aldrichs und seiner Gruppe zu erfüllen, ebenso das Federal-Reserve-Gel-
setz. Die Organisatoren der Trusts hatten den größten Teil ihres Aufbau-
werkes in den vorangegangenen zwanzig Jahren vollendet, es ging jetzt
darum, die Gewinne zu sichern. Das konnte nur durch die Kontrolle von
Geld und Kredit geschehen. Denn der Besitz der Trusts könnte nicht er-
halten werden, wenn einer mit noch mehr Geld käme, um sie aufzukau-
fen. Gummi, Stahl, Schwerindustrie, Eisenbahnen und Zeitungswesen
waren sicher in den Händen einiger Familien-Dynastien, wie Ferdinand
Lundberg in seinem maßgebenden Werk »Amerikas sechzig Familien«
nachweist. Die Guggenheims, Seligmans, Schiffs, Warburgs, Baruchs,
Lehmans und ihre Satelliten kontrollierten das Bankwesen und die Poli-
tik. Die Macht dieser Trusts konnte nur auf zweierlei Weise angegriffen
werden: durch unkontrollierbares Geld und durch unkontrollierbare
Volksbewegungen, die im Kongreß eine Mehrheit gewinnen und die Oli-
garchie zwingen könnten abzutreten. So fiel die Geldreformbewegung
zeitlich mit der großen Reformbestrebung der Geldleute zusammen, je-
den Protest des Volkes gegen internationale Elemente zu schwächen und
zu unterdrücken. Wie das geschah, dazu gibt Theodore Roosevelt ein aus-
gezeichnetes Beispiel: 1904 erhielt er Wahlgelder in Höhe von 500000
Dollar von Schiff und Morgan, damit er ihren Interessen diene, während
er landauf und landab zog und hinausposaunte, was er angeblich gegen die
Trusts zu tun gedenke. Die Trusts überlebten seine Amtszeit.
Shermans Anti-Trust-Gesetz und Claytons Anti-Trust-Gesetz wurden
von der Oligarchie für die Oligarchie geschrieben, um zu verhindern, daß
jemand in den Kreis eindringen könnte, nachdem man alles aufgebaut hat-
te. Das Ziel dieser »Anti-Trust«-Gesetze war, die großen Konzerne vor
der Einmischung des Volkes zu bewahren. Thurman Arnold schrieb in
The Folklore of Capitalism:
»Die Anti-Trust-Gesetze waren die größte Ermutigung, große Trusts zu
bilden. «
Nur der gigantischen Anhäufung gleicher Interessen in den großen
Konzernen gelang es, das Gestrüpp der Gesetze zu überleben, das durch
die Gesetzgebung der Regierung geschaffen worden war. Kleine Unter-
nehmen, die nicht in der Lage waren, sich einen großen juristischen Stab
zu leisten, sahen sich genötigt, an die Trusts zu verkaufen. Ein neuer Be-
ruf, der eines Trust-Anwalts entwickelte sich, dessen Aufgabe es war,
22
Wege und Gesetze zu ersinnen, um die Regierung den Trusts gegenüber
machtlos zu machen. Der Oberstaatsanwalt konnte einen Prozeß gegen
einen Konzern anstrengen, um ein Komplott wegen Handelsbeschrän-
kung aufzulösen; doch zu der Zeit, da er eine gerichtliche Verfügung er-
reicht hatte, und das Gericht sich einschalten sollte, hatten die Anwälte
der Konzerne eine neue, unanfechtbare Organisation ausgearbeitet. Dazu
kam, daß die Auflösung eines Konzerns und seine anschließende Umbil-
dung gewöhnlich ein sehr gewinnbringendes Geschäft für die Unterneh-
mer war. Solch eine Neuordnung bedeutet, daß die Aktien des alten Kon-
zerns auf der Wall Street manipuliert werden konnten, solange der ge-
richtliche Eingriff noch in der Schwebe war, und daß die Bildung einer
neuen Gesellschaft eine große Emission neuer Aktien erlaubte. Dadurch
bedeutete das Netto-Ergebnis eines juristischen Vorgehens gegen einen
Konzern oft den Gewinn von weiteren Millionen Dollar für die Trusts,
die anzugreifen die Regierung vorgab.
Die Ära der Trusts als dynamische politische Macht begann 1890, als
New Jersey den Gesellschaften durch ein Gesetz erlaubte, Dachgesell-
schaften zu bilden und Aktien anderer Gesellschaften zu besitzen. Das
führte zu dem Mißstand einer ineinandergreifenden Geschäftsführung,
was wenigen Männern gestattete, eine unmittelbare Kontrolle in vielen
Gesellschaften auszuüben, von denen einige sogar als Konkurrenten gal-
ten.
Die possenhafte Erscheinung der »Reform-Präsidenten« zeigt der Ruf
des ersten von ihnen, Theodore Roosevelt, der den Beinamen »trust-bu-
ster« (Trust-Zertrümmerer) erhielt. Sein Freund und Finanzberater Co-
lonel Ely Garrison bemerkte in seinen Memoiren:
»Die WallStreethattebeider Wahl Theodore Roosevelts keinen Grund, ın
Aufregung zu verfallen; jeder ernsthafte Geschichtsstudent weiß, daß die
Nachforschungen des Justiz-Ministeriums beiden Northern Securitiesund
Standard Oil (beides Unternehmen von Kuhn, Loeb Co.) vor Roosevelts
Wahl begonnen und gegen seinen Willen weitergeführt wurden. «
Außerdem haßte Theodore Roosevelt jene Schriftsteller, die ernsthafte
Untersuchungen über die Tätigkeiten der Trusts anstellten, wie Upton
Sinclair, Ida Tarbell und Frank Norris. Sein Privatsekretär William Loeb
Jr. prägte für sie den Namen »muck-raker« (Mist-Harker).
Obwohl die Reform-Bewegung durch Bestechung grundsätzlich lahm-
gelegt und korrumpiert war, fand sie doch ehrliche Verfechter im Kong-
reß. Ihre Führer waren Senator La Follette aus Wisconsin und Kongreß-
mitglied Charles Augustus Lindbergh aus Minnesota. Beide Männer grif-
fen den Aldrich-Plan als einen Wall Street-Plan an, und durch ihre kraft-
vollen Reden lenkten sie die Aufmerksamkeit des Volkes auf die Machen-
schaften des Geld-Trusts. Ihre Anklagen führten schließlich zu den An-
23
hörungen des Psjo Committee: einer Überprüfung der New Yorker Ban-
kiers durch Gilbert und Sullivan, an der weder Lindbergh noch LaFollette
teilnahmen, da sie nicht geladen wurden.
Jacob Schiff, der Senior-Partner von Kuhn, Loeb Co., sagte in einer
Rede vor der New Yorker Handelskammer kurz vor der Geldkrise von
1907:
»Wenn wir keine Zentralbank mit der nötigen Kontrollbefugnis der Kre-
dit-Quellen haben, wird dieses Land der schwersten und weitestreichen-
den Geldkrise in seiner Geschichte zusteuern!«
Diese eindringliche Drohung des Bankiers wurde bald Wirklichkeit.
Die Krise von 1907, die sich in einem guten Erntejahr ereignete und zu ei-
ner Zeit, da die Industrie sehr produktiv war und das Land sich eines all-
gemeinen Wohlstandes erfreute, erregte die Entrüstung der Allgemeinheit
und zwang den Kongreß, etwas Entscheidendes gegen eine Wiederholung
zu unternehmen; das geschah durch das Aldrich-Vreeland Gesetz von
1908. Es sah die Ausgabe von Banknoten gegen Sicherheiten im Falle einer
späteren Geldkrise vor. Diese Vorsorge trat erst in den letzten Monaten
seines Bestehens zu Beginn des Jahres 1914 ein, als die plötzliche Zurück-
nahme des europäischen Goldes aus Amerika als Folge des Ersten Welt-
krieges eine vorübergehende Geldknappheit verursachte. Obwohl das
Federal-Reserve-Gesetz bereits erlassen war, war es noch nicht in Kraft,
und so wurde das Aldrich-Vreeland-Gesetz als Grundlage für die Ausgabe
von 400 Millionen Dollar benutzt, um eine Anleihe der Bank von England
bei der Firma J. P. Morgan Co. abzudecken.
Der eigentliche Zweck des Aldrich-Vreeland-Gesetzes war die Schaf-
fung einer nationalen Währungs-Kommission. Demzufolge mußte jedes
geplante Währungsgesetz, das dem Kongreß vorgelegt wurde, dieser
Kommission zugeleitet werden, wodurch die öffentliche Entrüstung
daran gehindert werden konnte, in irgendeiner konstruktiven Form ein-
zugreifen. Zwei Jahre später hat dann diese Kommission unter der Lei-
tung von Senator Nelson Aldrich den Federal Reserve-Plan von Paul
Warburg unter dem Namen Aldrich-Plan befürwortet.
Am 2. März 1911 übernahm die New Yorker Handelskammer offiziell
den Vorschlag ihres von Paul Warburg geleiteten Währungs- Ausschusses,
eine Central-Reserve-Bank (eine Zentralbank) zu bilden. Der Vorschlag
unterschied sich vom Aldrich-Plan nur hinsichtlich der Verteilung der Re-
serven. Er trat offen für eine Zentralisation der Reserven in New York ein
und wurde sofort als der amtliche Wall Street- Plan gebrandmarkt, um von
den Sympathien abzulenken, die die Wall Street dem Aldrich-Plan entge-
genbrachte.
Der Feldzug für den Aldrich-Plan war aufrichtig, da Aldrich und seine
Anhänger in der Republikanischen Partei ehrlich glaubten, daß sie mit
24
ihm die Wahl gewinnen und ihn dann zum Gesetz erheben könnten.
Höchstwahrscheinlich hätten sie dies auch erreicht, hätte ein weniger be-
kannter Mann als Nelson Aldrich an ihrer Spitze gestanden. Das Federal
Reserve Gesetz, das zum offiziellen Parteiprogramm Woodrow Wilsons
und der Demokratischen Partei im Jahre 1912 gehörte, glich in allen we-
sentlichen Punkten dem Plan für eine Zentral-Bank im Sinne der New
Yorker Bankiers. Man konnte sich so oder so entscheiden; die Bankiers
waren die Gewinner und würden ihre Zentralbank bekommen.
Die Propagandisten für den Aldrich-Plan führten ihren Kampf ohne
Rücksicht auf die Opposition weiter, wie aus einer Zeugenaussage ersicht-
lich ist, die Andrew Frame, ein Mitglied des Exekutiv-Kommitees der
Amerikanischen Bankier-Vereinigung, 1913 vor dem Bank- und Wäh-
rungs-Ausschuß desRepräsentantenhausesmachte. Andrew Frame vertrat
eine Gruppe der westlichen Bankiers, die verhältnismäßig frei von der
Herrschaft des New Yorker Geldmarktes war und traditionsgemäß der
Opposition in der Bankier-Vereinigung angehörte:
Vorsitzender Carter Glass: »Warum opponierten die westlichen Ban-
kiers nicht, als die Amerikanische-Bankier-Vereinigung uneingeschränkt
und einmütig, so wurde uns versichert, dem Entwurf zustimmte, der ihr
von der Nationalen Währungs-Kommission vorgelegt wurde?«
Andrew Frame: »Ich begrüße es, daß Sie danach fragen. Der Entwurf
für ein Währungsgesetz wurde uns nur wenige Tage vor der Zusammen-
kunft der Bankier-Vereinigung in New Orleans 1911 bekannt gemacht.
Unter hundert Bankiers gab es nicht einen, der den Entwurf gelesen hatte.
Wir hatten 12 Zuschriften zu seinen Gunsten erhalten. General Hamby
aus Austin, Texas, schrieb an Präsident Watts einen Brief, indem er um eın
Hearing gegen den Entwurf bat. Er erhielt keine sehr höfliche Antwort.
Ich weigerte mich, für ihn zu stimmen, und sehr viele Bankiers taten das-
selbe«.
Mr. Bulkley: »Meinen Sie damit, daß sich kein opponierendes Mitglied
der Vereinigung Gehör verschaffen konnte?«
Andrew Frame: »Sie würgten alle Argumente ab.«
Mr. Kindred: »Aber es wurde berichtet, daß die Entscheidung praktisch
einstimmig gefallen sei.«
Andrew Frame: » Das Gesetz war schon von Senator Aldrich vorbereitet
und im Mai 1911 dem Exekutiv-Rat der Bankier-Vereinigung vorgelegt
worden. Als Mitglied dieses Rats erhielt ich einen Tag vor der Verhand-
lung eine Abschrift. Als der Entwurf in New Orleans zur Sprache kam,
hatten die Bankiers der Vereinigten Staaten ihn nicht gelesen. «
Mr. Kindred: »Schloß der Vorsitzende einfach jeden aus, der das Gesetz
abfällig besprechen wollte?«
Andrew Frame: »Sie ließen keinen zu Wort kommen, der den Entwurf
nicht billigte.« 35
Vorsitzender Glass: » Was hat es zu bedeuten, daß die Bankier-Vereini-
gung beim nächsten Treffen in Detroit 1912 ihre Zustimmung zum Plan
der Nationalen Währungs-Kommission, bekannt als Aldrich-Plan, wie-
derholte?«
Andrew Frame: »Sie tat es nicht, weil die Anhänger des Aldrich-Planes
ihn nicht zur Sprache brachten, da sie die ablehnende Haltung der Ban-
kier-Vereinigung kannten. Wir waren für sie erledigt.«
Andrew Frame war ein ehrlicher amerikanischer Bankier ohne interna-
tionale Verbindungen. Da Carter Glass sich um New Yorker Geld be-
mühte, um seine Lynchburg Steel Co. zu finanzieren, beachtete er kaum
die Aussagen des Bankiers. Stattdessen holte er einen der zehn mächtig-
sten Bankiers in Amerika vor den Ausschuß, der obendrein am wenigsten
bekannt war: Georg Blumenthal, den Teilhaber des internationalen
Bankhauses Lazard Freres und Schwager von Eugene Meyer, Jr.
Glass begrüßte Blumenthal überschwenglich und sagte:
»Senator O’Gorman war so freundlich, Sie uns vorzuschlagen. «
O’Gorman spielte ein Jahr später insofern eine Rolle, als er einen Se-
natsausschuß daran hinderte, seinem Auftraggeber Paul Warburg einige
verfängliche Fragen zu stellen, bevor er diesen zum ersten Gouverneur des
Federal-Reserve-Board ernannte.
Georg Blumenthal erklärte: »Seit 1893 (dem Jahr der großen von Schiff
hervorgerufenen Krise) ist meine Firma Lazard Freres führend im Import
und Export von Gold und kam daher mit jedem in Berührung, der etwas
damit zu tun hatte.«
Das Kongreßmitglied Taylor fragte ihn: »Haben Sie eine Aufstellung
darüber, welche Rolle Sie bei der Einfuhr von Gold in die Vereinigten
Staaten spielten?« Taylor fragte dies, weil die Panik von 1893 bei den
Volkswirtschaftlern als das klassische Beispiel für eine Geldpanik gilt, die
durch Goldbewegungen verursacht wurde.
»Nein«, erwiderte Blumenthal, »/ch habe nichts darüber, weil es mit
der eigentlichen Frage nichts zu tun hat.«
Blumenthal hatte recht. Die Frage war die, ob der Kongreß das ameri-
kanische Volk vollständig den internationalen Bankiers ausliefern konnte.
Es bedeutete Zeitverschwendung, die vergangenen Verbrechen der Ban-
kiers zu diskutieren. Sie brauchten das Zentralbank-Gesetz, um sich die
Unterstützung und Förderung ihrer ungesetzlichen Pläne durch die Re-
gierung zu sichern, was hernach dann auch geschah.
Marriner Eccles, Vorsitzender des Federal-Reserve-Board während der
Amtszeit von Roosevelt (1933-45), veröffentlichte kürzlich seine Selbst-
biographie unter dem Titel: Beckoning Frontiers (Schwindende Grenzen).
Der begeisternde Titel wird durch den Inhalt völlig widerlegt, da Eccles
dafür eintritt, Grenzen zu schließen und der individuellen Entfaltung alle
26
Möglichkeiten zu nehmen. Wie sein mürrischer Diktator F. D. Roosevelt,
haßte Marriner Eccles die Freiheit, und langatmig legt er in seinem Buch
seine Lieblingstheorie dar, die Theorie der kompensativen Wirtschaft.
Die kompensative Wirtschaft sorgt dafür, wenn Bankiers und Speku-
lanten das Volk ausgeplündert und in die Knie gezwungen haben, daß die
Regierung einschreitet, um dem Volk wieder auf die Beine zu helfen, da-
mit es von neuem ausgeplündert werden kann. Das ist die Aufgabe solcher
Einrichtungen, wie der Securities Exchange Commission, der Reconstruc-
tion Finance Corporation und vieler anderer. Diese Theorie der kompen-
sativen Wirtschaft untergräbt alle Moral im öffentlichen Leben und ist
mitverantwortlich für die Bestechlichkeit der Beamten in Washington.
Auch die Vorliebe der internationalen Bankiers, unwissende Provinzler in
Schlüsselpositionen zu setzen, ist keine bloße Laune und vielleicht einer
der Gründe für die unaufhörliche Anpreisung der Demokratie. Es paßt
den Internationalen, daß die öffentlichen Beamten unwissend sind und
unter der Maske der Demokraten wirksam überwacht werden.
In den zwanziger Jahren waren das Federal-Reserve-System und die
Vorsitzenden des Federal-Reserve-Board nichts weiter als einflußreiche
Verkäufer von Anleihen für Firmen, wie]. & W. Seligman Co. und Kuhn,
Loeb Co. in New York. Unter der fähigen Führung von Albert Strauss,
der 1919 mit Baruch in Paris weilte, Teilhaber von J. & W. Seligman war
und dem Board in den zwanziger Jahren angehörte, gelang es den New
Yorker Bankiers mit Hilfe des Systems die ganzen zwanziger Jahre hin-
durch die Politik des billigen Geldes zu verfolgen und dadurch die be-
kannten ausländischen Schuldverschreibungen unterzubringen. Während
dieser Jahre übte das System in keiner Weise die ihm übertragene verant-
wortungsvolle Pflicht aus, die Käufer vor Anleihen zu warnen, die nur
zum geringen Teil oder gar nicht gedeckt waren.
Edward B. Vreeland, Eigentümer der New Yorker Untergrundbahn
und Mitverfasser des Aldrich-Vreeland-Gesetzes von 1908 schrieb am 25.
August 1910 im Independent (im Besitz von Aldrich), daß
»die Monopole unter dem vorgeschlagenen Währungsplan von Senator
Aldrich verschwinden werden, da sie nicht mehr als 4 Io Gewinn erzielen
und bei einer solch geringen Rate nicht weiterbestehen könnten. Damit
würde auch die Regierung aus dem Bankgeschäft verschwinden. «
Es ist nicht klar, was Mr. Vreeland damit sagen wollte, daß die Regie-
rung aus dem Bankgeschäft aussteigen würde, es sei denn, er meinte, in
Zukunft müßte die Regierung Zinsen auf ihren eigenen Kredit zahlen oder
den Kredit der Regierung auf Privatpersonen übertragen, die ihn dann
zum eigenen Profit nutzen würden, was der klassischen Tradition der
Zentralbanken entspräche.
Das 1914 in das Federal-Reserve-System eingezahlte Grundkapital von
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einhundertfünfundvierzig Millionen Dollar war fünfunddreißig Jahre
später mehr als fünfundvierzig Milliarden Dollar wert. Zeit und Mühe
hatten sich entschieden gelohnt, die Regierung aus dem Bankgeschäft hin-
auszudrängen.
Das Nation Magazine vom 19. Januar 1911 bemerkte:
»Der Name Zentral-Bank wird sorgfältig vermieden; aber die Federal
Reserve Association das ist der Name, der der vorgeschlagenen Organi-
sation gegeben wurde -ist mit allder Macht und den Verantwortlichkeiten
einer europäischen Zentralbank ausgestattet. «
Nach der Rückkehr der National Monetary Commission aus Europa
fand zwei Jahre lang weder eine offizielle Sitzung statt, noch gab man Ein-
zelheiten über den Verfasser des Aldrich-Planes bekannt. Und da keine
Sitzung stattgefunden hatte, konnten die Mitglieder schwerlich den Plan
als ihr eigenes Werk ausgeben. Das einzig greifbare Ergebnis der teuren
Europa-Reise der Kommission war eine mitgebrachte Bibliothek von 30
dicken Werken über europäisches Bankwesen; keines befaßte sich jedoch
mit den Geldproblemen der Vereinigten Staaten. Typisch für diese Werke
war die rund tausend Seiten umfassende Geschichte der Reichsbank, jener
Zentralbank, die das Geld- und Kreditwesen in Deutschland kontrollierte
und deren Hauptaktionär Paul Warburgs Stammhaus M. M. Warburg Co.
war. Die Berichte der Kommission erweisen, daß sie tatsächlich nur als
beratschlagende Körperschaft tätig war. Senator Cummins brachte im
Kongreß eine Entschließung durch, die von der Kommission einen Be-
richt und den Nachweis eines konstruktiven Ergebnisses ihrer dreijähri-
gen Arbeit bis zum 8. Januar 1912 verlangte. Angesichts dieser Heraus-
forderung löste sich die National Monetary Commission auf.
Der Aldrich-Plan stieß auf kräftigen Widerspruch bei Schriftstellern
wie Wilbur L. Stonex, der in der North American Review vom September
1911 schrieb:
»Senator Aldrich beabsichtigt, die absolute Kontrolle über die öffentli-
chen Gelder dem Volke zu nehmen und sie den Bankiers zu übergeben. Es
liegt klar auf der Hand, daß in einem solchen Gremium der Bankiers das
Volk oder seine Repräsentanten keine Aussicht haben, ihre Wünsche wirk-
sam zu vertreten, wenn sie mit den Bankinteressen in Widerstreit stehen. «
Es ist bezeichnend, daß die North American Review, wie viele andere
Zeitschriften, die die Ziele und Absichten der internationalen Bankiers
kritisierten, von der amerikanischen Bühne verschwunden sind, während
andere, wie die Nation, ihre Haltung zugunsten der internationalen Ban-
kiers ändern mußten, nachdem Maurice Wertheim von Hallgarten Co. sie
aufgekauft und dadurch unter Kontrolle gebracht harte.
Die Geschichte des Federal Reserve Board seit 1914 zeigt, daß niemals
eine Möglichkeit bestand, durch die der Bürger seine Interessen wahren
28
konnte, falls der Board sich für einen Wechsel in seiner Geld- und Börsen-
politik entschied. Carter Glass bekämpfte alle Bemühungen, die Mitglied-
schaft von Bankiers im Aufsichtsrat auszuschließen oder zu begrenzen, er
wurde in seinem Vorgehen durch Cordell Hull und andere mächtige Kon-
greßmitglieder des Jahres 1913 unterstützt. Glass wies darauf hin, wenn,
wie angestrebt, die Zahl der Bankiers im Vorstand durch ein Gesetz be-
schränkt würde, wir die Aufsicht über unsere Banken Handwerkern und
Landarbeitern übertragen würden. Glass’ Entsetzen bei diesem Gedanken
ist etwas seltsam, da eine große Zahl von Handwerkern und Landarbei-
tern dreißig Jahre lang dafür gestimmt hatte, ihn in den Kongreß zu sen-
den. Handwerker in ihren Vereinigungen und Landarbeiter in ihren Ge-
nossenschaften haben ebenso gute Arbeit geleistet, um ihren Kredit auf-
rechtzuerhalten, wie die meisten amerikanischen Bankiers.
Das Kongreßmitglied Charles A. Lindbergh aus Minnesota war, wie
bereits erwähnt, einer der kraftvollsten Redner gegen den Aldrich-Plan.
Am 15. Dezember 1911 sagte er im Repräsentanten-Haus:
»Der Aldrich-Plan ist ein Plan der Wall Street. Er ist eine klare Heraus-
forderung der Regierung durch einen Verfechter des Geld-Trustes. Durch
ihn wird wieder eine Panik hervorgerufen, um das Volk einzuschüchtern.
Aldrich, der von der Regierung bezahlt wird, um das Volk zu vertreten,
schlägt stattdessen einen Plan zugunsten der Trusts vor. Durch einen sehr
klugen Schachzug ist die National Monetary Commission geschaffen
worden. 1907 hatte dieses Land die reichste Ernte, die es je dort gegeben
hatte. Die Industriebetriebe waren voll beschäftigt. Alle Bedingungen für
ein gutes Jahr waren gegeben. Stattdessen fügte uns eine Krise enorme Ver-
luste zu. Wall Street wußte, daß das amerikanische Volk einen Schutz ge-
gen die Wiederholung dieses lächerlichen, unnatürlichen Zustandes ver-
langte. Die meisten Senatoren und Repräsentanten gingen in die von der
Wall Street aufgestellte Falle und nahmen das Aldrich-Vreeland-Gesetz
als ein Währungs-Notgesetz an. Aber dessen eigentlicher Zweck war, eine
Finanzkommission zu schaffen, die unsere Währung und unsere Bankge-
setze zum Vorteil des Geld-Trusts ändern sollte. Die Interessenten sind
nun überall am Werke, den Aldrich-Plan dem Volke schmackhaft zu ma-
chen. Man sagt, daß eine große Summe Geldes zu diesem Zweck aufge-
bracht wurde. Die Spekulationen der Wall Street führten die Krise von
1907 herbei. Die Gelder der Sparer wurden an Spekulanten und jeden aus-
geliehen, den der Geld-Trust begünstigen wollte. Als dann die Sparer ihr
Geld brauchten, hatten es die Banken nicht. Das verursachte die Panik.«
29
3. Kapitel
SAMUEL UNTERMYER
Die Reden und Schriften des Senators La Follette und des Kongrefßßmit-
gliedes Lindbergh bildeten die Grundlage für den Widerstand gegen den
Aldrich-Plan im Jahre 1912. Sie hatten auch das allgemeine Mißbehagen
gegen die Macht des Geld-Trusts erregt, sodaß der Kongreß genötigt war,
Schritte gegen ihn zu unternehmen. Kongreßmitglied Lindbergh sagte:
»Die Regierung geht gerichtlich gegen verschiedene Trusts vor, aber den
Geld-Trust unterstützt sie. Ich habe mehrere Jahre geduldig auf eine Ge-
legenheit gewartet, um die unredlichen Zustände auf dem Wäahrungsge-
biet zu enthüllen und nachzuweisen, daß die Regierung dem Geldtrust ge-
genüber die größte Günstlingswirtschaft betreibt. «
Senator La Follette griff die Regierung in einer Rede an und bemängelte,
daß ein Geld-Trust von 50 Männern die Kontrolle über die ganze Nation
ausübe. Auf drängende Fragen von Reportern über die Wahrheit dieser
sensationellen Anschuldigung antwortete George FF. Baker, Teilhaber von
J. P. Morgan, daß das ein völliger Irrtum wäre. Er persönlich wüßte, daß
nicht mehr als 8 Männer dieses Land regierten.
Die Zeitschrift Nation erwiderte Senator La Follette in einem Leitarti-
kel:
»Wenn es einen Geld-Trust gibt, ist es nicht angebracht, von seinem
Einfluß im guten wie im schlechten Sinne zu sprechen. «
Die Herausgeber der Nation hatten offenbar nie etwas von einer Panik
im Jahre 1907 gehört. Gewiß ist jedenfalls, daß es nicht vorteilhaft war,
von der Macht des Geld-Trusts zu sprechen. Denn in seinen Memoiren
bemerkte Senator La Follette, ihn hätte diese Bemerkung die Präsident-
schaft der Vereinigten Staaten gekostet, während Woodrow Wilsons Rede
zugunsten des Aldrich-Planes diesem sofort die Kandidatur für dieses
Amt einbrachte.
Ungeachtet der wohlmeinenden Stellungnahme der Nation, schien
doch eine große Zahl von Beweisen vorzuliegen, daß der Geld-Trust sei-
nen Einfluß zum Nachteil der Allgemeinheit ausübte. Er plünderte nicht
nur in kürzester Zeit die Naturschätze der Vereinigten Staaten, sondern er
scheute sich auch nicht, die ruchlosesten Verbrechermethoden in der Poli-
tik anzuwenden. Es lagen mehr als einleuchtende Beweise für den Ver-
dacht vor, daß die National City Bank das Schlachtschiff »Maine« in die
Luft gesprengt hatte, um den spanisch-amerikanischen Krieg vom Zaun
zu brechen und so die Zuckerindustrie von Cuba als Beute zu gewinnen.
Die Patenschaft von Kuhn, Loeb Co. bei Rockefeller hat Not und Elend
für Tausende von kleinen Petroleum-Produzenten im ganzen Lande ge-
30
bracht, während Beispiele für den zerstörenden Einfluß von Morgan und
anderen New Yorker Bankiers auf zahlreichen Seiten berichtet werden
könnten.
Um die Empörung des Volkes zu besänftigen, ernannte der Kongreß
einen Ausschuß, der die Geld- und Kreditkontrolle der Vereinigten Staa-
ten untersuchen sollte. Das war das bereits erwähnte Pujo Committee, das
unter der Leitung des Kongreßmitgliedes Arsene Pujo aus Louisiana die
berühmten Verhöre des »Money Trust« 1912 durchführte. Die Zeugen-
aussagen dieser Verhöre, die sich über fünf Monate hinzogen, ergaben
vier Bände von etwa 6000 Seiten. Monat für Monat fuhren die Bankiers
mit dem Zuge von New York nach Washington, machten ihre Aussage
vor dem Komitee und kehrten nach New York zurück. Die Anhörungen
waren äußerst langweilig und diejenigen, die sich aufsehenerregende
Auskünfte durch diese Überprüfungen erhofft hatten, sahen sich ge-
täuscht. Die Bankiers erklärten feierlich, daß sie Bankiers wären, die im
Interesse der Öffentlichkeit arbeiteten, und beanspruchten für sich, daß
sie beflügelt seien von den höchsten Idealen eines Dienstes für das öffentli-
che Wohl, ebenso wie die Mitglieder des Kongresses. Soweit es die Hea-
rings betraf, schien es wahr zu sein. Man stellte den Bankiers ein paar ver-
fängliche Fragen; dennoch wurde nichts herausgebracht, worüber das
Volk hätte erregt sein können. Die Zeitungen spielten die Verhöre hoch,
brachten große Schlagzeilen, aber die Zeilen darunter enthielten wenig
Aufschlußreiches.
Man kann die Art dieser Verhöre besser verstehen, wenn man sich den
Mann ansieht, der die ganze Untersuchung allein führte, Samuel Unter-
myer. Er gehörte zu denen, die am meisten zum Wahlkampffonds Woo-
drow Wilsons beisteuerten. Er war einer der wohlhabendsten Firmenan-
wälte in New York. In seiner Autobiographie in Who’s Who in American
Jewry berichtete er 1912, daß er einmal 775000 Dollar für eine einzige juri-
stische Transaktion erhielt, nämlich die Verschmelzung der Utah Copper
Company und der Boston Consolidated and Nevada Company, einer
Firma, die zu jener Zeit einen Marktwert von mehr als 100 Millionen Dol-
lar besaß. Ein Mann, der durch ein derartiges Tätigwerden fast eine Mil-
lion Dollar verdienen konnte, pflegt die reichen Leute seines eigenen
Standes nicht ernsthaft anzugreifen.
Weder Lindbergh noch La Follette, welche die Verhöre des Geld-
Trusts veranlaßt hatten, wurden um Aussage oder Hilfe bei der Untersu-
chung gebeten. Politiker, die mit solchen Verhören verbunden sind, er-
freuen sich großer Beliebtheit, und die Bankiers wollten nicht, daß einer
von ihnen vom Volke beachtet würde.
Samuel Untermyer war Sonderberater des Psjo Committee. Den Kon-
greßmitgliedern im Komitee, den Vorsitzenden Arsene Pujo eingeschlos-
31
sen, schien vom ersten Augenblick des Verhörs an bis zu ihrer Entschei-
dung der Mund gestopft gewesen zu sein. Eine Überprüfung der 6000 Sei-
ten des Protokolls zeigt, daß keiner der elf Kongreßmitglieder auch nur
ein dutzend Fragen während der monatelangen Untersuchung stellte. Ei-
ner von diesen schweigsamen Dienern des Volkes war James Byrnes aus
South-Carolina, der später als Mitarbeiter Baruchs im Mobilmachungs-
amt während des Zweiten Weltkrieges berühmt wurde.
Heikle Themen, wie das System der ineinander greifenden Direktorate,
wodurch nur ein paar Bankiers die Finanzen und die Schwerindustrie der
Nation kontrollierten, wurden bei den Verhören des Psjo Committee
nicht berührt. Samuel Untermyer hielt es auch nicht für angebracht, bei
den internationalen Goldbewegungen (der Ursache von Geldkrisen) oder
den internationalen Beziehungen zwischen amerikanischen und europä-
ischen Bankiers zu verweilen. Die internationalen Bankhäuser von Eu-
gene Meyer, Lazard Freres, J. & W. Seligman, Speyer Brothers, M. M.
Warburg und den Gebrüdern Rothschild erregten keineswegs die Neugier
Herrn Untermyers, obgleich es bekannt war, daß alle diese Familien-
Bankhäuser entweder Zweigstellen in New York City hatten oder Bank-
häuser kontrollierten. Als Jakob Schiff vor dem Komitee erschien, gestat-
tete ihm die geschickte Fragestellung von Herrn Untermyer minutenlang
zu reden, ohne daß er dabei das Geringste über das Bankhaus Auhn, Loeb
Co. enthüllte, das Senator Robert L. Owen als Repräsentanten der euro-
päischen Rothschilds in New York bezeichnet hatte.
Der alternde J. P. Morgan, der nur noch einige Monate zu leben hatte,
erschien vor dem Komitee, um ein halbes Jahrhundert Piraterie zu recht-
fertigen. Zu Herrn Untermyers Erbauung erklärte er: »Geld ist eine
Ware.« Herr Untermyer stritt nicht über diese Aussage.
J. P. Morgan behauptete auch, daß er zu allererst den Charakter eines
Mannes berücksichtigte, wenn er ein Darlehen vergab; Sicherheiten und
seine Fähigkeit, es zurückzuzahlen, wären nicht so wichtig. Diese er-
staunliche Bemerkung ließ die Mitglieder des Komitees aufhorchen. Hier
war ein Bankier, der seine Karriere damit begonnen hatte, seine eigene
Regierung zu betrügen. Während des Bürgerkrieges hatte er der
Unions-Regierung mit großem Gewinn mangelhafte Gewehre verkauft
und sein Geld vom Finanzministerium einkassiert, ehe er seinen eigentli-
chen Einkauf bezahlt hatte. Er wurde beschuldigt, die Vereinigten Staaten
betrogen zu haben. 1895 zwang er den Präsidenten Grover Cleveland,
Gold im Werte von 100 Millionen Dollar von den Gebrüdern Rothschild
zu kaufen, nachdem er gedroht hatte, das Land durch eine neue Geldkrise
lahmzulegen. Doch Herrn Untermyer berührten diese Zwischenfälle in
des großen Mannes Laufbahn nicht.
Die Farce des Pujo-Committee ging schließlich zu Ende. Das Land war
32
nun davon überzeugt, daß die New Yorker Bankiers ein Monopol über
Geld und Kredit des Landes innehatten. Gleichzeitig jedoch verkündeten
die Bankiers und die von ihnen subventionierten Zeitungen, der einzige
Weg, dieses Monopol zu brechen, sei die Unterwerfung der Banken unter
das Währungsgesetz, das Gesetz, das im nächsten Jahr als das Federal-Re-
serve-Gesetz erlassen wurde. Das New Yorker Monopol sollte dadurch
gebrochen werden, daß man die Verwaltung des Systems dem mächtigsten
aller Bankiers übertrug, nämlich Paul Warburg.
4. Kapitel
WOODROW WILSON
Das Pujo-Committee war Anlaß für die letzte öffentliche Beachtung,
welche dem Federal-Reserve-Gesetz vor seiner Annahme im Dezember
1913 zuteil wurde. Der Mann, der es unterzeichnete, war Präsident Woo-
drow Wilson, der deshalb als sein Urheber angesehen wird. 1912 wurde
Wilson zum Präsidenten der Vereinigten Staaten aufgrund seines die Wäh-
rungsreform fordernden Parteiprogramms gewählt. Er versprach dem
Volk seines Landes, daß er ihm ein Geld- und Kreditgesetz geben würde,
das vom Einfluß der Wall Street frei sei. Er verkündete sogar, die Bürger
würden durch das Gesetz in den vollen Genuß der Vorteile ihrer eigenen
Leistung gelangen, wie es Thomas Jefferson beabsichtigt und in der Ver-
fassung vorgesehen hatte.
Wie ehrlich auch Woodrow Wilsons Absichten gewesen sein mögen,
seine Handlungsfreiheit wurde durch die Tatsache eingeengt, daß er sein
Amt dem größten aller Bankhäuser der Wall Street verdankte, Paul War-
burgs FirmaKuhn, Loeb Co. Sein Wahlkampf für die Präsidentschaft war
gänzlich von Cleveland H. Dodge von Kuhn, Loebs National City Bank,
von Jakob Schiff, dem Senior-Teilhaber in Kuhn, Loeb Co., von Henry
Morgenthau Sr., von Bernard Baruch und von Samuel Untermyer finan-
ziert worden. Mit solchen Hintermännern und seinen früheren Reden zu-
gunsten des Aldrich-Planes und der offen bekundeten Verehrung für J. P.
Morgan war Woodrow Wilson zur Untätigkeit, wenn nicht zur Heuche-
lei, verurteilt.
Während des Wahlkampfes erschien er vor dem Volke mit dem Entwurf
einer Währungsreform, die von Parker Willis niedergeschrieben und offi-
ziell von der Demokratischen Partei unterstützt wurde. Das genauere
Studium dieses neuen Gesetzentwurfes enthüllte eine bemerkenswerte
Ähnlichkeit mit dem Aldrich-Plan. Die idealistischere, aber aus der Sicht
der Bankiers wirklichkeitsfremde Forderung, daß das System nicht von
33
Bankiers verwaltet werden sollte, wurde bald durch den Bank- und Wäh-
rungsausschuß des Repräsentantenhauses gestrichen.
Trotz des anscheinend sauberen Hintergrundes des Gesetzes der De-
mokratischen Partei, bekannt als Federal-Reserve-Gesetz, fand es im all-
gemeinen keine günstige Aufnahme. Einige Zeitungen waren sogar so un-
freundlich, auf seine enge Verwandtschaft mit dem Aldrich-Plan hinzu-
weisen. Angesichts des volkstümlichen Widerstands, der sich sogar gegen
den vom Volk gewählten Woodrow Wilson wandte, wollte der Kongreß
das Gesetz nicht annehmen. Es bedurfte der ganzen politischen Stärke von
William Jennings Bryan, der die treibende Kraft in der Demokratischen
Partei war, den Kongreß zur Annahme des Gesetzes zu bewegen.
Obwohl das Federal-Reserve-Gesetz dem Aldrich-Plan sehr ähnlich
war, wurde es als ein Volksgesetz in lauten Tönen angepriesen. Es ver-
sprach dem amerikanischen Volke alles. Zuallererst versprach es, den
Farmer von dem jährlichen Bedarf an Kredit zur Einbringung und Ver-
marktung seiner Ernte zu befreien, für den er bis jetzt sein Eigentum ver-
pfänden mußte. Jetzt sollte er nach dem Vorschlag des Gesetzes von der
Zentralbank reichlich Kredit bekommen. Damit wollte man die Gunst der
nationalen Farmerorganisationen für das Gesetz gewinnen. Aber sie lie-
ßen sich dadurch nicht ködern. Sie weigerten sich, es anzunehmen und
wiesen darauf hin, daß sein Kontrollsystem nur den Bankiers zugutekä-
me. Das erwies sich als richtig, als das Federal-Reserve-System die Agrar-
krise von 1920/21 verursachte.
Der nächste Vorteildes Federal-Reserve-Gesetzes sollte darin bestehen,
daß es die Währung stabilisieren und dem Dollar eine feste und ausgewo-
gene Kaufkraft geben sollte. Auf dieser Zustimmung bestand Senator Ro-
bert L. Owen, der Mitverfasser des Owen-Glass-Gesetzes, wie das Fe-
deral-Reserve-Gesetz im Kongreß genannt wurde. Glass strich diese Sta-
bilisierungs-Verfügung und Senator Owen schrieb später:
»Ich konnte diese dringend notwendige Verfügung nicht beibehalten,
da sich ein geheimer Krieg dagegen entwickelt hatte, dessen Ursprung ich
damals nicht erkannte. «
Das Federal-Reserve-Gesetz, das Woodrow Wilson unterzeichnete,
enthielt keine Vorkehrung zur Stabilisierung des Geldwertes, aber es ent-
hielt viele Bestimmungen, die eine Stabilisierung unmöglich machten. Die
durch das Gesetz ermöglichten Manipulationen des Diskontsatzes, wo-
durch die Menge des umlaufenden Geldes und jene Börsenspekulationen
zu beeinflussen waren, bei denen große Mengen von Regierungsaktien an
der New Yorker Börse gehandelt oder zurückgehalten wurden, um eine
Ausweitung oder Verknappung des Kredites zu erzielen, waren direkt
verantwortlich für das größte Unglück, das Amerika je betroffen hat: die
große Wirtschaftskrise von 1929-31.
34
‚ Die hinter dem Federal-Reserve-Gesetz stehende Feindschaft gegen
jede Stabilisierung der Währung kam in den offiziellen Bekanntmachun-
gen und Erklärungen der Aufsichtsratmitglieder klar zum Ausdruck.
Marriner Eccles, Aufsichtsratvorsitzender des Federal-Reserve-Systems,
gab am 13. März 1939 ein Memorandum heraus, in dem er erklärte:
»Der Aufsichtsrat des Federal-Reserve-Systems widersetzt sich jeder Ge-
setzesvorlage, die ein festes Preisniveau vorsieht. «
Zum Zweck der Propaganda für das Federal-Reserve-Gesetz wurde
1913 außerdem in Aussicht gestellt, daß festgelegt würde, der Regierung
viele Bankdienste kostenlos zu gewähren. Bei den OPA-Verhören des Se-
nats im Jahre 1941 wurde Marriner Eccles vom Abgeordneten Wright
Patman gefragt:
»Gouverneur Eccles, wann wurden den Regierungsvertretungen zum
erstenmal Kosten für Dienstleistungen des Federal-Reserve-Systems aufer-
legt?«
Mr. Eccles erwiderte:
»Das könnte ich wirklich nicht sagen. «
Daraufhin fragte ihn Mr. Patman:
»Als das Federal Reserve Gesetz verabschiedet wurde, hatte man da
nicht beschlossen, daß die Federal-Reserve-Bank diese Dienste ohne Spe-
senberechnung leisten würde, als Gegenleistung für die von der Regierung
frei gewährten Kredite?«
Mr. Eccles antwortete:
»Davon ist mir nichts bekannt. «
Die größte Lüge in der Flut von Reden und Artikeln, die das Federal-
Reserve-Gesetz mit Lob bedachten, um es durchzubringen, war die, daß
es das Volksvermögen und den Kredit von der Beherrschung durch Wall
Street-Leute befreien würde. Die Entscheidungen des Pujo-Committee
wurden dazu benutzt, das Volk einzuschüchtern, damit es sich dem Geld-
ungeheuer fügte, in dessen Gewalt es sich befand. Ihr müßt euch selbst
retten, erklärten die Fürsprecher des Federal-Reserve-Gesetzes, und euer
Retter ıst das Federal-Reserve-System. Diese Wortführer, die von dem
Abgeordneten Carter Glass aus Virginia angeführt wurden, behaupteten,
denrechten Weg gefunden zu haben, um die Macht der Wall Street zu bre-
chen, und zwar durch das regionale Bank-System. Durch dieses System
würde das Land in 8-12 Bankdistrikte eingeteilt werden und jeder dieser
Distrikte würde gleiche Gewalt und gleiche Vertretungen in der Verwal-
tung des ganzen Bank-Systems haben. Es war eine völlig demokratische
und perfekte Lösung. Unter dem Vorsitz von Glass (oder Warburg) wür-
den Kansas City oder Denver ebensoviel Kontrolle über das Volksvermö-
gen und den Kredit haben wie New York.
Nur etwas stimmte in diesem System nicht. Glass ignorierte völlig die
35
Tatsache, daß der Markt für das Volksvermögen in New York war. Auch
Marriner Eccles wußte das, denn in den Verhören erklärte er:
»New York ist der einzige Geldmarkt in diesem Lande!«
Das bedeutete, daß die Regionalbanken zur Federal-Reserve-Bank in
New York gehen mußten, wann immer sie etwas wünschten, und daß sie
sich den Wünschen des Direktors jener Bank zu fügen hatten. Dement-
sprechend fiel die Federal-Reserve-Bank in den ersten fünfzehn Jahren in
die Hände von Paul Warburg von Kuhn, Loeb Co. und Benjamin Strong
von J. P. Morgan Co.; beide waren auf Jekyl Island, als das Bankgesetz
entworfen wurde, und beide wußten, wie es zu handhaben war. Warburg
war vier Jahre lang im Aufsichtsrat, und noch 10 Jahre lang danach be-
herrschte er den Rat in seiner Eigenschaft als Präsident des Federal Advi-
sory Council und als Präsident des American Acceptance Council. Benja-
min Strong war Direktor der Federal-Reserve-Bank von New York seit
ihrer Eröffnung im Jahre 1914 bis zu seinem Tode im Jahre 1928, der wäh-
rend einer Überprüfung des Systems durch den Kongreß erfolgte. Auf
diese Weise gab Woodrow Wilson vor, das Volksvermögen und das Kre-
ditwesen von den New Yorker Bankleuten zu befreien! Das regionale
Bank-System war nichts weiter als eine Posse. Es war nur dazu bestimmt,
das amerikanische Volk zu überzeugen, daß die Kontrolle seiner Gelder
nicht mehr von der Wall Street ausgeübt wurde, und als das gelungen war,
konnten die Kongreßleute für das Federal-Reserve-Gesetz stimmen, ohne
fürchten zu müssen, von ihren Wählern zur Rechenschaft gezogen zu
werden.
Um dieses Gesetz durchzubringen, waren 1912 ein demokratischer
Präsident und ein demokratischer Kongreß gewählt worden. Der Abge-
ordnete Carter Glass aus Virginia, Vorsitzender des Bank- und Wäh-
rungskomitees, und Woodrow Wilson konnten es für sich verbuchen, das
Gesetz schließlich durchgebracht zu haben, obwohl Wilson nichts weiter
tat, als seinen Namen auf die vorpunktierte Linie zu setzen. Von den Füh-
rern der Demokratischen Partei wurde Woodrow Wilson als Neuling und
Wichtigtuer angesehen. Infolgedessen hatte er als Präsident nur die
Macht, die ihm seine Gönner verschafften. Er konnte nur wenig tun, um
den Kongreß zur Annahme des Federal-Reserve-Gesetzes zu bewegen.
Die Hauptarbeit geschah durch William Jennings Bryan, der in den Au-
gen der Amerikaner der führende Demokrat war und als Einpeitscher der
Partei handelte, um das Gesetz durchzubringen. Zur Belohnung wurde er
zum Minister ernannt. Später schrieb er:
»Das einzige, was ich während meiner langen politischen Laufbahn
wirklich bedaure, ist mein Mitwirken an der Bank- und Währungsgesetz-
gebung.«
Um das amerikanische Volk noch mehr zu verwirren und es blind ge-
36
genüber dem wahren Zweck des Federal-Reserve-Gesetzes zu machen,
begannen die Hauptverfechter des: Aldrich-Planes, Senator Nelson Al-
drich und Frank Vanderlip, ein leidenschaftliches Zetergeschrei gegen die
Gesetzesvorlage. Reportern und Politikern gaben sie Interviews, wo im-
mer sie Zuhörer fanden, und behaupteten, das Bankgesetz der Demokra-
tischen Partei sei für Bankleute und eine gute Regierung schädlich. Der
Beginn einer Inflation wurde vorausgesagt, da das Gesetz die Ausgabe von
Federal-Reserve-Banknoten vorsah. Beide sprachen gegen »fiat money«
d.h. sie waren dagegen, daß genug Geld in Umlauf gebracht wurde, um
eine gerechte Verteilung von Waren und Dienstleistungen im Volk zu si-
chern. Sie sprachen mit solchem Eifer gegen das Federal-Reserve-Gesetz,
daß sie viele Dinge, die sie beim Aldrich-Plan populär gemacht hatten, in
ihr Gegenteil verkehrten. Die Nation stellte am 23. Oktober 1913 fest:
»Mr. Aldrich erhebt ein Zetergeschrei über die Ausgabe von »fiat mo-
ney«, von Geld ohne Gold- oder Silberdeckung von Seiten der Regierung,
obgleich ein Gesetz im Jahre 1908, das seinen Namen als Urheber trägt,
dasselbe zum Inhalt hat. Im übrigen weiß er, daß die Regierung nichts
damitzu tunhätte, dader Federal-Reserve-Board die volleVerantwortung
trüge, solches Geld auszugeben. «
Die Nation war die einzige öffentliche Stimme, die darauf hinwies, daß
das Recht der Vereinigten Staaten, Geld in Umlauf zu bringen, einer Kör-
perschaft von Männern übertragen werden sollte, die weder gewählt,
noch ihren Wählern verantwortlich wären. Später, unter Maurice Wert-
heim, übte sie nicht mehr solche Kritik. Aber durch ihren Angriff auf das
Federal-Reserve-Gesetz richteten Aldrich und Vanderlip eine derartige
Nebelwand auf, daß die Allgemeinheit glaubte, die mächtigen Bankleute
fürchteten sich tatsächlich vor dem Gesetz. Paul Warburg allerdings blieb
während dieses Streites für oder wider das Gesetz schweigsam im Hinter-
grunde. Durch seinen geheimen Abgesandten, den allgegenwärtigen Co-
lonel House, war er jedoch mit Präsident Wilson übereingekommen, daß
er zu einem der ersten Direktoren gewählt werde, sobald das Gesetz in
Kraft sei.
Frank Vanderlip jedoch schaltete sich mit solchem Vergnügen in diese
Komödie ein, daß Senator Robert L. Owen, der Vorsitzende im Bank-
und Währungskomitee des Senats, ihn offen beschuldigte, das Gesetz völ-
lig zu verdrehen, was in Wirklichkeit auch der Fall war. Owen wies darauf
hin, daß Vanderlip, der Präsident der National City Bank von New York,
sich bezüglich des Federal-Reserve-Plans gegen die Verfügung wandte,
für die er im Aldrich-Plan gekämpft hatte. Hätte Senator Owen gewußt,
daß beide Pläne während des geheimen Unternehmens auf Jekyl Island
entstanden waren, hätte er Mr. Vanderlip noch heftiger bloßgestellt.
Doch der erste öffentliche Hinweis auf die Vorgänge von Jekyl Island ge-
37
schah erst drei Jahre später, und niemand in Washington bemerkte das.
Praktisch sprachen sich alle größeren Zeitungen und Zeitschriften für
das Federal-Reserve-Gesetz aus. Kein Wirtschaftsblatt wagte, das Gesetz
mit dem Aldrich-Plan zu vergleichen; doch solch ein Vergleich hätte ge-
zeigt, daß kein wesentlicher Unterschied, einschließlich der Einführung
von Handelswechseln, zwischen den beiden Entwürfen bestand; sie wa-
ren von denselben Leuten verfaßt worden. Die Leitartikel von 1913
stimmten darin überein, daß die Nation einem nie zuvor gekannten Wohl-
stande entgegengehen würde. Diese und die weiteren Lobpreisungen des
Federal-Reserve-Gesetzes, die angeblichen Vorteile für die Farmer, die
Stabilisierung der Kaufkraft des Dollars, die spesenfreien Bankdienstlei-
stungen für die Regierung, die völlige Befreiung des Finanzwesens von der
Herrschaft der Wall Street, sie alle erwiesen sich durch die Ereignisse der
letzten 35 Jahre als Lügen. Als größte Lüge erwies sich jedoch die Behaup-
tung, das Gesetz würde die Geldkrise und die Rezessionen beenden, das
amerikanische Volk künftig vor weiteren Bankenzusammenbrüchen, Be-
schlagnahmungen von Farmen durch Hypothekengläubiger, Stillegung
von Fabriken und Arbeitslosigkeit bewahren. Wohl hätte das Federal-Re-
serve-System sehr viel zur Beendigung dieser Notstände beitragen kön-
nen, aber es wurde in umgekehrter Richtung ausgenützt.
Die Geschichte des Federal-Reserve-Systems erweist, daß es die Farmer
sogar doppelt betrog, indem es bei einem geheimen Treffen am 18. Mai
1920 den Diskontsatz für landwirtschaftliche Wechsel auf 7 % erhöhte
und damit die Agrarkrise von 1920/21 hervorrief. Sie erweist außerdem,
daß der Aufsichtsrat sich mit den Führern der großen europäischen Ban-
ken traf und Verträge schloß, die die Weltwirtschaftskrise von 1929-31
hervorriefen, nachdem der größte Teil des amerikanischen Geldes durch
die Politik des billigen Geldes und die Ausweitung des Kredites in die Wall
Street hineingeflossen war. Sie erweist schließlich, daß der Zentralbank-
Mechanismus des Federal-Reserve-Systems uns in den Ersten und Zwei-
ten Weltkrieg verwickelte und den Dritten Weltkrieg unvermeidbar
macht.
5. Kapitel
CARTER GLASS
Trotz der wachsenen Zustimmung zum Federal-Reserve-Gesetz und
trotz des Einflusses von William Jennings Bryan auf den Kongreß, waren
viele Senatoren und Abgeordnete, die um den europäischen Import des
Bank- und Währungsgesetzes wußten, nicht bereit, gegen die Verfassung
zu verstoßen und ihre Wähler durch ihre Stimmabgabe für solch ein Ge-
38
setz zu betrügen. Das Bank- und Währungs-Komitee des Senats war be-
reit, seine eigene Version des Owen-Glass-Gesetzes zu schreiben, das der
Abgeordnete Carter Glass, der Vorsitzende des Bank- und Währungs-
Komitees des Repräsentantenhauses, ihnen zusenden wollte; aber Owens
Beitrag zum Gesetz, die Stabilisierung der Kaufkraft war schon aus dem
Gesetz gestrichen worden. Die Verhandlungen vor den beiden Komitees
zogen sich wochenlang hin. Viele New Yorker Bankiers, die sich vor dem
Pujo-Committee zu äußern hatten, erschienen jetzt vor dem Kongreß und
sprachen sich zugunsten des Federal-Reserve-Gesetzes aus. Aber die Zei-
tungen ließen das unbeachtet.
Andrew Frame stellte im Komitee des Repräsentantenhauses fest, daß
der Plan noch zu viel von den monarchischen Regierungen Europas an
sich hätteund somit nicht im Einklang mit Amerikas Institutionen stünde.
Das bedeutete nichts anderes, als die Feststellung, daß das Gesetz nicht
der Verfassung entsprach. Das war auch tatsächlich der Fall, da es das
Recht des Kongresses, über Geld und Kredit zu verfügen, einer bestimm-
ten Körperschaft übertrug.
Frank Vanderlip erklärte vor dem Senats-Komitee, daß er das Gesetz
jetzt befürworte, was seine zweite politische Kehrtwendung in zwei Mo-
naten war. Er wäre zu dem Schluß gekommen, so sagte er, daß das Gesetz
nicht gegen die demokratischen Richtlinien verstieße, da der Präsident alle
Vorstandsmitglieder auf zehn Jahre ernennen würde.
Senator Weeks erkundigte sich: » Würden die Anhörungen des Feder-
al-Reserve öffentlich sein, so wie es die Anhörungen vor diesem Komitee
sind?« Darauf erwiderte Vanderlip: »Nein, sie sind eigentlich keine Anhö-
rungen, sie sind offizielle Zusammenkünfte.« Der Präsident der National
City Bank war anscheinend der Meinung, der Demokratie müßte ir-
gendwo Halt geboten werden. Carter Glass stimmte ihm zu, als er in Ad-
venture in Constructive Finance schrieb:
»Die Zusammenkünfte des Federal-Reserve-Board sind Vorstandssit-
zungen, weder die Öffentlichkeit noch Reporter sollten dabei anwesend
sein.«
Weder Vanderlip noch Glass schienen die Tatsache zu bedenken, daß in
diesen Sitzungen des Bankvorstandes Entscheidungen getroffen würden,
die einen noch wichtigeren und direkteren Einfluß auf die Wohlfahrt des
amerikanischen Volkes ausüben würden als die Entscheidungen des Kon-
gresses.
Senator Root warnte ebenfalls vor der Inflation; nach seiner Meinung
würde unter dem Federal-Reserve-Gesetz die umlaufende Geldmenge
immer wieder vergrößert und so eine große Inflation hervorgerufen wer-
den. Doch die Geschichte des Federal-Reserve-Systems widerlegte diese
Befürchtung. Das System hat die Menge des umlaufenden Geldes geringer
39
gehalten, als nötig war, um Handel und Gewerbe in Amerika aufrechtzu-
erhalten; eine Ausnahme bildete die Zeit der beiden Weltkriege, als die
Geldmenge verdoppelt, ja verdreifacht wurde. Sogar nach der Weltwirt-
schaftskrise 1929-31, als so viel des Umlaufmittels der Wirtschaft entzo-
gen worden war, daß das amerikanische Volk Notgeld auf Holz oder Pa-
pier drucken mußte, vermehrte das Federal-Reserve-System die Geld-
menge nicht.
1913, gelegentlich der Anhörungen des Bank- und Währungs-Komitees
im Repräsentantenhause, erklärte Paul Warburg:
»Ich bin Mitglied des Bankhanses Kuhn, Loeb Co. Ich kam 1902 nach
Amerika, bin in Hamburg geboren und habe das Bankwesen in Hamburg
gelernt, dann in London und Paris das Bankfach studiert und bin überall
in der Welt herumgekommen. In der Krise von 1907 machte ich schon den
Vorschlag: » Wir müssen ein nationales Verrechnungshaus (clearing-honse)
haben«. Der Aldrich-Plan enthält einige der fundamentalsten Bankre-
geln; sie müssen in ihrem jetzigen Entwurf, dem Owen-Glass-Entwurf,
enthalten sein: Zentralisierung der Reserven, Mobilisierung des Handels-
kredits und eine elastische Notenausgabe. «
Paul Warburg war der klügste unter den einflußreichen New Yorker
Bankiers. In all seinen Schriften, Reden und Aussagen vor dem Kongreß
machte er niemals eine falsche Angabe. Bei der oben erwähnten Sitzung
prahlte er nicht damit, daß das Bankhaus, in dem er gelernt hatte, seiner
eigenen Familie gehörte, nämlich das Bankhaus M. M. Warburg Co., ein
Umstand, der hätte erwähnt werden müssen, als er in den Aufsichtsrat des
Federal-Reserve-Systems gewählt wurde. Sein Ausdruck von der »Mobili-
sierung des Kredites« war im übrigen nicht zufällig; denn der Erste Welt-
krieg stand vor der Tür, und das erste große Geschäft des Systems sollte es
sein, die Alliierten in ihrem Kriege gegen Deutschland zu finanzieren.
Leslie Shaw, ein Bankier aus Philadelphia, stimmte mit den meisten an-
deren Zeugen bei diesen Anhörungen nicht überein, als er sagte:
»Nach dem Aldrich-Plan soll es Orts- und Distriktsgesellschaften geben,
und wenn man eine lokale Organisation hat, ist die zentrale Kontrolle ge-
sichert. Angenommen, wir haben eine lokale Gesellschaft in Indianapolis;
dann können Sie sicher die drei Männer nennen, die diese Gesellschaft be-
herrschen. Und dann können sie den Mann nennen, der die Drei beherr-
schen wird. Dasselbe geschähe in Richmond und überall sonstwo, und
wenn man die Banken zusammengekoppelt hat, werden sie den größten
politischen Einfluß über alles im Lande ausüben, mit Ausnahme der Zei-
tungen.«
Mr. Shaw wußte noch nicht, daß viele Zeitungen bereits im Besitz gro-
ßer Banken oder an sie verpfändet waren, oder daß Frank Munsey, der
Agent von). P. Morgan & Co., manchmal Zeitungen aufkaufte, um Pro-
40
paganda für eine einzige große Ausgabe von Aktien zu machen, und sie
wieder verkaufte, sobald die Aktien auf den Markt geworfen waren.
Der glühendste Gegner des Federal-Reserve-Gesetzes war ein Rechts-
anwalt aus Cleveland, Ohio, mit Namen Alfred Crozier. Er war der frei-
mütigste Kritiker der Bankiers-Zunft auf der Wall Street. 1912 schrieb er
das Buch U.S. Money vs. Corporation Currency, in dem er das Aldrich-
Vreeland-Gesetz von 1908 als ein Instrument der Wall Street angriff und
darauf hinwies, wenn unsere Regierung Geld in Umlauf brächte, das auf
Sicherheiten im Privatbesitz basierte, dann würden wir aufhören, eine
freie Nation zu sein. Das Federal-Reserve-System erlaubte aber die Aus-
gabe von Banknoten aufgrund von privatem Aktienkapital der Federal-
Reserve-Banken.
Crozier gab dem Senats-Komitee folgendes zu bedenken:
»Es sollte verboten werden, Darlehen zu gewähren oder zurückzufor-
dern, um den Preis von Wertpapieren zu regulieren, desgleichen Darle-
hensverträge abzuschließen oder den Zinssatz im Einverständnis mit den
Banken zu erhöhen, um die öffentliche Meinung oder die Legislative zu
beeinflussen. In den letzten Monaten klagt der Finanzminister der Verei-
nigten Staaten - wie die Presse berichtet -, daß es eine Verschwörung unter
gewissen mächtigen Bankenkreisen gäbe, welche die umlaufende Geld-
menge verringern und Zinsen erheben wollten, damit die Öffentlichkeit
den Kongreß zwinge, das von ihnen gewünschte Währungsgesetz anzu-
nehmen. Das sogenannte Währungs-Verwaltungsgesetz gewährt gerade
das, wonach die Wall-Street und die großen Banken seit 25 Jahren streben:
Private anstatt öffentliche Kontrolle der Währung, geradeso wie es der Al-
drich-Entwurf vorschlägt. Beide berauben die Regierung und das Volk je-
der tatsächlichen Kontrolle des Volksvermögens und verleihen ausschließ-
lich den Banken die gefährliche Macht, Geld knapp oder reichlich unter die
Leute zu bringen. Der Aldrich-Entwurf verleiht diese Macht einer Zen-
tralbank. Das Währungs-Verwaltungsgesetz legt sie in die Hände von
zwölf Regionalbanken, die alle ausschließlich das Eigentum derselben Pri-
vatpersonen sind, die die Aldrich-Bank besitzen und führen würden. Prä-
sident Garfield erklärte kurz vor seiner Ermordung, daß jeder, der den
Bedarf des Geldes kontrolliere, zugleich Handel und Gewerbe des Volkes
beherrsche. Vor hundert Jahren warnte Thomas Jefferson vor einer priva-
ten Zentralbank, die Banknoten ausgeben dürfte; sie wäre eine größere
Bedrohung für die Freiheit eines Volkes als ein stehendes Heer. «
Als Sprecher der Demokraten im Repräsentantenhaus ergriff Carter
Glass die Gelegenheit, den traurigen Bericht der von den Republikanern
organisierten Nationalen Währungskommission bekanntzugeben, und
deren Versagen darzulegen, ein geeignetes Bank- und Währungsgesetz
vorzubereiten. Sein Bericht im Repräsentantenhaus von 1913 lautet:
41
»Senator Mac Veagh bezifferte die Kosten für die Nationale Währungs-
kommission bis zum 12. Mai 1911 auf 207130 Dollar. Inzwischen sind
weitere 100000 Dollar Stenergelder ausgegeben worden. Eine so kostspie-
lige Arbeit kann nicht übersehen werden; aber nachdem das Bank- und
Währungskomitee die vielen Veröffentlichungen der Kommission geprüft
hat, findet es wenig darin, was vom gegenwärtigen Zustand des Kredit-
marktes in den Vereinigten Staaten handelt. Wir erheben Einspruch gegen
den Aldrich-Entwurf aus folgenden Gründen:
Der vorgesehene Bankmechanismus bietet keine angemessene Kon-
trollmöglichkeit durch die Regierung oder das Volk;
er überläßt die Kontrolle den großen Banken des Systems;
er bringt die ungeheure Gefahr einer Inflation mit sich;
er bietet die Unaufrichtigkeit eines Schuldentilgungsplanes, für den als
Maßregel vorgesehen ist, das System werde die Regierung nichts kosten,
was jedoch nur eine freche Behauptung ist;
er weist einen gefährlichen monopolistischen Aspekt auf.
Unser Komitee stand vom Beginn seiner Arbeit an dem Gedanken einer
Zentralbank wohlmeinend gegenüber; sie sollte das klare Ergebnis der Ar-
beit sein, die die Nationale Währungskommission leisten sollte. «
Glass’ Anklage gegen Aldrichs Gesetzentwurf für eine Zentralbank
ignorierte, daß sein eigenes Federal-Reserve-System alle Funktionen einer
Zentralbank erfüllen würde: die Aktien würden im Besitz privater Aktio-
näre sein, die den Kredit der Regierung zu ihrem eigenen Profit gebrau-
chen konnten, da sie das Vorrecht besäßen, Banknoten auf Kredit der Re-
gierung auszugeben; das System würde außerdem das Volksvermögen
und die Kreditquellen kontrollieren und die Regierung in Kriegszeiten
durch Kreditmobilisierung mit Geld versorgen. Schon 1913 erkannten
Volkswirtschaftler in dem Federal-Reserve-System eine Notenbank ähn-
lich den europäischen Zentralbanken.
Das Federal-Reserve-Gesetz wurde vom Repräsentantenhaus unverän-
dert angenommen, so wie es von Carter Glass vorgelegt worden war. Es
ging dann zum Bank- und Währungskomitee im Senat, wo man Verfü-
gungen des Aldrich-Entwurfes, die man für erforderlich erachtete, wieder
hinzufügte. In der Senatsdebatte über das Gesetz sagte Senator Stone am
12. Dezember 1913:
»Die großen Banken suchten seit Jahren Agenten im Schatzamt zu ge-
winnen und zu kontrollieren, um sie ihren Zwecken dienstbar zu machen.
Lassen Sie mich folgendes aus der World zitieren:
‚Gleich nachdem Mr. McAdoo nach Washington kam, wurde eine An-
gestellte entlassen, die die National City Bank ins Schatzamt geschleust
hatte, um vorzeitig Informationen über Belange der Banken und andere
Angelegenheiten zu erhalten, die für die großen Finanzgruppen der Wall
42
Streetvon Interesse waren. Sofort wurde der Minister und sein Stellvertre-
ter John Skelton Williams scharf von Leuten der Wall Street-Gruppe kriti-
siert.«
Ich selbst kenne mehrere Fälle, wo Bankiers Leuten den Kredit versag-
ten, die sich gegen ihre politischen Ansichten und Absichten stellten. Als
Senator Aldrich und andere im Lande umherreisten, um ihren Plan be-
kanntzumachen, sammelten die großen Banken von New York und Chi-
kago große Geldmittel, um die Propaganda Aldrichs zu unterstützen.
Bankiers meines eigenen Staates berichteten mir, daß man von ihnen Bei-
träge zu diesem Zwecke forderte und daß sie ihren Beitrag leisteten, weil
sie fürchteten, auf die schwarze Liste gesetzt oder boykottiert zu werden.
Es gibt Bankiers in diesem Lande, die Feinde des allgemeinen Wohlstandes
sind. In der Vergangenheit haben einige große Banken Absichten und
Ziele verfolgt, die die industrielle Produktion des Landes lähmten, um ihre
ungeheure Macht über die Finanzen und den Handel Amerikas zu ver-
ewigen. «
Das Federal-Reserve-Gesetz mit den Änderungen des Senats wurde
schließlich am 22. Dezember 1913 verabschiedet und ging zur Unter-
schrift an Woodrow Wilson.
Die Beziehungen von Colonel House zu Warburg und dem Gesetz sind
geschildert in dem Buche: Die vertraulichen Aufzeichnungen von Colonel
House. Dieses Tagebuch enthält folgende Niederschrift:
»19. Dez. 1912. Ich sprach telefonisch mit Paul Warburg über die Wäh-
rungsreform. Ich erzählte ihm von meiner Fahrt nach Washington und
was ich unternommen hätte, um sie in Gang zu setzen. Ich erzählte ihm,
daß der Senat und der Kongreß eifrig bemüht zu sein schienen, seine Wün-
sche zu erfüllen, und daß der schon zum Präsidenten gewählte Wilson ge-
nauso über ihre Durchführung dachte.
13. März 1913, Warburg und ich hatten ein vertrauliches Gespräch über
die Währungsreform.
27. März 1913, Mr. J. P. Morgan jr. und Mr. Denny aus seiner Firma
kamen pünktlich um fünf Uhr. McAdoo kam zehn Minuten später. Mor-
gan hatte einen schon gedruckten Währungsgesetzentwurf bei sich. Ich
schlug vor, ihn mit der Maschine schreiben zu lassen, damit nicht der Ein-
druck entstünde, daß alles gar zu sehr vorbereitet sei, und ihn noch heute
an Wilson und mich selbst zuzusenden.
13. Oktober 1913. Paul Warburg war heute mein erster Besucher. Er
kam, um das Währungsgesetz zu besprechen. In dem Entwurf von
Owen-Glass gibt es manche Stellen, die er nicht billigt. Ich versprach, ihn
mit McAdoo und Senator Owen zusammenzubringen, so daß er mit ihnen
darüber diskutieren könnte.
17. November 1913. Paul Warburg berichtete telefonisch über seinen
43
Ausflug nach Washington. Später kamen er und Jakob Schiff für ein paar
Minuten herüber. Warburg führte hauptsächlich das Gespräch. Er hatte
.einen neuen Vorschlag in bezug auf die Gruppierung der Reserve Banken,
um diese Einheiten besser zusammenzuschmelzen und leichter in Verbin-
dung mit dem Federal-Reserve-Board zu bringen. «*
Warburgs Plan, jene Einheiten zusammenzuschmelzen, war nichts an-
deres als ein Ausdruck seines Bemühens, sie so fest wie möglich unter
Kontrolle zu bekommen. Houses Aufzeichnungen enthüllen auch, daß er
es war, der Wilson vorschlug, Warburg als Kandidaten für den Vorsitz im
ersten Federal-Reserve-Board zu nehmen. Wilson billigte die Wahl War-
burgs, weil er sowohl unter der republikanischen als auch unter der de-
mokratischen Verwaltung Interesse und Erfahrung in Währungsproble-
men gezeigt hatte.
Wilson war verärgert über die andauernde Opposition gegen das Feder-
al-Reserve-Gesetz im Kongreß und wurde von der Befürchtung geplagt,
er könne die »Ware« nicht an seine Auftraggeber abliefern. Als der Ge-
setz-Entwurf ihm schließlich am 23. Dezember 1913 vorgelegt wurde,
weigerte er sich zuerst, ihn zu unterzeichnen, und zwar wegen der Be-
stimmungen für die Wahl der B-Direktoren. Bernard Baruch, so erzählt
William L. White in seiner Biographie dieses großen Mannes, der am mei-
sten zu den Wahlgeldern Wilsons beigesteuert hatte, eilte hinüber ins
Weiße Haus und sagte Wilson, daß es darauf nicht ankäıne. Das könnte
später geordnet werden. Die Hauptsache sei, daß die Sache durch seine
Unterschrift Gesetz würde. Mit dieser Rückversicherung unterzeichnete
Wilson das Federal-Reserve-Gesetz am 23. Dezember 1913. An diesem
Tage hörte die Verfassung auf, die Grundlage für die Regierung des ame-
rikanischen Volkes zu sein, und unsere Freiheiten wurden einer kleinen
Gruppe internationaler Bankiers ausgeliefert.
Am selben Tage sagte der Abgeordnete Moore aus Kansas im Sitzungs-
saal des Repräsentantenhauses:
* Rabbi Wise spricht in seiner Autobiographie »Challenging Years« von House als dem
inoffiziellen Minister. Es wäre richtiger, ihn den inoffiziellen Präsidenten während der
Amtszeit Wilsons zu nennen, denn House war es, der uns in Versailles vertrat, und als Wil-
son herüberkam, lachten ihn die europäischen Politiker wegen seiner Überheblichkeit aus.
Sie wußten, wer die Fäden zog.
House schreibt auch in seinen Memoiren, daß er und Wilson wußten, daß sie durch die
Verabschiedung des Federal-Reserve-Gesetzes ein Instrument schufen, das mächtiger war
als der Oberste Gerichtshof. Der Aufsichtsrat des Federal-Reserve-Systems ist das Oberste
Gericht der Geldmacht. Er zwang 1935 das Oberste Gericht in die Knie, als die Richter ver-
anlaßt wurden, die verbrecherische Verschwörung Roosevelts, Morgenthaus und der inter-
nationalen Goldhändler zu billigen, die darauf abzielte, den Goldpreis zu ändern. Wenn die
Richter dem nicht zugestimmt hätten, so schreibt Minister Morgenthau, »wären wir bereit
gewesen, die Regierung zu stürzen.«
44
»Der Präsident der Vereinigten Staaten wird jetzt der unumschränkte
Herrscher über alle Finanzen des Landes. Er ernennt einen Kontrollrat
von sieben Männern, die alle zu seiner politischen Partei gehören, selbst
wenn sie in der Minderheit ist. Der Finanzminister kann selbstherrlich ent-
scheiden, wenn es eine Meinungsverschiedenheit zwischen ihm und dem
Federal-Reserve-Boardgibt. Und nur ein Mitglied des Boardhat während
der Amtszeit eines Präsidenten aus dem Amt auszuscheiden. «
Die anfangs vorgesehene zehnjährige Amtszeit der Mitglieder wurde
durch das Bankgesetz von 1935 auf vierzehn Jahre verlängert; das bedeu-
tete, daß diese Finanzdiktatoren, obwohl sie nicht vom Volke gewählt wa-
ren, länger im Amt blieben als drei Präsidenten.
Dem Kongreßmitglied Lindbergh blieb es vorbehalten, die Schlußbe-
merkung zu diesem Betrug zu machen, der an dem amerikanischen Volke
verübt worden war. Im Anschluß an den Abgeordneten Moore sagte er an
jenem 23. Dezember 1913:
»Dieses Gesetz errichtet den gigantischsten Trust, den es auf der Erde
gibt. Wenn der Präsident dieses Gesetz unterzeichnet, wird die unsicht-
bare Regierung der Geldmacht legalisiert. Das Volk wird das nicht so-
gleich erkennen, aber in einigen Jahren wird der Tag der Abrechnung
kommen. Die Trusts werden erkennen, daß sie auch in ihrem eigenen In-
teresse zu weit gegangen sind. Das Volk müßte dann eine Unabhängig-
keitserklärung erlassen, um sich von der Geldmacht zu befreien, was es er-
reichen könnte durch die Kontrolle über den Kongreß.
Wall Street-Leute könnten uns nicht betrügen, hätten Sie, meine Herren
Senatoren und Abgeordneten, den Kongreß nicht zu solch einem Popanz
gemacht. Es ist ein Verbrechen, den Kongreß in politische Parteien aufzu-
spalten. Das Hauptziel der Bosse beider Parteien ist es, Ämter zu erlangen
und auf Kosten des Volkes besondere Vergünstigungen zu gewähren. Wir
haben aber eigentlich eine nationale Regierung und zwar deshalb, weil
eine Parteien-Regierung in wirtschaftlichen Fragen keinen Erfolg haben
kann. Hätten wir einen Volkskongreß, würde Stabilität herrschen. Das
größte Verbrechen des Kongresses ist sein Währungssystem. Die Gesetzge-
bung begeht durch das Bank- und Währungsgesetz das schlimmste Verbre-
chen des Jahrhunderts. Die Wahlversammlungen der Parteien und die
Parteibosse haben wieder derart operiert, daß sie das Volk daran hinder-
ten, die Wohltaten seiner eigenen Regierung zu erlangen. «
Lindbergh war allzu optimistisch, wenn er dachte, daß die Diktatur des
Trusts in den Vereinigten Staaten nur einige Jahre dauern würde. Das
amerikanische Volk wurde davon abgehalten, sich gegen die Unterdrük-
kung im eigenen Land zu erheben, indem es ins Ausland geschickt wurde,
um in zwei Weltkriegen zu kämpfen, mit denen es weder politisch noch
wirtschaftlich etwas zu tun hatte. Und zwischen den Kriegen erlebte es
45
zwei Wirtschaftskrisen und einen Kampf ums tägliche Brot. Es hatte keine
Zeit, irgendwelche Einwände zu erheben. Lindberghs Theorie, daß eine
Parteien-Regierung in wirtschaftlicher Hinsicht ohne Erfolg sei, kann
weder bewiesen noch widerlegt werden, da sich seit den Tagen Jeffersons
und Adams keine Regierung dieser Art mit ökonomischen Problemen be-
faßt hatte. Die Urheber der wirtschaftlichen Ungleichheit und Unsicher-
heit in Amerika sind zugleich die Lenker und Herren der größeren politi-
schen Parteien. Sie werden sich hüten, eine Wandlung zu schaffen.
6. Kapitel
PAUL WARBURG
Ein Vergleich des Federal-Reserve-Gesetzes von 1913 — wie es vom Re-
präsentantenhaus verabschiedet und wie es vom Senat verbessert wurde -
zeigt folgende eindrucksvollen Veränderungen:
Abschnitt 2, Teil 2: » Vorausgesetzt, daß die Distrikte proportional ver-
teilt werden mit gebührender Rücksicht auf die Geeignetheit und den übli-
chen Geschäftsablanf der Gemeinschaft.« Der Senat strich »der Gemein-
schaft«. »Keine Federal-Reserve-Bank darf ein Geschäft tätigen ohne ein
bares und unvermindertes Kapital von 5 Millionen Dollar«. Der Senat
strich »bares und unvermindertes« und änderte den erforderlichen Betrag
in 3 Millionen.
Abschnitt 4:» Die dem Rang B zugehörigen Direktoren sollen jeweils zu
dritt ihr Amt ausüben und dies als Vertreter des allgemeinen öffentlichen
Interesses«. Der Senat strich. als Vertreter des allgemeinen öffentlichen In-
teresses in den Reserve-Distrikten- und fügte hinter » Wahlperiode hinzu:
sollen sich aktiv in Handel, Landwirtschaft oder anderen industriellen
Unternehmungen ihres Distrikts beteiligen.« »Bei einer regelmäßig einzu-
berufenden Sitzung des Aufsichtsrates einer jeden Mitgliedsbank im Re-
serve-Distrikt soll der Aufsichtsrat solcher Mitgliedsbanken durch ge-
heime Wahl aus den Reihen seiner Mitglieder einen Reserve-Distrikt-
Wahlmann wählen und soll dem Aufsichtsrat der Federal-Reserve-Bank
des Distriktes seinen Namen rechtsgültig mitteilen. « Der Senat strich alle
nicht kursiv gedruckten Worte.
Hinsichtlich der Wahl der Vorstandsmitglieder hieß es: »Sie sollen ın ih-
ren Distrikten gute Repräsentanten in bezug auf Handel, Landwirtschaft
und Industrie sein.« Der ganze Satz wurde vom Senat gestrichen und er-
setzt durch: »Sie sollen Personen mit erwiesener Bankerfahrung sein. «
Der Senat erhöhte auch die vorgeschlagenen Gehälter der Gouverneure
des Federal-Reserve-Systems von zehn- auf zwölftausend Dollar jährlich
46
und strich aus: »Der Federal-Reserve-Board soll das Recht haben, jeden
B-Direktor in irgendeiner Federal-Reserve-Bank zu entlassen, wenn es
sich zu irgendeiner Zeit erweisen sollte, daß er die Interessen seines Di-
strikts in bezug auf Handel, Landwirtschaft und Industrie nicht gebüh-
rend vertritt.«
Auch die folgende Bestimmung wurde gestrichen: »Die Gründe für die
Suspendierung von Beamten der Federal-Reserve-Banken, falls sie anläß-
lich eines Hearings schriftlich festgehalten sind, können Unfähigkeit,
Pflichtverletzung, Bestechung oder Betrug sein; die Entlassung bedarf der
Zustimmung des Präsidenten der Vereinigten Staaten. « Der Senat änderte
dies folgendermaßen: »Falls ein Beamter oder Direktor einer Distriktbank
suspendiert oder entlassen wird, ist der Grund für diese Entlassung dem
entlassenen Beamten oder Direktor und seiner Bank sofort schriftlich
durch den Federal-Reserve-Board mitzuteilen.« Dies änderte völlig die
Bedingungen, unter denen ein Beamter oder Direktor entlassen werden
konnte. In dem Satze des Senats sind keine Bedingungen oder Gründe für
eine Entlassung genannt. Anscheinend sind Unfähigkeit, Pflichtverlet-
zung, Bestechung oder Betrug im Federal-Reserve-System nicht von Be-
deutung. Infolge dieser Änderung hatte der entlassene Beamte auch keine
Möglichkeit, den Präsidenten anzurufen. Dies beseitigte jede Möglich-
keit, daß ein künftiger dem amtierenden Vorstand feindlich gesonnener
Präsident irgendeine Kontrolle über den Federal-Reserve-Board ausüben
konnte. Auf eine schriftliche Anfrage teilte der stellvertretende Schrift-
führer des Federal-Reserve-Board mit, daß in 36 Jahren nur ein Beamter
»aus besonderen Gründen« entlassen worden wäre; Name und Einzelhei-
ten der Angelegenheit wären »privater Natur« zwischen einer Privatbank
und dem Federal-Reserve-Board.
Die Öffentlichkeit hatte in der Tat kein Recht, irgendeine Frage an den
Vorstand zu richten, denn obwohl diese einzigartige Körperschaft vom
Präsidenten, einem gewählten Beamten, ernannt wurde, erhielt sie ihr
Gehalt von den Mitgliedsbanken, die in privatem Besitz waren. Daher gab
es keinen Grund zu erwarten, daß sie die öffentlichen Interessen vor die
der Aktionäre des Federal-Reserve-Systems stellen würden, und sie haben
auch in den vergangenen 35 Jahren ihren Arbeitgebern unangefochten
Treue bewiesen.
Dieser kleine Rückblick auf die Änderungen, die der Senat in dem Fe-
deral-Reserve-Gesetz vornahm, enthüllt seine kompromißlose Gegner-
schaft gegen jede Bestimmung in dem Gesetzentwurf, die den lokalen
Vertretungen eine Kontrolle über Geld und Kredit einräumen sollte. Die
allererste Streichung des Ausdruckes »der Gemeinschaft« kennzeichnet
bereits die Haltung des Senats gegenüber den Interessen des amerikani-
schen Volkes, die zu vertreten er geschworen hatte.
47
In den vergangenen zwanzig Jahren kam es zwischen den Hauptperso-
nen dieses Dramas gelegentlich zu Uneinigkeiten, wer am meisten dafür
verantwortlich sei, dieses Joch dem amerikanischen Volke aufgebürdet zu
haben. Paul Warburg blieb im Hintergrund, er sagte niemals, daß er das
Gesetz entworfen hatte; er erwähnte auch niemals Jekyl Island, außer in
einem privat veröffentlichten Memorandum. Doch er sammelte seine
Schriften über das Federal-Reserve-System in einem Band von 2500 Sei-
ten, der endgültig zeigt, daß alles seinem Kopf entsprungen war.
Der verstorbene Senator Carter Glass aus Virginia behauptete in seinem
Buch Adventure in Constructive Finance, dieses Gesetz geschrieben zu
haben. Das veranlaßte Samuel Untermyer, einen der wirklichen Verfas-
ser, einen Brief an seinen Sohn zu schreiben, in dem er auf diese Behaup-
tung erwiderte: Glass müsse senil sein, da er eine solch kühne falsche Be-
hauptung veröffentliche. Später bezeichnete sich Glass selbst in Who’s
who in America nur als Förderer und Befürworter des Gesetzentwurfes im
Repräsentantenhaus. Tatsächlich waren H. Parker Willis, Paul Warburg
und Samuel Untermyer die Hauptverfasser der Vorlage, die die demokra-
tische Partei im Kongreß einbrachte. Alle wichtigen Verfügungen stamm-
ten aus Paul Warburgs Arbeit auf Jekyl Island. Als ihn Carter Barron frag-
te, ob er mit dem Gesetz, so wie es verabschiedet wurde, einverstanden
sei, bemerkte Warburg: »Nun, es entspricht nicht ganz dem, was wir wol-
len; aber der Mangel kann später durch administrative Maßnahmen aus-
geglichen werden. « Um sicher zu sein, daß diese »administrativen Maß-
nahmen« auch so ausgeführt würden, wie er es wünschte, veranlaßte er
Colonel House, ihn zum ersten Vorsitzenden des Federal-Reserve-Board
ernennen zu lassen.
Die zeitgenössischen Historiker schreiben das Verdienst um das Gesetz
Woodrow Wilson und Carter Glass zu; aber von allen in Frage kommen-
den Politikern hatte Wilson am wenigsten mit dem Kampf zu tun, der um
das Gesetz im Kongreß geführt wurde. George Creel, ein erfahrener
Washingtoner Korrespondent, schrieb in Harper’s Weekly am 26. Juni
1915:
»In der Demokratischen Partei hatte Wilson nur mittelbaren Einfluß
durch seine Gönner. Es war Bryan, der die Stenergesetzgebung, die Auf-
hebung des Panama-Kanal-Zolls und das Währungsgesetz durchpeitschte.
Später schrieb Bryan: »Es gibt eine einzige Sache in meiner öffentlichen
Laufbahn, die ich bedaure - mein Bemühen um die Verabschiedung des
Federal-Reserve-Gesetzes.««
Als Wilson am 23. Dezember 1913 das Federal-Reserve-Gesetz unter-
zeichnete, erfüllte er das Versprechen, das er den Männern gegeben hatte,
die seinen Wahlkampf finanziert hatten. Cleveland H. Dodge von Kuhn,
Loebs National City Bank, Jacob Schiff von Kuhn, Loeb Co., Bernard
48
Baruch, der brilliante junge Spekulant und Organisator der Tabak- und
Gummi-Trusts, Samuel Untermyer, Multi-Millionär und Firmenanwalt,
sowie Henry Morgenthau $r., der Häuserspekulant von Harlem, sie alle
legten ihr Geld niemals besser an, als durch den Kauf des Weißen Hauses
für Woodrow Wilson. Die Geld- und Kreditquellen der Vereinigten Staa-
ten waren nun unter der vollständigen Kontrolle der Banken-Allianz zwi-
schen J. P. Morgan’s First National Bank und von Kuhn, Loebs National
City Bank, die hauptsächlich den internationalen Bankinteressen dienten,
deren Hauptquartier sich damals in London befand und während des Er-
sten Weltkrieges nach New York verlegt wurde.
Senator Nelson Aldrich bekannte nun, daß er in Wirklichkeit nicht ge-
gen das Federal-Reserve-Gesetz gewesen war, und in seiner sinnigerweise
The Independent (Der Unabhängige) betitelten Zeitschrift schrieb er:
»Vor der Verabschiedung des Gesetzes konnten die New Yorker Ban-
kiers nur die Reserven von New York beherrschen; jetzt können wir die
Bankreserven des ganzen Landes beherrschen. «
Eine interessante Bemerkung über Ursprung und Zweck des Federal-
Reserve-Gesetzes machte Colonel Ely Garrison, der Freund und Finanz-
berater der Präsidenten Theodore Roosevelt und Woodrow Wilson. In
seinem autobiographischen Werk Roosevelt, Wilson and the Federal Re-
serve Law schrieb er: \
»Paul Warburg ist der Mann, der das Federal-Reserve-Gesetz ersann,
nachdem der Aldrich-Plan solche Empörung und Opposition in der ganzen
Nation erregte. Der führende Geist beider Entwürfe aber war der Baron
Alfred Rothschild in London. «
Colonel Garrison bewegte sich im inneren Zirkel der Hochfinanz, er
war ein internationaler Agent der Bankiers Brown Brothers aus New
York.
Die wichtigste Enthüllung über die Absicht des Federal-Reserve-Ge-
setzes brachte jedoch eine kurze Notiz in der Nation vom 25. Dezember
1913:
»Die New Yorker Börsenkurse begannen ständig zu steigen auf die
Nachricht hın, daß der Senat bereit war, das Federal-Reserve-Gesetz zu
verabschieden.«
Dieser Satz schien den Wünschen der Anhänger von Woodrow Wilson
und Carter Glass nicht zu entsprechen, da das Federal-Reserve-Gesetz
eine Finanzreform einleiten sollte. Hätte das Gesetz tatsächlich irgendeine
Finanzreform bewirkt und die Zentralisation von Geld und Kredit in New
York vermindert, dann dürfte sich an der Börse ein ebenso verhängnisvol-
ler Tag wie der »Schwarze Donnerstag von 1929« ereignet haben. Die
New Yorker Börse ist das zuverlässigste Barometer für die wahre Bedeu-
tung jeder Finanz-Gesetzgebung in Washington. Immer, wenn ein Gesetz
49
verabschiedet wird, das die Diktatur der New Yorker Bankiers be-
schränkt, wie es bei dem Glass-Steagall-Gesetz von 1933 geschah, das be-
stimmte, daß Banken nicht gleichzeitig Investment- und Depositenge-
schäfte betreiben durften, dann hat die Börse einen schlechten Tag. Ist je-
doch ein Gesetz so günstig für die Finanzmagnaten wie das Federal-Re-
serve-Gesetz, dann steigen rasch die Aktienwerte,
E. W. Kemmerer, der berühmte Volkswirtschaftler von Princeton
stellte in seinem ABC of the Federal Reserve System fest:
»Die Federal-Reserve-Banken sind im wesentlichen Banken der Ban-
kiers.«
Das würde bedeuten, daß alle anderen Ansprüche an das Gesetz falsch
sind. Benjamin Strong schreibt in seiner Einleitung zu demselben Buch:
»Die Verwalter der neuen Federal-Reserve-Bankenfanden bald heraus,
daß sie von den anderen Banken im Lande, gelinde gesagt, kühl empfan-
gen wurden. Die Bank- und Geschäftswelt wußte bedauerlicherweise
nicht, was das Gesetz wirklich bedeutete.«
Die Propaganda für das Gesetz war so irreführend gewesen, daß die
Bankiers, nachdem sie das Gesetz durchgebracht hatten, nicht imstande
waren, verständlich zu machen, wie es arbeitete. $. E. Harris brachte 1931
eine gerechte Einschätzung des Federal-Reserve-Gesetzes in dem Viertel-
jahresblatt Quarterly Journal of Economics:
»Glass und seine Kollegen im Bank- und Währungsausschuß des Re-
präsentantenhauses planten 1913 ein Regionalsystem, in dem die Kontrolle
einen relativ unwichtigen Teil einnahm; aber ein gewisses Maß von Kon-
trolle wurde durch die Vorschläge des Aldrich-Entwurfes eingeführt, den
Glass annahm, ebenso wie durch den Einfluß Bryans und des Senats. Doch
im Federal-Reserve-Gesetz von 1913 blieb schließlich nur ein kleiner Teil
der Vorkehrungen, die anfänglich im Entwurf von Glass vorgesehen wa-
ren. Warburg übte während der ganzen Zeit einen großen Einfluß auf die .
Gesetzgebung aus durch seine Arbeit an dem Aldrich-Entwurf und durch
seinen direkten Kontakt mit dem Bank- und Währungsausschuß des Se-
nats.«
Laurence Laughlin bestätigt ebenfalls Warburgs Tätigkeit in seinem
letzten Werk The Federal Reserve Act, Its Origins and Purposes:
»Paul Warburg von Kuhn, Loeb Co. bot im März 1910 einen wohl-
durchdachten Entwurf für eine Vereinte Reserve Bank der Vereinigten
Staaten an. Er wurde am 24. März 1910 in der New York Times veröf-
fentlicht. Die Gruppe, die an der Gestaltung der Zielsetzung der Nationa-
len Währungskommission interessiert war, traf sich heimlich auf Jekyl Is-
land für etwa 14 Tage im Dezember 1910 und konzentrierte sich auf den
Entwurf eines Gesetzes, der dem Kongreß durch die Nationale Wäh-
rungskommission vorgelegt werden sollte. Auf Jekyl Island waren anwe-
50
send: Senator Aldrich, H. P. Davison von J. P. Morgan, Paul Warburg
von Kuhn, Loeb Co., Frank Vanderlip von der National City Bank und
Charles D. Norton von der First National Bank. Der fähigste Bankier die-
ser Gruppe war ohne Zweifel Paul Warburg, der in Europa geschult wor-
den war. Senator Aldrich hatte keine Spezialausbildung im Bankwesen. «
Das Federal-Reserve-Gesetz enttäuschte viele Leute, die ihre Hoffnun-
gen darauf gesetzt hatten. 1916 schrieb Allen in Moody’s Magazine:
»Das Federal-Reserve-Gesetz sollte die Geldkonzentration an den New
Yorker Banken verhindern, um den Bankiers im Lande die M. öglichkeit zu
geben, ihre Geldmittel selbst zu nutzen; aber der Geldumlauf zeigt, daß
die New Yorker Banken, seitdem das Gesetz in Kraft getreten war, ständig
ihren Vorteil aus dem inneren Geschäftsbetrieb zogen, ausgenommen im
Dezember 1915. Das Gesetz, das die Spekulationsgelder der Wall Street
verringern sollte, hat den Baisse- und Hausse-Spekulanten soviel Gelder
verschafft, wie nie zuvor. Weit davon entfernt, den Geldzufluß nach der
Wall Street zu hemmen, wie Glass zuversichtlich verkündet hatte, erwei-
terte es die alten Kanäle und fügte zwei neue hinzu. Der erste führt direkt
nach Washington und gibt der Wall Street ein Anrecht auf alles überschüs-
sige Bargeld des Finanzministerinms der Vereinigten Staaten. Durch das
Recht Banknoten auszugeben, versorgt sich Wall Street außerdem mit ei-
nem unerschöpflichen Vorrat von Kreditgeldern. Der zweite Kanal führt
zu den großen Zentralbanken Europas, wobei durch den Verkauf von
Wechseln an sie, für die im Grunde die Regierung der Vereinigten Staaten
bürgte, Wall Street die Befreiung von jenen ausländischen Forderungen
nach Gold erwirkte, die jede große Krise in unserer Geschichte ausgelöst
haben.«
7. Kapitel
NOCH MEHR ÜBER PAUL WARBURG
Als die Federal-Reserve-Banken gegründet worden waren und am 16.
November 1914 mit ihrer Tätigkeit begannen, wurden ihre gesamten Ak-
tiva mit 143 Millionen Dollar angegeben. Am 23. Dezember 1949 bewies
die Rechnungslegung vor dem Bank- und Währungskomitee des Repräs-
entantenhauses, daß die Zentralbanken einen Überschuß von 45 Milliar-
den Dollar hatten, ein Betrag, der dem jährlichen Budget des Landes seit
1945 entsprach. Leute, die 1914 Aktien bei jenen Zentralbanken kauften,
hatten einen so hohen Gewinn, daß es eines Volkswirtschaftlers von Rok-
kefellers Universität in Chikago bedurft hätte, um ihren Gewinn zu be-
rechnen.
Die Männer, die Woodrow Wilson wählte, um den ersten Board des
51
Federal-Reserve-Systems zu bilden, gehörten jener Millionärsklasse an,
der er zu schmeicheln beliebte. Als Präsident der Princeton-Universität
hatte er große Ehrfurcht vor den »Kapitänen der Industrie« und den »Fi-
nanzmagnaten« gezeigt, die für die Universität neue Gebäude errichteten
und neue Lehrstühle stifteten. Seine Nominierung zum Präsidenten durch
die Demokratische Partei, die bis dahin das »gemeine Volk« gegen die In-
teressen der »Stehkragen« vertrat, bedeutete das Ende dieser Organisation
als Sprecher des amerikanischen Volkes. Nach Wilsons eigener Aussage
war es ihm nur gestattet, einen Mann in den Federal-Reserve-Board zu
wählen. Die übrigen wurden durch die New Yorker Bankiers ernannt.
Wilsons Wahl fiel auf Thomas D. Jones aus Chikago, den Direktor vieler
großer Firmen und Kurator der Princeton Universität. Die anderen Mit-
glieder waren:
Adolph Miller, Volkswirtschaftler an Rockefellers Universität Chikago
und Morgans Harvard Universität sowie stellvertretender Innenminister.
Miller war einer jener unabhängigen, wohlhabenden Männer, die ihr Le-
ben dem öffentlichen Wohl widmeten, später wurde er Nachbar und en-
ger Freund von Herbert Hoover, dem Förderer des Bergbaus;
Charles S. Hamlin, der zuvor acht Jahre lang stellvertretender Finanz-
minister gewesen war;
F. A. Delano aus der Familie Roosevelt, ein Eisenbahn-Ingenieur, der
für Kuhn, Loeb Co. eine Anzahl Eisenbahnen übernahm, die in Konkurs
gegangen waren;
W. P. G. Harding, Präsident der First National Bank von Atlanta;
Paul Warburg von Kuhn, Loeb Co.;
Finanzminister William McAdoo, Präsident der Hudson-Manhattan-
Eisenbahn, ein Unternehmen von Kuhn, Loeb Co.
und Währungskontrolleur John Skelton Williams.
Williams und McAdoo kamen während des Ersten Weltkrieges noch
mehr unter die direkte Kontrolle von Kuhn, Loeb Co., als sie nämlich
1917-18 von Wilson zum Direktor bzw. stellvertretenden Direktor der
Eisenbahn-Verwaltung der Vereinigten Staaten ernannt wurden. Zu jener
Zeit besaßen und kontrollierten Kuhn, Loeb Co. fast alle großen Eisen-
bahnlinien des Landes.
Gemäß den Intimate Papers of Colonel House wurde Paul Warburg in
den Federal-Reserve-Board gewählt, weil
»der Präsident den Vorschlag (von House) übernahm, sich für Paul
Warburg aus New York zu entscheiden, und zwar wegen seines Interesses
und seiner Erfahrung in Währungsfragen, die er unter der republikani-
schen wie unter der demokratischen Verwaltung gezeigt hatte. «
In einer kurzen Geschichte von Kuhn, Loeb Co., abgedruckt am 1. Fe-
bruar 1936 in Newsweek, hieß es:
52
»Abraham Kuhn und Salomon Loeb waren 1850 Gemischtwarenhänd-
ler in Lafayette, Indiana. Wie üblich in neubesiedelten Gebieten, erfolgten
die meisten Unternehmungen auf Kredit. Die beiden Händler fanden bald
heraus, daß sie Bankgenies waren. Sie kümmerten sich bald nicht mehr um
Waren und zogen westwärts. In Cincinnati bot ihnen der Bürgerkrieg be-
trächtliche Hilfe. Im Jahre 1867 ließen sie sich als Bankiers Kuhn, Loeb
Co. in New York nieder und nahmen einen jungen Einwanderer aus
Deutschland, Jacob Schiff, als Partner. Der junge Schiff hatte wichtige Fi-
nanzverbindungen nach Europa. Zehn Jahre später wurde er Chef des
Bankhauses Kuhn, Loeb Co. nachdem Kuhn gestorben und Loeb sich zu-
rückgezogen hatte. Unter Schiffs Führung brachte das Haus europäisches
Kapital mit der amerikanischen Industrie in Verbindung, die sich damals
in Geldnot befand. Die Union Pacific hatte eine Menge Geldverschlungen
und der Bahnbetrieb warf trotzdem keinen Gewinn ab. Die Krise von
1893 gab ihr den Rest. Dieser Fehlschlag war ein Segen für Kuhn, Loeb
Co. Das Bankhaus finanzierte E. H. Harrimans Projekt einer neuen
Union Pacific, und damit wurde es zum hanptsächlichen Geldgeber der
amerikanischen Eisenbahnen. «
Jacob Schiffs »wichtige Finanzverbindungen nach Europa« waren die
zu den Brüdern Rothschild und ihrem Hauptvertreter in Deutschland, der
Familie Warburg. Paul Emden schreibt in seinem Buch Die Geldmacht
Europas:
»Die Warburgs erreichten ihre hervorragende Stellung während der
letzten zwanzig Jahre des vorigen Jahrhunderts, gleichzeitig mit dem
Wachsen des Bankhauses Kuhn, Loeb Co. in New York, mit dem sie in
persönlicher Verbindung und familiärer Beziehung standen. Mit glänzen-
dem Erfolg führte Paul Warburg 1913 die Neuordnung des amerikani-
schen Bankwesens durch, an dem er mit Senator Aldrich seit 1911 gearbei-
tet hatte. Er festigte auf diese Weise die Währung und die Finanzen der
Vereinigten Staaten. «
Unter Festigung verstand Paul Emden, unter Kontrolle bringen, oder
um Warburgs Lieblingsausdruck zu gebrauchen, »die Mobilisierung des
Kredits«. Schiff war als neuer Beauftragter der Rothschilds nach Amerika
gesandt worden. August Belmont war seit einigen Jahren der einzige ame-
rikanische Beauftragte der Rothschilds gewesen, sie wünschten nun eine
weitere Ausdehnung. Die Firma Kuhn, Loeb Co. war bestens für ihre
Zwecke geeignet, und Schiff kaufte sie für die Rothschilds. Seitdem gab es
keine Kuhn und Loeb mehr, sie wurden weitgehend abgelöst von Schiff,
Warburg, Hanauer und Strauss. Schiff erhielt alles nötige Kapital, um
amerikanische Eisenbahnen für die Rothschilds aufzukaufen. Mit dem
Tod von August Belmont verlor die Familie Belmont an Bedeutung, denn
der jüngere Sohn Perry Belmont widmete sich der Politik. Er wurde später
53
Vorsitzender der Komitees für auswärtige Angelegenheiten im Reprä-
sentantenhaus. Seine politische Tätigkeit schied ihn jedoch nicht völlig von
seinen finanziellen Interessen. So trug ihm ein Auslandsgeschäft ein Ver-
mittlungsentgelt von zwei Millionen Dollar ein, nämlich die Durchfüh-
rung des Gold-Anleihe-Geschäftes von 1895 zwischen Präsident Grover
Cleveland und der Familie Rothschild.
Paul Warburg und sein Bruder Felix kamen 1902 nach Amerika, um ein
Zentralbankgesetz durchzubringen. Paul Warburg widmete fast seine
ganze Zeit der Propaganda für seine Vorstellung einer Finanzreform,
schrieb und hielt Vorträge über das veraltete Kreditsystem der Wall Street
und er schrieb mehrere Bände, um zu beweisen, daß Amerika ein Zentral-
banksystem benötige, ähnlich dem der Reichsbank in Deutschland, der
Bank von Frankreich und der Bank von England. Er griff besonders das
Sub-Treasury System an, das Andrew Jackson 1836 gegründet hatte, um
Amerikas Geldmittel in die Hände zu bekommen, nachdem er die Second
Bank der Vereinigten Staaten in einem finanziellen Bürgerkrieg vernichtet
hatte. Warburgs Vorwurf gegen das Independent Sub-Treasury System
war, daß es in Zeiten der Geldknappheit den Krisenzentren kein Geld zu-
kommen ließ, was der Wahrheit entsprach. Während der Krise von 1893
verschifften die New Yorker Bankiers plötzlich einhundert Millionen
Dollar in Gold nach Kanada und England. Das veranlaßte den Kongreß,
das Sherman-Silver-Gesetz zu widerrufen und den Goldstandard wieder
einzuführen. Während dieser Krise sank der Kurs der Union Pacific- Ak-
tien von 69 1/2 auf 47; das ermöglichte es Jakob Schiff, sich die Kontrolle
über die Bahn zu verschaffen, wobei die Familie Rothschild große Ge-
winne erzielte. Nachdem das erreicht war, kamen die hundert Millionen
Dollar in Gold aus Kanada und England zurück, und die Krise war vor-
über. Amerikas Regierung war gegenüber den internationalen Goldhänd-
lern machtlos. Warburg machte geltend, eine Zentralbank mit einem Re-
servesystem würde solche Krisen verhindern. Doch die Geschichte Ame-
rikas seit 1913 hat dies nicht bestätigt.
Trotz der Tatsache, daß Paul Warburg sich nicht um die Geschäfte sei-
ner Firma Kuhn, Loeb Co. zu kümmern schien, hielten die anderen Part-
ner so viel von ihm, daß sie ihm fünfhunderttausend Dollar jährlich bewil-
ligten, während er für die Finanzreform schrieb und redete. Vor dem Er-
sten Weltkrieg war das ein außerordentlich großes Gehalt. Nachdem
Warburg seine Bankreform durchgeführt hatte, verzichtete er auf seine
fünfhunderttausend Dollar-Tätigkeit und nahm die ihm von Woodrow
Wilson angebotene Stellung an, die ihm jährlich 12000 Dollar einbrachte.
Obwohl er dadurch seine Partner verließ, waren sie doch so rücksichts-
voll, ihn mit seinem alten Gehalt wiederaufzunehmen, als er im Mai 1918
plötzlich zurücktrat. Man erklärte es sich damit, daß sein Bruder Chef des
54
deutschen Geheimdienstes und das Bankhaus seiner Familie, M. M. War-
burg & Co. in Hamburg und Amsterdam, der Hauptgeldgeber des Kaisers
war. Amerika war schon länger als ein Jahr im Kriege, ehe Warburg es für
erforderlich hielt, zurückzutreten.
In Who’s who in Amercian Jewry wird Paul Warburg als Teilhaber oder
Direktor in folgenden Handels- und Aktiengesellschaften genannt: We-
stern Union, Westinghouse, Wells Fargo, Union Pacific Railroad, Balti-
more and Obio Railroad, Kuhn, Loeb Co., American I.G. Chemical Co.
(I.G. Farben), Agfa Ansco Corp., National Railways of Mexico, Interna-
tional Acceptance Bank (Vorstandsvorsitzender), Westinghouse Accep-
tance Co., Warburg Co. in Amsterdam und zahlreiche andere Banken, Ei-
senbahnen und Aktiengesellschaften.
Trotz Warburgs ungeheurem Einfluß gab es offenen Widerstand im Se-
nat gegen seine Ernennung zum Gouverneur des Federal-Reserve-Systems.
Im Juni 1914 wurde er aufgefordert, vor einem Unterausschuß des Senats
zu erscheinen, um einige Fragen zu beantworten, die im Zusammenhang
mit der Annahme des Gesetzes durch den Kongreß standen; doch er wei-
gerte sich zu erscheinen.
Am 23. Juli 1914 hieß es in der Nation:
»Mr. Warburg hatte schließlich eine Beratung mit dem Senator O’Gor-
man und willigte ein, die Mitglieder des Unterausschusses des Senats
zwanglos zu treffen, mit der Absicht, ihnen die gewünschten angemesse-
nen Informationen zu geben. In Washington meint man, daß Mr. War-
burgs Zustimmung gesichert ist.«
»Angemessene Informationen« würden natürlich nicht jede Informa-
tion über seine Beziehungen zu Europa einschließen. Überdies kannte er
die Gefahren, vor einem offiziellen Komitee zu erscheinen und befragt zu
werden, dessen Verhöre später veröffentlicht werden könnten. Daher
weigerte er sich, bei irgendwelchen formellen Zusammenkünften zu er-
scheinen und zwang den Unterausschuß, zwanglos mit ihm zusammen-
zukommen. Das Protokoll dieses Treffens wurde nicht veröffentlicht.
Senator Robert L. Owen legte Warburg zur Last, daß er der amerikani-
sche Vertreter der europäischen Rothschilds wäre; doch das hinderte den
Senat nicht, ihn zu bestätigen.
Die Zeitungen nahmen nur wenig Notiz von den Meinungsverschie-
denheiten über Warburgs Ernennung. Sie machten ein großes Geschrei
über die Ernennung von Thomas D. Jones aus Chikago durch Wilson, of-
fenbar weil er zu jener Zeitunter Anklage des Justizministers der Vereinig-
ten Staaten stand.
Die diktatorische Natur Woodrow Wilsons offenbarte sich immer,
wenn seine Handlungen öffentlich kritisiert wurden. Er war durch die un-
günstigen Kommentare über Warburg und Jones verärgert. Aber in dem
55
Versuch, die Ernennung dieser Männer zu verteidigen, machte er eine der
lächerlichsten Aussagen, die je von einem Präsidenten der Vereinigten
Staaten ausgesprochen wurden. Er sagte zu den Reportern:
»Die Mehrzahl der Männer, die mit dem verbunden sind, was wir das
»Große Geschäft« zu nennen pflegen, sind ehrlich, unbestechlich und pa-
triotisch.«
Wilsons Unwissenheit über den wahren Lebenslauf der Männer, die er
so bewunderte, ist erstaunlich und unentschuldbar bei einem Mann, der
für das Wohl der Nation verantwortlich ist. Er wußte weder, daß J. P.
Morgan seine eigene Regierung in der Kriegszeit belogen hatte, noch daß
Otto Kahn und E. H. Harriman mehrere Male wegen ihrer rechtswidri-
gen Handlungen angeklagt waren, die sie in ihrem Kampf begingen, um
für Kuhn, Loeb Co. die Kontrolle über die Union Pacific Eisenbahn zu er-
langen. Es stehen viele Dokumente zur Verfügung, die das verbrecheri-
sche Vorgehen der internationalen Bankiers beweisen, die für Wilson Ge-
bieter und Götter waren.
Überdies offenbarte sich Woodrow Wilson als unwissender Mann der
Provinz, als er in Erwiderung auf die geplanten Verhöre vor dem Bank-
und Währungs-Ausschuß des Senats in denen es um die Eignung von
Thomas D. Jones als Vorstandsmitglied des Federal-Reserve-Rates gehen
sollte, folgenden Brief an den Senator Robert L. Owen, den Vorsitzenden
jenes Ausschusses, schrieb:
»White House,
18. Juni 1914.
Lieber Senator Owen:
Mr. Jones hat immer die Rechte des Volkes gegen die Rechte der Privile-
gierten verteidigt. Seine Verbindung mit der Harvester Company geschah
im Dienst für das allgemeine Wohl und nicht in privatem Interesse. Er ist
der einzige von allen Männern, der in besonderem Sinne meine persönliche
Wahl war.
Ihr ergebener
Woodrow Wilson.«
Für Wilsons Charakter und seine Ergebenheit ist es bezeichnend, daß
der einzige Mann, den er selbst für ein hohes Regierungsamt wählte, unter
Anklage stand, an einer verbrecherischen Verschwörung gegen das Volk
der Vereinigten Staaten teilgenommen zu haben. Solche Männer wählte er
jedoch immer wieder in führende Stellungen, nachdem er die Vereinigten
Staaten in den Ersten Weltkrieg gestürzt hatte.
Wilsons völlige Unbedarftheit, wie sie aus den Aussagen des vorange-
gangenen Briefes ersichtlich ist, wird durch die Verhöre von Thomas D.
Jones vor dem Senat bewiesen. Ein Protokoll, das zuerst geheim gedruckt
56
wurde, stellt fest, daß Jones’ »Dienst für das allgemeine Wohl« als Direk-
tor der International Harvester Company darin bestand, sich selbst und
seinen Partnern eine Dividende von zwanzig Millionen Dollar zu bewilli-
gen. In seinem Kampfe für »die Rechte des Volkes gegen die Rechte der
Privilegierten«, fiel es Mr. Jones niemals ein, irgendwelche Anstrengun-
gen zu machen, den kriminellen Zusammenschluß der International Har-
vester Company aufzulösen, auch nicht, als die Company vom Justizmi-
nisterium 1913 angeklagt wurde. 19 Jahre später existierte sie noch ge-
nauso als Monopol, wie zur Zeit der Anklage durch den Justizminister
1913.
Die folgenden offiziellen Regierungsdokumente erweisen Woodrow
Wilsons Lüge bei der Empfehlung von Thomas D. Jones:
Bericht der Exekutive, Nr. 1, 63. Kongreß, 2. Sitzungsperiode
Ernennung von Thomas D. Jones, 25. Juli 1914.
Geheime Drucksache.
21. Juli 1914. Verfügung über Geheimhaltung zurückgenommen.
Mr. Hitchcocks Gegenbericht zur Ablehnung von Thomas D. Jones als
Mitglied des Federal-Reserve-Board durch das Bank- und Währungs-
komitee des Repräsentantenhauses. (Sen. Document 552).
»Das Bank- und Währungskomitee berichtet hiermit dem Senat über
die Ernennung von Mr. Thomas D. Jones zum Mitglied des Federal-Re-
serve-Board und empfiehlt dem Senat, die Bestätigung abzulehnen. Diese
Empfehlung beruht auf der Tatsache, daß Mr. Jones leitender Direktor im
Harvester Trust und Mitbegründer und Direktor des Zink-Trusts ist. Der
erstgenannte Trust ist von Gerichten verschiedener Staaten zu einer gesetz-
' widrigen Verschwörung erklärt worden und wird jetzt von den Vereinig-
ten Staaten gerichtlich verfolgt. Der zuletzt genannte Trust hat praktisch
ein Monopol in Zink-Oxiden errichtet, hat den Verbraucherpreis erhöht,
und erzielt bei einem Gesamtkapital von 10 Millionen Dollar einen unan-
gemessenen Gewinn von 5 Millionen Dollar jährlich. Der Harvester Trust
wurde 1902 unter dem Namen International Harvester Company mit ei-
nem Gesamtkapital von 120 Millionen Dollar gegründet. Er wurde von
der J. P. Morgan Company entworfen und finanziert, die dafür Aktien im
Werte von 4 Millionen Dollar erhielt; Aktien im Werte von 10 Millionen
Dollar wurden gegen Barzahlung an die Rockefellers und andere Geld-
magnaten durch die J. P. Morgan Company verkauft. «
Wilsons Verkauf seines geheiligten Trusts an die Finanz-Oligarchie
wird durch solche Berichte einwandfrei dokumentiert. Die Verhöre des
Senats über die Ernennung von Thomas D. Jones bestätigen Wilsons Ver-
rat am amerikanischen Volk.
Hier aus der Anhörung des Senats über die Ernennung von Thomas D.
Jones am 6. Juli 1914:
57
Senator Shafroth: »Nachdem das Verhör beendet ist, können wir be-
schließen, ob es veröffentlicht werden soll oder nicht. «
Senator Crawfort: »/n erster Linie ist das hier niedergeschriebene Pro-
tokoll für unseren Gebrauch, und wenn wir es durchgearbeitet haben, ist
es für den Gebrauch des Senats. Für ihn ist es bestimmt, weniger für das
Volk .«
Dies ist ein Beispiel, in welcher Weise die gewählten Vertreter des ame-
rikanischen Volkes ihm gegenüber ihre beschworenen Pflichten erfüllen.
Das Verhör wurde daraufhin den Zeitungen und dem Volke nicht zugäng-
lich gemacht.
Senator Reed: »Nun, Mr. Jones, in welcher Weise, wenn überhaupt,
bemühten Sie sich um die Auflösung des Monopols von Handelsbeschrän-
kungen hier in den Vereinigten Staaten, eines Monopols, das der Justizmi-
nister Ihnen zur Last legt?«
Mr. Jones: »Ich kann nicht sagen, Senator, daß ich irgendeinen Vor-
schlag förderte. «
Senator Reed: »Brachten Sie je einen Antrag bei den Sitzungen des Vor-
standes ein, um das Monopol aufzuspalten und es den Forderungen des Ju-
stizministers anzupassen?«
Mr. Jones: »Nein.«
Senator Reed: »Stimmten sie je für solch einen Vorschlag?«
Mr. Jones: »Ein solcher Vorschlag kam niemals zur Abstimmung. «
Senator Reed: »Sie wußten, daß die International Harvester Company
ein Zusammenschluß zur Handelsbeschränkung war?«
Mr. Jones: »Ja, Sir.«
Senator Reed: »Sie waren mit den Praktiken der Company einverstan-
den, solange Sie ihr angehörten?«
Mr. Jones: »Ich kenne aus der Zeit meines Direktorats keine Praktiken
der Company, die ich als Zuwiderhandlung gegen Gesetz und gute Sitten
ansehen könnte.«
Senator Nelson: »Wie hoch sind die Gewinne der New Jersey Zinc
Company, in der Sie auch Direktor sind?«
Mr. Jones: »Sie zahlten ungefähr 5 Millionen Dollar Dividende im letz-
ten Jahr und vier Millionen Dollar im Jahr davor.«
Senator Hitchcock: »Wie hoch war das Kapital?«
Mr. Jones: »10 Millionen Dollar. «
Senator Nelson: »Eine gewinnbringende Sache. «
Mr. Jones: »Die Dividenden waren, genau gesprochen, keine Gewin-
ne.«
Senator Reed: »Waren Sie bei der Sitzung der International Harvester
Company anwesend, auf der die Aktien-Dividende von zwanzig Millio-
nen Dollar beschlossen wurde®«
58
Mr. Jones: »Ja.«
Senator Reed: »Stimmten Sie dafür oder dagegen?«
Mr. Jones: »Ich stimmte dafür.«
Diese Verhöre widerlegen Woodrow Wilsons absurde Behauptung,
daß Thomas D. Jones ein Diener des Volkes war. Die Senatoren zögerten,
Jones für den Board vorzuschlagen und überlegten mehrere Wochen. Die
Zeitungen der Nation beschimpften jedoch Senator Reed, einen solch vor-
trefflichen Mann wie Mr. Jones zu verleumden. Und Woodrow Wilson
erklärte:
»Es gibt keinen Grund zu glauben, daß der ungünstige Bericht die Hal-
tung des Senates selbst wiedergibt. «
Nach mehreren Wochen zog Thomas D. Jones seine Kandidatur zu-
rück, und das Land mußte ohne seine Dienste fertig werden.
8. Kapitel
BERNARD BARUCH
Als die Federal-Reserve-Banken am 16. November 1914 eröffnet wur-
den, sagte Paul Warburg:
»Dieses Datum kann als der 4. Juli (Unabhängigkeitstag der USA,
Anm.d.Ü.) in der volkswirtschaftlichen Geschichte der Vereinigten Staa-
ten angesehen werden.«
Es war bestimmt der Tag, an dem alles verlorenging, was der 4. Juli be-
deutete, nämlich Freiheit im Innern und Unabhängigkeit von fremden
Einflüssen.
Die Journale und Zeitungen Amerikas lobten die Eröffnung als Beginn
einer echten Währungsreform. Aus den vorhandenen Zeugnissen jener
Zeit ist es allerdings schwer zu verstehen, wie das an sich außerordentlich
leichtgläubige amerikanische Volk sogar diese Lüge schluckte. Die Zuge-
hörigkeit Paul Warburgs zum Board hätte genügen müssen, um jeder-
mann davon zu überzeugen, daß die Wall Street mit im Spiel war. Auch
die Einsetzung eines Federal-Advisory-Council, einer Gruppe von Ban-
kiers, die den Federal-Reserve-Board bei seiner Arbeit unterstützen soll-
te, zeigt den Einfluß New Yorks an, denn zu seinen ersten Mitgliedern
zählten Winthrop, Aldrich und J. P. Morgan.
Der Federal-Reserve-Board ist die beste Illustration der Tatsache, daß
dieses Land hauptsächlich von nicht-gewählten Beamten regiert wird. Die
Laufbahn von HenryL. Stimson erweist dies. Als Teilhaber von Winthrop
and Stimson war er der engste Mitarbeiter von Bronson Winthrop, dem
Direktor vieler Aktiengesellschaften, dieKuhn, Loeb Co. gehörten. Stim-
son wurde überwältigend geschlagen, als er sich 1910 von der Republika-
59
nischen Partei zum Kandidaten für den Gouverneursposten von New
York aufstellen ließ. Er kandidierte danach niemals wieder für ein Wahl-
amt; aber er wurde anschließend Kriegsminister im Kabinett des Präsiden-
ten Taft und kurze Zeit auch Oberst im Ersten Weltkrieg, trat plötzlich
am 8. August 1918 zurück (die Dokumente über diesen Fall sind in einer
vertraulichen Akte versiegelt), wurde dann General-Gouverneur der Phi-
lippinen, Minister im Kabinett Hoover und Kriegsminister in Präsident
Roosevelts Kabinett während des Zweiten Weltkrieges.
Die Wahl der Federal-Reserve-Distrikte gab Anlaß zu manch einem
humorvollen Scherz, da jede Stadt irgendeinen Grund fand, Sitz einer der
zwölf Federal-Reserve-Banken zu werden. Nach beträchtlich vielen Ver-
handlungen wählte der Organisations-Ausschuß der Federal-Reserve-
Bank, der aus dem Finanzminister, dem Landwirtschaftsminister und
dem Kontrolleur der Währung bestand, folgende zwölf Distrikte aus:
New York, Boston, Philadelphia, Cleveland, Chikago, St. Louis, Rich-
mond, Atlanta, Dallas, Minneapolis, Kansas City und San Francisco.
Weite Gebiete des Westens ließ man ohne Agentur, wie Michigan und
Wisconsin; es waren die Gebiete, die La Follette in seinem Kampf gegen
den Geld-Trust unterstützt hatten. Ein weiterer Grund war der Wider-
stand von Andrew Frame und einiger westlicher Bankiers gegen das Fe-
deral-Reserve-Gesetz in der American Bankers’ Association.
In Dallas und Kansas City wurde der Einfluß der neuen Federal-Reser-
ve-Banken ernsthaft von der mächtigen Dallas Joint Land and Stock Bank
und der Kansas City Joint Land and Stock Bank bekämpft. Eine Fehde be-
gann zwischen den Federal-Reserve-Banken und diesen Banken, die un-
abhängige Institutionen waren und die finanziellen Bedürfnisse der Far-
mer und Viehzüchter vertraten. Sie endete 1928 melodramatisch, als Bun-
despolizisten mit gezogenen Waffen in die Joint Stock Banken eindrangen
und sie gemäß den Befehlen des stellvertretenden Finanzministers Dewey
und Eugene Meyers Jr. übernahmen. Das Bekanntwerden dieses Vorgan-
ges verursachte den Zusammenbruch dieser Banken; und so erlangten die
Federal-Reserve-Banken von Dallas und Kansas City schließlich die ge-
samte Kontrolle über Geld und Kredit in ihren jeweiligen Distrikten. Wie
Ferdinand Lundberg in America’s Sixty Families ausführte, waren diese
lokalen Kämpfe jedoch nicht allzu wichtig, denn
»In der Praxis wurde die Federal-Reserve-Bank von New York der Ur-
quell eines Systems von 12 regionalen Banken; denn New York war der
Geldmarkt der Nation. Die anderen elf Banken glichen kostspieligen
Mausoleen, die nur dazu dienten, dem lokalen Stolz zu schmeicheln und
Die Jacksonsche Furcht des Hinterlandes (vor New York) zu dämpfen. «
Lundberg fährt dann fort:
»Benjamin Strong, einer aus der ursprünglichen Gruppe von Jekyl Is-
60
land und Präsident des Bankers Trust Co. aus New York (Morgan) wurde
zum ersten Direktor der New Yorker Federal-Reserve-Bank gewählt. Als
ein Meister der Hochfinanz manipulierte Strong jahrelang die Währungs-
Systeme Amerikas nach dem Belieben der Direktoren, die die führenden
New Yorker Banken vertraten. Unter Strong wurde das Reserve-System
in ineinandergreifende Beziehungen zur Bank von England und Frank-
reich gebracht. Benjamin Strong behielt seine Position als Direktor der Fe-
deral-Reserve-Bank von New York bis zu seinem plötzlichen Tode im
Jahre 1928, als es zu einer Nachforschung des Kongresses über die gehei-
men Zusammenkünfte von Direktoren der Federal-Reserve-Banken mit
den führenden Köpfen der europäischen Zentralbanken kam, die dann die
Weltwirtschaftskrise von 1929-31 herbeiführten.«
Paul Warburg war stets für ein regionales System; aber er sah nicht ein,
warum man für die Errichtung von zwölf Banken Geld verschwenden
sollte, wenn vier denselben Zweck erreichten. Schließlich wollte er acht
bewilligen; doch Carter Glass überzeugte ihn, daß sie niemals das Gesetz
mit weniger als zwölf Banken im Kongreß durchbringen könnten. Das
führte zu Warburgs Bemerkung, das Gesetz enthalte nicht alles, was sie
sich wünschten, daß dies jedoch durch Verwaltungsmaßnahmen korri-
giert werden könnte...
Am 29. Oktober 1915 versuchte ein Komitee, bestehend aus Paul War-
burg, Delano und Hamlin, Warburgs ersten Verwaltungsakt als Vorsit-
zender des Federal-Reserve-Systems durchzuführen. Es war der Versuch,
die Zweigstellen in Dallas und Kansas City infolge der Konkurrenz durch
die Joint Land and Stock Banken in jenen Städten zu schließen. Der Gene-
ralanwalt des Board belehrte jedoch Warburg, daß das Federal-Reserve-
Gesetz dem Direktorium keine Gewalt verlieh, Distrikte abzuschaffen
oder einzuschränken. Daraufhin nahm sich Warburg sofort einen Spezial-
anwalt, der eine günstige Lösung fand (Bulletin 1916, pp. 20, 25; 1915, p.
396). Schließlich jedoch vertrat der Justizminister der Vereinigten Staaten,
dem die Frage vorgelegt worden war, am 22. November 1915 die Ansicht,
daß der Vorstand nicht das Recht habe, bestehende Distrikte abzuschaffen
und erteilte damit Warburg seine einzige Niederlage als Diktator des Fe-
deral-Reserve-Systems. Er war besonders darum bemüht, den Federal-
Reserve-Banken von Dallas und Kansas City entweder die völlige Herr-
schaft über ihre Distrikte zu verschaffen oder sie zu beseitigen; denn er
wollte, daß das System die wichtigste Funktion einer Zentralbank ausüb-
te, Geld und Kredit einer Nation zu mobilisieren, um einen Großkrieg zu
finanzieren.
Am 13. September 1937 erklärte Bernard Baruch vor dem Nye Commit-
tee:
»Alle Kriege haben wirtschaftlichen Ursprung. «
61
Mr. Baruchs eigene wirtschaftliche Interessen haben ihn in den beiden
Weltkriegen zu einer beherrschenden Macht in Amerika gemacht; im Er-
sten, als er Woodrow Wilson ins Weiße Haus brachte, im Zweiten, als er
den Kongreß dazu bewog, sein Rationierungs-, Preis- und Arbeitskon-
troll-System anzunehmen, das er ihm in einer Reihe von Vorträgen im
Nye Committee darlegte und das die Grundlagen zur Diktatur Roosevelts
von 1940-1945 schuf.
Die wirtschaftlichen Gesichtspunkte des Ersten Weltkrieges sind in al-
ler Ausführlichkeit von vielen Schriftstellern behandelt worden, die durch
ihre Ausbildung durchaus dazu qualifiziert waren, sich mit diesem Thema
zu befassen; aber die Fülle besonderer Studienbeihilfen an diese Leute
sorgte dafür, daß wenig mehr dabei herauskam, als Mr. Baruchs eigene
Erklärung. Besonders überraschend ist jedoch das völlige Stillschweigen
über die direkte Verantwortlichkeit des Federal-Reserve-Systems für die
Finanzierung Europas im Ersten Weltkrieg.
Vor 1914 und vor der Einrichtung des Federal-Reserve-Systems waren
die Vereinigten Staaten eine Nation von Schuldnern, das heißt, sie borgten
auswärts sehr viel Geld und gaben selten internationale Anleihen heraus,
vor allem deswegen, weil Amerikas Geld und Kredit nicht von einer Zen-
tralbank mobilisiert wurde. Der New Yorker Geldmarkt war wohl fähig,
Industrie-Unternehmen im Auslande zu finanzieren; er finanzierte auch
einen kleinen Krieg- den Krieg für Kubas Zucker-Industrie 1898- aber er
war nicht stark genug, sich selbst zu verpfänden, um nationale Anleihen
herauszugeben. Das System nationaler Anleihen, das durch die Roth-
schilds während der napoleonischen Kriege vervollkommnet wurde,
diente dazu, die kontinentalen Kriege im 19. Jahrhundert zu finanzieren,
wie auch den Süden während des amerikanischen Bürgerkrieges. Diese
nationalen Anleihen wurden durch die internationale Finanz-Organisa-
tion der Brüder Rothschild ermöglicht, die in allen europäischen Haupt-
städten Zweigstellen errichtet hatten. Auf diese Weise konnten die Risi-
ken und auch die Gewinne jeder Anleihe verteilt werden. Außerdem ver-
ringerte eine internationale Einrichtung die Möglichkeit des Eingriffs oder
der Kontrolle durch die Regierung irgendeines Landes.
Um 1900 war es offenbar geworden, daß die europäischen Länder kei-
nen großen Krieg führen konnten. Wohl hatten sie stehende Heere, die
allgemeine Wehrpflicht und Zentralbanken, die einen Krieg finanzieren
konnten; doch ihre Wirtschaft hätte sich ihn nicht leisten können. Schon
im April 1887 wiesen die Herausgeber des Quarterly Journal of Economics
darauf hin und schrieben:
»Einen ausführlichen Überblick über die öffentliche Verschuldung En-
ropas zeigt eine Summe von 5343 Millionen Dollar jährlich an Zinsen- und
Tilgungszahlungen. M. Neymarcks Schlußfolgerung entspricht weitge-
62
hend der von Mr. Atkinson. Die Finanzen Europas sind so in Anspruch ge-
nommen, daß die Regierungen sich fragen mögen, ob nicht ein Krieg mit
all seinen schrecklichen Aussichten der Aufrechterhaltung eines so prekä-
ren und kostspieligen Friedens vorzuziehen sei. Wenn die militärischen
Vorbereitungen in Europa nicht in einem Kriege enden, könnten sie zu ei-
nem Bankrott der Staaten führen. Oder, wenn solche Torheiten weder zu
einem Kriege noch zu einem Untergange führen, dann weisen sie auf be-
vorstehende industrielle und wirtschaftliche Revolutionen hin.«
Der Erste Weltkrieg begann 1914. Die Federal-Reserve-Banken began-
nen ihren Betrieb 1914. Das »System« zwang die Amerikaner, den Allier-
ten 25 Milliarden Dollar zu leihen, diemit Ausnahme der Zinsen nicht zu-
rückgezahlt wurden, und diese gingen aber an die New Yorker Bankiers.
Das System drängte die USA auch in den Krieg gegen das deutsche Volk,
mit dem sie keinen erdenklichen politischen oder wirtschaftlichen Streit
hatten. Der deutsche Gesandte in der Türkei, Baron Wangenheim, fragte
Henry Morgenthau, den amerikanischen Gesandten in der Türkei,
warum die Vereinigten Staaten Krieg gegen Deutschland führen wollten,
wo es doch keine Gründe für solch einen Angriff gäbe. »Wir Amerika-
ner«, erwiderte Morgenthau und sprach vermutlich für jene Gruppe von
Grundstücks-Spekulanten in Harlem, deren Kopf er war, » Wir Amerika-
ner gehen aus moralischem Grundsatz in den Krieg.« Jener moralische
Grundsatz verbarg eine beträchtliche Menge Gold in sich. Mr. Morgen-
thaus moralische Grundsätze stammten aus den New Yorker Slums, wo er
Wohnungen zu hohen Preisen an arme Neger vermietet hatte. Ein weite-
res Studium der moralischen Grundsätze, die den Eintritt der Vereinigten
Staaten in den Ersten Weltkrieg veranlaßten, offenbart, daß die Duponts
nach der Kriegserklärung den Preis ihres Schießpulvers für die Regierung
verdoppelten und daß J. P. Morgan Co. die Ausgabe der ersten »Frei-
heits-Anleihe« gestattet wurde, um dieser Firma 400 Millionen Dollar zu-
rückzuzahlen, die ihr England schuldete.
Woodrow Wilsons inoffizieller Kurier und Vertrauter während der
ganzen Zeit seiner Regierung war Colonel House, der ihm von Paul War-
burg aufs wärmste empfohlen worden war. Colonel House war mehrere
Jahre hindurch Wilsons privater Abgesandter nach Europa und hielt die
herzlichen Beziehungen zwischen Felix und Paul Warburg von Kuhn,
Loeb Co. in New York und dem Rest der Familie von M. M. Warburg &
Co. ın Amsterdam und Hamburg aufrecht, einschließlich des Bruders, der
Chef des deutschen Geheimdienstes war.
Wie wir schon ausführten, waren die Vereinigten Staaten vor dem Er-
sten Weltkriege eine Nation von Schuldnern. Viele der großen nationalen
Anleihen wurden von einer oder mehreren Zweigstellen Rothschilds in
England, Frankreich oder Deutschland herausgegeben; der größte Anteil
63
jedoch wurde von der Hauptagentur Rothschilds in London, von J. P.
Morgan, Bliss & Co. und von). P. Morgan, Drexel & Co., die Niederlas-
sungen in New York und London hatten, getätigt.
Die Funktion dieser internationalen Gesellschaften wurde nach 1914
bedeutend verringert, als es das Federal-Reserve-System übernahm, das
Steigen und Fallen der Aktien durch ein Herab- und Heraufsetzen des
Zinssatzes vorherzubestimmen und große Mengen der Staatspapiere an
der New Yorker Börse zu unterbieten. Die New Yorker Federal-Reser-
ve-Bank unter der Führung von Benjamin Strong, dem Angestellten von
Morgan, arbeitete eng mit der Bank of England zusammen, nach 1914 er-
litten jedoch die Bankhäuser von Morgan einen bedeutenden Rückgang
ihrer internationalen Geschäfte. Denn internationale Finanzverbindun-
gen wurden durch das Vorhandensein von Zentralbanken in den Ländern
sehr erleichtert. Die von Rothschild beherrschte Bank of England konnte
jetzt direkt mit ihrem Hauptvertreter in den Vereinigten Staaten, mit Paul
Warburg, in dem von den Rothschilds finanzierten Hause Kuhn, Loeb
Co. verhandeln. Nach dem Kriege bewies der Völkerbund seine Ergeben-
heit gegenüber den Interessenten dadurch, daß er sich weigerte, Anleihen
an jene Nationen zu vergeben, die keine Zentralbank hatten oder den
Goldstandard nicht anerkannten.
In den Jahren 1915/16 hielt Woodrow Wilson den Bankiers, die ihm die
Präsidentschaft in den Vereinigten Staaten erkauft hatten, die Treue und
weigerte sich, auf die Anklagen seines Ministers William Jennings Bryan
zu hören, die sich dagegen wandten, daß den Alliierten über die Roth-
schilds Anleihen gegeben wurden.
»Geld«, sagte Bryan, »ist die schlimmste Schmuggelware«, und die ame-
rikanischen Anleihen an die Verbündeten während der zweieinhalb Jahre
vor dem Eintritt in den Ersten Weltkrieg bedeuteten einen schlimmeren
Angriff als die verspätete Einschiffung von Truppen im Jahre 1917, nach-
dem Wilsons Kriegserklärung der Angelegenheit den Anschein von Lega-
lität gegeben hatte. Bis 1917 hatten die Morgans und Kuhn, Loeb Co. ein-
einhalb Milliarden Dollar als Anleihen an die Alliierten ausgegeben, ver-
kauft in Schuldscheinen durch die großen Finanziers von New York.
Diese Bankiers gaben Hunderttausende von Dollar aus, um uns zum
Kriege zu bewegen; sie benutzten dazu die Veröffentlichungen der belgi-
schen Hilfskommission, die Greuelmärchen erfand, und der League to
Enforce Peace, einer Carnegie-Organisation, die zum Kriege schürte.
Eine Schiffsladung nach der anderen mit Munition wurde nach England
und Frankreich geschickt, und wir forderten Deutschland geradezu her-
aus, diese Schiffe zu versenken; und eins von ihnen, die Lusitania, wurde
versenkt. Durch die Versenkung der Lusitania starben Amerikaner; doch
die Ware an Bord, die Kriegsmunition.aus den Werken von Cleveland H.
64
Dodge, war bezahlt.” Doch war das nichts im Vergleich zu den vielen
Amerikanern, die in Frankreich sterben mußten, und zu den Vermögen,
die durch den Tod amerikanischer Soldaten gewonnen wurden.
Walter Hines Page, Gesandter in Großbritannien, beklagte sich, daß er
sich diese Position nicht leisten könnte. Sofort wurden ihm 25000 Dollar
jährlich von Cleveland H. Dodge gespendet. H. L. Mencken klagte Page
öffentlich an, im Jahre 1916 britischer Agent gewesen zu sein. Am5. März
1917 sandte Walter Hines Page einen vertraulichen Brief an Woodrow
Wilson, in dem es hieß:
»Ich glaube, daß der Druck der herannahenden Krise die finanziellen
Möglichkeiten Morgans zugunsten der Briten und Franzosen übersteigt.
Der Geldbedarf wird zu groß und zu dringend für jede private Agentur,
die immer mit der Eifersucht von Rivalen und Behörden rechnen muß. Die
größte Hilfe, die wir den Verbündeten geben könnten, bestünde in einem
Kredit. Unsere Regierung könnte eine beträchtliche Summe Geldes in ei-
ner französisch-britischen Anleihe anlegen oder die Bürgschaft für eine sol-
che Anleihe übernehmen. Natürlich kann sie diesen Kredit nur gewähren,
wenn wir an dem Krieg gegen Deutschland teilnehmen.«
Noch innerhalb dieses Monats verlangte Woodrow Wilson vom Kon-
greß die Kriegserklärung, um amerikanische Bankiers vor dem Verlust von
eineinhalb Milliarden Dollar zu bewahren und um einen Absatzmarkt für
Waffen zu schaffen. Die erste Freiheits-Anleihe (Liberty Loan) von 400
Millionen Dollar ging an J. P. Morgan, um eine britische Anleihe zurück-
zuzahlen. Das war aber erst der Anfang. Eineinhalb Jahre lang strömten
die Bankiers und die Manager der Schwerindustrie und des Transport-
und Verkehrswesens nach Washington, wo sie 25 Milliarden Dollar ame-
rikanischen Vermögens ausgaben. Diese ganze Summe ging an Unter-
nehmungen, die ihnen gehörten. Das Schauspiel, das Eugene Meyer Jr.,
der Direktor der War Finance C. orporation, bot - er benutzte seine Ernen-
nung dazu, sich selbst für viele Millionen Dollar Staatsanleihen zu verkau-
fen - ist ein Maßstab für die Ränke, die während des Krieges in Washing-
ton geschmiedet wurden.
Der wirkliche Grund von Pages Brief an Wilson war die Tatsache, daß
die Rothschilds über das Ausmaß der militärischen Erfolge Deutschlands
beunruhigt wurden und fürchteten, die Deutschen könnten schließlich
den Krieg doch noch gewinnen. Das Finanzchaos, das ihre Agenten in
Deutschland herbeiführten, nämlich die Familie Warburg, die die kaiser-
liche Kriegsführung finanzierten, berührte die deutsche Kriegsmaschine-
rie nicht wesentlich, ebensowenig wie die Stellung von Paul Warburgs
* Cleveland H. Dodge, Wilsons engster Freund und Befürworter, war Eigentümer der Re-
mington Arms Co. und der Winchester Arms Co.
65
Bruder, der es als Chef des deutschen Geheimdienstes genehmigte, daß
Lenins Zug durch Deutschland an die russische Front fuhr, was die bol-
schewistische Revolution ermöglichte. Der drastische Schritt Amerikas,
in den Krieg einzutreten, war notwendig, um die übersteigerten Anleihen
Rothschilds zu retten und die Gefahr von ihren privaten Banken in Frank-
reich und England abzuwenden und dem amerikanischen Volke aufzu-
bürden. Die finanzielle Zukunft der Vereinigten Staaten wurde also ver-
pfändet, um Sicherheit für die Anleihen der Allüerten zu schaffen.
Die amerikanische Schwerindustrie hatte sich nach den Worten des Ma-
rinestaatssekretärs, Franklin D. Roosevelt, erwa ein Jahr auf den Krieg
vorbereitet. Das Armee- und Marine-Ministerium hatten seit Anfang
1916 große Kriegsvorräte eingekauft. Cordell Hull bemerkte in seinen
Memoiren:
»Der Krieg erzwang die Entwicklung des Einkommenstener-Gesetzes.
Es trat gerade zur rechten Zeit in Kraft, um den Forderungen des Krieges
gerecht zu werden. Ebenso unterstützte der Krieg den Beginn der Tätig-
keit des Federal-Reserve-Systems.«
Das Journal of Political Economy vom Oktober 1917 stellte fest:
» Der Einfluß des Krieges auf die Geschäfte der Federal-Reserve-Banken
bewirkte eine ungeheure Erhöhung des Personalbestands mit einer ent-
sprechenden Erhöhung der Ausgaben. Die Schöpfer des Federal-Reser-
ve-Gesetzes hatten dafür gesorgt, daß die Federal-Reserve-Banken als fis-
kalische Agenten der Regierung handeln sollten, aber sie waren selbstver-
ständlich nicht imstande, so rasch in dieser Richtung so weitreichende For-
derungen zu erfüllen.«
Sowohl Hull wie die Herausgeber des Journal of Political Economy,
stellten befriedigt und überrascht fest, daß das Federal-Reserve-System
und der Erste Weltkrieg, die beide zur gleichen Zeit begannen, so gut zu-
einander paßten. Hull erkannte offenbar nicht, daß die Haupttätigkeit der
Zentralbanken in der Finanzierung von Kriegen bestand.
Am 13. Oktober 1917 hielt Woodrow Wilson folgende Rede:
»Es ist ein Gebot der Stunde, daß alle Geldreserven des Landes mobili-
siert werden. Die Lasten und Vorteile (von Anleihen an die Verbündeten)
müssen alle Bankinstitute der Vereinigten Staaten tragen. Ich glaube, daß
die Zusammenarbeit der Banken derzeit eine vaterländische Pflicht ist und
daß die Mitgliedschaft im Federal-Reserve-System ein deutlicher und
wichtiger Beweis von Vaterlandsliebe ist.«
Wilsons Rede wurde durch die Tatsache veranlaßt, daß die Staatsbank
und die Trusts nicht in dem erwarteten Maße dem Federal-Reserve-Sy-
stem beitraten. Kemmerer schreibt dazu:
»Als fiskalische Vertreter erwiesen die Federal-Reserve-Banken dem
Staate nach dem Eintritt in den Krieg unschätzbare Dienste. Sie halfen vor
66
allem bei der Erhaltung unserer Goldreserven, bei der Regulierung unse-
rer ausländischen Verbindlichkeiten und bei der Zusammenfassung und
wirksamen Ausnützung unserer finanziellen Kräfte. Man schaudert, wenn
man bedenkt, was hätte geschehen können, wenn wir während des Krieges
noch unsere frühere Dezentralisation und unser veraltetes Banksystem ge-
habt hätten.«
Mr. Kemmerers Schaudern war unangebracht. Wenn wir unser »veral-
tetes Banksystem« beibehalten hätten, wären die USA niemals imstande
gewesen, die Verbündeten zu finanzieren oder selbst in den Krieg einzu-
treten.
Woodrow Wilson glaubte nicht an seinen Kreuzzug, zur Rettung der
Welt für die Demokratie. Er schrieb später:
»Der Weltkrieg war eine Folge wirtschaftlicher Rivalıtät.«
Bei einer Untersuchung durch Senator McCumber bezüglich der Um-
stände, die zum Eintritt unseres Landes in den Krieg führten, wurde Wil-
son gefragt:
»Glauben Sie, daß wir an diesem Krieg teilgenommen hätten, wenn
Deutschland keine Kriegshandlungen und keine Ungerechtigkeiten gegen
Bürger unseres Landes begangen hätte?«
»Ich glaube es,« erwiderte Wilson.
»Sie glauben also, daß wir auf jeden Fall in den Krieg eingetreten wä-
ren?«
»Ja«, sagte Wilson.
Was auch immer Wilsons Gedanken über Amerikas Eintritt in den
Krieg waren, er lieferte sein Land während des Krieges den übelsten Ele-
menten aus. Das Schicksal des amerikanischen Volkes wurde in die Hände
von drei Diktatoren gelegt, die alle drei Spekulanten der Wall Street waren
und niemals in ein Amt gewählt worden waren. Der eine war der Sohn ei-
nes polnischen Immigranten, der andere der Sohn eines französischen
Immigranten und der dritte ein deutscher Immigrant, der 1911 eingebür-
gert worden war.
Bernard Baruch, Eugene Meyer Jr. und Paul Warburg, alle von ihrem
Strohmann Wilson ernannt, übten größere Macht über das amerikanische
Volk aus als irgendein Präsident; denn hinter ihnen stand die Finanz-Oli-
garchie, die seit 1863 unbestritten, Macht im Lande besaß.
1890 lenkte Bernard Baruch zum erstenmal die Aufmerksamkeit auf die
Wall Street, wo er als gewandter, junger Mann für die Börsenmakler A. A.
Housman & Co arbeitete. Börsenmakler wie Thomas Fortune Ryan und
Henry H. Rogers erkannten in ihm einen außergewöhnlichen Organisa-
tor von Gesellschaften. 1896 vereinte er die sechs wichtigsten Tabakgesell-
schaften der Vereinigten Staaten zur Consolidated Tobacco Co. und
zwang James Duke von der American Tobacco Co., diesem gigantischen
67
Trust beizutreten. Der zweite große Trust, den Baruch organisierte, war
der Kupfertrust, der für die Familie Guggenheim gebildet wurde, die seit
jeher die Kupferindustrie Amerikas beherrschte. Baruchs erster Kontakt
mit der Firma Kuhn, Loeb Co. bot sich an, als er und Edward H. Harri-
man — der Frontkämpfer in Jacob Schiffs erfolgreichem Feldzug, die Ei-
senbahnen Amerikas für die Rothschilds zu gewinnen - ihre Talente ver-
einten, um die Kontrolle über das öffentliche Verkehrswesen der Stadt
New York zu gewinnen.
1901 gründeten Bernard Baruch und sein Bruder Herman in New York
die Firma Baruch Brothers, Bankers. 1917 wurde sie aufgelöst, damit Ber-
nard den Vorsitz im War Industries Board übernehmen konnte; aus ihr
wurde die Firma Hentz Brothers, Bankers.
In einer biographischen Skizze des New Yorker wurde über Baruch be-
richtet, daß er einmal an einem Tage 750000 Dollar durch Stahlaktien der
Vereinigten Staaten gewann, nachdem ein falsches Friedensgerücht in
Washington in Umlauf gebracht worden war. Mit der Verbreitung des
Friedensgerüchts fielen die Aktien erheblich, und Baruch kaufte von ih-
nen auf, soviel er wollte. 50000 Dollar hatte er für Woodrow Wilsons
Wahlfeldzug beigesteuert, und als Gegenleistung erhielt er die Kontrolle
über Amerikas Schwerindustrie.
In Who’s who in American Jewry erwähnt Baruch, daß er Mitglied der
Kommission war, die während des Krieges alle Einkäufe der Alliierten tä-
tigte. Das war eine schr bescheidene Aussage; denn Bernard Baruch war
selbst die Kommission. Jährlich gab er zehn Milliarden Dollar amerikani-
scher Steuergelder aus und achtete darauf, daß die Aufträge an solche Fır-
men gingen, an denen er mehr als ein höfliches Interesse hatte.
Bernard Baruch war auch das entscheidende Mitglied der Kommission,
die die Preise für Munition festsetzte. Das bedeutete, daß er bestimmte, zu
welchem Preis die Regierung der USA auch Kriegsmaterial von Baruchs
eigenen Gesellschaften kaufte. Jedoch übte er als Vorsitzender des War
Industries Board vor allem geradezu diktatorische Gewalt über die ameri-
kanischen Fabriken aus. Bei den Verhören des Nye Committees im Jahre
1935 bezeugte Baruch:
»Präsident Wilson ermächtigte mich in einem Brief, jede Industrie und
jedes Werk zu übernehmen. Mit Richter Gary, dem Präsidenten der Uni-
ted States Steel, hatten wir Unanehmlichkeiten; doch als ich ihm jenen
Brief zeigte, sagte er: »Ich glaube, wir müssen das anerkennen, und er er-
kannte es an.«
Woodrow Wilson zahlte Baruchs Wahlgelder in Höhe von 50000 Dol-
lar zurück, indem er die gesamte amerikanische Regierung Baruchs Mani-
pulationen auslieferte. Im Kongreß gab es jedoch Abgeordnete, für deren
Wahl Baruch keine 50000 Dollar ausgegeben hatte, und sie wollten wis-
68
sen, welche Qualifikationen er besitze, daß ihm während des Krieges Ge-
walt über Leben und Tod der amerikanischen Industrie gegeben wurde.
Er war kein Fabrikant und war kaum je in seinem Leben in einer Fabrik
gewesen. Von einem Komitee des Kongresses nach seinem Beruf gefragt,
nannte er sich einen »Spekulanten«. Ein Wall Street-Spieler war der Zar
der amerikanischen Industrie geworden, von einem Mann auf jenen Po-
sten berufen, der durch den Wahlspruch »Er bewahrt uns vor dem Krieg«
zum Präsidenten gewählt worden war, und der unverzüglich den Krieg
erklärte, um die Rothschilds vor weiterer Gefährdung ihres Kreditsy-
stems zu schützen.
Der zweite der drei Imperatoren der Vereinigten Staaten im Jahre 1917
war Eugene Meyer Jr., der Sohn des dominierenden Teilhabers im inter-
nationalen Bankhaus Lazard Freres in Paris und New York. Meyer und
Baruch kauften 1915 gemeinsam die Alaska-Juneau Goldmine und waren
Partner in anderen Finanz-Spekulationen. Auf Betreiben Baruchs und
McAdoos, des Angestellten von Kuhn, Loeb Co. und gleichzeitigen Fi-
nanzministers, wurde Meyer von Woodrow Wilson zum Vorsitzenden
der War Finance Corporation (Kriegsfinanzgesellschaft) ernannt. Das
Spezialgebiet von Meyers Stammhaus Lazard Freres war der internatio-
nale Goldhandel, und sein Eigentumsrecht an der Alaska-Juneau Gold-
mine und seine Goldminenbesitzungen in Süd-Afrika machten ihn zu ei-
nem geachteten Mitglied des auserwählten Kreises internationaler Finanz-
leute. Als Vorsitzender des War Finance Committee war er damit beauf-
tragt, große Mengen von Staatspapieren an Handelsfirmen abzusetzen.
Die Mitgliedsbanken des Federal-Reserve-Systems standen unter der
Herrschaft von Paul Warburg; doch Meyer betrieb die Kriegsfinanzie-
rung durch jene Geldagenturen und Banken, die sich nicht unter der Kon-
trolle des Systems befanden. Meyer gebrauchte außerdem seine Stellung
dazu, an sich selbst, d.h. an Eugene Meyer Jr., New York, für Millionen
Dollar Obligationen der Vereinigten Staaten zu verkaufen.
Bei der Untersuchung des Senats bezüglich Meyers Qualifikationen, in
den Federal-Reserve-Board zu kommen - für diese Position hatte ihn
Herbert Hoover vorgeschlagen - stellte ein alter Freund aus London, Se-
nator Robert L. Owen, der Vorsitzende des Senatskomitees für das Bank-
und Währungswesen am 27. Januar 1931 fest, daß Meyer ein Schwager
Georg Blumenthals war, eines Mitglieds der Firma). P. Morgan Co., dem
Agenten von Rothschild. Weitere Beweise enthüllten, daß unter Meyers
Leitung mindestens für 24 Millionen Dollar Liberty Bonds (Freiheits-Ob-
ligationen) als Duplikate gedruckt worden waren und daß für 10 Milliar-
den First War Obligations heimlich vernichtet worden waren. (House Re-
port 1635, 68.th Congress, 2nd Session). Als die Bücher dem Komitee zur
Prüfung ausgehändigt waren, entdeckte man, daß sie jeden Abend in das
69
Finanzministerium zurückgebracht und Änderungen in den laufenden
Protokollen vorgenommen wurden. Obwohl das einige Kongreßmitglie-
der bezeugten, wurde Meyers Berufung in den Federal-Reserve-Board
aufrechterhalten und Hoovers Urteil gerechtfertigt.
Das dritte Mitglied des Triumvirates, das unser Land während des Er-
sten Weltkrieges regierte, war Paul Warburg, über den wir schon ausführ-
lich sprachen. Im Hinblick auf seine militärische Bedeutung für unser
Land während des Krieges berichtete der Marine-Geheimdienst der Ver-
einigten Staaten über ihn am 12. Dezember 1918:
»Warburg, Paul, New York City. Deutscher, 1911 als Amerikaner ein-
gebürgert, 1912 vom Kaiser mit einem Orden ausgezeichnet, war stellver-
tretender Vorsitzender des Federal-Reserve-Board, verfügte über große
Summen, die ihm von Deutschland für Lenin und Trotzky beschafft wur-
den. Hat einen Bruder, der Leiter der deutschen Spionage ist.«
Paul Warburg blieb Finanz-Diktator der Vereinigten Staaten während
des Ersten Weltkrieges bis zum Mai 1918. Wie die New York Times be-
richtet, gab er in seinem Entlassungsgesuch an, daß einige Bedenken gegen
ihn erhoben worden waren, weil er einen Bruder im schweizerischen Ge-
heimdienst hätte. Wir befanden uns nicht im Krieg mit der Schweiz. Aber
er wagte es nicht zuzugeben, daß sein Bruder Chef des deutschen Ge-
heimdienstes zur selben Zeit war, als er im Vorstand des Federal-Reser-
ve-Board saß. Auf jeden Fall hätte ein Mann, der vom Kaiser ausgezeich-
net worden war, mit einigem Argwohn angesehen werden müssen, be-
sonders nachdem die USA durch die antideutsche Propaganda ihrer füh-
renden Zeitungen in den Jahren 1917/18 in einen hysterischen Zustand
versetzt worden waren. Da Warburg noch fünf Jahre vor dem Kriege
deutscher Staatsangehöriger gewesen war, wäre er unter der liberalen Po-
litik Franklin D. Roosevelts in ein Konzentrationslager gebracht worden.
Diese drei von Wilson ernannten Männer beherrschten während des Er-
sten Weltkrieges die Finanzen und die Industrie der Vereinigten Staaten;
Baruch beherrschte die Industrie, Meyer beherrschte Geld und Kredit je-
ner Banken, die nicht zum Federal-Reserve-System gehörten und War-
burg beherrschte das amtliche Banksystem der Nation. Neben diesen
Männern kam nach Washington ein Schwarm Teilhaber, Angestellter und
Verbündeter von). P. Morgan Co. undKuhn, Loeb Co., um das Schicksal
des amerikanischen Volkes in die Hand zu nehmen.
Die Kriegsanleihen, die an das amerikanische Volk verkauft wurden,
unterstanden nominell der Zuständigkeit des Finanzministeriums der
Vereinigten Staaten unter der Leitung von Wilsons Finanzminister Wil-
liam G. McAdoo, den Kuhn, Loeb Co. im Jahre 1902 mit der Verwaltung
der Hudson-Manhattan-Railway Co. beauftragt hatte. Paul Warburg von
Kuhn, Loeb Co. hatte mit ihm während des Krieges den größten Teil sei-
70
ner Firma nach Washington verlagert. Jerome Hanauer, Teilhaber bei
Kuhn, Loeb Co., war stellvertretender Finanzminister und betreute die
Kriegsanleihen. Die zwei Unter-Staatssekretäre des Finanzministers wäh-
rend des Krieges waren S. Parker Gilbert und Roscoe C. Leffingwell. Gil-
bert und Leffingwell kamen zum Finanzministerium aus der Anwalts-
kanzlei von Cravath und Henderson und kehrten dorthin wieder zurück,
nachdem sie ihren Auftrag für Kuhn, Loeb Co. im Finanzministerium er-
füllt hatten. Cravath und Henderson waren die Anwälte von Kuhn, Loeb
Co.; Gilbert und Leffingwell wurden später Teilhaber bei J. P. Morgan
Co.
Eine der rätselhaftesten Freignisse des Ersten Weltkrieges war, daß
Woodrow Wilson den Londoner Bergbau-Förderer Herbert Hoover zum
Leiter des Ernährungswesens der USA ernannte. Noch bevor Hoover von
London aus in den USA eingetroffen war, noch bevor der Kongreß über-
haupt von ihm gehört hatte, richtete sein Sekretär, Lewis Lichtenstein-
Strauss, Partner von Kuhn, Loeb Co. und Schwiegersohn von Jerome
Hanauer aus derselben Firma, im Ernährungs-Ministerium der Vereinig-
ten Staaten das Büro des Ernährungsministers ein und machte für ihn ın
den Zeitungen Propaganda. Ein verwirrter Kongreß bestätigte die Ernen-
nung Hoovers durch Wilson, als wäre es eine Selbstverständlichkeit, ob-
wohl es als recht ungehörig empfunden wurde, daß ein Mann ein Amt
übernahm, bevor er dafür überhaupt ins Gespräch gekommen war.
Kuhn, Loeb Co., die größten Eisenbahn-Besitzer in den USA und Me-
xiko, schützten ihre Interessen während des Ersten Weltkrieges dadurch,
daß sie Woodrow Wilson veranlaßten, eine Eisenbahn-Verwaltung der
Vereinigten Staaten zu gründen. Der General-Direktor wurde William
McAdoo, sein Stellvertreter John Skelton Williams, der Währungskon-
trolleur. 1918 ersetzte Warburg diese Einrichtung durch eine straffere Or-
ganisation, die er Federal Transportation Council (Bundes-Transport-
Rat) nannte. Der Zweck beider Organisationen war, während des Krieges
Streiks gegen Kuhn, Loeb Co. zu verhindern, falls die Eisenbahn-Arbeiter
versuchen sollten, sich durch Lohnforderungen an den Kriegs-Gewinnen
zu beteiligen, die Kuhn, Loeb Co. von der Regierung der Vereinigten
Staaten erhalten hatten.
Unter den wichtigen Bankiers, die sich während des Kriegs in Washing-
ton aufhielten, befand sich Herbert Lehman von der schnell aufsteigenden
Firma Lehman Brothers, Bankers New York. Lehman wurde sofort in den
Generalstab des Heeres im Rang eines Obersten aufgenommen.
J. W. McIntosh, Direktor des Fleisch-Konserven-Trusts für die Hee-
resversorgung, wurde 1918 Leiter des Heeres-Versorgungsamtes. Später
wurde er Währungskontrolleur während der Amtszeit von Coolidge und
von Amts wegen Mitglied des Federal-Reserve-Board. Während der
71
Amtszeit von Harding machte er seinen Schnitt als Finanzdirektor der
Schiffahrtsbehörde der Vereinigten Staaten, als die Behörde Schiffe zum
hundertsten Teil ihres Wertes an die Dollar Lines verkaufte und dann zu-
ließ, daß die Dollar Line nicht bezahlte. Nachdem er den öffentlichen
Dienst verlassen hatte, wurde J. W. McIntosh Partner bei den New Yor-
ker Börsen-Maklern J. W. Wollman Co.
W.P.G. Harding, Mitglied des Federal-Reserve-Board, war unter Eu-
gene Meyer auch leitender Direktor der War-Finance-Corporation
(Kriegs-Finanz-Gesellschaft).
Georg R. James, Mitglied des Federal-Reserve-Board in den Jahren
1923/24 war Leiter der Baumwoll-Abteilung im War-Industries-Board.
Henry P. Davison, Senior-Partner von J. P. Morgan Co., wurde 1917
zum Leiter des amerikanischen Roten Kreuzes ernannt, um die Kontrolle
über 370 Millionen Dollar zu bekommen, die vom amerikanischen Volk
gesammelt worden waren.
Ronald Ransom, Bankier aus Atlanta und unter Roosevelt in den Jahren
1938/39 Mitglied des Federal-Reserve-Board, war 1918 Personaldirektor
der Auslandsabteilung des Roten Kreuzes.
Währungskontrolleur John Skelton Williams wurde 1918 zum Schatz-
meister des amerikanischen Roten Kreuzes ernannt.
Präsident. Woodrow Wilson, der große Liberale, der das Federal-Re-
serve-Gesetz unterzeichnete und den Krieg gegen Deutschland erklärte,
hatte eine ungewöhnliche Laufbahn für einen Mann, der als Verteidiger
des einfachen Volkes in die Geschichte eingegangen ist. Sein größter Be-
fürworter in beiden Wahlkämpfen für seine Präsidentschaft war Cleve-
land H. Dodge. Dieser kam aus der von Kuhn, Loeb Co. kontrollierten
National City Bank von New York, und war zugleich Präsident der Rü-
stungsfirmen Winchester Arms Company und der Remington Arms Com-
pany. Dodge war sehr eng mit Präsident Wilson befreundet, solange die-
ser große Demokrat eine Rolle im politischen Leben spielte. Am 12. Fe-
bruar 1914 hob Wilson das Waffen-Embargo gegen Mexiko auf, sodaß
Dodge für eine Million Dollar Waffen und Munition nach Carranza ver-
schiffen und damit die mexikanische Revolution fördern konnte. Kuhn,
Loeb Co., denen das mexikanische Eisenbahn-Netz gehörte, waren mit
der Regierung Huerta unzufrieden geworden und hatten sie daraufhin ge-
stürzt.
Als 1915 das britische Marine-Hilfsschiff Lusitania versenkt wurde,
war es mit Munition aus den Fabriken von Dodge beladen. Dodge war
auch dafür bekannt, daß er sich gegen Streikende in seinen Werken be-
rufsmäßiger Gangster bediente, doch der liberale Wilson scheint dadurch
niemals gestört worden zu sein. Dodge wurde Vorsitzender des »Fonds
für die Überlebenden Opfer der Lusitania«, der so viel dazu beitrug, die
72
Öffentlichkeit gegen Deutschland zu erregen.
Den Schlüssel zu Wilsons angeblichem Liberalismus kann man in Cha-
plins Buch Wobbly finden, das davon berichtet, wie Wilson das Wort
»Verweigert« quer über das Gnadengesuch des alternden und kränkeln-
den Eugene Debs kritzelte. Debs war ins Atlanta-Gefängnis eingeliefert
worden, weil er »gegen den Krieg sprach und schrieb«. Die Schuld, die
man ihm zur Last legte, war allein sein » Auftreten gegen den Krieg in Wort
und Schrift«. Das war Verrat an dem Diktator Wilson, und Debs wurde
verhaftet. Als Führer der Sozialistischen Partei bewarb er sich aus dem At-
lanta-Gefängnis um die Präsidentschaft - was vor ihm noch keiner getan
hatte - und erhielt mehr als eine Million Stimmen. Es ist eine Ironie des
Schicksals, daß die Führung der Sozialistischen Partei, die damals den
Wunsch vieler Amerikaner nach einer sauberen Regierung vertrat, von
Debs in die Hände des schwächlichen Norman Thomas überging, einen
früheren Studenten und Bewunderer Wilsons an der Princeton Universi-
tät. Unter der Führung von Thomas trat die Sozialistische Partei für nichts
mehr richtig ein und verlor immer mehr an Einfluß und Ansehen.
Die derzeitigen Bewunderer Wilsons werden durch den noch immer
allmächtigen Bernard Baruch angeführt, der verkündet, Woodrow Wil-
son sei der größte Mann gewesen, den er je kennengelernt habe. Wilsons
Auswahl der Mitglieder für den Federal-Reserve-Board, die Überantwor-
tung der Kriegsfinanzierung und die Auslieferung der USA während des
Krieges an das Immigranten-Triumvirat stempeln ihn zum Hauptzerstö-
rer in der Geschichte Amerikas.
Es ist nicht verwunderlich, daß Woodrow Wilson von seiner mißglück-
ten Reise nach Europa, nachdem er in den Straßen vom französischen
Volk ausgezischt und verhöhnt und in den Sälen von Versailles von Or-
lando und Clemenceau verlacht worden war, als kranker gebrochener
Mann zurückkehrte, der das Bett hüten mußte. Der Anblick der Zerstö-
rung und des Todes in Europa, was er direkt zu verantworten hatte, war
mehr, als er ertragen konnte. Der italienische Minister Pantaleoni gab den
Gefühlen der europäischen Völker treffend Ausdruck, als er schrieb:
»Woodrow Wilson ist der Typ eines hochmütigen Naserümpfers, der sich
nun inmitten eines allgemeinen Zusammenbruchs aus dem Staub macht. «
Es ist das Unglück der USA, daß sein subventioniertes Presse- und
Schulwesen sich darum bemühte, einem Manne ein ehrendes Andenken
zu bewahren, mit dessen Einverständnis so vielNot und Tod in der ganzen
Welt verursacht wurden.
73
9. Kapitel
ALBERT STRAUSS
Als Paul Warburg 1918 aus dem Aufsichtsrat der Federal-Reserve-Ban-
ken ausschied, trat Albert Strauss an seine Stelle, ein Partner des interna-
tionalen BankhausesJ. & W. Seligman. Dieses Bankhaus hatte große Ge-
schäftsinteressen in Kuba und Südamerika und spielte eine bedeutende
Rolle bei der Finanzierung vieler Revolutionen in diesen Ländern. 1933
wurde diese Firma vor allem bekannt durch die Untersuchungen des Fi-
nanzausschusses des Senats, als sich herausgestellt hatte, daß J. & W. Se-
ligman 415000 Dollar Bestechungsgelder an Juan Leguia, den Sohn des
Präsidenten von Peru, gegeben hatte, um das Land zur Annahme einer
Anleihe zu bewegen.
Eine unvollständige Liste in Who’s Who in American Jewry gibt an, daß
Albert Strauss folgende leitende Posten innehatte: Vorstandsvorsitzender
der Cuba Cane Sugar Corporation; Direktor der Brooklyn Manhattan
Transit Co., der Coney Island Brooklyn RR, der New York Papid Transit,
der Pierce-Arrow, der Cuba Tabacco Corporation und der Eastern Cuba
Sugar Corporation.
William McAdoo wurde im Jahre 1918 von Carter Glass als Finanzmi-
nister abgelöst. Strauss und Glass waren bei dem geheimen Treffen des
Federal-Reserve-Board am 18. Mai 1920 zugegen, bei dem die große
Agrarkrise von 1920/21 eingeleitet wurde.
Eine der größten Lügen bezüglich des Federal-Reserve-Gesetzes, als es
1913 mit großem Reklamegeschrei bekanntgemacht wurde, war das Ver-
sprechen, auf das Wohl der Farmer zu achten. In Wirklichkeit hat es stets
nur dem Wohl einiger großen Bankiers gedient. Prof. O.M. W. Sprague,
Volkswirtschaftler an der Harvard-Universität, schreibt im Februar 1914
im Quarterly Journal of Economics:
»Der Hauptzweck des Federal-Reserve-Gesetzes besteht darin, sicher-
zustellen, daß stets ein Vorrat an Geld und Kredit verfügbar ist, um au-
Rergewöhnlichen Bedürfnissen der Banken zu entsprechen. «
Es enthält nichts über eine Hilfe an die Farmer.
Der Erste Weltkrieg hatte Amerika einen allgemeinen Wohlstand ge-
bracht, wie die Aktien der Schwerindustrie an der New Yorker Börse von
1917/18, der erhöhte Geldumlauf und die enormen Bankabrechnungen
von 1918 bewiesen. Das Federal-Reserve-System sah es als feste Pflicht an,
die Kontrolle über die ungeheuren Summen an Geld und Kredit, die ihm
während der Zeit des Wohlstandes entglitten war, zurückzubekommen.
Das geschah durch die Agrarkrise von 1920-21.
Die Maßnahmen am offenen Markt des Federal-Reserve-Open Market
74
Committee zeigen in den Jahren 1917/18, als Paul Warburg noch den Vor-
sitz führte, einen ungeheuren Zuwachs beim Kauf von Bank- und Han-
delswechseln. Unter der Leitung des fähigen Eugene Meyer Jr. steigerte
sich auch beträchtlich der Kauf von Staatspapieren der Vereinigten Staa-
ten. Und ein großer Teil der Börsenspekulationen von 1919 wurden am
Ende des Krieges, als sich der Markt noch nicht stabilisiert hatte, mit
Geldmitteln finanziert, die von den Federal-Reserve-Banken geborgt
wurden, wobei Staatspapiere als Pfand dienten. So führte das Federal-Re-
serve-System die Krise herbei, indem es zuerst die Inflation verursachte
und dann den Diskontsatz erhöhte, um das Geld teuer zu machen.
1914 wurde der Zinssatz der Federal-Reserve-Banken von 6 % auf 4 %o
gesenkt, 1916 ging er weiter zurück auf 3 % und blieb bis 1920 auf dieser
Höhe. Der Grund für diesen niedrigen Zinssatz war die Notwendigkeit,
»Freiheitsanleihen« im Werte von Milliarden Dollars in Umlauf zu brin-
gen. Zu Beginn eines jeden Propagandafeldzugs für die Anleihen steckte
der Federal-Reserve-Board durch seine Operationen am offenen Geld-
markt hundert Millionen Dollar in den New Yorker Geldmarkt, um so ei-
nen Anreiz für den Verkauf zu geben. Die wichtigste Rolle der Anleihen
bestand darin, die wachsenden freien Gelder aufzusaugen, die während
des Krieges durch den erhöhten Banknotendruck und die gestiegene Kre-
ditausgabe entstanden waren. Die Arbeiter erhielten hohe Löhne, und die
Farmer erhielten die höchsten Preise für ihre Produkte, die sie je erzielt
hatten. Diese beiden Gruppen häuften Millionen von Dollar in bar an, für
die sie keine »Freiheitsanleihen« erwarben. Dieses Geld war tatsächlich
den Händen der Wall Street, die Geld und Kredit der Vereinigten Staaten
kontrollierten, entzogen. Dieses galt es zurückzugewinnen, und deshalb
bekamen die USA in den Jahren 1920/21 die Agrarkrise. Ein großer Teil
dieses Geldes war bei jenen kleinen Landbanken des mittleren Westens
und des Westens eingezahlt worden, die sich geweigert hatten, dem Fe-
deral-Reserve-System beizutreten, da die Farmer und Viehzüchter jener
Gegenden keinen Grund fanden, einer Gruppe internationaler Bankiers
die Kontrolle über ihr Geld zu überlassen. Diese kleinen Landbanken zu
vernichten, das Geld der Farmer zurückzubekommen, das sie während
des Krieges an diese gezahlt hatten, und zugleich dadurch die Farmer zu
ruinieren, das waren die nächsten Ziele des Federal-Reserve-Systems.
Zuerst wurde eine zentrale Landwirtschafts-Kredit-Anstalt gegründet,
die die Farmer dazu ermutigen sollte, ihr erworbenes Geld mit langfristi-
gen Anleihen in Land anzulegen, wozu sie gern bereit waren. Dann durfte
die Inflation in den Jahren 1919/20 in Amerika und Europa ihren Lauf
nehmen. Die Inflation in Europa sollte einen großen Teil der Kriegsschul-
den streichen, die die europäischen Alliierten dem amerikanischen Volke
schuldeten, und die Inflation in Amerika sollte das überflüssige Geld ab-
75
schöpfen, das der arbeitenden Bevölkerung in Form von höheren Löhnen
und Zuschlägen für höhere Produktion ausgezahlt worden war. In dem
Maße wie die Preise höher und höher kletterten, wurde das ersparte Geld
der Arbeiter immer weniger wert, und sie wurden auf diese Weise in un-
redlicher Art besteuert, während die Schicht der Reichen durch die Infla-
tion bereichert wurde, da der Wert von Grundstücken und Industriepro-
dukten gewaltig stieg. Die Arbeiter verarmten auf diese Weise recht wirk-
sam; doch die Farmer, die im allgemeinen sparsamer und genügsamer wa-
ren, mußten härter angefaßt werden.
G. W. Norris erklärte in Collier’s Magazıne am 20. März 1920:
»Es hält sich das Gerücht, daß zwei Mitglieder des Federal-Reserve-Bo-
ardim Dezember 1919 ein kurzes Gespräch mit New Yorker Bankiers und
Finanzleuten hatten. Unmittelbar darauf gab es einen fühlbaren Rück-
gang der Umsätze am Aktienmarkt, und die Propaganda der Kreditinsti-
tute hörte auf. Es ist bekannt, daß Eingriffe in der gleichen Richtung auch
in anderen Teilen des Landes stattfanden und man sieht darin einen Be-
weis für den Mißbrauch des Federal-Reserve-Systems, die Boden- und
Waren-Spekulation zu fördern. «
Senator Robert L. Owen, Vorsitzender im Bank- und Währungs-Ko-
mitee des Senats bezeugte bei den Silver Hearings des Senates im Jahre
1939:
»Anfang 1920 ging es den Farmern besonders gut. Sie bezahlten ihre
Hypotheken, und als sie viel neues Land auf Empfehlung der Regierung
gekauft und dazu auch Geld geborgt hatten, machten sie bankrott infolge
einer plötzlichen Verknappung des Kredites und des Geldumlaufes im
Jahre 1920. Was 1920 geschah, war gerade das Gegenteil von dem, was
hätte geschehen sollen. Anstatt das Übermaß an Verschuldung, die der
Krieg während einiger Jahre hindurch bewirkt hatte, abzubauen, traf sich
der Federal-Reserve-Board zu einer geheimen Sitzung am 18. Mai 1920.
Man verbrachte den ganzen Tag mit Konferenzen; das Protokoll, das 60
gedruckte Seiten umfaßt, erschien als Senats-Dokument 310 vom 19. Fe-
bruar 1923. Die A-Direktoren und der beratende Ausschuß des Federal-
Reserve-Systems waren anwesend; doch die B-Direktoren, die Handel,
Gewerbe und Landwirtschaft vertreten, fehlten. Auch die C-Direktoren,
die Vertreter des amerikanischen Volkes, waren weder zugegen noch ein-
geladen. Nur die großen Bankiers waren dort, und das Ergebnis ihrer Ar-
beit an jenem Tage bestand in einer Kredit-Beschränkung, die das natio-
nale Einkommen im nächsten Jahre um 15 Milliarden Dollar schmalerte,
Millionen von Menschen arbeitslos machte und den Wert der Ländereien
und Farmen um 20 Milliarden Dollar verringerte. «
Carter Glass, 1920 als Finanzminister Mitglied des Board, schrieb in
seiner 1928 veröffentlichten Selbstbiographie Adventure in Constructive
76
Finance, und zwar als Erwiderung auf die an ihm geübte Kritik, daß. die
Anhebung des Diskontsatzes auf 7 % die Agrar-Krise verursacht hätte:
»Berichterstatter waren natürlich nicht anwesend, da ihnen das nicht
gestattet war und in der ganzen Welt bei keinem Treffen eines Bank-Vor-
stands üblich ist.«
Carter Glass war es, der sich darüber beklagte, daß eine vom Senator La
Follette 1919 vorgeschlagene Zusatzbestimmung zum Federal-Reserve-
Gesetz von 1913, wonach kein Mitglied des Federal-Reserve-Board zu-
gleich Angestellter, Direktor oder Aktienbesitzer einer Bank, eines Trusts
oder einer Versicherungs-Gesellschaft hätte sein dürfen, bei einer An-
nahme dieser Bestimmung dazu führen würde, daß am Ende Handwerker
und Landarbeiter im Vorstand säßen. In Wirklichkeit hätten Handwerker
und Landarbeiter den USA keinen größeren Schaden zufügen können als
Glass, Strauss und Warburg auf dem geheimen Treffen des Federal-Reser-
ve-Board.
Senator Brookhart aus Iowa bezeugte, daß der damalige Präsident des
beratenden Ausschusses des Federal-Reserve-Board, Paul Warburg, bei
jenem geheimen Treffen eine Entschließung durchbrachte, einen fünfköp-
figen Ausschuß an die zwischenstaatliche Handelskommission zu entsen-
den, um eine Erhöhung der Eisenbahntarife zu fordern. Als Chef von
Kuhn, Loeb Co., denen die meisten Eisenbahnstrecken der Vereinigten
Staaten gehörten, vermißte er bereits die großen Gewinne, die die Regie-
rung während des Krieges bezahlt hatte, und daher wünschte er, dem
amerikanischen Volk eine neue Preiserhöhung aufzuerlegen.
Außerdem bezeugte Senator Brookhart:
»Ich ging in Myron T. Herricks Büro in Paris und sagte ihm, daß ich
hierher gekommen wäre, um genossenschaftliches Bankwesen kennenzu-
lernen. Er erwiderte mir: »Wenn Sie alle europäischen Länder besuchen,
werden Sie bald herausfinden, daß die Vereinigten Staaten das einzige zi-
vilisierte Land der Welt sind, das seinem Volke die Organisation eines ge-
nossenschaftlichen Systems verbietet.« Ich ging nach New York und sprach
zu etwa 200 Leuten. Nachdem ich über Kooperation im allgemeinen und
nicht spezifisch über kooperatives Bankwesen gesprochen hatte, wartete
ich auf meinen Zug, als mich ein Mann beiseite nahm und zu mir sagte:
»Ich glaube, Paul Warburg ist der größte Finanzmann, den wir je hervor-
brachten. Er halt mehr von Ihren kooperativen Ideen, als Sie glauben, und
wenn Sie mehr über kooperative Geschäfte wissen wollen, wenden Sie sich
an ihn; er hat eine gute Meinung von Ihnen, und Sie können sich auf ihn
verlassen.« Ein paar Minuten später wurde ich Mr. Warburg gegenüberge-
stellt, und er sagte zu mir: »Sie haben völlig recht mit dieser kooperativen
Idee. Ich möchte Sie wissen lassen, daß die großen Bankiers auf Ihrer Seite
sind. Ich möchte Sie das jetzt wissen lassen, damit Sie nichts in der Rich-
77
tung einer Genossenschafts-Bank unternehmen, um sie nicht zu Ihren
Feinden zu machen.« Ich sagte: »Mr. Warburg, ich habe schon alles vorbe-
reitet und morgen werde ich einen Abänderungsantrag zu der Lant-Vor-
lage einbringen, die eine Einrichtung von nationalen Genossenschafts-
Banken vorsieht.< Das war das vorläufige Kredit-Gesetz, das damals noch
in der Schwebe war und Vollmacht zur Errichtung nationaler Genossen-
schafts-Banken erteilen sollte. Das war der Inhalt meines Gesprächs mit
Mr. Warburg; wir haben nie wieder eines geführt. «
Mr. Wingo sagte aus, daß den Frabrikanten und Kaufleuten im April,
Mai, Juni und Juli 1920 eine sehr große Krediterhöhung gewährt wurde.
Das geschah, um sie durch die Zeit der Kreditbeschränkung hindurchzu-
schleusen, durch die die amerikanischen Farmer zugrunde gerichtet wer-
den sollten, denen zur gleichen Zeit jeder Kredit versagt wurde.
Bei den Senats-Anhörungen im Jahre 1923 wies Eugene Meyer Jr. auf
einen Hauptgrund hin, warum der Federal-Reserve-Board den Zinssatz
für Kredite im land- und viehwirtschaftlichen Bereich auf 7 % erhöhte:
»Ich glaube, daß sehr viel Ärger hätte vermieden werden können, wenn
eine größere Zahl der diskontfähigen freien Banken Mitglieder des Feder-
al-Reserve-Systems geworden wäre. «
Meyer sagte hier die Wahrheit. Das Ziel des Vorstandes war es, jene
Staats- und vereinigten landwirtschaftlichen Banken zu vernichten, die
sich beharrlich geweigert hatten, ihre Freiheit der Diktatur der internatio-
nalen Bankiers zu opfern, die durch das System geschaffen worden war.
Kemmerer schrieb 1919 in ABC of the Federal-Reserve-System:
»Die Tendenz zielt anf eine Vereinheitlichung und Vereinfachung, was
seitens der staatlichen Institutionen dadurch erreicht werden soll, daß sie in
steigendem Maße Aktionäre und Sparer bei den Reserve-Banken wer-
den.«
Doch die Staatsbanken gingen nicht darauf ein.
Die Senatsanhörung von 1923 über die Ursachen der Agrarkrise in den
Jahren 1920/21 waren vom amerikanischen Volk gefordert worden. Das
vollständige Protokoll der geheimen Zusammenkunft des Federal-Reser-
ve-Board am 18. Mai 1920 wurde in dem Manufacturers’ Record, aus Bal-
timore, Maryland abgedruckt, einer Zeitschrift, die die Interessen der
kleineren Fabrikanten des Südens wahrnahm.
Frank Vanderlip sagte bei diesen Anhörungen aus, daß nach Inkrafttre-
ten des Federal-Reserve-Gesetzes im Jahre 1913 die Staatsbanken sich
nicht ın erhoffter Zahl anschlossen, sondern daß viele von ihnen sogar
während des Krieges austraten. Deshalb setzte der Vorstand jenen Krieg
gegen die ländlichen Banken fort, der durch die Opposition entstanden
war, die jene Banken gegen den Plan der Wall Street äußerten, den Paul
Warburg für das Repräsentantenhaus ausgearbeitet hatte und der von
78
Woodrow Wilson unterzeichnet worden war. Den Haß der New Yorker
Bankiers erweckte besonders Andrew Frame durch seinen Kampf gegen
den Reserve-Plan; offen zeigte er sich zuerst bei der Verteilung der Reser-
ve-Banken, bei der der Westen leer ausging; er setzte sich in der Zins-Poli-
tik des Vorstandes fort und führte zu der heftigen Kreditbeschränkung
vom Mai 1920, die viele westliche Bankiers ruinierte.
Benjamin Marsh, Direktor des Farmers’ Council, erklärte bei den An-
hörungen:
»Die Kreditgewährung von privaten Banken ist verfassungswidrig.«
Senator Glass daraufhin: »Sie sind also der Meinung, daß genossen-
schaftlichen Vereinigungen die Ausgabe von Krediten gestattet sein soll-
te?«
Marsh: » Mögen sie ihren eigenen Mitgliedern Kredite geben. «
Senator Glass: » Meinen Sie, daß es den genossenschaftlichen Vereini-
gungen gestattet sein sollte, Banknoten herauszugeben?«
Marsh: »Nein, das ist Sache der Regierung, aber nicht aufgrund jenes
fiktiven und schwankenden Wertes des Goldstandards.«
Senator Glass: »Glauben Sie, daß das Federal Farm Loan Act (Bundes-
-Agrar-Anleihe-Gesetz) geradezu eine Orgie in der Landspekulation her-
beiführte?«
Marsh: »Es ermutigte dazu. Des finanziellen Vorteils wegen versuchte
man durch Förderung des offenen Markts den Gewinn der Landarbeit zu-
nichte zu machen, ebenso wie durch die Aufhebung der Einwanderungs-
beschränkungen. Dann sagte man: »Wir haben Millionen von Farmern
von ihren Farmen vertrieben: lassen wir sie in die Industrie gehen, damit
sie den Arbeitsmarkt zusammenbrechen lassen.« Der Landwirtschaftsmi-
nister Wallace (der Vater von Henry Agard) erklärte mit großer Offenheit,
daß die Vertreibung der Farmer von ihren Farmen die Parität zwischen
den landwirtschaftlichen Preisen und den Arbeitslöhnen wiederherstellen
würde.«
Benjamin Strong, Direktor der Federal-Reserve-Bank von New York
und enger Freund von Montagu Norman, dem Direktor der Bank of Eng-
land, sagte bei diesen Anhörungen:
»Das Federal-Reserve-System hat mehr für den Farmer getan, als er
bisher bemerkt hat.«
Und Emmanuel Goldenweiser, Forschungsdirektor des Board, be-
hauptete, daß die Erhöhung des Diskontsatzes nur eine antiinflationisti-
sche Maßnahme gewesen war; doch er versäumte zu erklären, warum sie
allein gegen Farmer und Arbeiter gerichtet war, während das System
gleichzeitig Fabrikanten und Kaufleute schützte und ihnen erhöhte Kre-
dite gewährte.
Eine abschließende Erklärung über den Federal-Reserve-Board, der
79
1920/21 die Agrar-Krise verursacht hatte, veröffentlichte William Jen-
nings Bryan in Hearst’s Magazine im November 1923:
»Die Federal-Reserve-Bank, die für den Farmer die größte Stütze hätte
sein können, wurde sein größter Feind. Die Deflation auf Kosten der Far-
mer war ein mit Absicht berbeigeführtes Verbrechen!«
10. Kapitel
UND NOCH MEHR ÜBER PAUL WARBURG
Nach der Agrar-Krise von 1920/21 begünstigte der Aufsichtsrat der Fe-
deral-Reserve-Bank acht Jahre lang die Kredit-Expansion der New Yor-
ker Bankiers, eine Politik, die in der großen Wirtschaftskrise von 1929-31
gipfelte, die das wirtschaftliche Geschehen der ganzen Welt lähmte.
Paul Warburg war im Mai 1918 zurückgetreten, nachdem das Geldsy-
stem der Vereinigten Staaten von einem durch Pfandbriefe gesicherten
Umlauf auf einen Umlauf übergewechselt war, der auf Handels-Obliga-
tionen und Aktien der Federal-Reserve-Banken beruhte. Warburg kehrte
zu seinem jährlich mit 500000 Dollar bezahlten Job bei Kuhn, Loeb Co.
zurück; beeinflußte aber immer noch stark die Politik des Federal-Reser-
ve-Systems als Präsident des beratenden Ausschusses des Systems und als
Vorsitzender des Exekutiv-Ausschusses des American Acceptance Coun-
ci.
Von 1921 bis 1929 organisierte Warburg drei der größten Trusts der
Vereinigten Staaten: Die International Acceptance Bank, die die größte
Wechselbank der Welt ist, die Agfa Ansco Film Corporation mit dem
Hauptsitz in Belgien und die/. G. Farben Corporation, deren amerikani-
sche Zweigstelle von Warburg als die American I.G. Chemical Corpora-
tion bezeichnet wurde. Zweiter Direktor bei diesen Unternehmungen war
Bronson Winthrop, der Sozius von Henry L. Stimson, während Stimson
weiterhin sein Leben dem öffentlichen Dienst widmete.
Anfang der zwanziger Jahre spielte das Federal-Reserve-System bei
dem Wiedereintritt Rußlands in die internationale Finanzstruktur eine
entscheidende Rolle. Winthrop und Stimson waren hierbei wie früher die
Verbindungsleute zwischen den russischen und amerikanischen Bankiers,
und Henry L. Stimson führte die Verhandlungen, die schließlich zur An-
erkennung der Sowjets nach Roosevelts Wahl 1932 führten. Schon lange
zuvor hatten die amerikanischen und russischen Bankiers ihre Finanzbe-
ziehungen wieder aufgenommen.
Das Federal-Reserve-System begann schon 1920 russisches Gold ein-
zukaufen, und die russische Währung wurde an den Börsen angenommen.
Nach der Selbstbiographie von Colonel Ely Garrison und nach dem Be-
80
richt des Marine-Geheimdienstes der Vereinigten Staaten ist die russische
Revolution von den Rothschilds und Warburgs finanziert worden, und
ein Mitglied der Familie Warburg trug die Kosten, die Lenin und Trotzky
in Stockholm 1918 verursachten.
In einem Artikel der englischen Monatszeitschrift Fortnightly vom Juli
1922 stand: i
» Während des vergangenen Jahres ist praktisch jede kapitalistische Ein-
richtung wiederhergestellt worden. Das bezieht sich auf die Staatsbank,
auf privates Bankwesen, auf die Börse, auf das Recht, Geld in unbegrenz-
ter Höhe zu besitzen, auf das Erbschaftsrecht, auf das Wechselsystem und
auf andere Einrichtungen und Praktiken, die sich. auf die Führung privater
Industrie- und Handelsbetriebe beziehen. Einen großen Teil der vorher
verstaatlichten Industrie kann man jetzt in halb-unabhängigen Trusts fin-
den.«
Die Organisation mächtiger Trusts in Rußland unter der Maske des
Kommunismus macht es möglich, ihnen beträchtliche finanzielle und
technische Hilfe aus den Vereinigten Staaten zukommen zu lassen. Die
russische Aristokratie war ausgelöscht worden, da sie zu kraftlos war, ei-
nen modernen Industriestaat aufzubauen. Die internationalen Finanziers
versorgten Lenin und Trotzky mit Geldmitteln, um das zaristische Re-
gime zu stürzen und Rußland die Fortführung des Ersten Weltkrieges zu
ermöglichen, Peter Drucker, der Sprecher der Oligarchie in den USA, er-
klärte 1948 in einem Artikel der Saturday Evening Post:
»Rußland ist das Ideal einer geleiteten Volkswirtschaft, auf die wir uns
zubewegen.«
Die Ausgabe von genügend Geld, um den Bedürfnissen seiner Wirt-
schaftzu genügen, konnte in Rußland erst geschehen, nachdem alle Macht
in die Hände einer Regierung gelegt worden war, die die absolute Kon-
trolle über das Volk hatte. Während der zwanziger Jahre gab Rußland
große Mengen sogenannten »Inflationsgeldes« heraus, das eine manipu-
lierte Währung war. Im Juli 1922 wurde in demselben Artikel.der Fort-
nightly die Bemerkung gemacht:
»Da wirtschaftlicher Druck die astronomischen Zahlen der Währung
hervorgebracht hat, kann er sie niemals zerstören. Für sich genommen, ist
das System in sich abgeschlossen, logisch perfekt, sogar intelligent. Es kann
nur durch einen Zusammenbruch oder eine Vernichtung des politischen
Gebäudes, das es ziert, zu Grunde gehen. «
1929 äußerte sich Fortnightly folgendermaßen:
»Seit 1921 ist das Leben der Sowjetbürger keineswegs verschieden von
dem der amerikanischen Bürger; aber das sowjetische Regierungssystem ist
sparsamer.«
Admiral Koltschak, der Führer der weißrussischen Armeen, wurde
81
eine zeitlang von jenen internationalen Bankiers unterstützt, die britische
und amerikanische Truppen nach Sibirien schickten, um einen Vorwand
zu haben, Koltschak-Rubel zu drucken. 1920 manipulierten die Bankiers
an der Londoner Börse zu gleicher Zeit die alten Zaren-Rubel, die Ke-
rensky- und die Koltschak-Rubel, je nach der Bewegung der alliierten
Truppen, die Koltschak halfen. Koltschak besaß auch eine beträchtliche
Goldmenge, die von seinen Armeen erbeutet worden war. Nach seiner
Nicderlage verschwand ein ganzer Zug dieses Goldes in Sibirien. Bei den
Senats-Anhörungen im Jahre 1921 über das Federal-Reserve-System kam
heraus, daß das System dieses Gold erhalten hatte. Das Kongreßmitglied
Dunbar stellte dem Mitglied W. P. G. Harding vom Federal-Reserve-Bo-
ard folgende Fragen:
Dunbar: »Mit anderen Worten, Rußland schickt den europäischen Staa-
ten sehr viel Gold, die es ihrerseits nach Amerika senden?«
Harding: »Das geschah, um das zu bezahlen, das in Amerika gekauft
worden war und um einen Dollar-Austausch zu schaffen. «
Dunbar: »Und zur selben Zeit kam jenes Gold aus Rußland durch Eu-
ropa?«
Harding: »Einiges hielt man für Gold von Koltschak, das durch Sibirien
kam; aber das geht die Federal-Reserve-Banken nichts an. Der Finanzmi-
nister hatte Anweisungen erlassen, daß die Kontrollbüros kein Gold an-
nehmen sollten, das nicht die Prägemarke einer befreundeten Nation trü-
ge- « ö
Was Gouverneur Harding unter dem Ausdruck »einer befreundeten
Nation« verstand, ist nicht klar. 1921 befand sich Amerika, militärisch
wenigstens, mit keinem Land im Kriege. Auf jeden Fall begann jetzt der
Kongreß sich mit dem internationalen Goldhandel des Federal-Reserve-
Systems zu befassen. Harding konnte wohl mit den Achseln zucken und
sagen, daß es nicht Sache der Federal-Reserve-Banken wäre, danach zu
fragen, woher das Gold käme. Gold kennt keine Nationalität und keine
Rasse. Seit 1906 interessierten sich die Vereinigten Staaten nicht mehr da-
für, woher ihr Gold kommt; Finanzminister Shaw hatte mit mehreren
größeren New Yorker Banken (an denen er selbst Interesse hatte) Verein-
barungen getroffen, Gold mit Vorschüssen des Finanzministeriums der
Vereinigten Staaten zu kaufen, das dann vom Finanzministerium von die-
sen Banken gekauft würde. Das Finanzministerium konnte dann mit
Recht behaupten, es wüßte nicht, woher das Gold käme, da sein Büro nur
die Bank registriere, bei der es den Kauf getätigt hätte. Seit 1906 weiß das
Finanzministerium nicht, von welchem internationalen Goldhändler es
sein Gold bezieht.
Der Erste Weltkrieg änderte den Status der Vereinigten Staaten; früher
waren sie Schuldner, jetzt wurden sie der Welt größte Gläubigernation
82
und verdrängten die Engländer von diesem Platze. Da nach den Worten
des Gouverneurs Marriner Eccles vom Federal-Reserve-Board Schuld
gleich Geld ist, wurden die USA zugleich die reichste Nation der Welt.
Der Krieg veranlaßte auch die Verlegung des wichtigsten Wechselmarktes
der Welt von London nach New York, und ‚Paul Warburg wurde im
Wechsel-Geschäft der mächtigste Bankier der Welt. Die Hauptstütze der
internationalen Finanzleute war, wie immer, dieselbe: Der Goldstandard
war weiterhin die Basis für die Wechselkurse, und die kleine Gruppe von
Internationalen, denen das Gold gehörte, kontrollierte das Währungssy-
stem der westlichen Nationen.
In den zwanziger und dreißiger Jahren war der Völkerbund die Haupt-
waffe der Bankiers für den Goldstandard. Durch diese Institution wurden
die meisten Demokratien zwischen 1924 und 1928 gezwungen, zum
Goldstandard zurückzukehren. Diese Länder brauchten nach dem Ersten
Weltkrieg Geld zum Wiederaufbau, und der Völkerbund war bereit, es
ihnen zu geben. Die einzigen Bedingungen waren, daß die sich bewerben-
den Nationen eine Zentralbank besaßen und den Goldstandard anerkann-
ten. Kredite wurden nicht gewährt, wenn diese Bedingungen nicht erfüllt
wurden. Infolgedessen wurden Zentralbanken in Ländern eingerichtet, in
denen sie zuvor unbekannt gewesen waren, besonders in den südamerika-
nischen Staaten. Paul Einzig schreibt im London Economist:
»Der Völkerbund und die Zusammenarbeit der Zentralbanken brach-
ten Europa auf den Goldstandard zurück. Obwohl das Finanzkomitee des
Völkerbundes die internationalen Kredite vergab, wurde seine Arbeit im
allgemeinen von der Bank of England gelenkt. Die internationale Zu-
sammenarbeit der Nachkriegsjahre bewirkte auch einen außerordentlich
engen Kontakt der Zentralbanken. Es bestand ein regelmäßiger interna-
tionaler Austausch von Informationen, und wichtige Entscheidungen, wie
die Änderung des Diskontsatzes, wurden gewöhnlich im voraus den füh-
renden Zentralbanken mitgeteilt. Die Internationalisierung der Finanzen
seit dem Krieg war im allgemeinen auch für die Anhänfung eines riesigen
Umlaufkapitals bei Regierungen und Banken verantwortlich.«
Während der zwanziger Jahre betätigte sich das Federal-Reserve-Sy-
stem wie eine Zentralbank, die für Erleichterungen bei der inländischen
Kreditausweitung und für Darlehen an das Ausland sorgte. Viel der ver-
stärkten Leistungsfähigkeit der amerikanischen Schwerindustrie war im
Ersten Weltkrieg ausgeschöpft worden. Nach Kriegsende sah sich die
amerikanische Wirtschaft zwei Problemen gegenüber: der Überproduk-
tion und dem Absatz. Die unzureichende Menge an Zahlungsmitteln ließ
die Bürger nicht in den Genuß der erhöhten Produktion kommen, wäh-
rend sich die Produzenten bei vielen Artikeln einem gesättigten Markt ge-
genübersahen. Während dieser Zeit hielten es die amerikanischen Ban-
83
kiers für vorteilhafter, ausländische Märkte zu finanzieren als den Ver-
brauch im eigenen Lande.
Bei den Anhörungen des Repräsentantenhauses über die Senatsvorlage
2472 vom 19. September 1919 erklärte Edmund Platt, der Vorsitzende des
Bank- und Währungs-Komitees des Repräsentantenhauses:
»Vor kurzem kam ein junger Mann zu mir, der, wie er sagte, in Bulga-
rien gewesen war, was wohl auch zutrifft, und dort für eine Million Dollar
Betten gekauft hatte. Er wollte, daß die Regierung der Vereinigten Staa-
ten das Geld nach Bulgarien sendet, damit jene Betten bezahlt werden
könnten.«
Senator Walter Edge bemerkte dazu:
»Das ist genau das, was Sie bald von den Fabrikanten unseres Landes
hören werden.«
Während der zwanziger Jahre verkauften die Fabrikanten Waren ins
Ausland, und das Federal-Reserve-System verhalf dazu, daß Milliarden
Dollar ausländischer Anleihen Amerika überschwemmten. Franklin D.
Roosevelt spielte bei vielen dieser Transaktionen eine bedeutende Rolle,
einmal als Präsident einiger Kreditgesellschaften und zweitens als ihr
Rechtsanwalt in seiner Firma Roosevelt and O’Connor. Durch seine Dis-
kontsatzänderungen und durch seine Tätigkeiten am offenen Markt schuf
das Federal-Reserve-System billiges Geld und geringe Zinsraten, sodaß
das amerikanische Volk jene Anleihen kaufte. Später verfielen die Kurse
der Anleihen und die Amerikaner verloren drei von vier Dollar, die sie in
die Anleihen investiert hatten.
Professor Gustav Cassel schrieb 1928:
»Der amerikanische Dollar, nicht das Gola, ist der Währungs-Standard
der Welt. Der amerikanische Federal-Reserve-Board hat die Macht, die
Kaufkraft des Dollars durch die Veränderung des Diskontsatzes zu be-
stimmen und kontrolliert auf diese Weise den Geldmarkt der Welt.«
Wenn das wahr wäre, dann wären die Mitglieder des Federal-Reserve-
Board die mächtigsten Finanzleute der Welt. Gelegentlich gehören ihm
auch wirklich einflußreiche Männer wie Paul Warburg oder Eugene
Meyer Jr. an, aber im allgemeinen ist er ein »Gummi-Stempel-Komitee«
für den beratenden Ausschuß des Federal-Reserve-Systems und für die
Bankiers der Wall Street..
Es gibt viele Geheimnisse um die Tätigkeiten des Systems. Die Ange-
stellten des Systems werden gründlichst geprüft, bevor sie eingestellt wer-
den, wobei hohe Ansprüche in bezug auf »Loyalität« und »Sicherheit« ge-
stellt werden. Die Angelegenheit des wechselnden Diskontsatzes ist zum
Beispiel niemals zufriedenstellend geklärt worden. Nachfragen beim Fe-
deral-Reserve-Board in Washington erbrachten die Antwort, daß »die
Zustände des Geldmarktes in erster Linie die Veränderungen der Zinsrate
84
bedingen.« Da New York der Sitz des Geldmarktes ist, bedarf es keiner
großen Einbildungskraft, um daraus zu folgern, daß die New Yorker
Bankiers an den Veränderungen des Zinssatzes interessiert sind und ver-
suchen, ihn zu beeinflussen.
Norman Lombard schreibt in der Zeitschrift'World’s Work:
»Bei den Überlegungen und Anordnungen über vorgeschlagene Ände-
rungen seiner Politik sollte sich der Federal-Reserve-Board von dem Ver-
fahren und den ethischen Grundsätzen unserer Gerichte leiten lassen. Vor-
schläge, daß der Zinssatz geändert werden oder daß die Federal-Reser-
ve-Banken Wertpapiere kaufen oder verkaufen sollten, können von ir-
gendjemandem ohne Formalien oder geschriebenen Auftrag gemacht wer-
den. Man kann den Vorschlag einem Gouverneur oder einem Direktor des
Federal-Reserve-Systems telephonisch übermitteln oder auch beim Lunch
über den Tisch hin, ja sogar gelegentlich bei einem Telephongespräch mit
irgendeinem Mitglied des Federal-Reserve-Board. Die Interesses des Vor-
schlagenden brauchen nicht enthüllt zu werden, und sein Name und seine
Vorschläge bleiben geheim. Betreffen sie Operationen am offenen Markt,
dann hat die Öffentlichkeit nicht die geringste Ahnung von den Vorgän-
gen, bis der regelmäßige Wochenbericht erscheint und die Veränderungen
im Aktienbesitz der Federal-Reserve-Banken zeigt. Doch es gibt keine öf-
fentliche Diskussion, keinen Bericht über die Gründe der Entscheidung
oder über die Namen derer, die dafür oder dagegen sind.«
Die Aussichten eines Durchschnittsbürgers, einen Gouverneur des Fe-
deral-Reserve-Systems in seinem Klub zu treffen, sind gering.
Die Anhörungen im Repräsentantenhaus über die Stabilisierung der
Kaufkraft des Dollars im Jahre 1928 bewiesen überzeugend, daß der Fe-
deral-Reserve-Board mit den führenden Köpfen der europäischen Zen-
tralbanken eng zusammenarbeitete und daß die Wirtschaftskrise von
1929-31 bei einem geheimen Lunch des Federal-Reserve-Board und jener
Führer der europäischen Zentralbanken im Jahre 1927 geplant wurde. Der
Federal-Reserve-Board war dem Volke gegenüber niemals für seine Ent-
scheidungen und Handlungen verantwortlich.
Wirkliche Treue haben die Mitglieder des Federal-Reserve-Board nur
den großen Bankiers gehalten, und sie haben stets so gehandelt, wie es
dem Wesen einer Zentralbank entspricht. Das Federal-Reserve-System
trug während der ersten fünfzehn Jahre seines Bestehens stets die drei
Kennzeichen einer Zentralbank: das Besitzrecht seitens privater Aktionä-
re, die mit Hilfe des nationalen Kredites Zins und Gewinn erhalten, die
absolute Kontrolle über die finanziellen Hilfsquellen der Nation und die
Mobilisierung des nationalen Kredites, um fremde Länder finanziell zu
unterstützen.
R. H. Brand, der Vorsitzende in den Verfahren der Studiengruppe des
85
Chatham-Hauses über den Goldhandel in England erklärte 1930:
»Die erste und grundlegende Pflicht jeder Zentralbank ist es, den Wert
ihrer Währung auf gleicher Höhe mit dem des Goldes zu halten. Die
zweite Pflicht einer Zentralbank ist es, den Gold-Standard so arbeiten zu
lassen, daß er soweit wie möglich ausländische und inländische Erforder-
nisse in Einklang bringt. Die dritte Pflicht jeder Zentralbank ist es, alles zu
tun, um die Stabilität des Goldwertes an sich aufrechtzuerhalten, aber das
ist ein Problem, das nicht von einer Bank allein gelöst werden kann; hier-
bei müssen alle Zentralbanken zusammenarbeiten. «
Der Vorsitzende Brand wies auch darauf hin, daß sich die Zentralban-
ken, auch das Federal-Reserve-System, gemeinsam bemühen müßten, den
Gold-Standard in der Weltund den Gold-Preis zu erhalten. Um dies in die
Tat umzusetzen, wurde der Völkerbund gegründet.
Jeremiah Smith sagte:
»Vor dem Ersten Weltkrieg arbeiteten die Zentralbanken der verschie-
denen Länder nur wenig zusammen. Die Experten-Konferenz von 1929
gründete die Bank für internationalen Zahlungsausgleich (Bank for Inter-
national Settlements). Es ist eigentlich selbstverständlich, daß eine solche
Institution, die Geschäfte an allen wichtigen Geldmärkten der Welt tatıgt,
nur im öffentlichen Interesse handeln sollte. Diese Überlegungen führten
unmittelbar dazu, die Direktoren dieser internationalen Bank aus Persön-
lichkeiten der Zentralnotenbanken der verschiedenen Länder auszuwäh-
len, da diese Banken verhältnismäßig frei vom Einfluß der Regierungen
sind. Einen weiteren Vorteil in der Einrichtung einer Bank für internatio-
nalen Zahlungsansgleich sah man darin, daß sich in ihr die Vertreter der
Zentralbanken regelmäßig treffen könnten, um allgemeine Probleme der
Weltfinanzen in großzügiger Weise zu erörtern. Diese Bank sollte die
Möglichkeiten einer internationalen Zusammenarbeit auf finanziellem
Gebiete bedeutend erweitern. Die Regierung der Vereinigten Staaten hat
verkündet, daß sie mit dieser Bank offiziell nichts zu tun haben wolle, an-
scheinend stellt sie es jedoch jedem frei, sich auf eigene Gefahr an diesem
Unternehmen zu beteiligen, vorausgesetzt, er sei kein Mitglied der Regie-
rung oder des Federal-Reserve-Systems. «
Die kühle Haltung der Regierung zur Bank für internationalen Zah-
lungsausgleich war nur von kurzer Dauer. Sehr bald hatte sie bei dieser
Bank einen Vertreter des Finanzministeriums, H. Merle Cochran, der
Verbindungsoffizier in besonderem Auftrage bei der Pariser Botschaft der
Vereinigten Staaten war. Diese Bank wurde bald als »Klub der Zentral-
bankiers« bekannt, in dem in großzügiger Weise, unbehelligt von Zei-
tungsreportern und gemeinnützig denkenden Bürgern, die Weltfinanzen
diskutiert werden konnten. Paul Einzig unterstreicht, daß »Sitzungen der
Zentralbank-Leute entweder geheim stattfinden oder daß absichtlich
86
falsch über sie berichtet wird. « Die Bank für internationalen Zahlungsans-
gleich wurde zum internationalen Schlupfwinkel für sie.
Paul Warburgs ursprünglicher Plan für das Federal-Reserve-System,
der dem Kongreß als Aldrich-Plan vorgelegt wurde, hatte für das System
Zweigniederlassungen in den wichtigsten ausländischen Staaten vorgese-
hen. Der Kongreß gab dazu keine Einwilligung, er war sich nicht klar über
die Erfordernisse der internationalen Geldwirtschaft; aber der Völker-
bund glich später diesen Mangel aus und gründete Zentralbanken in vielen
Ländern, in denen sie noch nicht vorhanden waren. Diese Zentralbanken,
besonders jene in Südamerika, arbeiteten so eng mit dem Federal-Reser-
ve-System zusammen, daß sie als Filialen des Systems angesehen wer-
den konnten. Die in jenen Ländern stationierten Beamten des Außen-
ministeriums achteten darauf, daß diese Zentralbanken ihre Aufgabe
erfüllten.
In ihrem Bericht für das Jahr 1918 umriß die New Yorker Federal-Re-
serve-Bank die Abmachungen, die sie mit den ausländischen Banken zu-
gunsten aller Reserve-Banken, ob diese wollten oder nicht, getroffen hatte.
Diese Bank hat stets den Briefwechsel mit den ausländischen Zentralban-
ken geführt.
Es heißt in dem Bericht:
»Mit Billigung des Federal-Reserve-Board sind folgende Beziehungen
zwischen der Federal-Reserve-Bank von New York und ausländischen
Banken oder Regierungen beschlossen worden:
Bank von England: Hier handelt es sich um eine Abmachung formalen
Charakters, gesichert durch schriftliche Zustimmung, ratifiziert von den
Direktoren der beiden Einrichtungen; sie bildet die Grundlage für die
hauptsächlichen Finanzgeschäfte und gewährleistet eine enge, vollständige
und aktive Zusammenarbeit. Die bisher durchgeführten Geschäfte waren
recht begrenzt; doch durch diese Übereinkunft könnten sie, wenn nötig,
jederzeit erweitert werden.
Bank von Frankreich: Ein begrenztes Abkommen wurde mit der Bank
von Frankreich geschlossen; beiderseits wird erhofft und erwartet, daß
beide Institutionen bald engere Beziehungen entwickeln.
Bank von Italien: Ein gegenseitiges Übereinkommen ist zwischen dieser
Institution und der Federal-Reserve-Bank von New York getroffen wor-
den, wobei jede ihren Korrespondenten bestimmt hat. Zwischen diesen
beiden Institutionen werden wahrscheinlich nicht eher Geschäfte getätigt
werden, als bis die Währungsprobleme, die durch den Krieg entstanden
sind, von den Regierungen der beiden Nationen geklärt wurden.
Bank von Japan: Gegenseitige Abmachungen, ähnlich jenen mit der
Bank von Italien sind mit der Bank von Japan getroffen worden. Obgleich
bis jetzt keine Geschäfte getätigt wurden, hofft man, daß sich ähnlich wie
87
mit anderen Banken auch hier lebhafte Beziehungen entwickeln werden,
sobald der internationale Handel wieder natürlich verläuft.
Philippinische Nationalbank: Im Mai 1917 wurden beiderseitig Agen-
turen eingerichtet. Da jedoch die philippinische Nationalbank bereits eine
eigene handlungsfähige Niederlassung in New York besitzt, wird diese
Verbindung hauptsächlich für Notfälle dienen.
Bank der Niederlande: Auf Wunsch des Finanzministeriums eröffnete
die Federal-Reserve-Bank ein laufendes Konto bei der Niederländischen
Bank, auf das die Erlöse für Weizen und andere Artikel in holländischen
Gulden zur Verfügung des Finanzministeriums eingezahlt werden konn-
ten.
Argentinien: Zu Beginn des Jahres 1918 wurde ein wichtiges Abkom-
men zwischen den Regierungen der Vereinigten Staaten und Argentinien
getroffen. In diesem Abkommen erkannten sich die Federal-Reserve-Bank
von New York und die Banco de la Nacion als Geschäftspartner an. An-
ßerdem erklärte sich die Federal-Reserve-Bank bereit, nach Friedens-
schluß Einlagen bis zu 100 Millionen Dollar in exportierfähigen Gold-
münzen zu übernehmen und eine Einlage von über 16 Millionen Dollar
vorzunehmen, die inzwischen ın New York eingezahlt, gekennzeichnet,
abgehoben und exportiert wurden. Der Zweck dieses Übereinkommens,
das sich als sehr erfolgreich erwies, war es, die stark gestörte Zahlungs-
grundlage zwischen beiden Ländern zu stabilisieren.
Bank von Java: Das Übereinkommen, das sich auf Einlagen auf ein lau-
fendes Konto, auf Kapitalanlagen, Einziehungen und Kennzeichnungen
von Gold bezog, führte zu lebhaften Geschäften. Die Federal-Reserve-
Bank ernannte die Javanische Bank in aller Form zu ihrem Agenten und
Geschäftspartner und sie handelte umgekehrt als Agent und Geschäfts-
partner der Javanischen Bank.«
Die soeben zitierten Abmachungen sind typisch für die Federal- Reser-
ve-Bank von New York, die gegenüber ausländischen Zentralbanken als
Vertreterin des ganzen Federal-Reserve-Systems handelte. Sie bewahrte
stets beträchtliche Mengen an Gold in ihren Gewölben, das die Kennzei-
chen ausländischer Zentralbanken trug. Der Umfang und die Bedeutung
dieses Goldes, das mitunter Hunderte Millionen Dollar betrug, ließen es
unangebracht erscheinen, daß internationale Goldhändler wie Albert
Strauss und Eugene Meyer Jr. zum Aufsichtsrat der Federal-Reserve-
Banken gehörten.
Ein weiterer Beweis für die internationalen Zwecke des Federal-Reser-
ve-Gesetzes von 1913 ist aus dem »Verbesserungsantrag« vom 24. De-
zember 1919 ersichtlich; er ermöglicht ausdrücklich die Schaffung von
Aktiengesellschaften, um sich an internationalen oder ausländischen Bank-
und Finanzaktionen zu beteiligen einschließlich des Handels mit Gold
88
und Goldbarren und des Besitzes von Aktien ausländischer Aktiengesell-
schaften. «
E. W. Kemmerer, Volkswirtschaftler an der Princeton Universität,
kommentierte diesen Antrag folgendermaßen:
»Das Federal-Reserve-System ist von großem Einfluß auf die Interna-
tionalisierung des amerikanischen Handels- und Finanzwesens.«
Die historische Tatsache, daß diese Internationalisierung des Handels
und der Finanzen das Land in zwei Weltkriege verwickelte, stört weder
Mr. Kemmerer noch irgendeinen anderen gut bezahlten Volkswirtschaft-
ler. Es gibt eine Fülle von Beweisen, die bezeugen, daß Paul Warburg das
Federal-Reserve-System dazu benutzte, um in den Besitz von Handels-
wechseln zu gelangen, die in beträchtlicher Menge von amerikanischen
Geschäftsleuten angenommen worden waren. Vor 1915 war der Ge-
brauch von Handelswechseln, (sie sind die Währung des internationalen
Handels), bei Bankiers und Aktiengesellschaften ın den Vereinigten Staa-
ten praktisch unbekannt. In gleicher Weise, wie die Macht des Federal-
Reserve-System stieg, wuchs auch der Umlauf von Wechseln. Die Män-
ner, die das Federal-Reserve-System erstrebten, gründeten auch die
Wechselbanken und profitierten vom Gebrauch der Wechsel. Ihr Führer
war Paul Warburg.
Schon 1910 hatte die Nationale Währungs-Kommission begonnen,
Broschüren und andere Werbeschriften herauszugeben, in denen sie Ban-
kiers und Geschäftsleute dazu aufforderte, sich bei ihren Unternehmun-
gen des Wechsels zu bedienen. Drei Jahre lang wurde dieser Werbefeld-
zug weitergeführt, und der Aldrich-Plan, der von Paul Warburg geschrie-
ben und dem Kongreß als Arbeit der Kommission vorgelegt worden war,
enthielt eine umfangreiche Bestimmung zur Einführung und zum Ge-
brauch von Handelswechseln in das amerikanische Handelssystem.
Das Federal-Reserve-Gesetz von 1913, wie es vom Kongreß angenom-
men wurde, empfahl allerdings nicht ausdrücklich den Gebrauch von
Wechseln. Daraufhin definierte der Federal-Reserve-Board 1915 und
1916 die Eigenart des Handels-Wechsels, später definierte er diese in der
Vorschrift A Serie 1920 und später noch einmal in der Serie 1924. Eine der
ersten offiziellen Handlungen des Aufsichtsrates war es, für Wechsel bei
den Federal-Reserve-Banken einen vorzugsweise niedrigen Diskontsatz
zu gewähren. Da der Gebrauch von Wechseln in den USA vorher nicht
üblich war, konnte dieses Vorgehen auch nicht als wirtschaftlich notwen-
dig hingestellt werden. Es war offensichtlich, daß irgendeine machtvolle
Persönlichkeit im Vorstand die Annahme von Wechseln wünschte.
Das National-Bank-Gesetz von 1864, das die Finanzhoheit den Verei-
nigten Staaten bis zum November 1914 übertrug, als es durch das Federal-
Reserve-Gesetz abgelöst wurde, verbot den Banken, Kredit über ihren ei-
89
genen Kredit hinaus zu gewähren. Infolgedessen war die Möglichkeit der
Banken, Geld zu schöpfen, stark begrenzt. Amerika hatte keine Noten-
bank, das heißt, keine Zentralbank, die Geld in großem Umfang schöpfen
konnte. Um eine Zentralbank zu bekommen, stürzten die Bankiers die
Geschäftsleute der Vereinigten Staaten von einer Geldkrise in die andere,
indem sie das Gold ins Ausland verschifften, dadurch eine Geldknappheit
erzeugten und es dann wieder zurückbrachten. Nachdem die USA eine
Zentralbank, nämlich das Federal-Reserve-System, bekommen hatten,
bedurfte es keiner Geldkrise mehr, da die Banken nun Geld schöpfen
konnten. Trotzdem wurde noch in zwei wichtigen Fällen die Krise als
Machtinstrument gegenüber Handel und Finanzen eingesetzt: 1920 er-
zeugte man die Landwirtschaftskrise, weil Staatsbeamte und Trusts sich
geweigert hatten dem Federal-Reserve-System beizutreten, und 1929 die
Weltwirtschaftskrise, welche die gesamte Macht der USA in den Händen
einiger großer Trusts zentralisierte.
Ein Handelswechsel ist eine Tratte (Forderung), die vom Verkäufer ei-
ner Ware auf den Namen des Käufers ausgestellt, vom Verkäufer aner-
kannt und mit dem Datum des Verfalls versehen wird. Der Gebrauch von
Handelswechseln im Großhandel ermöglicht kurzfristige, sichere Kredi-
te, um Waren herzustellen, sie zu lagern, zu transportieren und mit ihnen
zu handeln. Er erleichtert den Innen- und Außenhandel. So schien es, daß
die Bankiers, die das System des offenen Kontos durch das System der
Wechsel ersetzen wollten, fortschrittlich gesinnte Männer waren, die den
amerikanischen Import-Export-Handel beleben wollten. Viel Propa-
ganda wurde in diesem Sinne gemacht; aber das war nicht der Kern der Sa-
che.
Das System des offenen Kontos, das bisher bei allen amerikanischen
Geschäftsleuten üblich war, gewährte bei Barzahlung einen Nachlaß. Das
Wechselsystem legte keinen Wert auf Barzahlung, sondern erlaubte einen
Abzug aufgrund der Kreditgewährung. Das offene Konto erlaubte leich-
tere Zahlungsbedingungen und eine großzügige Stundung der Schuld.
Der Wechsel läßt das nicht zu. Er gewährt einen kurzfristigen Kredit, der
mit dem Fälligkeitsdatum versehen ist. Er befindet sich für gewöhnlich
nicht mehr in den Händen des Verkäufers sondern einer Wechselbank, die
den Zahlungstermin nicht verlängert. Dadurch war es in den zwanziger
Jahren leicht, Geschäftsleute, die Wechsel angenommen hatten, zu be-
herrschen und kleine Geschäfte den großen Trusts einzuverleiben, ein
Vorgehen, das im Zusammenbruch von 1929 seinen Höhepunkt erreichte.
Vor dem Bürgerkrieg waren Handelswechsel in geringem Ausmaß ver-
wendet worden. Während des Krieges hatten jedoch die Bedürfnisse des
Handels den Wechsel als Kreditmittel beseitigt. Danach gewann er keine
neue Beliebtheit, die amerikanische Geschäftswelt zog die Einfachheit
90
und Großzügigkeit der offenen Kontenführung vor. Offene Konten tra-
gen nur den Namen des Schuldners; Wechsel führen den Namen des
Schuldners und des Gläubigers. Daher werden sie von den Banken cher
angenommen. Beim System des offenen Kontos ist die Schuld für den
Gläubiger eine Verbindlichkeit. Für eine Wechselbank, die einen Wechsel
besitzt, ist die Schuld hingegen ein Wertobjekt. Die Männer, die unter der
Leitung von Paul Warburg in unserem Land Wechselbanken gründeten,
sicherten sich auf diese Weise die Kontrolle über die Milliarden-Kredite,
welche bis dahin als offene Konten in den Büchern der amerikanischen
Geschäftsleute geführt worden waren. Gouverneur Marriner Eccles vom
Federal-Reserve-Board erklärte vor dem Bank- und Währungskomitee
des Repräsentantenhauses:
»Schulden sind die Grundlage der Geldschöpfung. «
Die Inhaber von Handelswechseln erhielten die Verfügungsgewalt über
Kreditgelder in Milliardenhöhe und erhoben nebenbei noch Zinsen auf die
Wechsel selbst. Darum kann man es verstehen, warum Paul Warburg so
viel Zeit, Geld und Tatkraft aufwandte, um den Wechsel in den USA hei-
misch zu machen.
Am 4. September 1914 nahm die National City Bank die erste Tratte an,
die unter den gesetzlichen Bestimmungen des Federal-Reserve-Gesetzes
von 1913 auf eine nationale Bank gezogen wurde. Das war der Anfang
vom Ende der offenen Konten als einem wichtigen Faktor im Großhan-
del. Beverly Harris, der Vize-Präsident der National City Bank von New
York, gab 1915 eine Flugschrift heraus, in der er feststellte:
»Kauflente, die offene Konten benutzen, maßen sich widerrechtlich die
Funktionen der Bankiers an.«
Das war eine offene Verkündung der Absichten Warburgs und seines
Klüngels, die eine Währungsreform in den USA erstrebten. Sie waren dar-
auf aus, Kontrolle über alle Kredite in den Vereinigten Staaten zu erlan-
gen, und sie erreichten ihr Ziel durch das Federal-Reserve-System und das
Wechselgeschäft.
Der Erste Weltkrieg war die beste Gelegenheit für die Einführung des
Handelswechsels, und der Umfang des Wechselgeschäftes stieg 1917 bis
auf 400 Millionen Dollar, wuchs in den zwanziger Jahren auf mehr als eine
Milliarde Dollar jährlich an und erreichte seinen Höhepunkt gerade vor
der Weltwirtschaftskrise von 1929-31. Die Statistiken der New Yorker
Federal-Reserve-Bank zeigen, daß der Gebrauch von Wechseln im No-
vember 1929, dem Monat des Börsenkrachs, seinen Höhepunkt erreicht
hatte und danach stark zurückging. Die an Wechseln interessierten Leute
hatten ihr Ziel erreicht: die Kontrolle über Handel und Industrie der
USA.
Das Fortune Magazine wies im Februar 1950 darauf hin:
91
»Der Umfang des Wechselgeschäfts fiel von 1732 Millionen Dollar im
Jahre 1929 auf 209 Millionen Dollar 1940 zurück infolge der Konzentra-
tion der Wechselbanken in wenigen Händen und infolge der Politik der
niedrigen Zinsen des Finanzministeriums, wodurch direkte Darlehen bil-
liger wurden als Wechsel. Seit dem Kriege ist eine leichte Aufwärtsbewe-
gung zu verzeichnen; aber für große Gesellschaften ist es oft billiger, ihre
Importe aus eigenen Hılfsquellen zu finanzieren. «
Mit anderen Worten, die »großen Gesellschaften«, genauer gesagt, die
großen Trusts haben nun die Kontrolle über den Kredit und bedürfen der
Wechsel nicht. Ihre Anwendung erhöhte sich in der amerikanischen Ge-
schäftswelt nicht schnell, und sehr viel Propaganda war notwendig, sie be-
liebt zu machen. Neben der Propagandawelle, die das Federal-Reserve-
System startete, wandten die National Association of Credit Men, die
American Bankers’ Association und andere brüderliche Vereinigungen der
New Yorker Bankiers viel Zeit und Geld auf, Propaganda für das Wech-
selgeschäft zu betreiben. Doch selbst die Flut ihrer Schriften und Reden
erwies sich als unzureichend, und daher organisierte Paul Warburg 1919
den American Acceptance Council, der sich ausschließlich mit der Propa-
ganda für das Wechselgeschäft befaßte. Am 9. Juni 1919 hielt diese Gesell-
schaft in Detroit, Michigan, ihre erste Zusammenkunft ab, die mit der
Jahresversammlung der National Association of Credit Men, zeitlich und
örtlich zusammenfiel, sodaß »interessierte Beobachter mit Leichtigkeit an
den Vorträgen und Begegnungen beider Gruppen teilnehmen« konnten,
wie es eine Schrift des American Acceptance Council verkündete.
Paul Warburg wurde zum Präsidenten dieser Organisation gewählt;
später wurde er Vorsitzender des Exekutiv-Ausschusses, eine Position,
die er bis zu seinem Tode 1932 innehatte. Die Organisation veröffentlichte
Listen von Aktiengesellschaften, die Handelswechsel benutzten; alle von
ihnen waren Unternehmen, über die Kuhn, Loeb Co und ihre Geschäfts-
partner Kontrolle ausübten. Vorträge, die vor dem Rat oder von Mitglie-
dern des Rates gehalten wurden, wurden geschmackvoll gebunden und
kostenlos von der National City Bank von New York an die Geschäfts-
leute des Landes verteilt.
1922 beschuldigte Louis T. McFadden, der Vorsitzende des Bank- und
Währungskomitees des Repräsentantenhauses, den American Acceptance
Council, einen ungebührlichen Einfluß auf den Federal-Reserve-Board
auszuüben und forderte eine Untersuchung durch den Kongreß. Aber der
Kongreß war nicht daran interessiert.
Bei der zweiten Jahresversammlung jener Organisation, die in New
York am 2. Dezember 1920 stattfand, stellte der Präsident Paul Warburg
fest:
»Es ist eine Genugtuung, berichten zu können, daß sich während des
92
Berichtsjahres die Beziehungen zwischen dem American Acceptance
Councilund dem Federal-Reserve-Board weiter entwickelt und gefestigt
haben.«
Paul Warburg war, weil sein Bruder Chef des deutschen Geheimdien-
stes war, an sich aus dem Federal-Reserve-Board ausgeschieden, nachdem
er dort während des Krieges ein Jahr lang den Posten eines Gouverneurs
innegehabt hatte. Trotzdem übte er in den zwanziger Jahren weiter seinen
direkten persönlichen Einfluß auf den Federal-Reserve-Board aus, und
zwar dadurch, daß er sich mit ihm als Präsident des Federal-Advisory-Bo-
ard und als Präsident des American Acceptance Council traf. Er war seit
der Gründung der International Acceptance Bank of New York bis zu sei-
nem Tod im Jahre 1932 der Vorstandsvorsitzende dieser größten Wech-
selbank der Welt. Sein Bruder Felix M. Warburg, auch ein Partner von
Kuhn, Loeb Co., war Direktor dieser Bank, und Paul Warburgs Sohn,
James Paul Warburg, war ihr Vize-Präsident. Außerdem war Paul War-
burg Direktor anderer wichtiger Wechselbanken des Landes, z.B. der
Westinghonse Acceptance Bank, die unmittelbar nach dem Kriege in den
Vereinigten Staaten gegründet wurde, nachdem das Hauptquartier des in-
ternationalen Wechselmarktes von London nach New York verlegt wor-
den war. Paul Warburg wurde so der mächtigste Wechselbankier der
Welt.
Die Verlegung des Wechselmarktes von England nach den USA veran-
laßte Thomas Lamont 1917 zu einer begeisterten Rede vor der Akademie
für Politische Wissenschaft, in der er ausrief:
»Der Dollar und nicht das Pfund ist jetzt die Basis für die internationale
Währung. «
Einen sichtbaren Beweis für den ungebührlichen Einfluß des American
Acceptance Council auf den Federal-Reserve-Board, über den sich das
Kongreßmitglied McFadden beklagt hatte, ist die Statistik des Zinssatzes
der Federal-Reserve-Bank von New York in den zwanziger Jahren. Ge-
nau neun Jahre lang schwankte der offizielle Diskontsatz dieser Bank
ebenso wie der 90-Tage-Wechsel-Zins der Wechselbanken, d.h., die Fe-
deral-Reserve-Bank von New York bestimmte den Diskontsatz aller üb-
rigen Reserve-Banken. Andere Zinsen jener Bank, z.B. die Zinsen für so-
fort verfügbares Geld, weisen während dieser Zeit bemerkenswerte
Schwankungen auf, nur der offizielle Diskont- und Wechselzins blieben
stets dieselben.
93
11. Kapitel
ANDREW MELLON
1921 lobte man Präsident Harding, daß er sich für das Finanzministe-
rium der Dienste Andrew Mellons versichert hatte. Mr. Mellon war Mit-
glied des verrufenen »Black Cabinet«; zwei seiner Mitglieder wurden we-
gen Betrugs der Vereinigten Staaten angeklagt und vor Gericht gestellt:
Justizminister Harry M. Daugherty und Innenminister Albert Fall. Der
stellvertretende Marineminister Theodore Roosevelt Jr., der Sohn des 26.
Präsidenten der Vereinigten Staaten, überredete Präsident Harding dazu,
das Schriftstück zu unterzeichnen, durch das Ölreserven der Teapot
Dome im Werte von 100 Millionen Dollar an Roosevelts Arbeitgeber
Harry Sinclair übertragen wurden. Roosevelt war einst Direktor der Sin-
clair Oil Company gewesen. Sein Bruder Archibald hatte dieselbe Stellung
zur Zeit des Schwindels inne. Trotzdem wurde Roosevelt niemals wegen
seiner Schlüsselrolle bei dieser verbrecherischen Verschwörung gegen das
amerikanische Volk angeklagt. Aber während seiner zehnjährigen Amts-
zeit als Finanzminister übertraf Andrew Mellon alle diese Männer durch
die Ungeheuerlichkeit seiner Betrügereien am amerikanischen Volke. Als
ein von Amts wegen berufenes Mitglied des Federal-Reserve-Board un-
terstützte er die Kredit-Expansion der zwanziger Jahre, die in der Welt-
wirtschaftskrise von 1929-31 gipfelte. Noch weit schuldiger und straffäl-
liger wurde er durch seine unerhörte Steuer-Rückzahlungs-Politik wäh-
rend seiner Amtszeit. So wurden an so große Gesellschaften wie die Uni-
ted States Steel, an der er führend beteiligt war, mehr als 20 Milliarden
Dollar Steuer-Rückzahlungen geleistet, zu denen auch die Körper-
schafts-Steuern gehörten, die United States Steel in den Jahren 1917 und
1918 für ihre riesigen Gewinne im Ersten Weltkriege gezahlt hatte. An-
drew Mellon war einer der zehn reichsten Männer der USA, und nur Paul
Warburg übertraf ihn an Macht in der Finanz- und Industriewelt. Mellon
war der größte Bankier in Pennsylvania und alleiniger Eigentümer so gro-
ßer Gesellschaften wie der Aluminum Corp. of America. Er war mit
Henry Frick Inhaber von Fricks Koksherstellungs-Patenten und zusam-
men mit Bernard Baruch Teilhaber vieler weiterer Unternehmen. Sein
Bruder Richard erlangte eine besondere Art Berühmtheit durch seinen
Ausspruch:
»Man kann ohne Maschinengewehre kein Kohlenbergwerk in Betrieb
halten. «
1932 gab Andrew Mellon nur zögernd seinen Posten als Finanzminister
auf, nachdem er im Kongreß wiederholt wegen seiner Steuer-Rückzah-
94
lungs-Politik an Gesellschaften der Mellon-Familie offen angeklagt wor-
den war. Ihm folgte ein Mann nach seinem Herzen, Ogden Mills, der Di-
rektor riesiger Aktiengesellschaften war, z.B. der Cerro de Pasco Copper
Mines in Peru, der National Biscuit Company und der Morgenthaler Lino-
type Company.
Andere Mitglieder des Federal-Reserve-Boards während der zwanziger
Jahre, die die Weltwirtschaftskrise als ein wohlüberlegtes Mittel zur Kon-
trolle von Finanzen und Industrie Amerikas planten und ausführten wa-
ren:
Albert Strauss von. & W. Seligman Company in New York und Paris.
Seine Firma war stark an der kubanischen Zuckerproduktion undan New
Yorker Untergrundbahnen beteiligt.
Edmund Platt, ehemals Vorsitzender des Bank- und Währungskomi-
tees des Repräsentantenhauses, wurde 1920 ernannt. 1930 trat er zurück,
gerade als man ihn für eine zweite zehnjährige Amtszeit gewählt hatte,
und zwar mußte er im Federal-Reserve-Board Platz für Eugene Meyer Jr.
machen. Dafür erhielt er einen Posten als Vizepräsident bei der Marine
Midland Corporation.
D. R. Crissinger, Währungs-Kontrolleur unter Harding, ein alter
Freund aus Marion, Ohio, war einer der berühmten Poker spielenden
Freunde des Präsidenten.
George R. James wurde 1924 Mitglied. Er war Leiter der Baumwollab-
teilung im War Industries Board unter Bernard Baruch. Man konnte sich
darauf verlassen, daß er den Anordnungen Baruchs folgen würde.
David C. Wills wurde 1920 Mitglied. Er war Vizepräsident der Mellon
National Bank in Pittsburg und kehrte zu dieser Stellung nach seiner
Amtszeit zurück.
Henry M. Dawes, der an großen öffentlichen Versorgungsunterneh-
men in Chicago beteiligt war, tat 1923 seine Dienste als Währungskontrol-
leur.
J. W. Melntosh löste 1924 Dawes als Währungskontrolleur ab. 1928
trat er zurück, um Mitglied der Börsenmakler-Firma W. Wollman Com-
pany, New York, zu werden.
R. A. Young, Gouverneur der Federal-Reserve-Bank von Minneapo-
lis, kam 1927 in den Federal-Reserve-Board. 1930, nachdem er seine Rolle
in der Weltwirtschaftskrise gespielt hatte, wurde er Gouverneur der Fe-
deral-Reserve-Bank von Boston.
Während der zwanziger Jahre gehörten dem Board noch zwei seiner er-
sten Mitglieder an: C. S. Hamlın und Adolph C. Miller.
Diese beiden Männer machten Karriere als Schiedsrichter der Wäh-
rungspolitik der Nation. Hamlin war Mitglied des Federal-Reserve-Bo-
ard von 1914 bis 1936, danach wurde er dessen Sonderberater. Miller war
95
von 1914 bis 1931 Mitglied des Board. Man hatte diese beiden Männer so
viele Jahre im Federal-Reserve-Board gelassen, da sie beide hoch geach-
tete Persönlichkeiten waren, denen kein Verdacht materialistischer Be-
weggründe anhaftete, weshalb sie dem Board ein gewisses Öffentliches
Ansehen verliehen. Das war in jenen Jahren notwendig, als ein großer
Bankier nach dem anderen in den Board gewählt wurde, eine Weile seinen
Dienst tat und dann sich lohnenderen Dingen zuwandte.
Jedoch widersprachen weder Miller noch Hamlin dem, was die New
Yorker Bankiers wünschten. Sie wechselten den Diskontsatz und speku-
lierten am offenen Markt mit Wertpapieren der Regierung, wann immer es
die Wall Street von ihnen verlangte. Doch hinter ihnen stand in den zwan-
ziger Jahren Paul Warburg. Dieser übte einen fortwährenden, beherr-
schenden Einfluß aus, und zwar als Vorsitzender des Exekutiv-Ausschus-
ses des American Acceptance Council und als Präsident des Federal Advi-
sory Council, wo er solche Männer von öffentlichem Interesse um sich
hatte wie Winthrop Aldrich und J. P. Morgan. Warburgs Pflichten als
Organisator großer internationaler Konzerne wie /.G. Farben, Westing-
house und Agfa Ansco hinderte ihn nicht, die Finanzstrukturen der Nation
in den Griff zu bekommen. Sein Einfluß von 1902 an, als Warburg als
deutscher Immigrant nach Amerika kam, bis 1932, dem Jahre seines To-
des, war der unheilvollste und zerstörendste Einfluß, der sich je auf das
amerikanische Volk ausgewirkt hatte. Dieser Einfluß übertraf sogar noch
den seines Werkzeugs Woodrow Wilson und den des internationalen An-
leihe-Förderers Franklin D. Roosevelt. Paul Warburgs Sohn, James Paul
Warburg, setzte diesen Einfluß fort, nachdem er beim Regierungsanstritt
Roosevelts im Jahre 1933 sofort zum Direktor des Staatshaushalts ernannt
wurde und das Büro für Kriegspropaganda einrichtete, die amtliche Pro-
paganda-Agentur der USA im Zweiten Weltkrieg. Außerdem übte War-
burg der Zweite einen mächtigen Einfluß auf die Auslandspolitik der Ver-
einigten Staaten aus.
Die internationalen Goldgeschäfte des Federal-Reserve-Systems und
seine aktive, dem Völkerbund geleistete Unterstützung, um alle Staaten
Europas und Südamerikas zum Goldstandard, und zwar zum Nutzen in-
ternationaler Goldhändler wie Eugene Meyer Jr. und Albert Strauss, zu-
rückzuzwingen, werden am besten durch ein klassisches Ereignis, den
- Sterling-Kredit von 1925, bewiesen.
J. E. Darling schrieb am 10. Januar 1925 in der englischen Zeitschrift
Spectator:
»Anscheinend ist es das Wichtigste für die Vereinigten Staaten, England
so bald wie möglich zur Wiederaufnahme des Goldstandards zu zwingen.
Ein von Amerika kontrollierter Goldstandard müßte unweigerlich dazu
führen, daß die Vereinigten Staaten die oberste Finanzmacht der Welt
9%
werden, England zum Trabanten und New York zum Finanzzentrum der
Welt. « .
Mr. Darling versäumte, darauf hinzuweisen, daß weder das amerikani-
sche noch das britische Volk etwas mit der Wiederaufnahme des Gold-
standards zu tun hatte, daß dies vielmehr nur jener kleinen Gruppe von in-
ternationalen Goldhändlern zugute kommen würde, die das Gold der
Weltbesitzen. Es war darum kein Wunder, daß das Banker’s Magazine im
Juli 1925 frohlockend bemerkte:
»Das überragende Ereignis im Finanzwesen des letzten halben Jahres
war die Wiederherstellung des Goldstandards.«
Im Mai 1925 erließ das britische Parlament das Goldstandard-Gesetz,
das Großbritannien auf den Goldstandard zurückbrachte. Die maßge-
bende Rolle, die dabei das Federal-Reserve-System spielte, wurde am 16.
März 1926 von George Seay, dem Gouverneur der Federal-Reserve-Bank
von Richmond, enthüllt, als er vor dem Bank- und Währungskomitee des
Repräsentantenhauses aussagte:
»Eine mündliche Abmachung, durch Briefe bestätigt, gewährte Groß-
britannien einen Kredit in Höhe von 200 Millionen Dollar in Gold. Alle
Besprechungen wurden zwischen dem Gouverneur der Federal-Reserve-
Bank von New York, Benjamin Strong, und Mr. Montagu Norman, dem
Gouverneur der Bank of England, getroffen und schriftlich bestätigt. Die-
ser Kredit sollte England helfen, auf den Goldstandard zurückzukommen,
und er sollte durch Anlage von Federal-Reserve-Fonds in Wechseln und
ausländischen Wertpapieren gedeckt werden. «
Das wird durch das Federal-Reserve-Bulletin vom Juni 1925 bestätigt:
»Nach Übereinkunft mit der Bank of Englandverkauft die Federal-Re-
serve-Bank von New York in den nächsten zwei Jahren von Zeit zu Zeit
auf Kredit Gold an die Bank of England, doch nicht mehr als höchstens 200
Millionen Dollar. «
Ein Kredit in Höhe von zweihundert Millionen Dollar in Gold war
durch ein mündliches Abkommen zwischen den internationalen Bankiers
Benjamin Strong und Montagu Norman vereinbart worden. Zu dieser
Zeit war es offensichtlich, daß dem Federal-Reserve-System andere Inter-
essen am Herzen lagen, als die Bedürfnisse des amerikanischen Handels
und der Industrie zu befriedigen.
Großbritanniens Rückkehr zum Goldstandard wurde außerdem durch
einen zusätzlichen Kredit erleichtert, den). P. Morgan Company in Höhe
von 100 Millionen Dollar in Gold gewährte. Winston Churchill, damals
britischer Finanzminister, klagte später, daß dieses Darlehen bereits im
ersten Jahr die britische Regierung 1125000 Pfund kostete, eine Summe,
die dem damaligen Gewinn der J. P. Morgan Company entsprach.
In dem bei Macmillan 1931 erschienenen Buch The Fight of Financial
97
Supremacy (Kampf um die finanzielle Vorherrschaft) schrieb Paul Einzig,
Verfasser von Leitartikeln im Londoner Economist:
„Kurz nach dem Ersten Weltkrieg wurde eine enge Zusammenarbeit
zwischen der Bank of England und dem Federal-Reserve-System von
Amerika, besonders mit der Federal-Reserve-Bank von New York einge-
richtet. Dies war hauptsächlich anf die herzlichen B eziehungen zurückzu-
führen, die zwischen Mr. Montagu Norman von der Bank of Englandund
Mr. Benjamin Strong, dem Gouverneur der Federal-Reserve-Bank von
New York bis 1928, bestanden. Bei einigen Gelegenheiten wurde die Dis-
kontsatz-Politik der Federal-Reserve-Bank von New York vom Wunsche
geleitet, der Bank of England zu helfen. In der Festsetzung des Diskont-
satzes bestand eine enge Zusammenarbeit zwischen London und New
York. «
H. Parker Willis, einer der Autoren des Federal-Reserve-Gesetzes und
Erster Sekretär des Federal-Reserve-Board fragte bei den Senatsanhörun-
gen über das Federal-Reserve-System im Jahre 1931 scharf gezielt den
Gouverneur Harrison, Strongs Nachfolger als Gouverneur der Federal-
Reserve-Bank von New York:
„Welche Beziehungen bestehen zwischen der New Yorker Federal-Re-
serve-Bank und dem Geldkomitee der Aktienbörse?«
»Es gibt keine Beziehungen zwischen ihnen, « antwortete Harrison.
»Es gibt also keine Hilfe und keine Zusammenarbeit, um den Zinssatz ın
irgendeiner Weise festzusetzen?« fragte Willis.
»Nein«, antwortete Gouverneur Harrison, »obgleich sie uns bei ver-
schiedenen Gelegenheiten vom Stand der Gelasituation unterrichteten
und über die Höhe des Zinssatzes berieten.«
Dies stand völlig im Widerspruch zu seiner Aussage, daß es »keine Be-
ziehungen« gäbe. Es war in der Tat so, daß die New Yorker Federal-Re-
serve-Bank, die den Diskontsatz für die anderen Reserve-Banken fest-
setzte, in enger Verbindung zum Geldkomitee der Börse stand.
Die 1928 stattfindenden Anhörungen im Kongreß bezüglich der Stabili-
sierung des Geldwesens bewiesen überzeugend, daß die Gouverneure des
Federal-Reserve-Systems Konferenzen und Absprachen mit den führen-
den Männern der großen europäischen Zentralbanken vornahmen. Eine
Anzahl von Kongreßmitgliedern wußte, daß etwas Großes bevorstand;
doch sie hatten keinen Begriff davon, wie groß und wie vernichtend seine
Wirkung sein würde. Und selbst wenn sie die Einzelheiten der Verschwö-
rung gekannt hätten, die ihren Höhepunkt in der Weltwirtschaftskrise
von 1929-31 erreichte, sie hätten wirklich nichts tun können, um sie auf-
zuhalten. Die internationalen Bankiers, die die Goldbewegungen kon-
trollierten, konnten jedem Land ihren Willen aufzwingen; die Vereinigten
Staaten waren ihnen gegenüber ebenso hilflos wie andere Regierungen.
98
Es folgen einige Auszüge aus den Protokollen der Anhörungen im
Kongreß:
Mr. Beedy: »Aus Ihrer Tabelle ersehe ich, daß die Linien, die die größ-
ten Schwankungen aufweisen, sich auf die »Zinsraten in New York« bezie-
hen. So wie die Zinssätze in den großen Städten steigen und fallen, schei-
nen die Kredite für Investitionen bei den augenblicklich gewaltigen
Schwankungen ihren Vorteil daraus zu ziehen, im Gegensatz zur Indu-
strie, denn deren Kurve verläuft in der Tabelle ziemlich gradlinig, ohne
große Schwankungen. «
Gouverneur Adolph Miller: » Das geschah mehr oder weniger im Inter-
esse der internationalen Lage. Es wurden Kredite auf Goldbasis in New
York verkauft, um das Londoner Pfund zu stützen. «
Abgeordneter Strong (kein Verwandter von Benjamin Strong): »Hat
der Federal Reserve-Board die Macht, Gold in unser Land zu ziehen?«
E. A. Goldenweiser, Forschungsdirektor des Board: »Durch Erhöhung
der Zinsraten konnte der Federal-Reserve-Board Gold ins Land ziehen. «
Gouverneur Adolph Miller: »/ch glaube, wır sind nahe an dem Punkt
angelangt, wo unsere Bemühungen um die Geldangelegenheiten Europas
revidiert werden können. Im Sommer 1927 eröffnete der Federal-Reser-
ve-Board die offene Marktpolitik, dem folgte ganz selbstverständlich eine
Herabsetzung des Diskontsatzes an den Reserve-Banken, um die Kreditsi-
tnation zu erleichtern und die Kosten der Geldaufnahme zu verringern.
Offiziell wurde bekanntgegeben, daß die neue Kreditpolitik den interna-
tionalen Wechselkurs stabilisieren und die Goldausfuhr anregen sollte. «
Vorsitzender McFadden: » Wollen Sie uns kurz erklären, wie diese An-
gelegenheit vor den Federal-Reserve-Board kam und welche Einflüsse zur
endgültigen Beschlußfassung führten?«
Gouverneur Adolph Miller: »Es ist mir unmöglich, diese Frage zu be-
antworten.«
Vorsitzender McFadden: » Vielleicht kann ich deutlicher fragen- woher
kamen die Anregungen, die zur Änderung des Zinssatzes im letzten Som-
mer führten?«
Gouverneur Adolph Miller: » Die drei größten Zentralbanken Europas
sandten ihre Vertreter nach Amerika: Montagu Norman, den Gouverneur
der Bank von England, Hjalmar Schacht, den Präsidenten der Deutschen
Reichsbank, und Professor Rist, den Vize-Gonverneur der Bank von
Frankreich. Diese Herren konferierten zunächst mit Bankiers der New
Yorker Federal-Reserve-Bank. Nach ein oder zwei Wochen erschienen sie
in Washington. Sie kamen abends, am nächsten Tage waren sie Gäste der
Gouverneure des Federal-Reserve-Board und fuhren noch am selben
Nachmittag zurück nach New York.«
Vorsitzender McFadden: » Waren die Mitglieder des Board bei diesem
Essen zugegen?«
99
Gouverneur Adolph Miller: »Ob ja, es wurde von den Gouverneuren
eigens dazu veranstaltet, uns alle einander näher zu bringen.« '
Vorsitzender McFadden: » War es eine rein gesellschaftliche Angelegen-
heit oder wurden wichtige Themen erörtert?«
Gouverneur Miller: »Ich meine, es war mehr eine gesellschaftliche An-
gelegenheit. Ich persönlich hatte vorher eine lange Unterredung mit Dr.
Schacht allein, dann auch eine von beträchtlicher Dauer mit Professor Rist.
Nach dem Essen begann ein Gespräch mit Mr. Norman, an dem auch
Gouverneur Strong aus New York teilnahm. « '
Vorsitzender McFadden: » War es eine formelle Sitzung des Vorstan-
des?«
Gouverneur Adolph Miller: »Nein.«
Vorsitzender McFadden: »Es war also nur eine zwanglose Diskussion
der Angelegenheiten, die sie zuvor in New York besprochen hatten?!«
Gouverneuer Miller: »Ich nehme an, es war in der Hauptsache eın ge-
sellschaftliches Ereignis. Was ich sagte, war meist allgemeiner Natur. Die
Leiter jener Zentralbanken äußerten sich ebenso. «
Mr. King: » Was wollten sie!«
Gouverneur Miller: »Sie beantworteten sehr offen unsere Fragen. I ch
wollte mich mit Mr. Norman unterhalten, und wir blieben deshalb beide
nach dem Essen zurück, doch da gesellten sich die anderen ausländischen
Vertreter und die Herren der New Yorker Federal-Reserve-Bank zu uns.
Diese Herren interessierten sich vor allem dafür, wie sich der Goldstan-
dard auswirkte. Sie wünschten daher dringend billiges Geld und niedrige
Zinsraten auf dem New Yorker Markt, was das Einströmen von Goldnach
Amerika verhindern würde. Das wäre im Interesse der damals herrschen-
den internationalen Geldsitnation.«
Mr. Beedy: »Kam es zu einer Abmachung zwischen den Vertretern je-
ner ausländischen Banken, dem Federal-Reserve-Board oder der New
Yorker Federal-Reserve-Bank?
Gouverneur Miller: »Ja.«
Mr. Beedy: »Sıe wurde nicht protokolliert?«
Gouverneur Miller: »Nein. Später fand jedoch eine Sıtzung des Komi-
tees für offene Marktpolitik statt, dem Investitionskomitee des Federal-
Reserve-Systems, bei dem dann gewisse Empfehlungen gegeben wurden.
Meiner Erinnerung nach wurden planmäßig im August für 80 Millionen
Dollar Wertpapiere gekauft.«
Vorsitzender McFadden: »Gab es irgendeine Konferenz zwischen den
Mitgliedern des Open-Market-Committee und jenen ausländischen Ban-
kiers?« |
Gouverneur Miller: »Sie mögen sich privat begegnet sein, aber nicht als
Komitee.«
100
Mr. King: »Wie entwickelt das Open-Market-Committee seine Pla-
nungen?«
Gouverneur Miller: »Die Herren kommen zusammen und sprechen
darüber. Ich weiß nicht, wessen Plan es war. Es war eine Zeit, in der ein
kooperativer Geist herrschte.«
Vorsitzender McFadden: »Sie haben hier Verhandlungen von höchster
Wichtigkeit skizziert. «
Gouverneur Miller: »Ich möchte lieber sagen: Gespräche. «
Vorsitzender McFadden: »Es ereignete sich aber etwas sehr Bestimm-
tes?«
Gouverneur Miller: »Ja.«
Vorsitzender McFadden: »Es handelt sich um eine Änderung der Politik
bezüglich unseres gesamten Finanzsystems, die zu einer der ungewöhn-
lichsten Situationen führte, denen dieses Land je gegenüberstand (der Spe-
kulationsboom an der Aktienbörse von 1927-29). Mir scheint, eine derart
wichtige Angelegenheit hätte in Washington zum Gegenstand eines Be-
richts gemacht werden sollen. «
Gouverneur Miller: »Ich bin ganz Ihrer Meinung. «
Abgeordneter Strong: » Wäre es nicht gut gewesen anzuordnen, das Fe-
deral-Reserve-System solle seine Macht dazu benutzen, für eine daner-
hafte Kaufkraftstabilisierung des amerikanischen Dollars zu sorgen, an-
statt sich von europäischen Interessen beeinflussen zu lassen?«
Gouverneur Miller: »Ich wende mich gegen den Ausdruck »beeinflus-
sen«. Außerdem gibt es keine Stabilisierung des Dollar ohne Stabilisierung
jeder anderen Goldwährung. Sie sind durch den Goldstandard miteinan-
der verknüpft. Andere bedeutende Männer stellen es sehr geschickt an, um
an die Leute des Federal-Reserve-Board heranzukommen.«
Mr. Steagall: » Hatte der Besuch jener ausländischen Bankiers zur Folge,
daß das Geld in New York billiger wurde?«
Gouverneur Miller: »Ja, ganz richtig. «
Vorsitzender McFadden: »/ch würde in das Protokoll gern die Namen
aller Herren aufnehmen, die bei dem Essen in Washington zugegen wa-
ren.«
Gouverneur Miller: »/n Ergänzung zu den Namen, die ich Ihnen schon
genannt habe, war dort ein jüngerer Herr von der Bank von Frankreich.
Ich glaube, alle Mitglieder des Federal-Reserve-Board waren dort. Au-
ferdem der Unterstaatssekretär des Finanzministeriums Ogden Mills, der
stellvertretende Finanzminister Mr. Schunemann, zwei oder drei Herren
vom Auswärtigen Amt und Mr. Warren von der Auslandsabteilung der
New Yorker Federal-Reserve-Bank. Ach ja, Gouverneur Strong war auch
da.«
Vorsitzender McFadden: » Diese Konferenz mit all ihren ausländischen
101
Bankiers fand natürlich nicht zufällig statt. Auf wessen Veranlassung ka-
men diese prominenten Bankiers von Deutschland, Frankreich und Eng-
land in die USA®«
Gouverneur Miller: »Für London hatte sich eine peinliche Lage erge-
ben. Es drohte der Bank of England der Abzug einer bestimmten Gold-
menge durch Frankreich. Ursprünglich war diese Goldmenge von der
französischen Regierung dorthin verschifft und als Kriegskredit deponiert
worden. Es entstanden einige Meinungsverschiedenheiten, da Frankreich
damit begann, seine Wirtschaft für eine Rückkehr zum Goldstandard ın
Ordnung zu bringen. Dadurch wurde eine Lage geschaffen, die einen be-
ruhigenden Einfluß erforderlich machte.«
Mr. King: »Wer war der treibende Geist, der diese Lente zusammen-
brachte?«
Gouverneur Miller: »Das ist eine Einzelheit, mit der ich nicht vertraut
bin.«
Abgeordneter Strong: »Wäre es nicht ehrlich zuzugeben, daß diejeni-
gen, die das Gold haben wollten, auch die Zusammenkunft betrieben?«
Gouverneur Miller: »Sie kamen halt herüber.«
Abgeordneter Strong: »Allerdings, sie kamen herüber, hatten eine Zu-
sammenkunft, ein Festessen, sie plauderten miteinander, veranlaßten den
Federal-Reserve-Board, den Diskontsatz zu senken und Käufe am offenen
Markt zu tätigen, und sie bekamen das Gold.«
Mr. Steagall: »Stimmt es, daß diese Aktion die europäischen Währungen
stabilisierte und unsere in Unordnung brachte?«
Gouverneur Miller: »Ja, und gerade das hatte man beabsichtigt. «
Vorsitzender McFadden: »/ch möchte auf die kürzlich in Paris stattge-
fundene Konferenz hinweisen, bei der Mr. Goldenweiser, der Forschungs-
direktor des Federal-Reserve-Board, und Dr. Burgess von der New Yor-
ker Federal-Reserve-Bank Beratungen mit den Vertretern anderer Zen-
tralbanken führten. Wer berief diese Konferenz ein?«
Gouverneur Miller: »Soweit ich mich erinnere, geschah das durch die
Bank von Frankreich.«
Gouverneur Young: »Nein, der Völkerbund veranlaßte sıe.«
Gouverneur Miller: »Je wissenschaftlicher man die Verwaltung der Fe-
deral-Reserve-Banken gestaltet, um so mehr werden ihre Mitarbeiter von.
Ratgebern abhängig sein. Ich halte viel von Experten, vorausgesetzt, man
versteht sie richtig einzusetzen. Gestern nachmittag besuchte mich ein
New Yorker Bankier, der mich fragte: »Warum macht man solch ein Ge-
heimnis um die Goldbewegungen? Wir erhalten Zahlenangaben über die
erlaubte Ausfuhrmenge; aber es scheint eine große Geheimnistuerei um die
Herkunftsbezeichnung des Goldes zu bestehen!«
Vorsitzender McFadden verlas einen Artikel von H. Parker Willis im
102
Journal of Commerce vom 17. Mai 1928, betitelt: »Internationaler Pfusch
bei den Banken«:
»Solange das Federal-Reserve-System besteht, leidet es an H. intertrep-
pen-Einflüssen und Konferenzen hinter verschlossenen Türen. Diese Kon-
ferenzen zielten zunächst auf die Zerstörung der Autorität des Board, so-
dann gaben sie Anlaß zur Bildung des berüchtigten Beirates (Federal Ad-
visory Council), dessen Tätigkeiten niemals in der Öffentlichkeit bekannt
wurden. «
Professor Gustav Cassel, der skandinavische Volkswirt, bestätigte bei
diesen Anhörungen:
»Wenn man den Wert des Goldes stabilisieren will, muß man mit ande-
ren Ländern zusammenarbeiten, besonders mit deren Zentralbanken. «
Das geheime Treffen der Gouverneure des Federal-Reserve-Board mit
den führenden Köpfen der europäischen Zentralbanken fand nicht statt,
um irgendetwas zu stabilisieren. Man wollte darüber sprechen, wie man
am besten das Gold, das in den Vereinigten Staaten vom System gelagert
wurde, zurück nach Europa bringen könnte, um zu erreichen, daß die dor-
tigen Staaten zum Goldstandard zurückkehrten. Der Völkerbund hatte
das nicht erreicht, obwohl er hauptsächlich deswegen gegründet worden
war. Das lag vor allem daran, daß der Senat der Vereinigten Staaten es ab-
gelehnt hatte, durch Woodrow Wilson an eine internationale Geldmacht
verraten zu werden. Es bedurfte dazu des Zweiten Weltkrieges und eines
Franklin D. Roosevelts. Doch inzwischen mußte Europa das Goldhaben,
das wir besaßen, und das Federal-Reserve-System gab es ihm im Werte
von 500 Millionen Dollar. Die Ausfuhr dieses Goldes führte zum Börsen-
krach, beendete die Wirtschaftsblüte der zwanziger Jahre und veranlaßte
die Weltwirtschaftskrise von 1929-31, das größte Elend, das die USA je
getroffen hatte. Das amerikanische Volk mußte diese Krise als Folge und
Strafe erleiden, weil es dem Völkerbund nicht beigetreten war. Die Ban-
kiers wußten, was eintreten würde, wenn das Gold im Werte von 500 Mil-
lionen Dollar nach Europa geschickt würde. Sie wollten diese Krise, weil
durch sie Handel und Finanzen der Vereinigten Staaten völlig in ihre
Hände fielen.
Die Anhörungen gehen folgendermaßen weiter:
Mr. Beedy: »Mr. Ebersole vom Finanzministerium schloß gestern
abend bei dem Essen, dem wir beiwohnten, seine Ausführungen mit der
Bemerkung, daß weder das Federal-Reserve-System noch der amerikani-
sche Geschäftsmann eine Stabilisierung wünschten. Sie begrüßten diese
Preisschwankungen nicht nur bei Wertpapieren sondern auch bei Waren
und ganz allgemein beim Handel, weil diejenigen, die an der Macht sind,
ihre Gewinne gerade aus dieser Unsicherheit ziehen. Wenn die Kontrolle
dieser Leute nicht auf eine gesetzliche Grundlage gestellt wird, könnte der
103
Versuch gemacht werden, dies durch eine allgemeine Umwälzung zu er-
reichen, so, wie wir es ın früheren Zeiten erlebt haben. Revolutionen wer-
den durch Unzufriedenheit mit den bestehenden Verhältnissen hervorge-
rufen, wobei sich die Macht nur in Händen von wenigen befindet, wäh-
rend die übrigen die Rechnung bezahlen. «
Vorsitzender McFadden: »/ch habe hier einen Brief von einem Mitglied
des Federal-Reserve-Board, das hier erscheinen sollte. Ich möchte ihn zu
Protokoll geben. Er stammt von Gouverneur Cunningham:
Lieber Herr Vorsitzender:
Mehrere Wochen war ich wegen Krankheit an mein Heim gefesselt und
nun bereite ich mich darauf vor, einige Wochen außerhalb Washingtons
zu verbringen, um meine Genesung zu beschleunigen.
Edward H. Cunningham.«
Das ist seine Antwort auf eine Einladung, hier vor unserem Komitee zu
erscheinen. Ich habe auch einen Brief vom stellvertretenden Gouverneur
der New Yorker Federal-Reserve-Bank, George Harrison:
»Mein lieber Herr Kongreßabgeordneter:
Gouverneur Strong fuhr letzte Woche mit dem Schiff nach Europa.
Schon seit dem Anfang dieses Jahres fühlte er sich nicht wohl, und kurz
bevor er vor Ihrem Komitee im März erscheinen sollte, erlitt er einen
schweren Anfall von Gürtelrose, der seine Nerven arg mitnahm.
Georg L. Harrison
19. Mai 1929
Ich möchte auch eine Aussage aus Washington ins Protokoll aufnehmen,
abgedruckt im New Yorker Journal of Commerce vom 22. Mai 1928:
»In gut informierten Kreisen steht hier fest, daß das Hauptthema der
Gespräche, die Gouverneur Strong von der New Yorker Federal-Reser-
ve-Bank bei seinem jetzigen Besuch in Paris führen wird, die Vereinba-
rung eines festen Kredits für Frankreich, Rumänien und Jugoslawien be-
trifft. Eine zweite wesentliche Frage wird sich mit der Goldmenge be-
schäftigen, die Frankreich aus den USA abziehen soll.««
Weitere Fragen des Vorsitzenden McFadden über die seltsame Krank-
heit Benjamin Strongs ergaben am 23. Mai 1928 folgende Aussage des
Gouverneurs Charles $. Hamlin vom Federal-Reserve-Board:
»Alles, was ich weiß, ist, daß Gouverneur Strong sehr krank war und
sich hauptsächlich aus Gesundheitsgründen nach Europa begeben hat. Na-
türlich kennt er die Büros der europäischen Zentralbanken recht gut, und
zweifellos wird er sie aufsuchen. «
104
Gouverneur Benjamin Strong starb einige Wochen nach seiner Rück-
kehr aus Europa, ohne vor dem Komitee zu erscheinen. Die Umstände
seines Todes erinnern an den Tod von J. P. Morgan, einige Wochen,
nachdem er anläßlich der Geld-Trust-Anhörungen im Jahre 1913 zur
Aussage vor das Pujo-Komitee geladen worden war. Die Anhörungen im
Jahre 1928 vor dem Bank- und Währungskomitee des Repräsentanten-
hauses sollten erforschen, ob es notwendig wäre, das Federal-Reserve-Sy-
stem zu ermächtigen, eine Stabilisierung der Kaufkraft des Dollars herbei-
zuführen, wie es eine Gesetzesvorlage des Abgeordneten Strong (kein
Verwandter von Benjamin Strong, dem internationalen Bankier) forderte
und wie es ursprünglich im Federal-Reserve-Gesetz von 1913 vorgesehen
war. Dies war eines der Versprechen von Carter Glass und Woodrow Wil-
son, als sie das Federal-Reserve-Gesetz 1913 im Kongreß einbrachten.
Eine solche Bestimmung war auch tatsächlich durch Senator Robert L.
Owen in den Gesetzestext eingefügt, aber später vom Bank- und Wäh-
rungsausschuß des Repräsentantenhauses unter der Leitung von Carter
Glass gestrichen worden. Die Händler und Spekulanten wollten keinen
stabilen Dollar, er hätte sie um ihre Gewinne gebracht. Die hierdurch er-
zeugte allgemeine Instabilität verführte dje Bürger unseres Landes dazu,
in den zwanziger Jahren an der Börse zu spekulieren.
1928 wurde im Kongreß die Gesetzesvorlage von Strong abgelehnt. Die
Vertreter des Volkes wünschten keine Stabilität des Dollar. Niemand au-
ßer den Arbeitern und den Verbrauchern wünschte sie; doch jene hatten
keine Stimme im Getriebe der Demokratie. Am besten war jemals der
Verbraucher im Kongreß vertreten, als die Arbeitergewerkschaften, die
von New Yorker Bankiers bezahlt wurden, kommunistisch geschulte Ab-
geordnete während der dreißiger Jahre in den Kongreß und den Senat
sandten. Es ist ein trauriges Zeichen für die Entwicklung unseres Bürger-
sinnes, daß die einzigen Leute, denen wir je erlaubten, wirklich für uns zu
sprechen, Männer einer fremden Ideologie waren.
Gebrauchsgüter könnten ihre eigenen Preise finden, wenn sienicht von
Börsenspekulanten beherrscht würden, die durch Kauf und Verkauf bei
Termingeschäften die Preise für Gebrauchsgüter hinauf- und hinabtrie-
ben. Das Gesetz über Angebot und Nachfrage wirkt sich nicht auf die
Preise für Gebrauchsgüter aus, worauf Senator Elmer Thomas 1938 hin-
wies.
Die finanzielle Lage der Vereinigten Staaten wurde in den zwanziger
Jahren bestimmt durch eine Überflutung mit spekulativen Werten. Es war
eine von Händlern geschaffene Lage. Die Preise für Gebrauchsgüter blie-
ben ziemlich niedrig, trotz der unglaublichen Überbewertung von Wert-
Papieren an der Börse, die weit die Grenzen überschritt, bei denen sie ei-
nen Ertrag eingebracht hätten. Die Verkäufer erwarteten von ihren Wert-
105
papieren keine Dividende. Ihr Gedanke war nur darauf gerichtet, die Pa-
piere eine Weile zu behalten, um sie dann wieder mit Gewinn zu verkau-
fen. Das mußte irgendwann aufhören, wie Paul Warburg im März 1929
bemerkte, wobei er hoffte, den Zusammenbruch dadurch einzuleiten.
Aber die Wall Street hörte nicht auf, bis das Volk alle seine Ersparnisse in
die preislich überhöhten Wertpapiere gesteckt hatte. Wir hatten sogar das
traurige Schauspiel, daß der Präsident der Vereinigten Staaten, Calvin
Collidge, als Antreiber für die Börsenmakler auftrat, als er nämlich 1927
dem Volke empfahl, weiter Käufe an der Börse zu tätigen. Es gab wohl ei-
niges Unbehagen über die inflationären Zustände an der Börse, doch die
Bankiers zeigten ihre Macht, indem sie den Präsidenten der Vereinigten
Staaten, den Finanzminister und den Aufsichtsratsvorsitzenden des Fe-
deral-Reserve-Systems zu Erklärungen veranlaßten, daß die Darlehen der
Makler nicht zu hoch und die Bedingungen auf dem Börsenmarkt völlig
gesund wären.
Irving Fisher warnte uns 1927, daß die Bürde einer Preisfestigung in al-
ler Welt bald auf die Vereinigten Staaten fallen würde. Ein Hauptergebnis
des Zweiten Weltkrieges war die Errichtung eines internationalen Geld-
fonds, der diese Aufgabe hatte. Professor Gustav Cassel bemerkte in dem-
selben Jahr:
»Die Abwärtsbewegung der Preise war nicht das zufällige Ergebnis von
Kräften außerhalb unserer Kontrolle. Sie ist das Ergebnis einer wohlüber-
legt entworfenen Politik, die Preise zu senken und der Geldeinheit einen
höheren Wert zu geben.«
Nachdem die Demokratische Partei das Federal-Reserve-Gesetz verab-
schiedet und die USA in den Ersten Weltkrieg gestürzt hatte, übernahm
sie in den zwanziger Jahren die Rolle einer loyalen Opposition. Sie stand
außerhalb des politischen Geschehens und wurde während dieser mageren
Jahre durch freigebige Spenden von Bernard Baruch unterstützt, wie erin
seiner Biographie berichtet. Wie weit sie außerhalb stand und wie wenig
Aussichten sie 1928 hatte, verdeutlicht eine Stelle aus dem Parteipro-
gramm, das am 28. Juni 1928 in Houston angenommen wurde:
»Die Tätigkeit des Federal-Reserve-Systems zum Nutzen der Börsen-
spekulanten sollte aufhören. Es muß zum Nutzen der Farmer, Lohnemp-
fänger, Kaufleute, Fabrikanten und anderer handeln, die mit konstrukti-
ver Arbeit beschäftigt sind. «
Dieser Idealismus bestimmte die Niederlage seines Vorkämpfers, Al
Smith, der von Franklin D. Roosevelt ernannt worden war. Der Feldzug
gegen A. Smith war auch durch niedrige Appelle an die religiöse Intole-
ranz gekennzeichnet, weil er Katholik war. Die Bankiers erzeugten land-
weit eine antikatholische Bewegung, um zu erreichen, daß Herbert Hoo-
ver, ihr Gönner im Ersten Weltkrieg, zum Präsidenten gewählt wurde.
106
Obwohl Woodrow Wilson bei der Verabschiedung des Gesetzes ver-
sprochen hatte, daß sich der Federal-Reserve-Board um finanzielle Stabi-
lität bemühen würde, hat er stets nur finanzielle Unsicherheit gefördert.
Ein offizielles Memorandum, das am 13. März 1939 vom Board herausge-
geben wurde, stellte fest:
»Der Aufsichtsrat des Federal-Reserve-Systems widersetzt sich jeder
Gesetzesvorlage, die ein festes Preisniveau vorschlägt.«
1944 sagte K. R. Bopp vor der American Economic Association aus, daß
das Federal-Reserve-System seine Operationen während der zwanziger
Jahre am offenen Markt nicht nur darauf ausrichtete, die Bankzinsen
wirksam zu nutzen, sondern auch als gleichgerichtetes Werkzeug der Po-
litik diente, um die »Wirkungen der Goldbewegungen auszugleichen«.
Der Ausverkauf des Staatsschatzes der Vereinigten Staaten an internatio-
nale Goldhändler geschah 1906, als Finanzminister Shaw eine Politik des
Goldkaufes begann, indem er den großen New Yorker Banken Geld
überwies, um Gold im Ausland zu kaufen, dessen Ursprung vom Fi-
nanzministerium nicht registriert zu werden brauchte.
Auf politischem Gebiet diente der Federal-Reserve-Board in den zwan-
ziger Jahren dazu, die Wahl der Kandidaten der Bankiers zu fördern. Als
der Federal-Reserve-Board in einem Wahljahr den Diskontsatz auf 5 %
erhöhte, schrieb der Literary Digest am 4. August 1928:
»Das stößt die so wünschenswerte Politik des billigen Geldes aus dem
Jahre 1927 um und erleichtert die Bedingungen am Börsenmarkt. Diese
Maßnahme wurde’ von der Zeitschrift Peoples’ Lobby in Washington mit
den Worten angegriffen: »Diese Erhöhung zu einer Zeit, da die Farmer bil-
liges Geld brauchten, um die Einbringung ihrer Ernte zu finanzieren, war
ein direkter Schlag gegen sie, die gerade anfingen, die Folgen der Agrar-
Krise von 1920/21 zu überwinden.««
Die New Yorker World schrieb bei dieser Gelegenheit:
»Die Kritik an der Politik des Federal-Reserve-Board seitens vieler In-
vestoren bezieht sich nicht auf den Versuch, dem Aktienmarkt Geld zu
entziehen, sondern auf den Vorwurf, daß der Board infolge seiner letzt-
jährigen Politik voll für die bestehende Geldschwemme auf dem Aktien-
markt verantwortlich ist.«
In welcher Weise der Federal-Reserve-Board die Geldschwemme am
Börsenmarkt in den zwanziger Jahren und die anschließende Wirtschafts-
krise verursachte, erklärte genau Emmanuel Goldenweiser, der For-
schungsdirektor des Board seit 1920. Im Jahre 1947 äußerte er vor der
American Economic Association:
»Im Jahre 1923, beim Übergang zu Operationen am offenen Markt ver-
folgte der Federal-Reserve-Board das Ziel, Handel und Gewerbe der all-
gemeinen Kreditlage Amerikas anzupassen. Die Politik des offenen Mark-
107
tes und die des Diskontsatzes standen auf derselben Grundlage. Ein Teil
der Operationen am offenen Markt jedoch blieb außerhalb der Kontrolle
des Open Market Committee und sogar des Federal-Reserve-Board, näm-
lich Kauf und Verkauf von Wechseln durch die Federal-Reserve-Banken.
Das Wechselgeschäft wurde weiterhin von den Federal-Reserve-Banken
als eigenständige Tätigkeit betrieben.«
Das geschah, weil das Wechselgeschäft der ganz private Bereich Paul
Warburgs war.
Goldenweiser fuhr fort:
»Die Politik des billigen Geldes im Jahre 1924 führte zu einer Herabset-
zung des Diskontsatzes und zu vermehrten Käufen am offenen Markt. Es
war eine Zeit, wo die Geschäfte zurückgingen. Der Kredit war billig, und
Gold strömte nach Amerika. Die Politik des Board wurde weitgehend von
internationalen Interessen bestimmt. Zu jener Zeit wurde die Grundlage
für eine zukünftige Kreditausweitung gelegt, denn die Gewinne aus dem
Gold und den Aktienverkäufen wurden nicht dazu benutzt, den Diskont-
satz herabzusetzen — der schon niedrig genug war — sondern sie wurden
den Reserven der Mitgliedsbanken hinzugefügt. Diese zusätzlichen Re-
serven bildeten im großen und ganzen die Grundlage der spekulativen
Kreditexpansion der nächsten vier oder fünf Jahre. «
Goldenweiser deckt hier den Irrtum jener Kritiker auf, die versuchen,
das System mit der Schande des Zusammenbruchs von 1929 zu belasten,
indem sie erklären, die Politik des billigen Geldes von 1927 wäre für den
Börsenboom verantwortlich gewesen. Aber die Politik von 1927 konnte
eine solch enorme Kreditausweitung nicht geschaffen haben. Sie wuchs
seit 1923 und 1924 pyramidenartig, als Gold im Wert von Hunderten von
Millionen Dollar aus Frankreich und England nach Amerika strömte.
Goldenweiser sagt:
»Ein ähnliches, aber weniger wichtiges Programm des billigen Geldes
wurde 1927 verfolgt. «
Ein noch mehr belastender Überblick über die ersten fünfzehn Jahre
des Federal-Reserve-Systems erschien im Mai 1929 in der North American
Review des Volkswirts H. Parker Willis, der einer der Verfasser des Fe-
deral-Reserve-Gesetzes und erster Sekretär des Board von 1914 bis 1920
war:
»Mein erstes Gespräch mit dem für die Präsidentschaft vorgesehenen
Wilson war 1912. Unsere Unterhaltung bezog sich ausschließlich auf die
Bankreform. Ich fragte ihn, ob er glaube, daß wir die Annahme und
Durchführung eines entsprechenden Gesetzes sichern könnten und wie wir
das anstellen sollten. Er antwortete:
»Wir müssen uns auf den amerikanischen Geschäftsidealismus verlas-
sen.
108
Er suchte nach etwas, was dem amerikanischen Idealismus eine sichere
Gelegenheit biete, sich auszuwirken. Das Gesetz diente dann dazu, den
Weltkrieg zu finanzieren und die amerikanischen Bankgebräuche zu än-
dern. Doch das Element des Idealismus, das der Präsident voraussetzte
und das er, entsprechend dem Grundsatz » Adel verpflichtet«, bei ameri-
kanischen Bankiers und Geschäftsleuten anzutreffen glaubte, war nicht
vorhanden. Seit dem Erlaß des Federal-Reserve-Gesetzes haben wir eine
der schlimmsten finanziellen Krisen und Umwälzungen in unserer Ge-
schichte erlitten, die Krise von 1920-21. Amerikas Agrarwirtschaft erlebte
eine lange Zeit des Leidens und Umsturzes. Eine Million Farmer verließen
ihre Farmen infolge der Schwierigkeiten, die sich aus den Landpreisen und
den sonderbaren Kreditbedingungen ergaben. Nie zuvor gab es über einen
derart langen Zeitraum Zusammenbrüche von Banken. 4500 Banken
schlossen ihre Tore, seit das Federal-Reserve-System begann, tätig zu
werden. In einigen Städten des Westens gab es Zeiten, da alle Banken des
Gemeinwesens in Konkurs gingen, und es gab Banken, die immer wieder
Bankrott machten. In der Anfälligkeit für Konkurse bestanden zwischen
Mitglieds- und Nichtmitgliedsbanken des Federal-Reserve-Systems nur
geringe Unterschiede.
Wilsons Auswahl der ersten Mitglieder des Federal-Reserve-Board war
nicht sehr glücklich. Es war eine zusammengewürfelte Gruppe, nur zu
dem Zweck gewählt, unterschiedlichen mächtigen Interessen Genüge zu
tun. Es geschah nicht selten, daß die Erwählten ihre Posten dazu benutz-
ten, ihre Schulden zu bezahlen. Als der Board infolge der offenkundigen
Unfähigkeit einiger Mitglieder erwog, seine Auswahl zukünftig nur nach
der Leistung zu treffen, stellte Währungskontrolleur John Skelton Wil-
liams den Antrag, das Wort »nur« auszustreichen, und der Board unter-
stützte ihn darin. Die Beibehaltung bestimmter Elemente im Board (War-
burg, Strauss u.a.) schuf Gelegenheit, besondere Interessen zu vertreten,
die sich später als unheilvoll erweisen sollten.
Präsident Wilson irrte, wie er sich oft irrte, als er annahm, ein wichtiges
Amt ändere einen Amtsträger und belebe seinen Patriotismus neu. Zur
Zeit Wilsons erreichte der Federal-Reserve-Board seinen Tiefstand, als ein
Mitglied nur wegen seiner Fähigkeit ernannt wurde, Abgeordnete für eine
demokratische Präsidentschaftskandidatur zu gewinnen. Noch tiefer sarık
er unter Präsident Harding. Er ernannte einen alten Bekannten, D. R.
Crissinger, zum Gouverneur des Board und schob mehrere andere über-
diensteifrige Politiker auf andere Posten. Bis zu seinem Tode tat er sein
Möglichstes, das ganze Unternehmen abzuwirtschaften. Seitdem ging es
mit dem System ständig bergab.
Kaum waren die Federal-Reserve-Banken eingerichtet, als sich herans-
stellte, daß örtliche Bankiers versucht hatten, sie als Unterkunft für soge-
109
nannte »favorite sons zu benutzen, d.h. Leute, die durch allgemeine Zu-
stimmung eine Art Universalauftrag für die Bankgemeinschaft besaßen
oder irgendwie unfähig waren. Sollten Reserve-Direktoren gewählt wer-
den, so weigerten sich oft die Bankiers auf dem Lande abzustimmen, oder,
wenn sie wählten, so folgten sie den Weisungen von städtischen Korres-
pondenten. Unter diesen Umständen war eine allgemeine, demokratische
Kontrolle der Zentralbanken unmöglich. Eine angemessene Leistungsfä-
higkeit ware gewährleistet gewesen, wenn ehrenhafte Männer, die sich ih-
rer Pflicht dem Volke gegenüber bewußt gewesen wären, die Macht über-
nommen hätten. Waren solche Männer vorhanden, kamen sie nicht in den
Federal-Reserve-Board. So liegt heute die Leitung einer Reserve-Bank in
den Händen eines Mannes, der nie zuvor auch nur einen Tag in einer Bank
gearbeitet hatte, während in einer anderen Reserve-Einrichtung frühere
Leiter jetzt eingegangener Banken Gouverneur und Vorsitzender sind. Sie
haben natürlich in ihrem Distrikt einen Rekord an Konkursen. In der
Mehrzahl der Distrikte ist der Leistungsstandard der verantwortlichen
Reserve-Beamten, verglichen mit jenem bei fähigen Banken, beschämend
niedrig. Die Federal-Reserve-Bank von Philadelphia ist im ganzen System
als die »Bank der Freunde und Verwandten« bekannt.
Zur Zeit der beträchtlichen Kriegsgewinne kam einer auf die Idee, die
Profite für die Errichtung eigener außerordentlich kostspieliger Gebäude
zu nutzen. Heute müssen die Reserve-Banken eine volle Milliarde Dollar
ständig bereithalten, nur um ihre eigenen normalen Ausgaben bestreiten
zu können. Das beste Beispiel für das Wirken des Systems sind die Erfah-
rungen mit der Spekulation im Mai 1929. Drei Jahre zuvor war die gegen-
wärtige Hausse gerade dabei, sich zu entwickeln. Im Herbst 1926 traf sich
eine Gruppe von Bankiers - unter ihnen ein weltbekannter Mann - in ei-
nem Washingtoner Hotel. Einer unter ihnen warf die Frage auf, ob der
niedrige Diskontsatz nicht die Spekulation ermutige.
»Ja«, erwiderte der berühmte Bankier, »das wird so sein, aber das läßt
sich nicht ändern. Es ist der Preis, den wir bezahlen müssen, um Europa
zu helfen.«
Es wäre zu klären, ob die Förderung der Spekulation durch den Board
der Preis für die Hilfe an Europa war, oder ob der Preis dafür gezahlt wur-
de, eine bestimmte Klasse von Finanzleuten in den Stand zu setzen, Eu-
ropa zu helfen. In jedem Fall sollten europäische Verhältnisse nichts mit
der Diskontpolitik des Board zu tun haben.
Der »kleine Mann« von Maine bis Texas wurde allmählich dazu ge-
bracht, seine Ersparnisse an der Börse anzulegen mit dem Resultat, daß die
Welle der Spekulation in immer schnellerem Tempo heranrollte und das le-
gitime Geschäft des Landes überspülte.
Im März 1928 wurde Roy A. Young, ein Gouverneur des Board vor ein
110
Senatskomitee gerufen und gefragt:
‚Sind Sie der Meinung, daß die Darlehen der Börsenmakler zu hoch
sind®
»Ob sie zu hoch oder zu niedrig sind«, erwiderte er, kann ich im Augen-
blick nicht sagen; doch ich bin überzeugt, daß sie zuverlässig und ord-
nungsgemäß zustandegekommen sind.«
Finanzminister Mellon gab eine formelle Erklärung ab, in der er versi-
cherte, daß sie nicht zu hoch seien. Colliage, der sich auf Material stützte,
das ihm der Federal-Reserve-Board gegeben hatte, gab die gleiche Erklä-
rung ab. Auf diese Weise strengte sich der Board aufs äußerste an, dem
Durchschnittsbürger, dessen Interessen er vertreten sollte, zu versichern,
daß er sich nicht um seine Ersparnisse zu ängstigen brauche. Doch am 2.
Februar 1929 sandte derselbe Federal-Reserve-Board ein Rundschreiben
an die Direktoren der Banken, in dem er sie vor der Gefahr weiterer Spe-
kulationen warnte. Was konnte man auch von Männern erwarten, wie sie
im Boardversammelt waren; diese waren nur darauf bedacht, drohenden
Gefahren aus dem Wege zu gehen, sonst aber entfalteten sie einen Ochsen-
und Kaninchenhunger nach Glaubwürdigkeit und Lob, wobei sie eifrigst
um die Gunst der »großen Herren« buhlten, die sie als Meister im amerika-
nischen Finanz- und Bankwesen kannten?«
H. Parker Willis’ völlige Enttäuschung über das Federal-Reserve-Sy-
stem, für das er mitverantwortlich war, zeigt, daß ihm der internationale
Einfluß auf den Aufsichtsrat bewußt war, aber er konnte diese Einflüsse
nicht näher benennen oder angreifen.
12. Kapitel
HERBERT HOOVER
R. G. Hawtrey, der englische Volkswirtschaftler, sagte im März, 1926 in
der American Economic Review:
»Wenn ausländische Kapitalanlagen die allgemeinen Spareinlagen über-
steigen, muß der Kapitalmarkt den Mehrbedarf an Geld von den Banken
borgen. Ein Heilmittel ist die Kreditkontrolle durch Anhebung der Bank-
Zinsen. «
Der Federal-Reserve-Board wandte diese Kreditkontrolle aber im Jahre
1926 nicht an, auch nicht als Heilmittel. Sie wurde erst 1929 angewendet,
als der Zinssatz als Strafmaßnahme angehoben wurde, um jedermann -
mit Ausnahme der großen Trusts - auszuschalten.
111
Prof. Cassel schrieb im Quarterly Journal of Economics, August 1928:
»Wenn es eine Zentralbank unterläßt, ıhre Zinsen im Einklang mit der
tatsächlichen Lage anf dem Kapitalmarkt zu erhöhen, verstärken sich in
hohem Maße die zyklischen Bewegungen im Handelswesen mit all ihren
verderblichen Wirkungen auf die Sozialökonomie. Eine rationale Regulie-
rung der Bankzinsen liegt in unserer Hand. Sie kann aber nur durchge-
führt werden, wenn wır ihre Notwendigkeit erkennen und uns dafür ent-
scheiden. Mit einem in dieser Richtung regulierten Bankzins würden sich
die Bedingungen für die Entwicklung der Handelszyklen grundlegend
ändern und die uns vertrauten Zyklen würden der Vergangenheit angehö-
ren.«
Das ist die maßgebendste Aussage eines Experten, die jezu der Tatsache
gemacht worden ist, daß die wirtschaftlichen Krisen Amerikas künstlich
hervorgerufen worden waren. Alle drei Krisen - 1907, 1920 und 1929- er-
eigneten sich in Jahren guter Ernten und großen nationalen Wohlstandes:
das sollte ein Neger in seinen Holzpflock einkerben.
Lord Mayard Keynes wies daraufhin, daß die meisten Theorien bezüg-
lich des Geschäftszyklus daran krankten, daß sie ihre Analysen nicht mit
den Vorgängen auf dem Geldmarkt abstimmten. Jede Darstellung oder
Untersuchung einer Krise, die versäumt, Tatsachen wie Goldbewegungen
und Druck auf ausländische Währungen zu berücksichtigen, ist wertlos.
Aber kein amerikanischer Volkswirtschaftlicher richtete sich danach.
Um 1928 hatte der Völkerbund sein Ziel erreicht, die Nationen Europas
zum Goldstandard zurückzubringen. Doch nun befanden sich drei Vier-
tel des Goldes auf der Welt in Frankreich und den Vereinigten Staaten. Es
ergab sich deshalb die Frage, wie das Gold in jene Länder zu bringen sei,
die es als Grundlage für Geld und Kredit benötigten. Die Antwort gab das
Federal-Reserve-System.
Nach dem geheimen Treffen des Board mit den führenden Männern der
ausländischen Zentralbanken im Jahre 1927 verdoppelten die Federal-Re-
serve-Banken in wenigen Monaten ihre Bestände an Staatspapieren und
Wechseln, was in jenem Jahr den Export von 500 Millionen Dollar in
Gold zur Folge hatte. Das billige Geld des Systems und die Käufe der
Staatspapiere am offenen Markt hielten die Zinsen für tägliches Geld an
der Börse niedrig und schafften das Gold aus dem Lande. Auch Ausländer
nahmen die Gelegenheit wahr, für billiges Geld Staatspapiere in großem
Maße zu kaufen.
Am 6. Februar 1929 kam Mr. Montagu Norman, Gouverneur der Bank
of England, nach Washington und führte ein Gespräch mit Andrew Mel-
lon, dem Finanzminister. Unmittelbar nach diesem geheimnisvollen Be-
such änderte der Federal-Reserve-Board seine Politik des billigen Geldes,
mit der er im Jahre 1927 nach einem früheren Besuch Mr. Normans be-
112
gonnen hatte, in die des teuren Geldes. Der Börsenkrach und die Defla-
tion der amerikanischen Finanzstruktur wurden für den März 1929 ge-
plant. Um die Kugel ins Rollen zu bringen, gab Paul Warburg den Händ-
lern den Rat, aus dem Markt auszusteigen. In seinem Jahresbericht für die
Aktionäre seiner International Acceptance Bank schriebMr. Warburg im
März 1929:
»Wenn es den Orgien ungezügelter Spekulationen gestattet wird, sich
auszubreiten, wird der unvermeidliche Zusammenbruch nicht nur die
Spekulanten selbst, sondern das ganze Land in eine allgemeine Krise stür-
zen. «
Während einer drei Jahre andauernden »ungezügelten Spekulation«
hielt es Mr. Warburg nicht für nötig, etwas über die Lage auf dem Ak-
tienmarkt zu sagen. Eine befreundete Zeitung, die New York Times,
stellte für diesen Bericht nicht nur zwei Spalten ihrer Titelseite zur Verfü-
gung, sondern kommentierte im Leitartikel die Weisheit und Wissen-
schaftlichkeit der Beobachtungen Warburgs. Jetzt war seine Sorge echt,
denn der Börsenschwindel hatte ein viel größeres Ausmaß angenommen,
als man beabsichtigt hatte. Die Bankiers fürchteten nun die Folgen, wenn
das Volk begriff, was man ihm angetan hatte. Als aufgrund seines Berich-
tes in der New York Times eine Verkaufswelle auf dem Börsenmarkt ein-
setzte, gerieten die Bankiers in Panik und beschlossen, den Markt ein we-
nig zu beruhigen. Infolgedessen warf die National City Bank Warburgs 25
Millionen Dollar in bar auf den Markt, und vertagte so den Börsenkrach.
Wohl hatte am 6.2.1929 der Federal-Reserve-Board die Aktionäre der
Federal-Reserve-Banken gewarnt und ihnen geraten, aus dem Aktienge-
schäft auszusteigen. Er gab sich aber keine Mühe, der übrigen Bevölke-
rung irgendetwas zu sagen. Niemand wußte, was wirklich vorging, bis auf
die Bankiers der Wall Street, die das Schauspiel leiteten. Die Goldbewe-
gungen, welche die Lage hätten erkennen lassen, wurden in fast völliger
Geheimhaltung durchgeführt, und amtliche Berichte darüber waren völlig
unzuverlässig.
Das Quarterly Journal of Economics bemerkte:
»Es erhob sich die Frage nicht nur in diesem Lande, sondern auch in
mehreren europäischen Ländern, ob die Zollstatistiken genau die Edelme-
talltransporte wiedergeben. Als dann Nachforschungen gemacht wurden,
. verringerte sich noch das Vertrauen in jene Zahlen, anstatt sich zu verstär-
ken. Zum Beispiel sollte jede Bewegung zwischen Frankreich und E ngland
in jedem Lande gleich verzeichnet werden, aber ein Vergleich zeigt einen
durchschnittlichen jährlichen Unterschied von 50 Millionen Francs in
Frankreich und 85 Millionen Francs in England. Über diese enormen Un-
terschiede wird keine Rechenschaft abgelegt.«
Der ehrenwerte Reginald McKenna stellte fest:
113
»Das Studium der Beziehungen zwischen den Goldvorräten und den
Bewegungen des Preisniveaus zeigt, was an sich leicht ersichtlich ist, aber
unter keinen Umständen anerkannt wird, daß nämlich der Goldstandard
keineswegs automatisch wirkt. Der Goldstandard kann und wird nutz-
bringend angewandt und kontrolliert zum Nutzen einer kleinen Gruppe
internationaler Händler.«
Im August 1929 erhöhte der Federal-Reserve-Board den Diskontsatz
auf 6 %; die Bank of England steigerte ihn im nächsten Monat von 5,5 auf
6,5 %. Dr. Friday erklärte in der September- Ausgabe der Review of Re-
views, daß er keinen Grund für die Maßnahme des Board erkennen könnte.
»Die Erklärung des Federal-Reserve-Board vom 7. August 1929 be-
weist, daß die Bedürfnisse für den Herbst gedeckt sind. Die Goldvorräte
sind beträchtlich höher als im vorangegangenen Jahr, und zum finanziel-
len Verdruß Deutschlands und Englands strömt weiterhin Gold ins Land.
Die Gründe für das Vorgehen des Board müssen also anderswo gesucht
werden. Der Öffentlichkeit wurde nur der Hinweis gegeben, daß »gewisse
besondere Bedingungen das Problem schwierig gestaltet hätten«. Alle
Gründe, die Gouverneur Young letztes Jahr für die Senkung der Zinsen
vorbrachte, liegen jetzt vor. In den vergangenen vier Monaten stiegen be-
reits die Importe des gelben Metalls, eine Erhöhung des Zinssatzes erhöht
nur die Gefahr, Gold vom Ausland hereinzuziehen. Eine Förderung dieses
Vorganges hieße die Verantwortung einer weltweiten Geldverknappung
auf sich laden. «
Daraus ergibt sich, daß das Federal-Reserve-System nicht nur für den
Ersten Weltkrieg verantwortlich war, weil es den Vereinigten Staaten die
Möglichkeit gab, die Verbündeten zu finanzieren, sondern es war durch
seine Politik auch für die Weltwirtschaftskrise von 1929-31 verantwort-
lich. Gouverneur Adolph Miller stellte gelegentlich der Untersuchung des
Federal-Reserve-Board durch den Senat im Jahre 1931 fest:
»Ich glaube nicht, daß wir je in solch übermäßige Spekulationen hinein-
geraten wären, wenn wir kein Federal-Reserve-System gehabt hätten. «
Carter Glass erwiderte:
»Sie haben es klar erkannt, daß der Federal-Reserve-Board durch seine
Transaktionen am offenen Markt eine erschreckende Kreditausweitung
hervorrief.«
Emmanuel Goldenweiser erklärte:
»In den Jahren 1928/29 war der Federal-Reserve-Board damit beschäf-
tigt, eine Beschränkung des schnellen Anwachsens der Spekulation in
Staatsanleihen und Aktien herbeizuführen. Die Fortführung seiner Politik
der Beschränkung wurde jedoch im Herbst 1928 und im Sommer 1929
durch die Herabsetzung der Kreditzinsen unterbrochen. «
Sowohl /. P. Morgan wie Kuhn, Loeb Co. hatten »Vorzugslisten« für
114
Personen, denen sie im voraus gewinnbringende Aktien ankündigten. Ih-
nen wurden die Aktien zum. »Nettopreis« angeboten, d.h. sie zahlten
zwei bis fünfzehn Punkte weniger für eine Aktie als die übrigen Käufer.
Diese Listen umfaßten befreundete Bankiers, prominente Industrielle,
einflußreiche städtische Politiker, führende Mitglieder der Republikani-
schen und Demokratischen Partei und die Herrschenden fremder Länder.
Sie wurden auch von dem kommenden Zusammenbruch benachrichtigt,
und sie verkauften alles bis auf die sogenannten »gilt-edged«, d.h. erstklas-
sige Aktien wie General Motors, Dupont etc. Die Preise dieser Aktien
sanken zwar auch auf einen bisher unerreichten Tiefstand, aber sie stiegen
bald danach wieder.
Wie die großen Bankiers 1929 handelten, enthüllt eine Geschichte in der
Newsweek vom 30. Mai 1936, als der von Roosevelt ernannte Ralph W.
Morrison aus dem Federal-Reserve-Board ausschied:
»Es besteht die einmütige Meinung, daß der Federal-Reserve-Board ei-
nen fähigen Mann verloren hat. Er verkaufte seine Aktien texanischer Fa-
briken an Insull für zehn Millionen Dollar, und im Jahre 1929 berief er
eine Sitzung ein und befahl seinen Banken, alle Staatsanleihen bis zum 1.
September zu verkaufen. Infolgedessen kamen sie ungeschoren durch die
Krise. «
Ist es nicht erstaunlich, daß alle großen Bankiers »ungeschoren durch
die Krise« kamen?
Wer unter der Krise litt, das waren die Arbeiter und Farmer, die ihr
Geld in »schnell-reich-machenden< Aktien angelegt hatten, wozu sie
durch den Präsidenten der Vereinigten Staaten, Calvin Coolidge, und den
Finanzminister, Andrew Mellon, überredet worden waren.
In England gab es einige Warnungen vor dem bevorstehenden Börsen-
krach, nur amerikanische Zeitungen sahen nichts. Der London Statist
schrieb z.B. am 25. Mai 1929:
»Die Bank-Autoritäten in den Vereinigten Staaten wünschen anschei-
nend eine geschäftliche Panik, um die Spekulation zu zügeln.«
Der Londoner Economist schrieb am 11. Mai 1929:
»Die Ereignisse des vergangenen Jahres zeigten die Anfänge einernenuen
Technik, der es, wenn sie beibehalten und weiterentwickelt wird, gelingt,
die Spekulation einzudämmen, ohne den Berufshandel zu schädigen. «
In Übereinstimmung hiermit stellte Gouverneur Charles S. Hamlin bei
den Senatsverhören des Jahres 1931 fest:
»Gewisse Mitglieder des Vorstandes glaubten, daß man den Spekulan-
ten den Bankkredit sperren sollte, ohne den Berufshandel zu schädigen. «
Die »Spekulanten«, die Gouverneur Hamlin auf diese Weise hinaus-
drängen wollte, waren Schullehrer und kleine Stadtkaufleute, die ihre Er-
sparnisse im Börsengeschäft angelegt hatte; doch zum »Berufshandel«,
115
den er schützen wollte, gehörten die großen Spekulanten der Wall Street,
wie Bernard Baruch und Paul Warburg.
Als die Federal-Reserve-Bank von New York am 9. August 1929 den
Diskontsatz auf 6 % erhöhte, begannen jene Zustände am Börsenmarkt,
die in den ungeheuren Verkaufsaufträgen vom 24. Oktober bis ın den No-
vember hinein gipfelten und 160 Milliarden Dollar an Wertpapieren ver-
nichteten. Das waren 160 Milliarden Dollar, die das amerikanische Volk
in dem einen Monat noch besaß und im anderen verloren hatte. Man kann
sich eine Vorstellung von der Größe des Verlustes machen, wenn man sich
erinnert, daß die gesamten Kosten des Zweiten Weltkrieges in den USA
kaum mehr als zweihundert Milliarden Dollar betrugen, wobei ein großer
Teil als börsenfähige Wertpapiere zu Lasten des Staats übrig blieb. Der
Börsenkrach ist das größte Unglück, das die Vereinigten Staaten je betrof-
fen hat.
Die Akademie für politische Wissenschaft an der Columbia-Universität
veranstaltete gelegentlich ihres Jahrestreffens im Januar 1930 eine
»Leichenschau« des Börsenkrachs von 1929. Ihr Vize-Präsident Paul
Warburg sollte den Vorsitz führen und Direktor Ogden Mills eine wich-
tige Rolle in der Diskussion spielen. Die beiden Herren erschienen jedoch
nicht. Oliver M. W. Sprague von der Harvard-Universität bemerkte zu
dem Krach:
»Wir haben hier ein schönes Musterbeispiel, wie ein Aktienmarkt an-
scheinend durch sein eigenes Gewicht zusammenbrechen kann.«
Man wies darauf hin, daß es weder eine Kreditausschöpfung wie 1893
gab, noch einen Geldmangel wie in der Krise von 1907 (als man seine Zu-
flacht zu den Bescheinigungen der Abrechnungsbörse nahm), noch einen
Sturz der Warenpreise wie 1920. Es gab auch keine Zusammenbrüche von
Banken. Was also hatte den Börsenkrach verursacht? Die Leute hatten
Aktien zu hohen Preisen gekauft und hofften, daß die Kurse weiter steigen
würden. Die Kurse mußten wieder fallen, und sie fielen. Den Volkswirt-
schaftlern und Bankiers, die bei Kognak und Zigarren im Hotel Astor bei-
sammensaßen, war es klar, daß die Leute sich auf falscher Fährte beweg-
ten. Gewiß hatten sie den Fehler gemacht, Aktien zu überhöhten Preisen
zu kaufen; doch jeder führende Politiker vom Präsidenten ab hatte sie
dazu überredet. Jede große Zeitschrift und Zeitung, jeder prominente
Bankier, Wirtschaftler und Politiker, alle beteiligten sich am großen Spiel
um das Vertrauen, damit das Volk die überbewerteten Aktien kaufte. Als
die Federal-Reserve-Bank von New York im August 1929 den Diskont-
satz auf 6 9 erhöhte, begannen die Leute zu verkaufen, und das steigerte
sich zu einer Panik, die die Aktienkurse weit unter ihren eigentlichen Wert
sinken ließ. Wie in früheren Krisenzeiten griffen jetzt eingeweihte Speku-
116
lanten der Wall Street und des Auslandes zu, um krisensichere Wertpa-
piere für einen Bruchteil ihres wirklichen Wertes zu ergattern.
Der Krach von 1929 brachte auch die Bildung riesenhafter Holding-Ge-
sellschaften mit sich, die diese billigen Anleihen und Wertpapiere aufkauf-
ten, wie die Marine Midland Corporation, die Lehman Corporation und
die Equity Corporation. 1929 organisierte]. P. Morgan Company den gi-
gantischen Nahrungsmittel-Trust Standard Brands. Für Konzern-Grün-
der war es eine einmalige Gelegenheit, ihre Anteile zu vergrößern und ab-
zusichern.
Emmanuel Goldenweiser, Forschungsdirektor des Federal-Reserve-
Systems, erklärte 1947:
»Im Rückblick ist klar zu erkennen, der Board hätte die spekulative
Ausweitung ignorieren und durch ihr eigenes Gewicht zusammenbre-
chen lassen müssen.«
Dies Eingeständnis eines Fehlers, achtzehn Jahre nach dem Ereignis,
war ein geringer Trost für jene, die ihre Ersparnisse bei dem Krach verlo-
ren hatten. Der Börsenkrach an der Wall Street im Jahre 1929 war der Be-
ginn einer weltweiten Kreditverknappung, die bis 1932 anhielt und von
der die westlichen Demokratien sich erst erholten, als sie anfingen, für den
Zweiten Weltkrieg zu rüsten. Während dieser Krise erlangten die Kon-
zerne noch größere Macht durch die Unterstützung seitens dreier interna-
tionaler Schwindler: der Gebrüder Van Sweringen, Samuel Insull und Ivar
Kreuger. Diese Männer häuften in phantastischer Höhe Wertpapiere im
Werte von Milliarden Dollar an. Die Bankiers, die sie förderten und ihre
Aktien auflegten, hätten sie jederzeit zugrunde richten können, allein
durch den Abruf eines Darlehens von weniger als einer Million Dollar;
doch sie ließen ihnen freie Hand, bis sie viele Industrien und Finanzinsti-
tute in Dachgesellschaften vereinigt hatten, die von den Banken dann aufs
billigste übernommen wurden. Insull sammelte im mittleren Westen Ak-
tienpakete von Gesellschaften der Gebrauchsgüterindustrie. Ivar Kreuger
wurde von Lee Higginson Company, vermutlich einem der angesehensten
Bankhäuser Amerikas, unterstützt; von der Saturday Evening Post,
wurde er »mehr als ein Finanz-Titan« genannt, und die English Review
Fortnightly schrieb im Dezember 1931 in einem Aufsatz unter dem Titel
»Ein Kapitel konstruktiven Finanzwesens«:
»Krenger ist für Europa als finanzieller Berieseler von lebenswichtiger
Bedeutung geworden. «
Wenn wir uns erinnern, war »finanzieller Berieseler« die Bezeichnung,
die das Newsweek Magazine Jacob Schiff gegeben hatte, als es beschrieb,
wie Schiff die amerikanischen Eisenbahnen mit Rothschilds Geld aufkauf-
te. i
Die New Republic bemerkte am 25. Januar 1933, als sie die Tatsache
117
kommentierte, daß Lee Higginson Company mit Kreuger und Toll Aktien
auf dem amerikanischen Markte handelte:
»Drei Viertel einer Milliarde Dollar wurden beseitigt. Wer hat der fran-
zösischen Polizei befehlen können, die Nachricht von diesem außerge-
wöhnlich bedeutsamen Selbstmord (Kreugers) für einige Stunden ge-
heimzuhalten, solange, bis irgendjemand Kreuger-Aktien in großen
Mengen verkauft hatte und so vor dem Zusammenbruch aus dem Markt
aussteigen konnte?«
Der Federal-Reserve-Board hätte die enorme Kreditgewährung an In-
sull und Kreuger aufhalten können, indem er die Sicherheiten prüfte, auf
denen die Kredite fußten. Doch die Gouverneure kümmerten sich nicht
darum. Die moderne Bank mit den ihr offenstehenden Kreditmöglichkei-
ten gibt einem Spekulanten wie Kreuger die Gelegenheit, ein großes Kapi-
tal mit geborgtem Gelde vorzutäuschen und Wertpapiere mit Wertpapie-
ren zu kaufen. Die einzige Grenze seines Kredits ist jene, bis zu der die
Bank ihm den Rücken decken will. Wenn er aber von einem angesehenen
Bankhaus unterstützt wird, wie Kreuger durch Lee Higginson Company,
gibt es nur einen Weg, seinen Spekulationen Einhalt zu gebieten: die
Überprüfung seiner tatsächlichen Geldmittel. Im Falle Kreuger hätte sich
“herausgestellt, daß sie gleich Null waren.
Herbert Hoover war während des Börsenkrachs von 1929 und in der
nachfolgenden Zeit der Präsident des amerikanischen Volkes. Nach dem
ersten schwarzen Tag am 24. Oktober, an dem 5 Milliarden Dollar Wert-
papiere verschwanden, sagte er:
»Die geschäftlichen Grundlagen unseres Landes, nämlich Produktion
und Absatz, befinden sich auf gesunder und einträglicher Grundlage. «
Sein Finanzminister, Andrew Mellon, erklärte am 25. Dezember 1929:
»Das Gechäft der Regierung ist in gesundem Zustande.«
Sein eigenes Geschäft, die Aluminum Company of America, schien al-
lerdings nicht so gut zu gehen, denn er reduzierte den Lohn der Arbeit-
nehmer um 10 %. Aber wahrscheinlich war das nur eine Sparmaßnahme
und kein Maßstab für die finanzielle Lage der Gesellschaft.
13. Kapitel
FRANKLIN D. ROOSEVELT
Am 8. Mai 1931 senkte die Federal-Reserve-Bank von New York den
Diskontsatz von 6 %, wie er seit 1. November 1929 bestanden hatte, auf
1,5 90. Augenscheinlich hatten die großen Spekulanten alles gekauft, was
sie zu haben wünschten.
118
1930 berief Herbert Hoover einen alten Freund aus dem Ersten Welt-
krieg in den Federal-Reserve-Board, Eugene Meyer Jr. Dieser hatte seit
1915, seit er Partner von Bernard Baruch in der Alaska-Juneau Gold Mi-
ning Company geworden war, eine ganze Reihe von Tätigkeiten im öf-
fentlichen Dienst aufzuweisen. Meyer war Sonderberater im Kriegsindu-
strierat für Nicht-Eisen-Metalle (Gold, Silber usw.). Er war Sonderbera-
ter im Kriegsministerium bezüglich der Flugzeugproduktion. 1917 wurde
er in das National Committee on War Savings (Kriegs-Ersparnisse) beru-
fen. Von 1918 bis 1926 war er Vorsitzender der War Finance Corporation.
Von 1927 bis 1929 war er Vorsitzender des Federal Farm Loan Board
(Amt für landwirtschaftliche Bundesanleihen). 1930 kam er durch Hoover
in den Federal-Reserve-Board. Franklin D. Roosevelt schuf 1932 für ihn
die Reconstruction Finance Corporation (Finanzierungsgesellschaft für
Wiederaufbau) und 1946 wurde er Leiter der International Bank for Re-
construction and Development (für Wiederaufbau und Entwicklung).
Meyer muß ein Mann von außerordentlichen Fähigkeiten gewesen sein,
daß.man ihm so viele wichtige Posten anvertraute. Es gab allerdings Sena-
toren, die meinten, er sollte überhaupt kein Regierungsamt bekleiden,
und zwar wegen seiner früheren Tätigkeit als internationaler Goldhändler
und wegen seiner im Ersten Weltkrieg erfolgten mysteriösen Spekulatio-
nen mit Staatspapieren, die einen Wert von mehreren Milliarden Dollar
umfaßt hatten. Daher veranstaltete der Senat einige Anhörungen, um zu
entscheiden, ob Meyer geeignet sei, dem Federal-Reserve-Board anzuge-
hören.
Bei diesen-Anhörungen sagte der Abgeordnete Louis T. McFadden,
Vorsitzender des Bank- und Währungskomitees des Repräsentantenhau-
ses:
»Eugene Meyer Jr. hatte, seitdem er in der Regierung tätig war, seine ei-
gene Mannschaft. Sein Personal bei der War Finance Corporation über-
nahm das Federal Farm Loan System und fast unmittelbar darauf gingen
die Kansas City Joint Stock Land Bank und die Ohio Joint Stock Land
Bank in Konkurs. «
Abgeordneter Rainy: »Als Herr Meyer formell aus dem Vorstand des
Federal Farm Loan Boardzurücktrat, hörten seine Tätigkeiten in ihr nicht
wirklich auf. Er hinterließ einen fähigen Stab von Strandräubern. Dieser
setzte seine Politik fort und holte von ihm Rat. Vor seiner Ernennung hatte
er häufig Unterredungen mit dem Stellvertretenden Finanzminister De-
wey. Unmittelbar vor seiner Ernennung waren die Kansas City Joint
Stock Land Bank, die Chikago Joint Stock Land Bank, die Dallas Joint
Stock Land Bank und die Des Moines Land Bank durchaus in Ordnung.
Ihre Anleihen wurden zum Nennwert verkauft. Der damalige Beauf-
tragte für landwirtschaftliche Anleihen hatte mit Minister Dewey ein
119
Übereinkommen getroffen, daß nichts ohne Einwilligung und Bewlli-
gung des Vorstandes im Federal Farm Loan Board geschehen sollte. Einige
Tage danach betraten Bundespolizisten mit umgeschnallten, zum Teil so-
gar gezogenen Pistolen diese fünf Banken und verlangten, daß diese ihnen
übergeben würden. Alle Zeitungen in den Vereinigten Staaten berichteten
davon. Die Banken waren daraufhin ruiniert. Dies führte zum Bruch mit
dem alten Federal Farm Loan Board, zum Rücktritt dreier seiner Mitglie-
der und zur Ernennung von Herrn Meyer zum Vorsitzenden. «
Senator Carey: »Wer bevollmächtigte die Polizisten, die Banken zu
übernehmen?«
Abgeordneter Rainey: »Der stellvertretende Minister Dewey. Mit die-
sem Vorgang begann der Zusammenbruch all dieser ländlichen Banken,
und die Gianninis kauften viele von ihnen auf.«
In World’s Work vom April 1931 stand:
»Neunzig Prozent aller Zusammenbrüche von Banken ereigneten sich
in Städten mit weniger als zehntausend Einwohnern. Unsere ländlichen
Gemeinden hatten zu viele Banken, die nicht genügend kapitalkräftig wa-
ren, um den Anspannungen der Nachkriegsbedürfnisse gewachsen zu sein.
Wir brauchen weniger Banken und mehr Verordnungen. Das Federal-Re-
serve-System ruht auf fester Grundlage, aber auf dem Gebiet des lokalen
Geldwesens brauchen wir mehr echte Fachleute. «
Von lndlichen Banken konnte man wirklich nicht erwarten, daß sıe
den internationalen Machenschaften der WallStreet begegnen konnten. In
World’s Work hieß es im Februar 1931:
»Als der Weltkrieg für uns 1917 begann, war Mr. Eugene Meyer Jr. un-
ter den ersten, die nach Washington gerufen wurden. Im April 1918 er-
nannte ihn Präsident Wilson zum Direktor der War Finance Corporation.
Diese Gesellschaft verlieh 700 Millionen Dollar an Bank- und Geldinstitu-
te.«
Die Anhörungen wegen Eugene Meyer Jr. wurden folgendermaßen
fortgesetzt:
Abgeordneter McFadden: »Lazard Freres, das internationale Bankhaus
in New York und Paris, war ein Unternehmen der Familie Meyer. Es
spielte oft eine Rolle bei Ein- und Ausfuhrgeschäften mit Gold, und eine
der wichtigsten Funktionen des Federal-Reserve-Systems sind Goldbewe-
gungen, um die eigenen Operationen aufrechtzuerhalten. Bei der Durch-
sicht des Protokolls der Anhörung vom letzten Donnerstag, stellte ich fest,
daß Senator Fletcher Herrn Meyer gefragt hatte: ‚Haben Sie irgendwelche
Verbindungen zu internationalen Bankhäusern?« Herr Meyer antwortete:
»Ich? Nicht persönlich«. Diese letzte Frage und Antwort erscheinen nicht in
der stenographischen Niederschrift. Senator Fletcher erinnert sich an die
120
von ihm gestellte Frage und an die darauf erfolgende Antwort. Es ist eine
recht merkwürdige Lücke!«
Senator Brookhart: »Ich nehme an, Herr Meyer sah die Niederschrift
zwecks Korrektur durch. «
Abgeordneter McFadden: »Herr Meyer ist ein Schwager von George
Blumenthal, einem Mitglied der Firma J. P. Morgan Company, die die
Interessen Rothschilds vertritt. Er ist auch Verbindungsmann zwischen
der französischen Regierung und J. P. Morgan. Edmund Platt, der noch
acht Jahre bis zum Ende seiner zehnjährigen Amtszeit hatte, trat als Gou-
verneur des Federal-Reserve-Boardzurück, um Platz für Herrn Meyer zu
machen. Platt wurde dann Vizepräsident der Marine Midland Corpora-
tion von Meyers Schwager Alfred A. Cook. Eugene Meyer, Jr., dem es als
Leiter der War Finance Corporation oblag, Regierungsanleihen in Höhe
von zwei Milliarden Dollar unterzubringen, erteilte viele Verkaufsauf-
träge zuerstan ein Bankhaus, das sich jetztin Wall Street Nr. 14 unter dem
Namen Eugene Meyer Jr. befindet. Herr Meyer ist jetzt Großaktionär der
Allied Chemical Corporation. Ich möchte ihre Aufmerksamkeit auf den
Kongreß-Bericht Nr. 1635, 68. Kongreß, zweite Sitzung lenken, in dem
enthüllt wird, daß mindestens vierundzwanzig Millionen Dollar in Anlei-
hen doppelt gedruckt wurden. Zehn Milliarden Dollar in Anleihen wur-
den heimlich vernichtet. Unser Bank- und Währungskomitee fand die
Aufzeichnungen der War Finance Corporation unter Eugene Meyer Jr.
höchst fehlerhaft. Als die Bücher von den Leuten, die sie in Obhut hatten,
in unser Komitee gebracht wurden und dann am Abend zurück in das Fi-
nanzministerium, entdeckte das Komitee, daß Veränderungen an den lau-
fenden Aufzeichnungen vorgenommen worden waren.«
Die Erinnerung an seine »öffentlichen Verdienste« hinderte Eugene
Meyer Jr. nicht, weiter dem amerikanischen Volke im Federal-Reserve-
Board, als Leiter der Reconstruction Finance Corporation und als Leiter
der International Bank zu »dienen«.
Präsident Rand von der Marine Midland Corporation, befragt über sei-
nen plötzlichen Wunsch, Edmund Platt in seinen Diensten zu haben, äu-
ßerte:
»Wir zahlen Herrn Platt jährlich 22000 Dollar, und wir übernahmen
natürlich auch seinen Sekretär. «
Das machte noch einmal 5000 Dollar jährlich.
Senator Brookhart wies nach, daß Eugene Meyer Jr. den Federal Farm
Loan Board gegen die Interessen der amerikanischen Farmer verwaltete.
Er sagte:
»Herr Meyer verlieh nie mehr als 180 Millionen von 500 Millionen Dol-
lar Kapital, das dem Vorstand für landwirtschaftliche Kredite zur Verfü-
gung stand. Somit war er bei seiner Hilfe für die Farmer nicht einmal be-
121
reit, die Hälfte des Kapitals zu nutzen. «
Herr Meyer: »Senator Kenyon schrieb mir einen Brief, der beweist, daß
ich mit großem Nutzen für die Leute von Iowa arbeitete.«
Senator Brookhart: »Sie zogen aus und traten in Opposition zu den Leu-
ten der WallStreet. Diese schicken immer jemand aus, das zu tun. In Ihren
Berichten habe ich noch nicht entdeckt, daß Sie den Farmern großzügig
Kredite gaben oder irgendwelche echten Anstrengungen machten, deren
Lage zu verbessern. In Ihren zwei Jahren als Leiter des Federal Farm Loan
Board gaben Sie recht wenige Darlehen, gemessen an Ihrem Kapital. Ge-
mäß Ihren eigenen Feststellungen liehen Sie nur ein Achtel der erwünsch-
ten Summe aus. «
Trotz der ihn belastenden Beweise, die durch die Anhörungen vor dem
Senat aufgedeckt wurden, blieb Eugene Meyer im Federal-Reserve-Bo-
ard.
1932 wählte das amerikanische Volk Franklin D. Roosevelt zum Präsi-
denten der Vereinigten Staaten. Das wurde vom Volk als die Befreiung
von dem bösen Einfluß begrüßt, der die Weltwirtschaftskrise herbeige-
führt hatte, zugleich als ein Ende der Herrschaft der Wall Street und als
das Verschwinden der Bankiers aus Washington.
Einer der Männer, den Roosevelt von New York aus als Sonderberater
des Finanzministeriums mitbrachte, war Earl Bailie von der J. & W. Se-
ligman Company, der dadurch allgemein bekannt geworden war, daß er
Juan Leguia, dem Sohn des Präsidenten von Peru, 415000 Dollar Beste-
chungsgelder aushändigte, um den Präsidenten zu veranlassen, ein Darle-
hen von J. & W. Seligman anzunehmen. Es gab viel Kritik an dieser Er-
nennung, und Roosevelt, getreu seiner neuen Rolle als Verteidiger des
Volkes, sandte Earl Bailie zurück nach New York, um dort zu bestechen.
Franklin D. Roosevelt selbst war ein internationaler Bankier von
schlechtem Ruf, weiler in den zwanziger Jahren unser Land mit ausländi-
schen Obligationen überschwemmt hatte. Die Obligationen verfielen,
und unsere Bürger verloren dadurch Millionen Dollar. Trotzdem
wünschten sie Roosevelt zu ihrem Präsidenten. Das New Yorker Adreß-
buch der Direktoren verzeichnet Roosevelt in den Jahren 1923 und 1924
als Präsidenten und Direktor der United European Investors, Ltd., zu ei-
ner Zeit, als dieses Land von vielen Millionen deutscher Mark über-
schwemmt wurde, die alle verlorengingen. Poor’s Adreßbuch der Direk-
toren verzeichnet ihn im Jahre 1928 als Direktor der International Ger-
manic-Trust-Company. Franklin D. Roosevelt war auch Berater der Fe-
deral International Banking Corporation, eines englisch-amerikanischen
Unternehmens, das mit ausländischen Anleihen in Amerika handelte.
Roosevelts Anwaltsbüro Roosevelt and O’Connor vertrat während der
zwanziger Jahre viele internationale Bankgesellschaften. Sein Partner Ba-
122
sil O’Connor war Direktor folgender Aktiengesellschaften: Cuban-Ame-
rican Manganese Corporation, Venezuela-Mexican Oil Corporation,
Honduras Timber Corporation, Federal International Corporation, West
India Sugar Corporation, American Reserve Insurance Corporation,
Warm Springs Foundation. Außerdem war er noch Direktor in anderen
Gesellschaften und später Leiter des Amerikanischen Roten Kreuzes.
Als Franklin D. Roosevelt das Amt des Präsidenten der Vereinigten
Staaten übernahm, ernannte er zum Haushaltsdirektor James Paul War-
burg, den Sohn von Paul Warburg und Vizepräsidenten der International
Acceptance Bank und anderer Gesellschaften. Zum Finanzminister er-
nannte Roosevelt W. H. Woodin, einen der größten Industrie-Magnaten
des Landes, Direktor der American Car and Foundry Company und zahl-
reicher anderer Lokomotiv-Fabriken, sowie der Remington Arms, The
Cuba Company, Consolidated Cuba Railroads und anderer großer Ge-
sellschaften. Woodin wurde später durch Henry Morgenthau Jr. ersetzt,
dem Sohn des Harlemer Häusermaklers, der Woodrow Wilson ins Weiße
Haus verholfen hatte. Mit einer solchen Mannschaft hatte Roosevelts Ver-
sprechen, eine durchgreifende Änderung der sozialen Verhältnisse her-
beizuführen, wenig Aussicht, erfüllt zu werden. Eine seiner ersten Hand-
lungen war es, ein Moratorium für die Bankiers zu verkünden, um ihnen
Gelegenheit zu geben, ihre Bücher in Ordnung zu bringen.
World’s Work schrieb dazu:
»Der Kongreß hat es Charles G. Dawes und Eugene Meyer Jr. überlas-
sen, frei nach ihren Methoden die Sicherheiten abzuschätzen, die künftige
Kreditnehmer von zwei Milliarden Dollar bieten. «
Roosevelt gründete auch die Securities Exchange Commission, die dafür
zu sorgen hatte, daß keine neuen Gesichter in der Wall Street auftauchten,
was das folgende Gespräch im Kongreß veranlaßte:
Abgeordneter Wolcott: »Bei den Anhörungen vor diesem Komitee im
Jahre 1933 bewiesen uns die Volkswirtschaftler anhand ihrer Schaubilder
ohne Zweifel, daß der Wert des Dollar in bezug auf Verbrauchsgüter dem
Preisniveau des Goldes folgte. Tat er das nicht oder tat er das?«
Leon Henderson: »Nein. «
Abgeordneter Gifford: » Wurde Joe Kennedy nicht vom Präsidenten be-
rufen, weil.er mit dem großen Geschäft sympathisierte®«
Leon Henderson: »I/ch denke wohl.«
Paul Einzig äußerte 1935:
»Präsident Roosevelt war der erste, der sich offen als Förderer einer
Geldpolitik bekannte, die auf einen absichtlich herbeigeführten Preisan-
stieg abzielte. In einem negativen Sinne war seine Politik erfolgreich. Zwi-
schen 1933 und 1935 gelang es ihm, die private Verschuldung zu mindern,
aber dies geschah durch Erhöhung der öffentlichen Verschuldung. «
123
Mit anderen Worten, er nahm die Schuldenlast von den Schultern der
Reichen und legte sie auf die der Armen; denn es gibt wenig Reiche aber
viele Arme.
Am 13. Dezember 1932 stellte Louis T. McFadden, der Leiter des
Bank- und Währungskomitees des Repräsentantenhauses, einen Antrag
im Kongreß, öffentlich Anklage gegen Präsident Herbert Hoover zu er-
heben. Nur fünf Männer standen ihm zur Seite, und so wurde der Antrag
abgelehnt. Der Führer der republikanischen Mehrheit des Hauses sagte:
»Louis T. McFadden ist nun politisch tot.«
Am 23. Mai 1933 stellte McFadden im Kongreß erneut Anträge auf Er-
hebung der öffentlichen Anklage, und zwar gegen den Finanzminister,
zwei stellvertretende Finanzminister, den Federal-Reserve-Board und die
Angestellten und Direktoren der Federal.Reserve-Banken, um sie wegen
ihrer Schuld an der Weltwirtschaftskrise 1929-1931 zur Rechenschaft zu
ziehen. Die Anträge wurden mit großer Mehrheit abgelehnt, und bei den
nächsten Kongreßwahlen fieler durch, weil gegen ihn in seinem heimatli-
chen Wahlkreis Canton, Pennsylvania, Tausende von Dollar aufgewandt
worden waren. Seine Kollegen im Kongreß begannen eine Flüsterkam-
pagne, in der verbreitet wurde daß McFadden im Begriff sei, seinen Ver-
stand zu verlieren, so wie jedes Kongreßmitglied seinen Verstand verloren
haben müsse, das im Sitzungssaal des Kongresses aufstünde, um gegen die
internationalen Spekulanten zu sprechen.
Senator Robert L. Owen, der vor dem Bank- und Währungskomitee
des Repräsentantenhauses als Zeuge auftrat, erklärte:
»Ich schrieb in das Gesetz, das am 26. Juni 1913 von mir in den Senat
eingebracht worden waren, daß die Macht des Federal Reserve Systems
dazu benutzt werden sollte, ein stabiles Preisniveau zu schaffen. Das be-
deutete, daß der Dollar dieselbe Kauf- und Schuldentilgungskraft behal-
ten sollte. Diese Bestimmung wurde gestrichen. Die mächtigen Geldleute
erlangten die Kontrolle über den Federal-Reserve-Board durch Paul War-
burg, Albert Strauss und Adolph C. Miller. Sie brachten es außerdem fer-
tig, jene geheimnisvolle Zusammenkunft am 18. Mai 1920 zu veranstal-
ten, die eine so heftige Kreditbeschränkung mit sich brachte, daß fünf Mil-
lionen Menschen arbeitslos wurden. Im Jahre 1920 führte der Federal Re-
serve Board absichtlich die Panik von 1921 herbei. Dieselben Leute, die
auf dem Aktienmarkt uneingeschränkt spekulierten und zwischen 1926
und 1929 eine überhöhte Kreditausweitung betrieben, erhöhten die Ak-
tienkurse zu fantastischer Höhe, bei der sie unmöglich Dividenden erzie-
len konnten, und als dem Volk das klar wurde, versuchten sie aus dem Bör-
sengeschäft auszusteigen, was den Börsenkrach vom 24. Oktober 1929 zur
Folge hatte.«
Senator Owen ging nicht auf die Frage ein, ob der Federal-Reserve-Bo-
124
ard dem Volke gegenüber verantwortlich gemacht werden sollte. Tatsäch-
lich konnte er das nicht. Die Mitglieder waren Beamte, die vom Präsiden-
ten ernannt worden waren; aber ihre Gehälter werden gezahlt von den
privaten Aktionären der Federal-Reserve-Banken. Offensichtlich sind sie
den Leuten treu, die ihre Gehälter zahlen. Und deshalb ist die Geschichte
ihrer Verschwörung gegen das amerikanische Volk seit 1913 nicht anders
als die Geschichte von Imperial Chemicals, I. G. Farben oder anderen
großen Gesellschaften, die gegen die Interessen des Volkes handeln.
Gouverneur W. P. G. Harding vom Federal-Reserve-Board bezeugte
1921:
»Die Federal-Reserve-Bank ist eine Institution, die im Besitz der ak-
tienführenden Mitgliedsbanken ist. Die Regierung ist nicht mit einem ein-
zigen Dollar beteiligt. «
Die Regierung überläßt jedoch dem Federal-Reserve-System den Ge-
brauch seiner Milliarden-Kredite und das gibt dem System den Charakter
einer Zentralbank, die die Macht hat, Geld auszugeben auf Kredit der Re-
gierung. Wir haben keine Banknoten der Bundesregierung oder Goldzer-
tifikate als allgemeine Währung. Wir haben Federal-Reserve-Banknoten,
die von den Federal-Reserve-Banken herausgegeben wurden, und jeder
Dollar, den sie drucken, ist ein Dollar in ihre Taschen.
W. Randolph Burgess von der Federal-Reserve-Bank von New York
stellte vor der Akademie für politische Wissenschaft im Jahre 1930 fest:
»In den geschäftlichen Grundprinzipien unterscheidet sich das Feder-
al-Reserve-System nicht von anderen Notenbanken wie der Bank von
England, der Bank von Frankreich oder der Reichsbank.«
Alle diese Zentralbanken haben die Macht, in ihren entsprechenden
Ländern Banknoten in Umlauf zu bringen. Auf diese Weise sind die Völ-
ker Europas nicht im Besitz ihres eigenen Geldes, ebensowenig wie in den
USA. Es wird privat gedruckt zu privatem Gewinn. Das Volk hat kein
Hoheitsrecht über sein Geld, und die Entwicklung geht dahin, daß es auch
kein Hoheitsrecht über andere wichtige Gebiete der Politik hat, wie z.B.
die Außenpolitik.
Als zentrale Notenbank hatte das Federal-Reserve-System den unge-
heuren Reichtum des amerikanischen Volkes hinter sich. Als es 1913 mit
seinen Unternehmungen begann, wurde es zu einer ernsten Bedrohung
der Zentralbanken in den verarmten Ländern Europas. Weil es diesen
großen Reichtum verkörperte, zog es weit mehr Gold an, als in den zwan-
ziger Jahren wünschenswert war, und es wurde offensichtlich, daß bald
das Gold der ganzen Welt in diesem Lande aufgehäuft sein würde. Das
würde den Goldstandard in Europa zur Farce machen; denn sie würden
dort kein Gold haben, um ihre Banknoten und den Kredit zu decken. 1927
war es das erklärte Ziel des Federal-Reserve-Systems nach dem geheimen
125
Treffen mit den Führern der Zentralbanken im Auslande, einen großen
Teil dieses Goldes nach Europa zurückzusenden. Die Methode, die es
anwandte, nämlich die Festsetzung niedriger Zinssätze und der starke
Kauf von Staatspapieren, wodurch ungeheure Summen neuen Geldes ge-
schaffen wurden, verstärkten die Spekulationen auf dem Aktienmarkt und
verursachten den Börsenkrach mit der sich daraus ergebenden Wirt-
schaftskrise von der Größe einer nationalen Katastrophe.
Da das Federal-Reserve-System schuld an diesem Unheil war und wuß-
te, daß es schuldig war, hätte man vermuten können, daß versucht wurde,
es auf irgendeine Weise zu mildern. Aber die Gouverneure des Federal-
Reserve-Board sahen wohl, wie sich in den düsteren Jahren 1931 und 1932
die wirtschaftliche Lage des amerikanischen Volkes ständig verschlechter-
te, sie taten jedoch nichts, um ihm zu helfen. Das war verbrecherischer als
die Herbeiführung der Krise selbst. Jeder, der in diesen Jahren in diesem
Lande lebte, erinnert sich an die weitverbreitete Arbeitslosigkeit, die Not
und den Hunger unseres Volkes. Zu jedem Zeitpunkt in diesen Jahren
hätte der Federal-Reserve-Board handeln können, um diese Lage zu er-
° leichtern.
Das Problem bestand darin, wieder Geld in Umlauf zu bringen. Viel
Geld, das normalerweise benötigt wurde, um Mieten und Nahrungsmittel
zu bezahlen, war von der Wall Street aufgesogen worden. Dadurch gab es
nicht genug Geld, um die lebenswichtigen Geschäfte fortführen zu kön-
nen. In vielen Bezirken druckten deshalb die Leute ihr eigenes Geld auf
Holz oder Papier zum Gebrauch in ihren Gemeinden, und dieses Geld
war gut, da es gegenseitige Verpflichtungen darstellte, die man unter sich
erfüllte.
Das Federal-Reserve-System war eine zentrale Notenbank. Es hatte die
Macht und übte sie aus, wann immer es seinen Eigentümern paßte, Mil-
lionen von Dollar herzustellen und in Umlauf zu bringen. Warum geschah
das nicht in den Jahren 1931 und 1932? Die Bankiers der Wall Street waren
fertig mit Herbert Hoover, sie wollten, daß Franklin D. Roosevelt auf ei-
ner Welle des Ruhmes als Retter der Nation sein Amt antreten sollte. Des-
halb mußte das amerikanische Volk hungern und leiden, bis im März 1933
der »Weiße Ritter« hoch zu Roß mit seiner Mannschaft von Wall Street-
Bestechern angeritten kam und einiges Geld in den Betrieb steckte. Das
war alles, was nötig war. Kaum hatte Roosevelt sein Amt übernommen,
begann das Federal-Reserve-System Staatsanleihen im Werte von zehn
Millionen Dollar wöchentlich zehn Wochen lang zu kaufen. Es schuf da-
durch hundert Millionen Dollar neues Geld, das den bedenklichen Man-
gelan Geld und Kredit milderte und die Fabriken wieder Leute einstellen
ließ.
Neben den Silberspekulationen, die Roosevelt zum Nutzen der engli-
126
schen Familie Sassoon betrieb und die weitverbreitetes Elend ın China
und Indien herbeiführten, ist Roosevelt durch seine Goldspekulationen
mit seinem Finanzminister Henry Morgenthau Jr. berühmt geworden.
Das Goldhandelsgesetz, das er durch den Kongreß peitschte, erlaubte
dem Finanzminister, Gold irgendwo zu kaufen, ohne es der Regierung
bekanntzugeben oder durch sie dazu ermächtigt zu sein.
Abschnitt 8 des Federal-Reserve-(Gold)-Gesetzes von 1934 sah vor:
»Mit der Billigung des Präsidenten kann der Finanzminister für jeden
Betrag Gold im In- oder Auslande kaufen gegen jede gesetzlich zugelas-
sene Schuldverschreibung, Münze oder ein anderes Zahlungsmittel. «
Roosevelts internationale Goldgeschäfte wurden durch den Obersten
Gerichtshof geprüft. Dieses Gericht, man wird sich erinnern, entschied
zugunsten von E. H. Harriman und Otto Kahn im Jahre 1908, als es fest-
stellte, daß diese Männer nicht verpflichtet waren, die Berichte über ihre
Börsengeschäfte der zwischenstaatlichen Handelskommission vorzule-
gen. Das geschah in Verbindung mit der Besitzergreifung der Union-Paci-
fic-Eisenbahn durch Kuhn, Loeb Co. Der Oberste Gerichtshof hat stän-
dig im Interesse der Geldmächte gehandelt, Richter Owen Roberts ist so-
gar Direktor der von Morgan finanzierten Telephone und Telegraph Cor-
poration. Bis 1919 wurden nur 33 Gesetze für verfassungswidrig angese-
hen, es wurden aber 223 Gesetze vom Obersten Gerichtshof gestrichen,
weil dieser seit 50 Jahren für eine Machtzentralisation eintritt.
Wie sich Roosevelt und Morgenthau in den internationalen Goldhandel
stürzten, wird von Alsop und Kintner, zwei Kolumnisten aus Washing-
ton, in der Saturday Evening Post vom 15. April 1939 erzählt:
»Die erste Tat Morgenthaus war, Dean Acheson von J. P. Morgan
Company, den stellvertretenden Finanzminister, zu entlassen, weil Ache-
son nicht mit seinen Plänen übereinstimmte. Durch das Goldgesetz erziel-
ten Roosevelt und Morgenthau einen Buchgewinn von zwei Milliarden
800 Millionen Dollar, indem sie das ganze Gold mit 35 Dollar anstatt mit
20,67 Dollar die Unze bewerteten. Noch unter der Vollmacht des Gold-
Reserve-Gesetzes benutzten sie dann dieses Kapital, Gold zu kaufen und
zu verkaufen, um den Preis des Dollars auf den Weltbörsen zu manipulie-
ren. Dadurch erlangten sie die Kontrolle über alles Geld der Welt. (Der
führende Kopf im Hintergrund war Bernard Baruch.) Morgenthan war
früher Farmer, zeigte aber viel Verstand bei Geldgeschäften. H. Merle
Cochran und Dr. Herbert Feis sind zwei Männer, mit deren Hilfe das Fi-
nanzministerium seinen Finger am Puls der ganzen Welt halt. Einmal im
Monat fährt Cochran nach Bern in der Schweiz, um mit den Leitern der
europäischen Zentralbanken anläßlich der Zusammenkunft der Bank für
internationalen Zahlungsausgleich, die sie »ihren Klub« nennen, zu dinie-
ren und Neuigkeiten zu hören. Pearl S. Bucks früherer Mann, J. Lessing
127
Buck, ist Professor an einer chinesisch-amerikanischen U: niversität, um auf
diese Weise den eigentlichen Zweck seines Aufenthaltes in China zu ver-
bergen, nämlich seine Tätigkeit für Morgenthau. Das chinesische und das
amerikanische Finanzministerium arbeiten eng zusammen, und eine di-
rekte Verbindung ist notwendig. Butteworth übt die gleiche Tätigkeit wie
Cochran in London aus. Cochran ist offiziell nur Sekretär bei der Pariser
Botschaft. Tatsächlich ist er der führende Dollar-Mann in E uropa, der im
geheimen die Hand Amerikas im großen Geldspiel darstellt. An diesem er-
greifenden internationalen Schauspiel können Sie sehen, wie die Weltpoli-
tik wirklich arbeitet. Die Handelnden sind die führenden Männer der
Vereinigten Staaten, Frankreichs und Englands, ihre hervorragendsten
Finanzbeamten, Bankiers und Finanziers. T, K. B ewley übt eine ähnliche
Tätigkeit für England bei der britischen Botschaft in Washington aus, und
Harry Dexter White, Sonderberater ‚für Silber des Finanzministeriums der
Vereinigten Staaten, arbeitet eng mit ihm zusammen. Der Präsident selbst
nennt die Übersiedelung des Finanzkapitals von New York nach Washing-
ton eine der beiden großen Errungenschaften des »New Deak.«
Roosevelts Goldmanipulationen kamen 1934 vor den Obersten Ge-
richtshof, als der Kläger F. E. Nortz Schadenersatz von den Vereinigten
Staaten forderte, weil er 65000 von 106000 Dollar an Goldpfandbriefen
verloren hatte, die er beim Finanzministerium einlösen wollte, nachdem
Roosevelt den Goldpreis von 20,67 Dollar auf 35 Dollar die Unze herauf-
gesetzt hatte. Der Oberste Gerichtshof sah sich in der schwierigen Lage,
Roosevelts Tun zu billigen, ohne seine Sympathie für ihn zu verraten. Er
hatte sich in verstärktem Maße nach Dienststellen der Regierung gerich-
tet, so wie es alle ernannten Beamten tun, aber in diesem Prozeß mußte er
vorsichtig vorgehen. Am 9. Februar 1935 schreibt Newsweek:
»Der Oberste Gerichtshof verhandelt noch immer über die Gold-Be-
stimmungen im Bankgesetz von 1935. M. orgenthan traf Vorsorge, das Ge-
setz im Kongreß durchzupeitschen, falls eine Entscheidung gegen die Ver-
waltung getroffen würde. Der Bürovorsteher meldete, daß sie sich nicht
vor dem folgenden Montag entscheiden würden. Niemals zuvor hatte der
Oberste Gerichtshof eine Nachricht verbreitet, die sich auf zukünftige
Handlungen bezog.«
Am 16. Februar bemerkte Newsweek:
»Zum zweitenmalverbreitete das Gericht die Nachricht, daß keine Ent-
scheidung erzielt werden würde, womit es erneut innerhalb von zwei Wo-
chen gegen den bisherigen Brauch verstieß. Zwei Tage zuvor hatten die
Richter des Obersten Gerichts mit Roosevelt im Weißen Haus diniert.«
Dieses Essen mit Roosevelt während der Verhandlung.über ein höchst
anfechtbares Gesetz hatte natürlich nichts mit der Entscheidung des
Obersten Gerichtshofes zu tun.
128
Am 23. Februar 1935 meldete Newsweek:
»In einer Entscheidung mit 5 zu 4 Stimmen entschied das Oberste Ge-
richt zugunsten Roosevelts, rügte aber teilweise den Kongreß. Es bestätigte
das Recht des Kongresses, die Währung zu regulieren, den Goldgehalt des
Dollars zu ändern und die Goldklauseln in den nicht von der Regierung
herausgegebenen Anleihen für ungültig zu erklären, bestimmte aber, daß
der Kongreß kein Recht hätte, Schulden durch Nichtanerkennung eines
Vertrages zu senken und daß es ungesetzlich wäre, Goldklauseln in Regie-
rungsanleihen zu streichen. «
Nach nochmaliger Überprüfung der Goldgesetze des Kongresses er-
klärte der Vorsitzende des Gerichts, Hughes:
»Wir bemühen uns nicht um ein weises Urteil, vor dem Gerichtshof
dreht es sich um Macht und nicht um Klugheit.«
Richter McReynolds sprach mit lauter und bitterer Stimme für die Min-
derheit:
»Die Verfassung, wie wir sie gekannt haben, ist dahin. Das ist Nero in
seiner übelsten Art. Was heute hier geschehen ist, kann nicht ernst genug
genommen werden. Die gesetzlichen Grundlagen, die Männer und
Frauen bisher als Schutz ihrer Interessen betrachteten, sind alle hinwegge-
fegt worden. Es gibt gewisse Verpflichtungen, die ein Mann auf dieser
Richterbank hat, nämlich in aller Offenheit zu enthüllen, was geschehen
ist. Wir sind Bedingungen gegenübergestellt, mit deren Hilfe der Wert des
Dollar heute auf 50 Cents, morgen auf 30 Cents und übermorgen auf 10
Cents herabgesetzt werden kann. Der Verlust unseres Rufes, ehrbar zu
handeln, wird uns alle verderben. Das uns bevorstehende gesetzliche und
moralische Chaos ist erschreckend. «
Richter McReynolds brauchte 21 Jahre, um herauszufinden, daß die
Verfassung dahin war. Das amerikanische Volk weiß es immer noch nicht.
Die Rede von McReynolds wäre zeitgemäß gewesen, wenn er sie am 23.
Dezember 1913 gehalten hätte, als Woodrow Wilson das Federal-Reser-
ve-Gesetz unterschrieben hatte. Dieses Gesetz nahm dem Kongreß das
Recht, Geld herauszugeben und gab es privaten Bankiers, denen das Fe-
deral-Reserve-System gehörte.
»Die Verwaltung hatte bereits erraten, welche Entscheidung bevor-
stand. Minister Morgenthan speiste mit Roosevelt im Weißen Hause. Fran
Morgenthau und Frau Dorn, die Fran des Kriegsminister, waren schon vor
den Frauen der Richter im Gerichtssaal.«
Newsweek bemerkte außerdem:
»Die Nachricht von der Entscheidung des Obersten Gerichtes ließ die
Preise für Staatspapiere und Waren raketenhaft ansteigen. Auslands-Wäh-
rungen schossen in die Höhe. Voller Jubel über die Entscheidung, hielt
Roosevelt das nationale Wiederanfbau-Gesetz zwei Tage lang zurück,
129
damit der Sieg der Verwaltung allein auf den Titelseiten der Zeitungen
prangen konnte. Dem Kläger Nortz, der 65000 Dollar an Goldanleihen
verloren hatte, verweigerte man den Schadenersatz, da er den Kaufkraft-
verlust nicht hatte nachweisen können.«
14. Kapitel
MARRINER ECCLES
Während Roosevelts Amtszeit wurde der Federal-Reserve-Board ei-
nem völligen Wechsel seiner Mitglieder unterzogen. Charles $. Hamlin,
das älteste Mitglied, das schon 1914 ernannt worden war und als einziges
der alten, ursprünglich sieben Mitglieder zählenden Gruppe immer noch
dem Board angehörte, übernahm 1936 die niedrigere Stelle eines Sonder-
beraters.
Ein anderer Bekannter im Board war Emmanuel Goldenweiser, For-
schungsdirektor für den Federal-Reserve-Board seit 1919. Goldenweiser,
ein Einwanderer aus Kiew, kam 1906 in die USA. Er trat sofort in öffentli-
che Dienste. Von 1906-1910 war er im Einwanderungsamt der Vereinig-
ten Staaten beschäftigt. Von 1910-1914 war er im Landwirtschaftsmini-
sterium tätig und von 1914-1919 im Amt für Volkszählung. 1919 begann
er für den Federal-Reserve-Board zu arbeiten. Während der dreißig Jahre,
die er als Forschungsdirektor des Board wirkte, hat er viele maßgebende
politische Berichte herausgegeben und zweifellos weiß er über die Arbeit
des Federal-Reserve-Systems mehr, als irgendein anderer.
Ein von Roosevelt 1936 ernannter Mann im Board war Joseph A. Bro-
derick, ein alter Freund aus. New York. Broderick stieß 1919 zum Feder-
al-Reserve-System. Von 1929 bis 1934 führte er die staatliche Oberauf-
sicht über die Banken des Staates New York. Während seiner Amtszeit
wurde er angeklagt wegen strafbarer Pflichtverletzung im Zusammenhang
mit dem Konkurs der Bank of the United States. Jene Bank hatte große
Summen in New Yorker Grundstücken investiert, besonders in der Nähe
des Central Parks West, und sich dabei ernstlich übernommen. Da Bro-
derick die Oberaufsicht über die Banken hatte, war ihm der Zustand jener
Bank bewußt; aber aus Gründen, die bei dem Prozeß nicht geklärt werden
konnten, kümmerte er sich nicht darum. Die Bank schloß ihre Tore, die
Kontoinhaber verloren Millionen von Dollar, und Broderick, so schien
es, würde eine harte Gefängnisstrafe für seine Pflichtverletzung erhalten.
Aber Gouverneur Franklin D. Roosevelt erschien, um bei seinem Prozeß
auszusagen. Roosevelt verteidigte ihn so brilliant, daß Broderick nicht nur
freigesprochen wurde, sondern die Oberaufsicht über die Banken des
130
Staates behielt. 1936 berief Roosevelt ihn sogar in den Federal-Reserve-
Board. 1937 trat er aber zurück, um die Stelle des Präsidenten der East Ri-
ver Savings Bank, einer der ältesten und größten Banken der New Yorker
City, anzunehmen.
J- F. T. O’Connor gab 1933 sein Amt als Währungskontrolleur auf, um
in Los Angeles dem Anwaltsbüro von McAdoo beizutreten, der im Ersten
Weltkrieg Finanzminister und jetzt Anwalt der gigantischen Bank-Hol-
ding-Gesellschaft von A. P. Giannini, der Trans-America Corporation
und der Bank of America war. O’Connor wurde bald darauf Bezirksrich-
ter in Kalifornien.
Andere Mitgliedes des Board suchten sich bessere Posten aus. John
MckKee beispielsweise, von 1937 bis 1946 im Board, wurde Präsident der
Continental Bank and Trust Company. Chester C. Davis, Mitglied von
1936 bis 1941, war unter Henry Wallace im Landwirtschaftsministerium
gewesen, dann ging er zur Commodity Credit Corporation, von dort zur
Export-Import-Bank und dann in den Federal-Reserve-Board. Er schied
dann aus, um Präsident der Federal-Reserve-Bank inSt. Louis zu werden.
Der Federal-Reserve-Board wurde während der Amtszeit Roosevelts öf-
fentlich von Marriner Eccles vertreten, einem Nacheiferer und Bewunde-
rer des Chefs. Eccles war ein Bankier aus Utah, Präsident der First Securi-
ties Corporation, eines Anlage-Trusts seiner Familie, der aus mehreren
Banken bestand, die Eccles billig während der Agrarkrise von 1920/21
aufgekauft hatte. Eccles war auch Direktor anderer Firmen, wie Pet Milk
Company, Mountain States Implement Company und Amalgamated Su-
gar. Als Großbankier paßte Eccles sehr gut in die Gruppe mächtiger Män-
ner, die Roosevelt lenkten.
Es gab einige Diskussionen im Kongreß darüber, ob Eccles überhaupt
im Federal-Reserve-Board sein dürfte, da er so viele Banken in Utah besä-
ße; aber er erklärte, daß er mit der First Securities Corporation sehr wenig
zu tun hätte, außer daß er ihr Präsident sei. Und daraufhin wurde er als
Vorsitzender des Board bestätigt.
Eugene Meyer Jr. trat jetzt zurück, um noch mehr Zeit darauf zu ver-
wenden, die zwei Milliarden Dollar der Reconstruction Finance Corpora-
tion (Wiederaufbau-Finanzierungsgesellschaft) auszuleihen und nach sei-
nem Gutdünken den Wert von Sicherheiten einzuschätzen.
Das Bankgesetz von 1935, das Roosevelts Macht über die Finanzen der
Nation noch mehr erhöhte, war Bestandteil der Gesetzgebung, durch die
er beabsichtigte, seine absolute Herrschaft in den Vereinigten Staaten aus-
zubauen. Es wurde vom Volk nicht angegriffen wie das Wiederaufbau-
Gesetz, weil es nicht so offenkundig seine Freiheiten verletzte. Trotzdem
war es eine wichtige Maßnahme. Zuallererst verlängerte es die Amtszeit
der Gouverneure des Federal-Reserve-Board auf 14 Jahre oder dreiein-
131
halb Amtszeiten des Präsidenten der USA. Das hatte den Sinn, daß ein
neuer Präsident, der gegen die Mitglieder des Board eingestellt wäre, un-
möglich eine Mehrheit nach seinen Wünschen erreichen konnte, und daß
eine Geldpolitik, die vor seiner Ernennung zum Präsidenten eingeschla-
gen worden war, ohne Rücksicht auf seine Wünsche fortgesetzt werden
konnte.
Wie Abgeordneter Wright Patman klarlegte, führten die Zusatzbe-
stimmungen von 1935 zu einer Entmachtung der Beamten und Direktoren
in den zwölf Federal-Reserve-Banken. Er bemerkte, jetzt hätten die Be-.
amten und Direktoren einer Federal-Reserve-Bank nicht mehr Macht
über unser Geldsystem als ein Pförtner, weil die Zusatzbestimmungen
von 1935 alle Macht dem Board und dem Open Market Committee gaben.
Die Einwendungen des Abgeordneten Patman gegen das Komitee stel-
len klar heraus, daß dieses nur aus Mitgliedern des Board zusammenge-
setzt sein sollte und nicht wie bisher aus Vertretern der privaten Banken.
Diese übertriebene und gefährliche Konzentration der Geldmacht, die im
Zweiten Weltkrieg notwendig gewesen sein mag, um die Ausweitung des
öffentlichen Kredits in den Griff zu bekommen, ist eine wirkliche Bedro-
hung der Friedenswirtschaft. Das beweist die unheilvolle Inflation in der
Nachkriegszeit. Die Frage ist: Wer konnte 1935 weit genug voraussehen,
daß er die Macht der Banken für die Kreditausweitung der vierziger Jahre
zentralisierte? Henry Morgenthau, Harry Dexter White, Herbert Feis
und Jacob Viner trafen die Vorbereitungen für eine Finanzierung des
Krieges, indem jene Zusatzbestimmungen in die Gesetzgebung eingefügt
wurden, und zwar für eine Kriegsfinanzierung in Ausmaßen, von denen
niemand zuvor auch nur geträumt hatte.
Das Bankgesetz von 1935 hob auch die Verfügung des Glass-Steagall
Bankgesetzes von 1933 auf, wonach ein Bankhaus nicht zugleich an der
Börse und im Investment-Geschäft tätig sein durfte. Diese Bestimmung
befand sich im Bankgesetz von 1933, um die Leute zu beruhigen, die die
Bankiers für die große Wirtschaftskrise verantwortlich machten. Sie war
gut, weil sie eine Bank daran hinderte, Geld an eine Aktiengesellschaft zu
verleihen, die ihr selbst gehörte. Andererseits muß daran erinnert werden,
daß dieses Gesetz noch andere Vorsichtsmaßnahmen enthielt, z.B. die
Gründung der Bundesversicherungsanstalt für Depositengelder, die Ver-
sicherungsgelder in Höhe von 150 Millionen Dollar vorsah, um Einlagen
von 15 Milliarden Dollar zu decken. Doch das erhöhte die Macht der gro-
ßen Banken über die kleinen und gab den großen noch einen Vorwand, die
kleinen zu überprüfen. Das Bankgesetz von 1935 setzte im übrigen fest,
daß alle Gewinne der Federal-Reserve-Banken diesen selbst zufließen
sollten. Gleichzeitig wurde die alte Bestimmung gestrichen, daß die Re-
gierung am Gewinn beteiligt sein sollte. Diese Bestimmung war freilich
132
nıe beachtet worden, die Steigerung der Einnahmen der Federal-Reser-
ve-Banken von 143 Millionen Dollar im Jahre 1913 auf 45 Milliarden Dol-
lar im Jahre 1949 war ausschließlich den privaten Aktieninhabern der
Banken zugutegekommen. Auf diese Weise wurde aber im Jahre 1935 die
einzige positive Gesetzesbestimmung widerrufen. Die Federal Reserve
Banken durften aufgrund des neuen Gesetzes jetzt sogar direkt an die In-
dustrie Kredite geben, damit traten sie in Konkurrenz zu den Mitglieds-
banken, die niemals hoffen konnten, bei der Vergabe großer Kredite mit-
halten zu können.
Als 1935 die Bestimmung aufgehoben wurde, daß Banken nicht gleich-
zeitig an der Börse und im Investment-Geschäft tätig sein durften, wurde
Carter Glass, der Urheber dieser Bestimmung, von Reportern gefragt:
»Bedeutet das, daß J. P. Morgan sich wieder am Investment-Bankge-
schäft beteiligen kann?«
»Nun, warum nicht?« antwortete Senator Glass. »Durch das ganze
Land war ein Aufschrei gegangen, daß die Banken keine Kredite mehr ge-
ben würden. Jetzt können die Morgans wieder zum Unterschreiben zu-
rückkehren.«
Weil jene Bestimmung für die Bankiers ungünstig gewesen war, hatten
sie einfach solange aufgehört, Kredite zu geben, bis sie widerrufen wurde.
Der Kongreß brachte es einfach nicht fertig, irgendein Gesetz zu erlassen,
das sie einengte.
Am 14. März 1936 hieß es in Newsweek:
»Der Federal-Reserve-Boardentließ neun Vorsitzende von Federal-Re-
serve-Banken und erklärte, »er beabsichtige, das Amt der Vorsitzenden
weitgehend in eine besoldete Teilzeitbeschäftigung umzuwandeln.« Das
war wieder ein Schritt zur allmählichen Verengung und Zentralisierung
der Kontrolle im Federal-Reserve-System. Das regionale Distrikt-System
war niemals ein bedeutender Faktor in der Durchführung der Geldpolitik
gewesen, und der Board ging nun daran, die Zahl seiner Beamten außer-
halb Washingtons zu verringern. «
Der Federal-Reserve-Board selbst verlor seine Unabhängigkeit im
Jahre 1920, als Warburg und Strauss ausschieden. Warburg beherrschte
weiterhin den Board, aber seine Autorität wurde allmählich vom Finanz-
minister Mellon übernommen, zum Teil mit Rücksicht auf die Spekula-
tionen des Board mit Staatspapieren auf dem offenen Markt. Deshalb
fragte der Vorsitzende des Bank- und Währungsausschusses des Senats
während der Anhörungen im Jahre 1934, betreffend die Goldreserven:
»Stimmt es nicht, Gouverneur Young, daß in den letzten zwölf Jahren
der Finanzminister die Politik der Federal-Reserve-Banken und den Fe-
deral-Reserve-Boardin Hinblick auf den Kauf von Anleihen der Vereinig-
ten Staaten beherrscht hat?«
133
Gouverneur Young verneinte dies. Aber man hatte schon entdeckt, daß
Montagu Norman von der Bank of England auf seinen beiden eiligen Rei-
sen in die USA im Jahre 1927 und 1929 direkt zu Andrew Mellon, dem Fi-
nanzminister, gegangen war, um ihm die Politik für das Federal-Reser-
‚we-System vorzuschreiben und ihn zu veranlassen, Regierungsanleihen
auf dem offenen Markte zu kaufen und Goldbewegungen aus den USA
zurück nach Europa einzuleiten.
Die Anhörungen ließen auch eine Gruppe von Leuten aufmarschieren,
die mehr als ein vorübergehendes Interesse an den Tätigkeiten des Feder-
al-Reserve-Systems hatten. James Paul Warburg, der gerade von der Lon-
doner Wirtschaftskonferenz mit Professor ©. M. W. Sprague und Henry
L. Stimson zurückgekommen war, erschien und erklärte, nach seiner
Meinung müßte der Goldstandard modernisiert werden. Frank Vanderlip
schlug vor, den Federal-Reserve-Board abzuschaffen und dafür eine Bun-
desbehörde einzurichten. Das hätte für die New Yorker Bankiers keinen
Unterschied bedeutet, da sie in jedem Falle das Personal ausgesucht hät-
ten.
Und Senator Robert L. Owen, der seit langem das System kritisierte,
machte folgende Aussage:
»Die Bevölkerung wußte nicht, daß die Federal-Reserve-Banken einge-
richtet worden waren, um Gewinne zu erzielen. Sie sollten den B edarf an
Kredit und Geld stabilisieren. Das ist nicht erreicht worden. Im Gegenteil,
seitdem das System seine Tätigkeit begann, erfolgten höchst bemerkens-
werte Schwankungen in der Kaufkraft des Geldes. Die Männer des Feder-
al-Reserve-Systems werden von den großen Banken ausgewählt als Er-
gebnis kleiner geheimer Kämpfe, und sie dienen natürlich den Idealen, die
ihnen vom finanziellen Standpunkte aus als die vorbildlichsten bezeichnet
werden.«
Benjamin Anderson, Volkswirtschaftler der Chase National Bank in
New York sagte:
»Im Augenblick, im Jahre 1934, haben wir 900 Millionen Dollar Über-
schuß an Reserven. Im Jahre 1924 erreichte man mit Reserven, die um 300
Millionen höher waren, sehr schnell eine Kreditausweitung bei den Ban-
ken um etwa drei bis vier Milliarden. Dieses Zusatzgeld wurde 1924 durch
die Federal-Reserve-Banken in den Verkehr gebracht und zum Kauf von
Regierungsanleihen benutzt; dadurch entstand die schnelle Ausweitung
der Bankkredite. Die Banken fuhren dann fort, überschüssige Reserven
anzulegen, weil immer mehr Gold hereinkam und weil die Leute des Fe- - .
deral-Reserve-Systems, wann immer ein Nachlassen war, neues Geld auf
den Markt warfen. 1926 hielten sie sich ein wenig zurück, und die Lage fe-
stigte sich etwas. Doch dann brachten sie im Jahre 1927 weniger als 300
Millionen zusätzliche Reserven auf den Markt, bewirkten dadurch den
134
wilden Börsenverlauf und das stürzte uns dann mitten hinein in den Bör-
senkrach von 1929.« “
Dr. Anderson erklärte außerdem:
»Das Geld der Federal-Reserve-Banken wird von diesen selbst geschaf-
fen. Wenn sie Regierungsanliehen kauften, schaffen sie folgendermaßen
Reserven: Sie bezahlen die Regierungsanleihen mit Schecks, die auf sie
selbst ausgestellt sind, und diese Schecks kommen zu den Handelsbanken
und werden von diesen bei den Federal-Reserve-Banken deponiert. Auf
diese Weise entsteht Geld, das vorher gar nicht vorhanden war. «
Senator Bulkley: »Und die Geldmenge wird dadurch überhaupt nicht
erhöht?«
Anderson: »Nein.«
Das ist eine Erklärung dafür, wieso die Federal-Reserve-Banken ihre
Aktiva von 143 Millionen Dollar auf 45 Milliarden innerhalb von 35 Jah-
ren erhöhen konnten. Sie produzierten überhaupt nichts, sie waren un-
produktive Unternehmen, und doch hatten sie diesen ungeheuren Ge-
winn, einfach dadurch, daß sie Geld schufen, von dem 95 % Kredite wa-
ren, die nichts zur umlaufenden Geldmenge hinzufügten. Das Geld
wurde nicht an die Leute in Form von Löhnen verteilt, es erhöhte auch
nicht die Kaufkraft der Farmer und Arbeiter. Es war Kredit-Geld, von
Bankiers zum Gebrauch und zum Profit von Bankiers geschaffen, was de-
ren Besitz in wenigen Jahren um mehr als 40 Milliarden Dollar vergrößer-
te, einfach dadurch, daß sie 1913 die Kontrolle über die Regierungskredite
mithilfe der Durchsetzung des Federal-Reserve-Gesetzes erhielten.
Auch Marriner Eccles hatte einiges über die Geldschöpfung zu sagen.
Er betrachtete sich selbst durchaus als Volkswirtschaftler und war von
Stuart Chase und Rexford Guy Tugwell, zwei der frühen Gehirn-Trust-
Leute Roosevelts, in den Regierungsdienst geholt worden. Eccles war ei-
ner von jener Gang, die mit Roosevelt ins Amt kam und während seiner
ganzen Amtszeit darin verblieb. Jeder andere hätte die Art, mit der Roo-
sevelt Amerika der Wall Street auslieferte, verabscheut und seinen Ab-
schied genommen, doch Eccles, selbst ein Bankier, war’s zufrieden. Er
verehrte sogar den großen Demokraten, und so hatte er Grund genug, ge-
schäftlich und persönlich unentwegt Hussa zu schreien.
Am 24. Juni 1941 sagte Gouverneur Eccles vor dem Bank- und Wäh-
rungskomitee des Repräsentantenhauses:
»Geld wird aus dem Recht geschaffen, Kredite zu geben.«
Dadurch, daß man den Regierungskredit im Jahre 1913 an private Ban-
ken übergab, erhielten sie die unbegrenzte Möglichkeit, Geld zu schöp-
fen. Das Federal-Reserve-System konnte aber auch Geld in großen Men-
gen durch seine Spekulationen am offenen Markt vernichten. Bei den Sil-
ver-Hearings im Jahre 1939 sagte Eccles:
135
» Wenn man Anleihen auf dem offenen Markte verkauft, löscht man Re-
serven ans. «
Auslöschung von Reserven bedeutet die Zerstörung eines Fundaments
der Geld- und Kreditausgabe, oder eine Verknappung von Geld und Kre-
dit, ein Zustand, der gewöhnlich für Bankiers vorteilhafter als die Geld-
schöpfung ist. Zurückziehung oder Verknappung des Geldes verschafft
den Bankiers eine direkte und unbegrenzte Kontrolle über dieF inanzlage;
denn sie sind die einzigen, die über Geld verfügen und über die Macht, bei
einer Geldverknappung neues Geld auszugeben. Die Geldkrisen von
1873, 1893, 1907, 1920-21 und 1929-31 waren alle dadurch gekenn-
zeichnet, daß das umlaufende Geld abgezogen wurde. In der nüchternen
Fachsprache klingt das nicht sehr schlimm; doch wenn das bedeutet, daß
vielen Menschen das Geld fehlt, um ihre Miete oder Nahrung zu bezah-
len, daß Arbeitgeber drei Viertel ihrer Mitarbeiter entlassen müssen, weil
sie kein Geld zu ihrer Entlohnung leihen können, dann bedeutet das, daß
für die Schuldigen unter den Bankiers keine Strafe zu hart ist, um sie für
die Verbrechen zu bestrafen, die sie an ihren Mitmenschen begangen ha-
ben.
Am 30. September 1940 sagte Gouverneur Eccles:
»Wenn es in unserem System keine Schulden gäbe, dann gäbe es auch
kein Geld.«
Das ist eine zutreffende Feststellung über unser Geldwesen. Anstatt,
daß Geld durch die Produktion des Volkes, durch das jährliche Anwach-
sen von Gütern und Dienstleistungen geschaffen wird, entsteht es durch
die Bankiers mit Hilfe der Verschuldung des Volkes. Der Hauptgrund
hierfür liegt an unserem törichten Festhalten an dem veralteten Goldstan-
dard, den wir als die Grundlage für die Ausgabe von Geld und die Gewäh-
rung von Kredit ansehen. Viele Bankiers und Volkswirtschaftler haben
festgestellt, daß der Goldstandard ungeeignet ist, und daß ein großer Teil
des Hungers und der Armut der Bevölkerung der Tatsache entspringt, daß
kein geeignetes Geldsystem besteht. Die Unzulänglichkeit des jetzigen
Geldsystems bringt wenigen große Gewinne, aber vielen ein Leben von
der Hand in den Mund. Weil es ungeeignet ist, ist es großen Schwankun-
gen unterworfen und in seinen Grundlagen nicht fest. Diese Schwankun-
gen sind wiederum eine Quelle großen Profits. Aus diesem Grunde hat
sich der Federal-Reserve-Board jeder Gesetzgebung entgegengestellt, die
das Geldsystem festigen sollte. Die Haltung des Board wird deutlich in
dem Brief umrissen, den Gouverneur Eccles am 9. März 1939 an Senator
Wagner schrieb, außerdem in dem Memorandum, das der Rat am 13.
März 1939 herausgab.
Gouverneur Eccles schrieb:
». .. . Sie werden davon unterrichtet, daß der Aufsichtsrat des Federal-
136
Reserve-Systemsdie Annahme der Gesetzesvorlage Nr. 31, die das Feder-
al-Reserve-Gesetz erweitert, oder irgendein anderes Gesetz von diesem
allgemeinen Charakter nicht billigt. «
Der Federal-Reserve-Board erklärte in seinem »Memorandum über
Vorschläge, die Preise festzuschreiben«:
»Der Board widersetzt sich jeder Gesetzesvorlage, die ein festes Preisni-
vean vorsieht, und zwar deshalb, weil Preise nicht in erster Linie vom
Wert oder den Kosten des Geldes abhängen, die Kontrolle des Board über
das Geld nicht vollständig gemacht werden kann und feste Preise, selbst
wenn sie durch amtliche Verfügung erzielt werden, keinen dauernden
Wohlstand sichern können. «
Trotzdem behauptete William McChesney Martin, der augenblickliche
Vorsitzende des Board, am 10. März 1952 vor dem Unterausschuß für
Schulden-Kontrolle, dem Patman-Committee:
»Ein grundlegender Zweck des Federal-Reserve-Gesetzes ist es, den
Wert des Dollars zu schützen. «
Senator Flanders fragte ihn:
»Ist das ausdrücklich in dem ursprünglichen Gesetz festgelegt, auf das
“ sich das Federal-Reserve-System stätzt?«
»Nein«, erwiderte Herr Martin, »aber es befindet sich im Einklang mit
der gesamten Geschichte dieses Gesetzes und den Begleitumständen.«
Senator Robert L. Owen hat uns berichtet, wie gegen seinen Willen
diese Bestimmung aus dem ursprünglichen Gesetz herausgenommen
wurde und wie der Board sich einer solchen Gesetzesbestimmung wider-
setzte. Anscheinend weiß Herr Martin nichts davon.
Feste Durchschnittspreise sind in der Tat nicht möglich, solange die
Spekulanten an der Börse die Preise hinauf- oder heruntertreiben, um für
sich selbst Gewinne herauszuholen. Ungeachtet der Behauptung von
Gouverneur Eccles, feste Preise würden keinen dauernden Wohlstand si-
chern, könnten sie doch viel dazu beitragen. Ein Mann mit einem jährli-
chen Einkommen von 2500 Dollar wird nicht dadurch wohlhabender,
daß ein Laib Brot um fünf Cents im Laufe des Jahres teurer wird.
1935 sagte Eccles vor dem Bank- und Währungskomitee des Repräsen-
tantenhauses:
»Die Regierung kontrolliert die Goldreserven, das heißt, die Macht,
Geld auszugeben und Kredit zu gewähren, und sie reguliert damit weitge-
hend die Preise. «
Diese Aussage Eccles steht in genauem Gegensatz zu seiner Aussage im
Jahre 1939, wo er behauptete, die Preise seien nicht in erster Linie vom
Wert und den Kosten des Geldes abhängig.
1935 stellte Gouverneur Eccles vor dem Kongreßkomitee fest:
»Der Federal-Reserve-Board hat das Recht, Geschäfte auf dem offenen
137
Markt zu tätigen. Diese Geschäfte sind das wichtigste Mittel, Umfang und
Kosten des Kredites im Lande zu kontrollieren. Wenn ich in diesem Zu-
sammenhang von Kredit spreche, meine ich Geld, weil bei weitem der
größte Teil des Geldes, das bei den Leuten dieses Landes in Gebrauch ist,
aus Bankkrediten oder Bankguthaben besteht. Wenn die Federal-Reser-
ve-Banken auf dem offenen Markt Wechsel oder Wertpapiere kaufen,
vermehren sie die Geldmenge im Volk und senken den Geldwert; wenn sie
sie aber auf dem offenen Markt verkaufen, verringern sie die Geldmenge
und erhöhen den Geldwert. Die Vollmacht zu diesen Geschäften, die das
Wohlergehen des ganzen Volkes betreffen, muß in den Händen einer Kör-
perschaft liegen, die das nationale Interesse vertritt.«
Das war ein Vorwand, die Befugnisse des Federal-Reserve-Board durch
das Bankgesetz vom Jahre 1935 zu erweitern, was auch erreicht wurde.
Die Behauptung, der Federal-Reserve-Board vertrete die Interessen der
Nation, ist die reinste Heuchelei. Wenn der Erste Weltkrieg im nationalen
Interesse, wenn die Agrarkrise im nationalen Interesse, wenn die Welt-
wirtschaftskrise im nationalen Interesse erfolgten, dann vertrat in der Tat
der Federal-Reserve-Board die Interessen der Nation.
Bei den Silver-Hearings, die das Finanzkomitee des Senates im Jahre
1939 abhielt, sagte Senator Robert L. Owen:
»Als die Amtszeit Präsident Roosevelts vor sechs Jahren begann, betrug
die Geldmenge, die am 15. März 1939 im Umlauf war, 7,2 Milliarden
Dollar. Dann wurde sie durch den Federal-Reserve-Board verringert und
nur vermehrt durch Ankauf von Silber-Zertifikaten, und zwar auf die jet-
zige Höhe von 6,7 Milliarden. Während des ersten Jahres der Amtszeit
Roosevelts verminderte der Federal-Reserve-Board die umlaufende
Geldmenge um zwei Milliarden Dollar. Augenblicklich beträgt der vom
Federal-Reserve-System ausgeliehene Kredit eine Milliarde weniger als zu
Beginn der Amtszeit Roosevelts. Unter dem Einfluß und der Leitung des
Federal-Reserve-Systems gingen durch die Mißwirtschaft des Systems
16000 Banken in 16 Jahren in Konkurs. Der Produktionsverlust erreichte
in den letzten zehn Jahren eine Höhe von 200 Milliarden Dollar. Wenn das
Volk eine Führung zu seinem Wohl gehabt hätte, wären ihm die entgange-
nen Waren und Dienstleistungen zugute gekommen und das Land wäre
frei von Schulden und schwerer Zinsbelastung. Diese Tatsachen werden
durch die Berichte des Federal-Reserve-Board bewiesen. Ich erhebe keine
Beschuldigungen gegen die Verantwortlichen, soweit sie nicht sich selbst
überführten durch ıhre eigenen Reden und Veröffentlichungen. Das Sy-
stem selbst mit seiner ungeheuren Macht, seinen großen Forschungsein-
richtungen, die jede Möglichkeit besitzen, die Lage zu erkennen und uns
tatkräftig zu helfen, hat dem Lande keinerlei Unterstützung gewährt,
sondern hat alles getan, was es konnte, um die Lage zu verschlimmern.
138
Das einzige, wofür sich der Board einsetzte, war, seine eigene Stellung zu
festigen und zu verhindern, daß der Kongreß den Wert des Geldes be-
stimmte. Die Art, wie die Stabilität unseres Wirtschaftslebens durch die
Mißwirtschaft des Federal-Reserve-Systems gestört wurde und die Hilfs-
mittel dazu, sind klargestellt worden im Senats-Dokument 23 des 76.
Kongresses, 1. Sitzung. Die Mitglieder des Aufsichtsrates sollten keine
Bankiers sein. Der Vorstand und die großen Bankiers haben die Macht,
diese Wirtschaftskrise sofort zu beenden, indem sie den Reserve-Banken
die Anweisung geben, täglich für 50 Millionen Dollar Staatspapiere der
Vereinigten Staaten auf Rechnung der Vereinigten Staaten zu kaufen, bis
das nicht-flüssige Geld der Staatspapiere, in flüssiges Geld umgewandelı,
den Mangel an flüssigem Gelde beheben würde, der durch das Horten ge-
suchter Anlagegelder hervorgerufen worden war. «
Im Jahre 1938 brachte das Kongreßmitglied Wright Patman den Ge-
setz-Entwurf HR 7230 ein, der eine Übernahme der Federal-Reserve-
Banken durch die Regierung vorsah. Da diese Banken mit dem Kredit der
Regierung arbeiteten, wäre das nur gerecht gewesen; aber der Gesetzent-
wurf wurde vom Kongreß abgelehnt. Wright Patman erklärte bei den An-
hörungen über diesen Gesetzentwurf:
»Wenn der Marktpreis der Wertpapiere in irgendeiner Weise gefährdet
ist, wird der Board sehr aktiv. Ich betone, hätte der Board seine Macht so
zum Wohle unseres Landes genutzt, wie er die Preise der Staatspapiere
schützte, dann würde es unserem Lande besser gehen. Mr. Eccles gab vor
diesem Komitee im Februar 1937 zu, daß der Board die Politik des teuren
Geldes eingeschlagen hätte, um den Anlegern einen besseren Ertrag ihrer
Anlagen zu sichern. «
Während der Anhörungen vor dem Patman-Committee am 17. März
1952 sagte Senator Flanders:
» Mir scheint, daß es die unsinnigste geschäftliche Maßnahme in der Welt
war, als die Federal-Reserve-Banken den Aktienmarkt vor Kursschwan-
kungen bewahren wollten. So waren sie gezwungen, Aktien zu kaufen,
wenn der Rohstoff billig war, und zu verkaufen, wenn das Produkt teuer
war. «
C. F. Ross äußerte auf der Jahresversammlung der amerikanischen
Wirtschaftsvereinigung im Jahre 1947:
»Eine Einschränkung des Bankkredites, wie sie das Federal-Reserve-
System 1920-21, 1929-32 und 1937-38 durchsetzte, hat eine wichtige,
dreifach ungünstige Wirkung auf das Geschäftsleben, die erst 6 Monate
später erkennbar wird. Erstens mindert eine Erhöhung des Zinssatzes bei
langfristigen Krediten die Kapitalbildung aus laufenden Einnahmen. So-
dann ergibt sich ein Anwachsen der Arbeitslosigkeit und der Produktion
(aufgrund des Schrumpfens der Einheitslöhne) mit der Folge, daß die
139
Preise für nicht-landwirtschaftliche Produkte schneller fallen als die für
Metalle und Metallprodukte. Das wiederum hat zur Folge, daß die Nach-
frage nach Anlagen zusammenbricht, sechs Monate nachdem der Federal
Reserve Board seine deflationistische Politik begonnen hat.«
R. C. Hawtrey, der englische Volkswirtschaftler, schreibt von der
Wirkung, die der Wechsel des Zinssatzes auf die Bestände des Großhan-
dels hat. Die Großhandelsbestände in den Vereinigten Staaten haben
durchschnittlich einen Warenwert von 20 Milliarden Dollar, der leicht in
Bargeld umgewandelt werden kann. Deshalb berührt der Wechsel des
Zinssatzes einen solchen Warenwert. Wenn der Markt Waren braucht,
bedeutet die Zurückhaltung der Ware Wertverminderung und Lagerspe-
sen, aber wenn die Zinssätze steigen, müssen die Waren in Bargeld umge-
wandelt werden, während bei fallenden Zinssätzen, wenn also das Geld
billiger wird, die Ware zurückgehalten werden muß, bis das Geld wieder
teurer wird.
Gegen Ende des Jahres 1936 und durch das ganze Jahr 1937 breitete sich
eine Wirtschaftskrise über die Vereinigten Staaten aus, allgemein bekannt
als die Rezession von 1936/37. Wie bei anderen Krisen, die durch das Fe-
deral-Reserve-System hervorgerufen wurden, konnten die Geschäftsleute
sie sich nicht erklären. Das Land befand sich im Wohlstand. Roosevelt
war gerade gegen eine unbedeutende Opposition wiedergewählt worden.
Und doch entstand eine Krise, in der die Existenz vieler Menschen ver-
nichtet wurde, die gerade angefangen hatten, nach dem Börsenkrach von
1929 wieder auf die Füße zu kommen.
Emmanuel Goldenweiser, Forschungsdirektor des Federal-Reserve-
Board, äußerte:
»Im Sommer 1936 hatten die Banken überschüssige Reserven. Der Fe-
deral-Reserve-Board entschloß sich, seine neuerworbene Macht zu ge-
brauchen, um die überschüssigen Reserven durch Erhöhung des Grundka-
pitals festzulegen. Der Rat wiederholte diese Maßnahme im Frühjahr 1937
und stenerte auf diese Weise in die ernste Krise von 1937/38. «
Reserven festzulegen bedeutete ebensoviel, wie sie zu beseitigen, soweit
es den verfügbaren Bedarf an Geld und Kredit betraf. Und, wie Gouver-
neur Eccles bezeugt hatte, bedeutete die Beseitigung von Reserven die Be-
seitigung von Grundlagen für die Ausgabe von Geld und Kredit, und da-
mit die Einengung des Geldmarktes. Das aber mußte zu einer Geschäfts-
krise führen.
Senator Robert L. Owen bezeugte bei den Anhörungen über die Geset-
zesvorlage HR 7230, die eine Verstaatlichung der Federal-Reserve-Ban-
ken vorsah:
»1937, als der Federal-Reserve-Board von den Banken verlangte, das
Grundkapital auf das Doppelte ihres jetzigen Bestandes zu erhöhen, trat
140
eine Beschränkung des Kredites um zwei Milliarden Dollar ein. «
A. B. Elliston, Herausgeber der Washington Post, schrieb in einem Ar-
tikel im Atlantic Monthly vom Juli 1938:
»Der Zusammenhang zwischen dem Anziehen der Bremsen durch das
Federal-Reserve-System und dem Niedergang der Wirtschaft ist in den
Jahren 1936/37 offensichtlich!«
Paul Einzig schreibt 1938 in Macmillans World Finance:
»Im März 1937 verurteilte Roosevelt den starken Preisanstieg für Kon-
sumwaren, was er seit 1933 gefördert hatte, und er kündete Maßnahmen
dagegen an. Das war hauptsächlich für die Goldkrise und den Geschafts-
rückgang in den Vereinigten Staaten verantwortlich. Professor O. M. W.
Sprague, Befürworter des Aldrich-Planes von 1910-12, später Wirt-
schaftsberater der Bank of England, schied dort 1933 aus und trat ins Fi-
nanzministerium der Vereinigten Staaten ein, das er zusammen mit Paul
Warburg und Henry L. Stimson auf der Londoner Wirtschaftskonferenz
vertrat. 1934 trat er zurück. Während seines Aufenthaltes in Europa im
Jahre 1936, der sowohl im öffentlichen als auch im privaten Interesse er-
folgte, stellte Professor Sprague fest, daß es wahrscheinlich zu einer Sen-
kung des amerikanischen Goldpreises käme. Diese Bemerkung wurde auf
allen Märkten wiederholt. Es mag seltsam erscheinen, daß eine solch pri-
vate Bemerkung eines Professors, der zu jener Zeit keinerlei öffentliches
Amt bekleidete, obwohl er die Bank of England als seine Postanschrift be-
nutzte und dort ein Büro zu seiner Verfügung stand, soviel Bedeutung be-
saß. Die Goldkrise wurde künstlich durch Gold-Unruhestifter am Leben
erhalten. Dr. L. G. Tripp von der Niederländischen Bank und Präsident
der Bank für internationalen Zahlungsaustausch brachte in dem jährlichen
Bericht von 1936/37 ein Kapitel, das er nannte »Ein Jahr steigender Gold-
vorräte«. Professor Cassel setzte die Propaganda gegen Gold fort. Roose-
velt erklärte öffentlich, daß der Goldpreis jetzt nicht gesenkt würde, was
aber eine künftige Preissenkung erwarten ließ, wodurch die Lage noch
verschlimmert wurde.«
Ein Präsident der Vereinigten Staaten, der hilft, eine Gruppe interna-
tionaler Goldhändler zu fördern, mag manchem als fragwürdige Tatsache
erscheinen; doch das war nur einer der Fälle, wo Roosevelt sein hohes
Amt gebrauchte, um seine Freunde zu unterstützen.
Einer der schlimmsten Gestalten dieser Chronik ist der soeben er-
wähnte Professor Oliver M. W. Sprague. Er spielt in der Angelegenheit
vom Anfang bis zum Ende eine Rolle. Im Jahre 1904 finden wir ihn eifrig
dabei, Artikel zu schreiben, in denen er darauf besteht, daß wir eine Zen-
tralbank haben müßten. Im Jahre 1911, als Professor für Volkswirtschaft
an der Harvard Universität, schrieb er Propaganda-Artikel für den Al-
drich-Plan. 1913 schrieb er die Propaganda für das Federal-Reserve-Ge-
141
setz und behauptete, daß es eine Wohltat der Bankiers wäre. In den zwan-
ziger Jahren schrieb er eine Reihe von Artikeln, in denen er den Goldstan-
dard verteidigte. In den dreißiger Jahren hüpfte er in den Finanz-Metro-
polen der ganzen Welt umher, um Botengänge für die internationalen
Goldhändler zu erledigen. Wie selbstverständlich verfügte der kleine Pro-
fessor über ein Büro in der Bank of England! Dieser Harvard-Volkswirt-
schaftler befand sich erst einige Monate im Finanzministerium der Verei-
nigten Staaten, und schon wurde er zur Londoner Wirtschaftskonferenz
gesandt, um die Interessen der USA zu vertreten, ein Mann, der niemals
zuvor für die Regierung gearbeitet hatte. 1937 war er dann eine Schlüssel-
figur im Economists’ Committee on Monetary Policy, einer Lobby-Orga-
nisation der Wall Street, die gemäß ihren eigenen Angaben 45000 Dollar
für Schriften ausgab, um gegen die Reformideen von Senator Elmer Tho-
mas zu opponieren, der damals ein Waren-Dollar-System vorschlug.
15. Kapital
HERBERT LEHMAN
Der neueste Name in der internationalen Finanzhierarchie ist Herbert
Lehman. Von 106 Firmen, die 1870 die New Yorker Baumwollbörse
gründeten, überlebten bis. zum Jahre 1940 nur zwei: Lehman Brothers
und Hentz and Company. Hentz and Company wurde 1917 von den Ge-
brüdern Baruch übernommen, zur gleichen Zeit, als Bernard Baruch in
öffentliche Dienste trat, und es nicht ratsam war, zugleich das Bankhaus
Baruch Brothers zu vertreten. Anna Rochester schrieb 1935, daß der Füh-
rungsstil des Bankhauses Kuhn, Loeb Co. durch die fortschrittlicheren
Methoden der Gebrüder Lehman abgelöst wurde. Im Jahre 1935 fand
auch die Untersuchung gegen die Kriegsgewinnler des Ersten Weltkrieges
durch das Nye Committee statt. Die DuPonts wurden zum Sündenbock
gestempelt, um den Kongreß einzuschüchtern, damit er alle Vorschläge
Baruchs für eine Kontrolle Amerikas im Zweiten Weltkrieg ohne Abände-
rungen annehmen sollte. In einer Reihe von Vorträgen vor dem Nye
Committee skizzierte Baruch Schritt für Schritt den Entwurf, der sich mit
der Rationierung der Nahrungsmittel und des kriegswichtigen Materials
(wie Öl und Gummi, woran er große Beteiligungen hatte), außerdem mit
den erhöhten Industriekosten, der Preiskontrolle und der Besteuerung
der außerordentlichen Gewinne der Aktiengesellschaften befaßte. Ba-
ruchs Vorschläge wurden bis in alle Einzelheiten befolgt und begründeten
die Militärdiktatur, die in den USA von 1940-1945 herrschte.
Lister Hill, der Vorsitzende des Nye Committee erklärte am 28. Januar
1937:
142
» Wir sind sehr glücklich, heute als unseren Zeugen Hermm Bernard Ba-
ruch unter uns zusehen. Wie Sie, meine Herren, sich erinnern werden, war
Herr Baruch Vorsitzender des War Industries Board, der von Woodrow
Wilson während des Ersten Weltkrieges geschaffen worden war. Man
kann ohne Übertreibung sagen, daß es im ganzen Lande keinen Mann wie
Mr. Baruch gibt, der mehr Zeit und mehr Überlegung dem Gedanken ge-
widmet hat, wie man aus einem Kriege Gewinn ziehen kann. «
Ob Vorsitzender Hill sehr witzig sein wollte, können wir nicht sagen.
Auf jeden Fall hat Herr Baruch mehr Gewinne aus dem Krieg gezogen als
irgendjemand in diesem Lande. Wie früher schon erwähnt, hat Herr Ba-
ruch allein durch ein telefonisch verbreitetes Friedensgerücht an einem
Tag 750000 Dollar an der Börse mit Aktien der United States Steel ge-
wonnen. Im Jahre 1935 hat Herr Baruch vor dem Nye Committee be-
zeugt:
»Alle Kriege sind ihrem Ursprung nach wirtschaftlich bedingt. «
Weitere lesenswerte Aussagen Baruchs werden in den folgenden Aus-
zügen wiedergegeben:
»Wenn die Deutschen schlau genug gewesen wären, hätten wir den
Krieg nicht gewonnen. 35 %o der benötigten Nitrate konnten wir nicht be-
kommen.” Es entstand ein heftiger Kampf um diesen Rohstoff zwischen
den beiden Wirtschaftssystemen. Wir besaßen das Gold, das wir der chile-
nischen Regierung versprechen wollten. Wir versprachen, das Gold sechs
Monate nach Unterzeichnung des Friedensvertrags zu übergeben. Wir
kennzeichneten das Gold in unseren Schatzkammern für sie unter der Be-
dingung, daß sie gewisse Dinge für uns tun würden. Auf diese Weise konn-
ten wir mit Hilfe des Nitrats das erreichen, was wir wollten. «
Mr. Faddis: »Meinen Sie, daß Abschnitt 5 Ihres Vorschlages weit genug
gefaßt ist, um die Kontrolle der Kriegsdienstverweigerer einzuschließen,
die wir in Kriegszeiten haben würden? Das ist eine Gruppe, die schnell an-
zuwachsen scheint. «
Mr. Baruch: »/hr Gesetzentwurf wird darauf achten müssen. «
Mr. Costello: »Ich hatte den Gedanken, ob es möglich wäre, den
Kriegsdienstverweigerer dazu zu zwingen, an einer nützlichen Beschäfti-
gung teilzunehmen. «
Mr. Baruch: »Er arbeitet oder kämpft. Wir werden ihn an eine Stelle
setzen, an der er etwas Nützliches tut. «
Im Jahre 1935 sprachen die Vertreter des Volkes der Vereinigten Staaten
in aller Ruhe über die Diktatur, die sie über ihr eigenes Volk errichten
wollten. Hören wir nochmals Mr. Baruch vor dem Nye Committee:
Mr. Baruch: »Der Präsident (Wilson) übergab mir eines Tages ein
* Nitrate sind Ausgangsstoffe für die Schießpulverherstellung (Anm. d. Übers. )
143
Schreiben, in dem er mich ermächtigte, jeden beliebigen Industriebetrieb
zu übernehmen. Mit Richter Gary, dem Präsidenten von United States
Steel hatten wir Schwierigkeit, aber als ich ihm das Schreiben zeigte, sagte
er: »Ich glaube, wir müssen das anerkennen«, und er erkannte es an. Sie,
meine Herren, werden zunächst ihre Anfangspreise festsetzen, und sie
können jedweder Fabrik während des Krieges befehlen.«
Miss Jeanette Rankin bemerkte dazu während der Nye-Anhörungen:
»Es ist durchaus möglich, Gewinne aus dem Kriege zu ziehen, aber dies
ist nur möglich für Reiche und nicht für Arme.«
Die Anhörungen vor dem Nye Committee bewiesen, daß der Kongreß
schon 1935 die Teilnahme unseres Landes im Zweiten Weltkrieg als un-
vermeidlich in Betracht zog, obwohl wir vermeintlich im Frieden mit aller
Welt lebten.
Mr. Baruch stellte außerdem fest:
»Geld würde genauso mobilisiert werden wie Menschen und Materiali-
en, weıl ein Wert festgesetzt werden würde, zu dem Geld gebraucht wer-
den könnte und sollte. Ich war einer der ersten, die im Weltkrieg Festpreise
vorschlugen; aber ich glaube nicht, daß man die Preise und die Verteilung
in Friedenszeiten festlegen kann. «
Vielleicht wird jetzt erkennbar, was das alles mit dem Federal-Reser-
ve-System zu tun hat. Das Federal-Reserve-System ist eine Zentralbank,
deren gewinnbringendste Aufgabe es ist, Kriege zu finanzieren. Seine
Verbindung mit der Wall Street bringt uns zurück zu der öffentlichen
Laufbahn Herbert Lehmans.
Mayor und Babette (Neugass) Lehman hatten drei Söhne. Arthur ging
nach Harvard, Irving nach Columbia und Herbert nach Williams. Als sie
die Universitätszeit beendet hatten, traten sie in das Familien-Bankhaus
Lehman Brothers in New York ein, wo sie die Verwickeltheit der Weltfi-
nanz begreifen lernten, in der ihre Firma eine so wichtige Rolle spielte.
Herbert lernte z.B., die russische Volkswirtschaft sei die der Zukunft und
die amerikanische Volkswirtschaft bedürfe sehr der Verbesserungen, wie
sie jetzt in Rußland entwickelt würden.
Herbert Lehman hat jetzt mehr als zwanzig Jahre im öffentlichen
Dienst hinter sich. Er war Oberst im Generalstab der Armee im Ersten
Weltkrieg, ein recht seltsamer Posten für einen Mann, der weder eine mili-
tärische Ausbildung noch Erfahrung dafür besaß. Er war Vize-Gouver-
neur und Gouverneur von New York, Militär-Gouverneur von Italien
1944 und 1945, Leiter der UNRRA nach dem Zweiten Weltkrieg, und au-
genblicklich ist er Senator von New York.
In Who’s Who in American Jewry vom Jahre 1928 ist Herbert Lehman
als Direktor vieler wichtiger Firmen eingetragen, von denen hier ein Teil
wiedergegeben sei:
144
Abraham & Straus Department Store (ein Rothschild-Unternehmen),
County Trust Company of New York, Jewel Tea Company, Van Raalte
Company, Kelsey-Hayes Wheel Company, Pierce Oil Corporation, Spear
Company, Studebaker Corporation, Franklin Simon Company, Robert
Reis and Company, General American Investors Limited, Knott Hotels,
Fidelity Trust Company und Vize-Präsident der Palestine Economic Cor-
poration, die für die industrielle Entwicklung Palästinas zuständig ist. Bei
der letztgenannten Tätigkeit half ihm vor allen Edmund M. M. Warburg,
Direktor der Jewish Telegraphic Agency und Erster Vorsitzender der Uni-
ted Jewish Appeal.
1939 begann das Kongreßmitglied Jerry Voorhis aus Kalifornien Fra-
gen zu stellen, warum die Federal-Reserve-Banken nicht Eigentum der
Regierung wären. Seiner Selbstbiographie nach forderte ihn Roosevelt
auf, ins Weiße Haus zu kommen. Sie sprachen miteinander, und Roose-
velt sagte, es schiene ihm an der Zeit zu sein, die Federal-Reserve-Banken
zu übernehmen, die jetzt einen Wert von 45 Milliarden Dollar besäßen ge-
genüber den 143 Millionen Dollar, mit denen sie angefangen hätten.
Am nächsten Tag rief Roosevelts Sekretär Jerry Voorhis an und sagte,
er möge das gestrige Gespräch vergessen, da sie es in nächster Zeit doch
nicht tun könnten.
Der Hinderungsgrund war das Herannahen des Zweiten Weltkrieges.
Wir brauchten die private Zentralbank, um den Krieg zu finanzieren.
Einzig bemerkt hierzu in Macmillans World Finance, 1939/40:
»Der Übergang von der Friedenswirtschaft. zur Kriegswirtschaft im
Jahre 1939 vollzog sich, im Vergleich zu der übereilten Umstellung im
Jahre 1914, ohne größere Störungen. «
Von 1942-1945 erhöhte das Federal-Reserve-System seinen Besitz an
Staatspapieren um 22 Milliarden Dollar. Mit anderen Worten, seine Ak-
tiva verdoppelten sich während des Zweiten Weltkrieges, - ein eigenarti-
ger Zufall.
Es gab keine größeren Störungen, weil die großen Zentralbanken in den
Jahren zwischen den beiden Weltkriegen die Kontrolle über Geld und
Kredit der Welt erlangten und festigten. Das Federal-Reserve-System
hatte in der Weltwirtschaftskrise jeden Widerstand erstickt, und es gab
zahlreiche Organisationen, die den Nachrichtenaustausch und die Zu-
sammenarbeit zwischen den Zentralbanken erleichterten. Zuerst war da
das Finanzkomitee des Völkerbundes, dann in Basel die Bank für interna-
tionalen Zahlungsausgleich, besser bekannt als »Klub der Zentralbank-
Leute«, und schließlich gab es die regelmäßigen Wirtschafts-Konferenzen,
bei denen die Bankiers der Zentralbanken zusammenkamen, um sich über
die Beherrschung der Welt zu unterhalten.
Während Amerikas Teilnahme am Zweiten Weltkrieg übernahm das
145
Federal-Reserve-System außer seiner normalen Aufgabe, den Krieg zu fı-
nanzieren, mehrere neue Aufgaben totalitärer Kontrolle; eine der wichtig-
sten war die Verwaltung des Verbraucher-Kredits, das heißt, es entschied
darüber, wofür der Arbeiter seinen Lohn ausgeben konnte.
Gouverneur Marriner Eccles sagte 1941 bei den Anhörungen des Senats
über das Amt für Preis-Verwaltung folgendes aus:
»Der Federal-Reserve-Board hat im Einverständnis mit dem Stabe
Heudersons gehandelt. (Leon Henderson, Volkswirtschaftler der Regie-
rung, wurde von Roosevelt zum Leiter des Amtes für Preis-Verwaltung
während des Krieges ernannt.) Er ist an der Frage des Verbraucher-Kredits
sehr interessiert, weil die Kontrolle des Teilzahlungskredites an den Ver-
braucher eine sehr wichtige Rolle bei der grundsätzlichen Kreditbeherr-
schung spielt. Während des letzten Krieges herrschte eine Geld-Knappheit,
außerdem waren wir während des ganzen Krieges in einem solchen Aus-
maß an den Goldstandard gebunden, daß er unser gesamtes Finanzwesen
bestimmte. Seitdem haben wir viel gelernt. Als der Krieg vorüber war, er-
zwang das Federal-Reserve-System eine Krediteinschränkung durch eine
Geldpolitik, die natürlich nichts anderes tun konnte, als einen großen Ver-
kauf von Staatspapieren voranzutreiben (an dieser Stelle fehlt die Diskus-
sion des Berichts, wie es häufig geschah, wenn bestimmte finanzielle An-
gelegenheiten besprochen wurden). Sie haben den Kurs der Staatspapiere
zu stützen. Der Zinssatz und der Geldmarkt sind künstliche Dinge. New
York ist der einzige vorhandene Geldmarkt. «
Mr. Smith: »Die Kosten für die Goldkäufe erscheinen nirgends in den
Büchern des Finanzministeriums. Werden sie unmittelbar den öffentlichen
Schulden zugerechnet?«
Eccles: »Das ist korrekt. «
Mr. Patman: »Gouverneur Eccles, wann fing das Federal-Reserve-Sy-
stem damit an, von den Regierungs-Agenturen Gebühren zu verlangen ?«
Eccles: »Das kann ich wirklich nicht sagen. «
Mr. Patman: »Als das Federal-Reserve-Gesetz verabschiedet wurde,
war da nicht beabsichtigt, die Federal-Reserve-Bank ihre Dienste gebüh-
renfrei leisten zu lassen, da die Regierung die Nutznießung ihres Kredits
kostenlos zugestand?«
Eccles: »Ich denke, so war es nicht.«
Emmanuel Goldenweiser schrieb über den Board während dieser Zeit:
»Während des Krieges wurden viele Kontrollen aufgegeben, um die Fi-
nanzen der Regierung zu schützen.«
Das nennt sich dann Kriegsfinanzierung.
Der Zweite Weltkrieg erlaubte auch den großen Bankiers, denen das
Federal-Reserve-System gehörte, Milliarden Dollar, die schon 1930 ge-
druckt worden waren, im Land abzuladen. Es war das größte Falschmün-
146
zer-Unternehmen der Geschichte; aber es wurde natürlich von Roosevelts
Regierung völlig legalisiert. Henry Hazlitt schreibt im Newsweek Maga-
zine, Ausgabe vom 4. Januar 1943:
»Das Geld, das vor einer Woche, am 21. Dezember 1942, begann, im
Umlauf zu erscheinen, war in vollstem Sinne des Wortes Geld aus der
Druckerpresse, das heißt, es besaß keinerlei Deckung. Nach Aussage des
Federal-Reserve, hat der Board nach Beratung mit dem Finanzministe-
rium die Federal-Reserve-Banken ermächtigt, die vorhandenen, Anfang
der dreißiger Jahre gedruckten Banknoten, die als »Federal-Reserve-Bank-
noten« bekannt waren, jetzt zu benutzen. Wir wiederholen, diese Bank-
noten haben keinerlei Deckung.«
Im Jahre 1944 berichtete Gouverneur Eccles, anläßlich der Anhörun-
gen des Senats über das Amt für Preis-Verwaltung, noch über weitere in-
teressante Aspekte der Kriegsfinanzierung:
»Das umlaufende Geld erhöhte sich in vier Jahren von sieben Milliarden
Dollar auf 21,5 Milliarden Dollar. Wir verlieren durch den Krieg einen be-
trächtlichen Teil unseres Goldbestandes. Da unsere Exporte ausfallen,
hauptsächlich aufgrund von Leih- und Pachtverträgen, mußten wir unsere
Importe mit Dollarüberschüssen ausgleichen. Diese Länder ziehen nun
diese Dollarüberschüsse in Form von Gold ab.«
Mr. Smith: »Gouverneur Eccles, worum handelt es sich bei dem Plan
der ausländischen Regierungen, wonach wir Gold an einen internationa-
len Fonds abführen müßten?«
Gouverneur Eccles: »/ch möchte jetzt lieber über OPA sprechen und
erst dann über den Stabilierungsfonds, wenn ich darauf vorbereitet bin.«
Mr. Smith: »Einen Augenblick, bitte. Ich habe das Gefühl, daß dieser
Fonds sehr wohl zu dem gehört, wovon wir heute sprechen. «
Mr. Ford: »Ich glaube, daß der Stabilisierungsfonds nichts mit OPA zu
tun hat; darum sollten wir uns mit der vorliegenden Aufgabe befassen. «
Den Kongreßmitgliedern gelang es niemals, über den Stabilisierungs-
fonds zu sprechen. Dieser Fonds stellte eine weiter- Einrichtung dar, um
den verarmten Ländern Europas das Gold zurückzugeben, das sie her-
übergeschickt hatten.
Am. 22. Januar 1945 kommentierte Henry Hazlitt in Newsweek die
Rede Roosevelts vor dem Kongreß über den jährlichen Haushaltsplan und
zitierte folgende Worte des Präsidenten:
»Ich werde später ein Gesetz empfehlen, durch das die jetzigen hohen
Goldreserveanforderungen der Federal-Reserve-Banken eingeschränkt
werden. «
Hazlitt wies darauf hin, daß die Reserveanforderungen gar nicht hoch
waren; sie waren gerade so hoch wie in den vergangenen 30 Jahren. Roo-
sevelts Absicht war, mehr Gold aus dem Federal-Reserve-System abzu-
147
ziehen, um es für den Stabilisierungs-Fonds verfügbar zu machen, der spä-
ter der Internationale Geldfonds genannt wurde und ein Bestandteil der
Weltbank für Wiederaufbau und Entwicklung war. Er stellte das Gegen-
stück zum Finanzkomitee des Völkerbundes dar, das die Finanzhoheit der
Vereinigten Staaten beseitigt hätte, wenn der Senat es zugelassen hätte,
ihm beizutreten. Folglich mußte das amerikanische Volk die Weltwirt-
schaftskrise erleiden, weil es dem Völkerbund nicht beigetreten war.
16. Kapitel
THOMAS B. McCABE
Unmittelbar nach dem Zweiten Weltkrieg begann Gouverneur Marri-
ner Eccles darauf hinzuwirken, daß die kurzfristigen, von Rüstungsarbei-
tern und Soldaten gekauften Regierungsanleihen, die einen Wert von 160
Milliarden Dollar besaßen, wieder unter die Kontrolle des Federal-Reser-
ve-Systems gelangten. Bei den Bretton-Woods-Anhörungen sagte Eccles
über die Errichtung des Internationalen Geldfonds:
»Bei der Art, wie wir den Krieg finanzierten, waren zu viele Banken be-
teiligt. Die Federal-Reserve ist gezwungen, diese kurzfristigen Regie-
rungs-Anleihen (Kriegsanleihen) zum festgelegten Preis aufzukaufen. Die
Banken haben hingegen die Möglichkeit, sich mit Reserven durch den
Verkauf derartiger Anleihen zu versorgen. Deshalb ist eine strengere
Kontrolle durch unsere Zentralbank notwendig. Die Kontrolle
über die Umwandlung der nationalen Schuldtitel in Geld ist auf dem
Wege, in die Hände privater Banken überzugehen, wenn sie nicht wieder
der Zentralbankgewalt des Federal-Reserve-Systems unterstellt wird.
Man kann sich dabei nicht der althergebrachten Mittel bedienen, die Zins-
preise durch Maßnahmen auf dem offenen Markt zu erhöhen. Ich glaube,
die Handhabung des Kredits ist von geringer Bedentung, wenn es gilt, eine
Inflation zu vermeiden. Wir müssen diesen Internationalen Geldfonds
haben. Eine internationale Währung ist gleichbedeutend mit
einer internationalen Regierung.«
Was Gouverneur Eccles befürchtete, war, daß die Banken außerhalb
des Systems jetzt dieselben Möglichkeiten wie die Federal-Reserve-Ban-
ken besäßen, nämlich das Vorrecht, Geld zu schöpfen, indem sie sich Re-
serven schufen durch den Verkauf der kurzfristigen Regierungs-Anlei-
hen, die während des Zweiten Weltkrieges ausgegeben worden waren.
Wie das gemacht worden ist, wurde am besten von Gouverneur Eccles
selbst bei den Anhörungen vor dem Bank- und Währungskomitee des Re-
präsentantenhauses am 24. Juni 1941 enthüllt:
148
Eccles: »Das gesamte Bankwesen schafft oder vernichtet Bankeinlagen,
vergibt Darlehen oder legt Geld an, sei es durch den Kauf von Regie-
rungs-Anleihen oder Wertpapieren, sei es durch Darlehen an Farmer.«
Mr. Patman: » Ich bin durchaus einverstanden mit dem, was Sie, Gon-
verneur, sagen. Es bleibt aber die Tatsache bestehen, daß sie Geld neu
schufen, nicht wahr?«
Eccles: »Nun ja, die Banken schaffen dadurch neues Geld, daß sie Dar-
lehen vergeben und Geld anlegen.«
Am 30. September 1941 wurde Gouerneur Eccles vor demselben Komi-
tee vom Abgeordneten Patman gefragt:
»Wie kamen Sie zu dem Geld, für das Sie 1933 Regierungs-Anleihen im
Werte von zwei Milliarden Dollar kauften?«
Eccles: »Wir schufen es. «
Patman: »Woraus?«
Eccles: »Einfach aus dem Recht, Kreditgeld zu geben.«
Patman: »Und dahinter steckt nichts als der Kredit unserer Regierung?«
Eccles: »So ist eben unsere Geldwirtschaft. Wenn es keine Schulden
gäbe, hätten wir auch kein Geld.«
Am 17. Juni 1942 wurde Gouverneur Eccles von Mr. Dewey befragt.
Eccles: »Ich bin der Meinung, daß die Federal-Reserve-Banken bei Ge-
schaften auf dem offenen Markt, d.h., beim Kauf von Regierungs-Anlei-
hen, den Banken neues Geld verschafften und damit nur faules Kapital. «
Dewey: »Und es gibt keineüberschüssigen Reserven für diesen Zweck?«
Eccles: » Wann immer das Federal-Reserve-System Regierungs-Anlei-
hen auf dem offenen Markt oder direkt vom Finanzministerium kauft, es
arbeitet immer auf dieselbe Weise. «
Dewey: »Womit bewerkstelligen Sie den Kauf. Werden Sie neuen Kre-
dit ausgeben?«
Eccles: »Das haben wir immer getan. Auf diese Weise betätigt sich das
Federal-Reserve-System. Das Federal-Reserve-System schafft neues
Geld. Es ist eine Notenbank.«
Bei den Anhörungen im Jahre 1947 fragte Mr. Kilburn Mr. Eccles:
»Was verstehen Sie darunter, die öffentlichen Schulden zu Geld zu ma-
chen?«
Eccles: »Ich meine damit, daß die Bank durch den Kauf von Regie-
rungs-Anleihen Geld schafft. Alles Geld wird durch Schulden geschaffen,
entweder durch.private oder durch öffentliche Schulden. «
Fletcher: » Vorsitzender Eccles, wann, glauben Sie, wird sich eine Mög-
lichkeit ergeben, zum freien und offenen Markt zurückzukehren, anstatt
dieses gefesselten und künstlich kontrollierten Geldmarktes, den wir jetzt
haben?«
Eccles: »Niemals. Weder zu Ihren noch zu meinen Lebzeiten.«
149
Wir haben einen künstlich kontrollierten Markt zu haben, weil die gro-
ßen Bankiers nicht wollen, daß ihnen die Macht genommen wird, neues
Geld zu schaffen. Die Anhörungen erweisen es, daß Banken neues Geld
entstehen lassen können, wenn sie Mengen solcher kurzfristiger Regie-
rungs-Anleihen oder Kriegsanleihen besitzen, wie sie während des Krie-
ges verkauft wurden. Die Bankiers hatten keineswegs die Absicht, den
Leuten ihr Geld für diese Schuldscheine zurückzugeben. Eccles’ Gruppe
wollte, daß der Monetarisierung der öffentlichen Schuld Einhalt geboten
würde durch die Ausübung einer Finanzdiktatur, die den Banken den
Verkauf der Kriegsanleihen verbieten sollte, um dadurch neues Geld zu
schaffen. Das wäre ganz im Sinne des Internationalen Geldfonds. Eccles
war, wie sein toter Meister Roosevelt, ein glühender Internationalist.
Aber seine Methode, die herumschwimmenden 160 Milliarden Dollar zu
kontrollieren, fand nicht die Zustimmung von Präsident Trumans Leuten;
deshalb wurde er seines Amtes als Vorsitzender des Federal-Reserve-Bo-
ard enthoben, und an seine Stelle Thomas B. McCabe gesetzt, der Leiter
des Toilet-Paper-Trusts und der Scott Paper Company. Nach Aussage von
Drew Pearson, war McCabe damit einverstanden, mit der Truman-Sny-
der-Gruppe zusammenzugehen, die sich dazu entschlossen hatte, die 160
Milliarden, die sich in den Händen der Bürger und Banken außerhalb des
Federal-Reserve-Systems befanden, durch eine sehr einfache Methode zu
beseitigen, nämlich durch Inflation. Subventionen für landwirtschaftliche
Erzeugnisse und Gebrauchsgüter wurden von der Regierung Truman er-
höht; seit 1945 betrieb sie ständig eine Inflationspolitik mit der Absicht,
jenen Teil der Regierungs-Anleihen, den man den amerikanischen Bür-
gern schuldete, zu beseitigen. Wie Thomas D. Jones im Jahre 1914 und
Eugene Meyer Jr. im Jahre 1931 hatte auch Thomas B. McCabe einen sehr
schlechten Ruf. Trotzdem sollte ihm das wichtigste Amt im Finanzwesen
der Vereinigten Staaten übergeben werden. Bis 1945 war er Präsident der
Scott Paper Company gewesen, als er zum Leiter der Foreign-Liquida-
tion-Commission ernannt wurde, die über überschüssige Armeegüter im
Wert von 12 Milliarden Dollar verfügte, die im Ausland lagerten. Prak-
tisch alle diese Güter fanden ihren Weg auf die Schwarzmärkte der Welt
oder wurden nach Methoden des Schwarzmarktes von den Beauftragten
McCabes verkauft. Die Industrieellen kümmerten sich nicht darum, was
mit dem Material geschah. Sie hatten ihr Geld bekommen, und die Rech-
nung war nun ein Teil der Staatsschulden. McCabe hatte nur darauf zu
achten, daß das Material nicht in die Vereinigten Staaten zurückkehrte
und mit der Nachkriegsproduktion konkurrierte. Er konnte es verschen-
ken, verkaufen oder sonst etwas tun, um es vom Markt zu bekommen.
Die Anhörungen durch den Senat bewiesen überzeugend, daß Thomas
McCabe voll verantwortlich war für die Verkäufe, die auf dem Schwarz-
150
markt durch Leute erfolgten, die unmittelbar seiner Leitung unterstan-
den. Ein besonders widerwärtiges Vorkommnis war der Verkauf des in
China lagernden Blutplasmas, das treue Amerikaner für die Truppen in
Übersee gespendet hatten und das dann geschäftstüchtige Chinesen in ih-
ren Zeitungen anboten, wobei sie die voraussichtlichen Käufer ausdrück-
lich darauf hinwiesen, daß es sich um amerikanisches Blut handle. Außer-
dem enthüllten die Anhörungen die interessante Tatsache, daß große
Mengen an Betäubungsmitteln — hauptsächlich Morphium und Kodein
aus Erste-Hilfe-Taschen - durch McCabes Kommission in den interna-
tionalen Rauschgifthandel geflossen waren.
Diese Milliardenwerte von Heeresgut, die verschenkt oder zu einem
Bruchteil ihres Wertes verkauft wurden, hatten obendrein einen verderb-
lichen Einfluß auf die Innenpolitik jener Länder, in denen sie in großen
Mengen lagerten. Vor allem in England, China, Indien und den Philippi-
nen löste die Kommission kriminelle Aktivitäten unter Politikern aus, die
erst Jetzt, sechs Jahre später ans Tageslicht kamen.
Walter B. Schleiter, ein Angestellter von Muller-Phipps Asia Ltd., New
York, die einen Export-Import Handel mit China und Indien trieb, war
einer von McCabes Agenten in Indien gewesen. Er geriet in Schwierigkei-
ten, weiler versuchte, ehrlich zu sein und offene Angebote für die Ware zu
bekommen, über die er verfügen sollte. Eine britische Firma, vertreten
durch Sir Archibald Rowlandson, hatte jedoch schon über Schleiters Kopf
hinweg ein Abkommen getroffen, diese Ware zu einem selbstbestimmten
Preis zu kaufen. Und Schleiter wurde nach Hause geschickt. Bei den An-
hörungen im Senat über Thomas B. McCabe erzählte Schleiter folgende
amüsante Geschichte:
Senator Tobey, Vorsitzender: »Sie beschuldigen Sir Archibald Row-
landson, Ihnen dreihundert Millionen Dollar, das ist doch die Zahl, auf Iu-
stige Weise gestohlen zu haben?«
Schleiter: »Das war mehr oder weniger lustig. «
Tobey: »Aber es ist ein schlechter Scherz, einen Mann zu beschuldigen,
dreihundert Millionen Dollar gestohlen zu haben. «
Schleiter: »Das hat er meiner Meinung nach getan. Er hat es mehr oder
weniger auch zugegeben, Herr Senator.«
Tobey: »So, tat er das?«
Schleiter: »Er tat es.«
Tobey: »Hat er wenigstens das Essen bezahlt?«
Schleiter: »Er bezahlte die Getränke. «
Trotz der Aufdeckung einer unglaublichen Korruption, in die eine
hohe Regierungsagentur, die Foreign Liquidation Commission, offiziell
verwickelt war, die sogar Rauschgiftschmuggel und den Verkauf ameri-
kanischen Blutes auf dem chinesischen Schwarzmarkt betrieb, billigte der
151
Senat die Tatsache, daß Thomas B. McCabe überschüssige Heeresbe-
stände im Wert von 12 Milliarden Dollar auf den Schwarzmärkten der
Welt losgeworden war, und bestätigte seine Ernennung zum Vorsitzen-
den des Federal-Reserve-Board durch Präsident Truman.
Thomas B. McCabe erklärte daraufhin:
»Unser Grundproblem ist, Reserven (Rücklagen) im Federal-Reserve-
System zu absorbieren. «
Das war eine grobe Vereinfachung des Problems. Die Reserven, die er
abschöpfen wollte, lagen außerhalb der Zuständigkeit des Systems. Die
Verwaltung konnte sie deshalb nur durch Preissteigerungen beseitigen.
Daher wurde die umlaufende Geldmenge — die deckungslosen Federal-
Reserve-Banknoten aus eigener Druckpresse - von sieben Milliarden Dol-
lar im Jahre 1940 auf 21,5 Milliarden Dollar im Jahre 1944 erhöht, was an .
sich nichts anderes als Falschmünzerei bedeutete. Nach dem Kriege sarık
die Geldmenge zunächst und schwoll dann bis zum Frühjahr 1951 wieder
auf mehr als 27 Milliarden Dollar an, um die Inflation anzuheizen und je-
nen Teil der Schulden zu streichen, den man an treue Arbeiter und Solda-
ten hätte zurückzahlen müssen, die man im Kriege beschwatzt und ge-
drängt hatte, Kriegsanleihen zu kaufen. Das Federal-Reserve-System
mußte die zweite Geige für John Snyder und das Finanzministerium der
Vereinigten Staaten spielen, um mit diesem ausstehenden Kredit fertig zu
werden. Zugleich gab das Finanzministerium Milliarden Dollar aus, um
den Preis dieser kurzfristigen Regierungs-Anleihen an der Börse zu hal-
ten, damit die großen Spekulanten wie Baruch und Lehman, welche die
meisten besaßen, geschützt waren.
Eccles letztes Eintreten für die Macht des Federal-Reserve-Systems mit
diktatorischen Methoden diesen freien Kredit zu behandeln, erfolgte im
Jahre 1946 bei den Anhörungen im Kongreß bezüglich des Weiterbeste-
hens des Amtes für Preisfestsetzung:
»Unser Geldvorrat erweitert sich durch das Borgen. Die Regierung
kann der weiteren Schaffung von Kredit Einhalt gebieten, indem sie einen
ausgewogenen Haushaltsplan vorlegt. Sie könnte den vorhandenen Geld-
vorrat verringern, wenn sie die öffentlichen Schulden bezahlt und die
Handelsbanken veranlaßt, einige ihrer Regierungs-Anleihen an Anleger
zu verkaufen, die keiner Bank angehören, wie wohltätige oder erziehe-
risch tätıge Stiftungen. Das Unterbinden der Rückzahlung der öffentli-
chen Schulden wird die Zinssätze stabilisieren. «
Diese Aussage stand in direktem Gegensatz zu den Wünschen der
Männer, die Truman und Snyder unterstützten. Sie verlangten weiterhin
Monetisierung der Anleihen als wesentlichen Teil ihrer inflationären Poli-
tik, und sie wollten auf keinen Fall, daß die Staatsschulden getilgt würden.
Bei fünf Milliarden Dollar jährlicher Zinsen dürfte es auch kaum einen
152
Bankier geben, der die Staatsschulden getilgt sehen wollte.
Bei den Anhörungen vor dem Bank- und Währungskomitee des Re-
präsentantenhauses am 21. Februar 1945 über die Ausweitung der Staats-
schulden, verlas Unterstaatssekretär Bell eine vorbereitete Erklärung,
wonach sich die Staatsschulden damals auf 232 Milliarden Dollar beliefen.
Mr. Jenkins aus Ohio widersprach und behauptete, die tatsächlichen
Schulden würden mindestens 100 Milliarden mehr betragen. Mr. William
Lemke aus Nord-Dakota bezifferte das Ausmaß der Schulden, wenn alle
langfristigen Verpflichtungen der Regierung berücksichtigt würden, so-
gar mit 613 Milliarden; das ist eine Zahl, deren endgültige Diskussion
noch aussteht.
Als Antwort auf Mr. Jenkins Protest, daß es 100 Milliarden mehr wä-
ren, sagte Unterstaatssekretär Bell:
»Obh, Sie müssen noch 67 bis 68 Milliarden Dollar unbezahlte Obliga-
tionen hinzuzählen, die durch Verträge seitens der verschiedenen Ressorts
der Regierung ausgegeben wurden. «
Die unbezahlten Obligationen waren Schulden. Bei den Bretton-
Woods-Anhörungen vor dem Ausschuß des Repräsentantenhauses im Mai
1946 sprach der damalige Finanzminister Fred Vinson von Englands
Schulden aus dem Ersten Weltkrieg, die durch die Tätigkeiten Woodrow
Wilsons und des Gesandten Walter Hines Page von J. P. Morgan Com-
pany entstanden waren. Er sagte:
»Englands erste Schuld betrug 4,25 Milliarden Dollar. Von denen be-
zahlte es ungefähr 2 Milliarden, wobei die eigentliche Schuld 450 Millio-
nen Dollar und die Zinsen 1,6 Milliarden betrugen.«
Die Bedeutung dieser Zahlen sollte nicht vergessen werden. Das Kapital
gehörte dem amerikanischen Volk durch die Erträge der Freiheits-Anlei-
hen. Die Zinsen wurden an internationale Bankiers gezahlt. Drei Viertel
der gesamtenRückzahlung gingen anBankiers inForm vonZinsen, ein-
Viertel gelangte an das Finanzministerium der Vereinigten Staaten zu-
rück, und mehr als die Hälfte der gesamten Schuld wurde von der briti-
schen Regierung nicht als Staatsschuld anerkannt.
Minister Vinson erklärte außerdem:
»Ein Grund, weshalb wir die Clearing Union (Vereinigte Abrech-
nungsstelle) nicht anerkannten, war, daß sie Kreditschöpfung erlaubte.
Der Bretton Woods Plan war ganz anders. Ich war bei seiner Ausarbei-
tung dabei. Der Gedanke, Kredit zu schöpfen, wurde von der Internatio-
nalen Bank zurückgewiesen. «
Die Internationale Bank für Wiederaufbau und Entwicklung mit Eu-
gene Meyer Jr. an der Spitze und der /nternationale Geldfonds waren ge-
schaffen worden, um die ungeheure Höhe des Kredits, die während des
Zweiten Weltkrieges entstanden war, zu beseitigen. Nach dem Ersten
153
Weltkrieg hatten wir zwei Krisen, um den während des Krieges entstan-
denen Kredit zu löschen. Nach dem Zweiten Weltkrieg sollten derartige
Krisen unnötig werden, und zwar durch Übertragung der absoluten Dik-
tatur an die beiden neugegründeten Organisationen, die die Währungsho-
heit für alle Länder der Erde erhalten sollten. Gouverneur Eccles hatte vor
dem Senats-Ausschuß bemerkt:
»Eine internationale Währung ist gleichbedeutend mit einer internatio-
nalen Regierung. «
Der Völkerbund hatte versagt, da er es verabsäumt hatte, eine interna-
tionale Währung zu schaffen. Er konnte das auch nicht zustandebringen,
weil es ihm nicht gelang, den Kredit der Regierung der Vereinigten Staaten
für sich buchen zu lassen. Die Weltwirtschaftskrise von 1929-1931 war
das unvermeidliche Ergebnis.
Colonel Ely Garrison hatte in seinem 1915 veröffentlichten Buch Roo-
sevelt, Wilson and the Federal Reserve Act, darauf hingewiesen:
»In Finanzsachen kann es keinen Zweifel über den stabilisierenden Ein-
fluß des Internationalismus geben, wo eng geknüpfte Verbindungen von
Geldgruppen und -mächten in weit verstreuten Teilen der Welt ihren be-
drängten Freunden zu Hilfe kommen können.«
Im wesentlichen bedeutet dieser Internationalismus auch, daß ein Land
verantwortlich für die Schulden eines anderen gemacht werden kann.
Durch die Zentralbanken haben die großen Bankiers den Kredit jeweils
ganzer Länder und durch den Zusammenschluß von Zentralbanken den
Kredit ganzer Ländergruppen organisiert. Durch die Schaffung un-
geheurer untilgbarer Schulden beabsichtigen sie nun, ungehindert
über alle Völker der Erde zu herrschen.
In seinem Lehrbuch Readings in Money and Banking schrieb Philips:
»Der Bankier braucht im Grunde keine menschlichen Faktoren zu be-
rücksichtigen. «
Am 16. August 1948 äußerte Henry Hazlitt in Newsweek:
»Die Dollar-Knappheit in der Welt wird solange andauern, wie die
Kontrolle der Weltbörse andanert. Und der amerikanische Steuerzahler
wird fortfahren, für die Rechnungen geradezustehen.«
Dafür können wir Eugene Meyer Jr. und dem Internationalen Geld-
fonds Dank sagen. Young schrieb im September 1947 in der American
Economic Review:
»Der internationale Geldfonds sorgte.für eine Neuregelung der Zinssät-
ze; doch nur für den Fall einer schweren Störung des Gleichgewichts. Die
Tage der schwankenden Zinssätze sind vorbei. Zinssätze sind jetzt eine
Angelegenheit wohlüberlegter Entscheidungen in einem größeren Maße
als je zuvor. «
Eine schwere Störung des Gleichgewichts bedeutet natürlich jede Zeit-
154
spanne, in der die Leute ihr Geld zurückhaben wollen, wie nach dem
Zweiten Weltkrieg, als sie ihre Kaufkraft in den von ihnen erworbenen
Kriegsanleihen hatten.
R. S. Sayers gibt im Quxarterly Journal of Economics vom Mai 1949 eine
klare Zusammenfassung der Ziele des Federal-Reserve-Systems seit Ende
des Krieges. Er schreibt:
»Die letzten Jahrzehnte brachten eine Festigung der Macht bei den
größten Zentralbanken der Welt, des Federal-Reserve-Systems und der
Bank of England. Macht bedeutet hier die Beherrschung ihrer betreffen-
den Geldsysteme. Die Gouverneure des Federal-Reserve-Board sind je-
doch mit der Ausweitung ihrer Macht über den gesamten Geldbestand
nicht zufrieden. Zu den neueren Mächten gehörend, haben sie versucht,
vom Kongreß hartnäckig freiere Hand bei der Veränderung der Reserve-
Bestände in barem Geld zu erlangen und das Recht zu erhalten, den Han-
delsbanken eine Mindestmenge von anzukaufenden, kurzfristigen Regie-
rungspapieren vorzuschreiben. Obwohl der letzte Vorschlag seinen Ur-
sprung in der besonderen Form der Bankstatistiken der Nachkriegszeit
hatte, wird er doch grundsätzlich dem Wunsch des Federal-Reserve-Board
zugeschrieben, sich die völlige Kontrolle über Menge und Preis der ge-
währten Kredite zu sichern. Die Zeit ıst vorüber, wo man sich mit einer
einfachen Kontrolle über die gewährten Kredite begnügte, wie es in dem
ursprünglichen Federal-Reserve-Gesetz von 1913 vorgesehen war. Das
Streben des Federal-Reserve-Systems nach einer ständigen Macht von der
Art, wie sie die Notverordnungen im Krieg ermöglichten, um den Teilzah-
lungs-Kredit zu regeln, entsprach im wesentlichen den Vorstellungen von
Eccles nach Kontrolle des Verbraucherkredits und der Regelung von
Hauskauffinanzierungen, obwohl Zentralbankmaßnahmen schwerlich
dort vonnöten sein konnten, wo die Regierung in erheblichem Maße sub-
ventionierte und dies als Teil der allgemeinen Beschäftigungspolitik auf
verschiedene Weise gestalten konnte. «
Eccles war genauso machthungrig wie sein Mentor Roosevelt. Er war
darauf aus, die dıktatorische Kontrolle über den Verbraucherkredit zu er-
halten und dem Federal-Reserve-Board das Recht der Wohnungsbaufi-
nanzierung zu sichern, worin die Vereinigten Staaten bereits ein Monopol
besaßen.
Abgeordneter H. ©. Talle wies in diesem Zusammenhang darauf hin:
»Wenn eine Zentralbank eine Kreditkontrolle beabsichtigt, wie wir es in
unserem Federal-Reserve-System wollten, als wir den Rediskontsatz ge-
brauchten und Geschäfte auf dem offenen Markt tätigten, dann aber die
Regierung zugleich eine Politik des billigen Geldes verfolgt, wird die Zen-
tralbank in ihrem Versuch, den Kredit zu kontrollieren und die Preise zu
‚stabilisieren, behindert. Unser Geld- und Banksystem sind ein und dassel-
155
be. Wir sind Sklaven unserer öffentlichen Schuld. «
Die 643 Milliarden Dollar Staatsschulden sind der beherrschende Fak-
tor ım amerikanischen Finanzsystem, und der Federal-Reserve-Board hat
sie gehandhabt, wie eine Zentralbank eine Schuld handhabt, das heißt, der
Kredit der Regierung ist nun an sie verpfändet, und es gibt keinen Weg in-
nerhalb unseres derzeitigen Geldsystems, auf dem der Kredit des Volkes
der Vereinigten Staaten je wieder dessen rechtmäßiges Eigentum werden
kann.
Edward C. Simmons äußerte im September 1947 in der American Eco-
nomic Review:
»Es kann kein Zweifel darüber bestehen, daß die zwölf Federal-Reser-
ve-Banken und die mit ihnen zusammenarbeitende Maschinerie, die durch
den Board und das Open Market Committee vertreten wird, eine Zen-
tralbank darstellen, die dazu geschaffen wurde, um die gesamte Geld-
menge beliebig verändern zu können. «
Das ist die kompliziertere Art, um zu sagen: »Kontrolle des Geldes und
des Kredites.«
C.R. Whittlesey von der Universität von Pennsylvania sagte 1944 vor
der American Economic Association:
»Bankkredite haben eine Veränderung erfahren. Früher waren sie reine
Handelskredite. Heute gibt es sie für Grunderwerb, für Termingeschäfte
und für persönliche Belange. Sie haben weitgehend aufgehört, handelsbe-
dingt zu sein oder sich von selbst zu tilgen. Zusätzlich bilden die Einkom-
men aus Dienstleistungen, besonders die Gebühren für Scheckkonten, eine
bedeutende Einnahmeqnelle für die Banken. Eine zweite größere Verän-
derung im Bankwesen war die Ansammlung beträchtlicher überschüssiger
Reserven über Jahre hin, trotz aller Bemühungen, sie zureduzieren. Wäh-
rend in der Vergangenheit überschüssige Reserven nur für kurze Zeit vor-
handen waren, bedeutete dieser Vorgang, der bemerkenswerterweise erst
nach Einrichtung des Federal-Reserve-Systems auftrat, eine deutliche
Abkehr von der Tradition der Wechselbanken. Keynes hatte es zum
volkswirtschaftlichen Gesetz erhoben, daß Reserven restlos aufgebraucht
werden sollten. Weitere Veränderungen waren die Einrichtung der Fe-
deral Deposit Insurance Corporation (Bundes-Depositen-Versicherungs-
gesellschaft), und die aktive Mitarbeit des Federal-Reserve-Boards bei der
Ausgabe von Regierungs-Anleihen und der Festsetzung der Zinssätze. «
Whittleseys Überblick über die Veränderungen im Bankwesen weisen
auf den bedeutendsten Faktor hin: das Nachlassen bis fast völlige Ver-
schwinden der ältesten und wichtigsten Tätigkeit der Banken, nämlich
Geld auszuleihen, damit Geschäfte gegründet und die Produktion geför-
dert werden können, d.h:, Darlehen zu vergeben, die sich ihrem Wesen
nach selbst tilgen. Einerseits kontrollierten und finanzierten die giganti-
156
schen Trusts, die während und nach der Weltwirtschaftskrise 1929-1931
entstanden, selbst fast jede weitere Geschäftsausweitung in diesem Lande,
sodaß für die Banken die Einnahme aus Kapitalanlagen versperrt war.
Andererseits geschah es im eigensten Interesse der Bankiers, die Darlehen
von tilgbaren in untilgbare zu verwandeln, wie die folgende Bemerkung
von Henry Ford zeigt:
»Das einzige Ziel dieser Geldleute ist die Beherrschung der Welt durch
unauslöschbare Schulden. Und da Gold ein Metall ist, das weder durch
Gesetze noch Erfindungen vermehrt werden kann und in der Natur nur
sehr beschränkt vorkommt, wurde die Beherrschung über den Goldstan-
dard eine sehr einfache Sache. «
Nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs entstand sprunghaft und welt-
weit ein Schwarzmarkt für Gold, an dem das Federal-Reserve-System, als
der Welt größter Goldbesitzer, und die Regierung der Vereinigten Staa-
ten, die den Goldpreis auf 35 Dollar die Unze festsetzte, unlösbar beteiligt
sind. Unsere Regierung verkauft Gold für 35 Dollar die Unze an
Schwarzhändler, die sie für 57 bis 75 Dollar dann weiterverkaufen. Unsere
Regierung widersetzt sich dem Goldhandelsgesetz von 1949, durch das
wieder ein freier Goldmarkt hergestellt werden sollte, weil die Vereinigten
Staaten von diesen internationalen Gold- und Schwarzhändlern be-
herrscht werden. Einige Auszüge aus den Anhörungen zu diesem Gesetz
seien nachfolgend wiedergegeben.
Mr. Lawrence, ein New Yorker Bankier, sagte:
»Die Armaco (Arabian-American-Oil-Company) schloß mit Ibn Saud
einen Vertrag, in dem sie sich zur Zahlung von u.a. achtzig Millionen Dol-
lar in Gold-Sovereigns verpflichtete. Man versuchte auf der ganzen Welt,
die achtzig Millionen britischer Sovereigns aufzutreiben. Und Sie mögen
genauso überrascht sein, meine Herren, wie ich es war, zu erfahren, daß
diese achtzig Millionen britischer Gold-Sovereigns schließlich im Besitze
eines Herrn mit Namen Peron gefunden wurden. Ein Handel wurde abge-
schlossen und zusätzlich zwanzig Millionen Dollar britischer Gold-Sover-
eigns beschafft, die zur Zeit, für welche Zwecke kann ich nicht klar erken-
nen, in Griechenland verwendet werden. Wir, die wir im Besitz von 75 %
des Goldes der Welt sind, müssen nach Südamerika gehen und dort einen
Handel unter dem Ladentisch abschließen, bei dem wir fünfzig bis sechzig
Dollar die Unze bezahlen anstatt fünfunddreißig, wie es Mr. Roosevelt
festgesetzt hatte. Ist es nicht befremdlich, daß wir bei einem so wichtigen
Geschäft wie diesem genötigt sind, zu Peron zu gehen, um von ihm zu Be-
dingungen, die wir zur Zeit nicht genan ermitteln können, Gold zu be-
kommen, das genügt, um einen solch einfachen Vertrag zu erfüllen? Der
freie Goldmarkt in den USA von 1862-1879 oder der freie Goldmarkt,
der von 1919-1925 in Großbritannien vorherrschte, schufen kein Wäh-
157
rungschaos. Während des Krieges und in den Nachkriegsjahren waren die
Gelder der Welt in den Händen von Männern, die glaubten, das Wäh-
rungswesen steuern zu können. Der Urheber dieser Theorie ist Georg
Friedrich Knapp. Dieser Mann, zur Zeit des Kaisers lebend, glaubte, ein
Staat könne seiner Währung jeden gewünschten Wert geben. Er erläuterte
zum erstenmal das verwickelte Gefüge einer Devisenbewirtschaftung, die
später von Schacht in NS-Deutschland durchgeführt wurde. Dieselbe
Theorie wurde, nur leicht verändert, der angelsächsischen Welt durch
Lord Keynes verkauft. Eine gesteuerte Währung in den USA bedeutet,
daß der Kongreß auf sein verfassungsmäßiges Recht verzichtet und es einer
nicht gewählten und politisch niemandem verantwortlichen Bürokratie
übertragen muß. Die Männer, die den Federal-Reserve-Board und den
Internationalen Geldfonds vertreten, sind nicht von der Billigung oder
Mißbilligung ihrer Wählerschaft abhängig. Weitgehend unter englischem
Einfluß entstanden in den USA die Bretton-Woods-Einrichtungen, der In-
ternationale Geldfonds und die Weltbank für Wiederaufbau und Ent-
wicklung. Von dem gesamten Grundkapital von acht Milliarden Dollar
stenerten die USA zwei Milliarden siebenhundertfünfzig Millionen Dollar
in Gold bei.«
Vorsitzender: »Wir haben all das Gold zusammengebracht?«
Mr. Lawrence: »Ja.«
Bei denselben Anhörungen gab Mr. Searles, Präsident der Newmont
Mining Company zum erstenmal die Geschichte bekannt, die sich hinter
den Kulissen der dramatischen »Berliner Luftbrücke« abspielte.
Mr. Searles:
»Ich habe die Kosten der Luftbrücke errechnet. Sie belaufen sich auf 350
Millionen Dollar. Wenn wir mit diesen 350 Millionen Dollar in Gold die
Berliner Mark gestützt hätten, wäre jene Luftbrücke nicht nötig gewesen.
Die Ursache der Luftbrücke und der russischen Blockade war der Streit um
die Berliner Währung und die Einführung der D-Mark. Und das Versagen
der Vereinten Nationen, die Blockade im letzten Herbst zu beenden, wur-
de, wie Sie sich erinnern werden, dadurch verschuldet, daß die Vereinten
Nationen nicht genügend Zeit gewähren wollten, um über die Berliner
Währung zu verhandeln. Ich schrieb einmal an Mr. Sproul vom Federal-
Reserve-Board, wenn diese Regierung den Export neu geschürften Goldes
erlaube, dann würde es in kurzer Zeit den Schwarzmarkt in Gold beseiti-
gen.«
Die internationalen Goldhändler wollen keinen freien Goldmarkt, und
so auch nicht die Regierung der Vereinigten Staaten.
Im Jahre 1946 trug Seltzer vor der American Economic Association vor:
»Seit 1929 ist das System unserer Handelsbanken umgewandelt worden,
und zwar von einem System, in dem Bankguthaben und Bankgewinne in
158
der Hauptsache auf Kundenkrediten beruhten, in ein System in dem die
Banken hauptsächlich Eigentümer der Staatsschulden sind und daraus ihre
Gewinne erzielen. «
Das riesige Einkommen der Handelsbanken aus dem Besitz der Staats-
schuld und das sich daraus ergebende mangelnde Interesse, Darlehen zu
vergeben, ließ viele kleine Kreditgesellschaften und Auto-Leih- und Fi-
nanzierungsgesellschaften entstehen, die außergewöhnlich hohe Zinsen
verlangen.
Im Juni 1943 schrieb H. A. Dulan in der Southwestern Quarterly:
»Vor 1943 beruhte das Einkommen der Mitgliedsbanken des Federal-
Reserve-Systems zum größten Teil auf den Zinsen und dem Diskont für
Darlehen. Seit 1943 tragen die Zinsen und Dividenden aufgrund von
Staatspapieren für die staatlichen Schulden den größten Teil an ihren Ge-
winnen bei.«
Neben bedeutenden Bankiers gehören seit kurzem auch große Indu-
strielle zu den Mitgliedern des Federal-Reserve-Board wie Ernest G. Dra-
per, Präsident der großen Firmen California, Hill Brothers und Drome-
dary Date Company, Thomas B. McCabe, Leiter des Toilet-Paper Trusts
und der Scott-Paper Company. Im März 1951 schied McCabe als Vorsit-
zender des Federal-Reserve-Board aus und wurde durch William
McChesney Martin ersetzt, dem früheren Präsidenten der Aktienbörse
und der Export-Import Bank. Martins Vater war ein enger Mitarbeiter
Paul Warburgs im American Acceptance Council; er arbeitete mit ihm dar-
auf hin, daß sich das amerikanische Finanzwesen und die Industrie zum
intensiveren Gebrauch von Wechseln entschließe, wo Warburg in den
USA ein wirksames Monopol ausübte. Er war im übrigen Gouverneur der
Federal-Reserve-Bank von St. Louis. Wer auch immer den Federal-Re-
serve-Board führte, er festigte seine Vormachtstellung im Finanzwesen
der Vereinigten Staaten immer mehr. Bernard Baruch bezeugte vor dem
Kongreß:
»Seit dem ersten Weltkrieg haben wir keine freie, wettbewerbsfähige
Wirtschaft. «
Gouverneur Eccles versicherte, daß wir Zeit unseres Lebens den Geld-
markt nicht mehr frei von der Herrschaft der Geldmächte sehen würden.
Gouverneur Mencius Szymczak vom Federal-Reserve-Board, der von
Boss Kelly aus Chikago in jenes Amt berufen worden war, äußerte im
Time Magazine vom September 1950:
»Je mehr wir mittels unserer Geld-, Kredit- und Finanzpolitik erreichen
können, um so weniger werden autoritäre Bewirtschaftung oder andere
direkte Eingriffe notwendig sein.«
Der verhängnisvollste Ausspruch der wirklichen Herrscher des Landes,
der Eigentümer der Trusts, die das Geldwesen und die Geschäftswelt be-
159
herrschen, stammt von einem ihrer Sprecher, Peter Drucker. Anläßlich
der Bretton-Woods-Abkommen schrieb er am 28. Oktober 1944 in der Sa-
turday Evening Post:
»Sollte die Welt je ein gestenertes Wirtschaftssystem annehmen, dann
würde die Führung logischerweise an die Sowjetunion fallen. Rußland
würde das Modell einer solchen Diktatur sein, denn Rußland entwickelte
als erstes Land die Technik der internationalen Wirtschaftskontrolle mit
Hilfe der Monopolisierung des Außenhandels und der Devisenwirtschaft.
Rußlands Unabhängigkeit und seine militärischen Erfolge haben uns na-
“ türlich gezeigt, was durch solch eine Politik zu erreichen ist. Das erklärt
auch, warum unabhängige Arbeiter-Vereinigungen und politische Par-
teien in aller Welt diese Politik übernehmen. «
Zunächst einmal hat Rußland keine Unabhängigkeit, soweit sie sich auf
seine Bevölkerung bezieht, und statt eines militärischen Erfolgs brach es
zusammen, als Hitler gegen Moskau marschierte. Rußland wurde nur
durch Amerikas Produktion und Verschiffung von Nachschub gerettet,
den unser Volk zur Verfügung stellte. Nichtsdestoweniger bewundern
unsere Trustbesitzer von ganzem Herzen die Art, in der Stalin und das Po-
litbüro das russische Volk ihrer Diktatur unterworfen haben, und die hie-
sigen Versionen von Stalin und dem Politbüro sind auf dem besten Wege,
das gleiche hier zu tun.
Diese Art Diktatur kann nicht ohne Beherrschung von Geld und Kredit
durchgeführt werden. Wenn der Kongreß im Jahre 1919 tatkräftig seine
Souveränität gewahrt und es Woodrow Wilson und Carter Glass verwei-
gert hätte, die Finanzhoheit an private Bankiers zu übergeben, dann
stünde das amerikanische Volk heute nicht am Rande der Sklaverei. Das
Federal-Reserve-System war der Tod für unsere Verfassung. Der Feder-
al-Reserve-Board, von mächtigen internationalen Bankiers gewählt und
für sie arbeitend, hat unserem Volk eine Katastrophe nach der anderen be-
schert. Er hat uns in zwei Weltkriege verwickelt. Er hat zwei der schwer-
sten Wirtschaftskrisen, die wir je erlitten, geplant und durchgeführt. Und
das amerikanische Volk wurde in Unwissenheit gehalten, wer gegen es ar-
beitete. Die Liebe zur Freiheit, das angeborene Selbstvertrauen und der
kompromißlose Individualismus des eingeborenen Amerikaners müssen
sich gegen die Herrschaft des Federal-Reserve-Board wehren, wenn wir
die amerikanische Republik erneuern wollen.
160
AUSZÜGE AUS DEM ANHANG ZUR ZWEITEN AMERIKANI-
SCHEN AUSGABE (1954).
Einer der geachtetsten Volkswirtschaftler der Wall Street äußerte kürz-
lich, daß »die Zentralbank selbstverständlich deshalb geschaffen wurde,
um uns aus der Umklammerung des Goldstandards zu befreien«. Seit lan-
gem hatte sich der Goldstandard als ungeeignet für den modernen Handel
erwiesen. Die Ausgabe von Gold und Kredit in genauer Anlehnung an den
Goldstandard war ungeeignet, nur die industrielle Entwicklung zu finan-
zieren. Die internationalen Elemente, die den Goldstandard kontrollier-
ten, erkannten, daß sie ihn würden aufgeben müssen und mit ihm ihre un-
geheure politische und wirtschaftliche Macht, wenn sie nicht eine geeig-
nete Alternative anbieten könnten. Diese Alternative war das Zentral-
bank-System.
Durch den Hokus-Pokus um die Reserven konnten die Zentralbanken
die Ausgabe von Geld und Kredit viele Male erhöhen. Als dann Wertpa-
piere zur Grundlage der Geldausgabe gemacht wurden, steigerten sich die
papiernen Kredite in ungeheurem Ausmaß, und die Spekulanten errichte-
ten fantastische finanzielle Kartenhäuser, die zu gegebener Zeit zusam-
menbrachen und den Investoren unvermeidliche Verluste einbrachten.
Diese Mißbräuche führten direkt zur Krise von 1929 unter der aktiven
Mitwirkung des Federal-Reserve-Board. Der Zusammenbruch der Welt-
wirtschaft blieb lange Zeit unbehoben, mit Ausnahme dort, wo mit finan-
ziellen Maßnahmen dagegen vorgegangen wurde.
Die Zukunft einer Finanzierung durch langfristige Schuldverschrei-
bungen ist äußerst ungewiß. Da die Bankiers der Zentralbanken die natio-
nalen Schulden weit über den Punkt hinausgetrieben haben, wo sie mögli-
cherweise zurückgezahlt werden können, sind sie praktisch nur Gutha-
benverwalter der jährlich anfallenden Zinsen. Diese Bankiers sind daher
verzweifelt bemüht, den wirtschaftlichen Zustand aufrechtzuerhalten und
sicherzustellen, daß sie weiterhin die Zinsen einkassieren können. Sie
streichen jährlich rund 50 Milliarden Dollar Zinsen für die öffentlichen
Schulden der Regierung der Vereinigten Staaten ein, eine Summe, die grö-
ßer ist als die ganze Nachkriegsschuld Deutschlands. Diese Zinsen sind
natürlich wichtiger als das astronomisch hohe, nicht rückzahlbare Kapi-
tal. Diese 50 Milliarden Dollar jährlich sind gleichsam die Rente, die die
Zentralbank-Bankiers dem amerikanischen Volke auferlegen, weil sie den
Kredit des Volkes während des Zweiten Weltkriegs genossen.
Die Bankiers der Zentralbanken haben versucht, ihre Interessen durch
eine Internationalisierung ihres Systems astronomisch hoher öffentlicher
Schulden zu wahren und dadurch, daß sie das einzige finanziell gesunde
große Land, die Vereinigten Staaten, für den Bankrott europäischer Staa-
161
ten verantwortlich machten. Das geschah durch die Gründung des Inter-
nationalen Währungsfonds in Bretton Woods 1944. Darüber schrieb
Henry Hazlitt im Newsweek Magazine vom 31. Dezember 1951:
»Das Hanpt-Hindernis für eine Wiederherstellung des Weltfriedens und
gesunder Finanzen ist der Internationale Währungsfonds, eine unnötige
Einrichtung, die unter dem Einfluß des verstorbenen Lord Keynes und
Harry Dexter White auf vollkommen ungesunder Grundlage aufgebaut
wurde.«
Der Architekt des internationalen Fonds war Henry Dexter White, der
Sohn von Immigranten und einer der drei bedeutendsten kommunisti-
schen Agenten in den USA. Mit ihm waren Frank Coe, Lauchlin Currie,
William L. Ullmann und Nathan Silvermaster in Bretton Woods gewesen.
Sie alle sind als kommunistische Agenten identifiziert worden. Präsident
Truman ernannte White zum Direktor des Internationalen Währungs-
fonds, nachdem ihn das FBI über den kommunistischen Hintergrund in-
formiert hatte. Currie war Franklin D. Roosevelts persönlicher Assistent
während des Zweiten Weltkriegs. Currie, Hiss, White und Coe genossen
den direkten Schutz des Präsidenten, um nicht als kommunistische Agen-
ten bloßgestellt zu werden.
Currie und White waren Finanzexperten, darauf bedacht, die letzte
freie Wirtschaft in der Welt, Amerikas freies Unternehmertum, zu zerstö-
ren. Es mag verwunderlich erscheinen, daß das internationale Bankwesen
so eng mit dem Kommunismus verbunden ist, da er sich doch selbst als ein
Feind der Bankiers erklärt. Aber der Kommunismus ist die letzte Reak-
tion auf ein überholtes auf dem Goldstandard beruhenden Banksystems,
das von diesen Bankiers finanziert und politisch unterstützt wurde, und
zwar bis zu dem Grade, daß das amerikanische Volk von dem großen
Kreuzfahrer Franklin D. Roosevelt sogar ausgesandt wurde, um den
Kommunismus vor dem Untergang zu bewahren, als die deutschen Ar-
meen ihn bedrohten.
Das amerikanische Volk hat die Last der Hunderte von Milliarden Dol-
larschulden nur auf sich nehmen müssen, weil es einer Handvoll feindlich
gesinnter Fremden sein Geldsystem überließ. Die drei wichtigsten Archi-
tekten des augenblicklichen amerikanischen Geldwesens sind dem ameri-
kanischen Durchschnittsbürger fast völlig unbekannt, obwohl er ihre
Manipulationen jedes Jahr mit einer hohen Steuer bezahlen muß.
Es sind dies: Paul Warburg, der das Federal-Reserve-Gesetz verfaßte,
Emmanuel Goldenweiser, der die Maßnahmen des Federal-Reserve-Bo-
ard in den ersten dreißig Jahren überwachte und Harry Dexter White, der
den Internationalen Währungsfonds gründete. Paul Warburg gehörte au-
ßerdem zu den Finanziers, die die kommunistische Revolution in Ruß-
land finanzierten, während Harry Dexter White eine Schlüsselfigur der
162
kommunistischen Verschwörung in Amerika bildete.
Im Nachruf für Dr. Goldenweiser in der New York Times vom 6. April
1953, sagte Elliott Thurston, Gouverneur des Federal-Reserve-Board:
Ȇber eine lange Zeit hat er die Politik der Vereinigten Staaten mehr
beeinflußt als irgendein anderer Beamter.«
Doch welcher amerikanische Bürger hat je von Dr. Goldenweiser ge-
hört? Wer hat je von Harry Dexter White gehört, der unserem Land z.B.
Hunderte von Millionen Dollar in Deutschland nach dem Zweiten Welt-
krieg kostete, als er die Druckplatten für Besatzungsgelder aus dem U.S.
Finanzministerium seinen kommunistischen Auftraggebern übergab? Die
amerikanischen Bürger müssen von diesen Eindringlingen das Recht der
Notenausgabe zurückverlangen oder den Zusammenbruch ihrer Wirt-
schaft und der westlichen Zivilisation ertragen.
Bericht des Abgeordneten Wright Patman vom Bank- und Währungs-
ausschuß des Repräsentantenhauses:
»Am 14. April 1952 richtete der Board of Governors einen Brief an
mich, als den Vorsitzenden des Unterausschusses für allgemeine Kredit-
kontrolle und Schuldenverwaltung des Vereinigten Ausschusses für den
Wirtschaftsbericht, als Antwort auf meinen Brief, in dem ich um Informa-
tionen gebeten hatte. Der Vorsitzende des Board erklärte, daß er ein Me-
morandum mitschicke, das vom Federal-Reserve-Board ausgearbeitet
worden wäre und den gesetzlichen Status des Board und der Federal-Re-
serve-Banken betreffe. Natürlich war die vom Vorsitzenden vorgetragene
Auffassung die des Board.
Hier einige Auszüge aus dem Bericht:
Bestimmungen zur Lage des Aufsichtsrates des Federal-Reserve-Sy-
stems und der Federal-Reserve-Banken:
»Der Board of Governors wurde vom Kongreß geschaffen. Er ıst ein
Teil der Regierung der Vereinigten Staaten. Seine Mitglieder werden vom
Präsidenten ernannt auf den Rat und mit der Zustimmung des Senats. Der
Justizminister hat bestätigt, daß er eine Einrichtung der Regierung ist (30
Op. Atty. Gen., 308, 1914).
Die zwölf Federal-Reserve-Banken sind Gesellschaften, die aufgrund
des Federal-Reserve-Gesetzes geschaffen wurden, um unter Aufsicht der
Regierung öffentlichen Interessen zu dienen.
Die Federal-Reserve-Banken leiten ihr Bestehen und ihre Rechte von
Gesetzen ab, die durch den Kongreß verabschiedet wurden. Sie können
daher praktisch als Agenturen des Kongresses angesehen werden.
Im Hinblick auf die öffentliche Natur ihrer Tätigkeiten haben die Ge-
richte die Federal-Reserve-Banken zu Agenturen oder Instrumenten der
Bundesregierung erklärt. Es gibt keinen freien Markt, der mit einer Staats-
163
schuld von 272 Milliarden Dollar fertig werden kann. Freier Markt bedeu-
tet private Handhabung von Krediten. Der Federal-Reserve-Board hat
sich meiner Meinung nach der gröbsten Mißwirtschaft schuld gemacht, als
er es versäumte, die Regierung der Vereinigten Staaten zu der Zeit zu un-
terstützen, als sich die Regierungsanleihen in größter wirtschaftlicher Ge-
fahr befanden. Obwohl er ein Teil der Regierung ist, versagt er hier und
weigert sich, der Regierung und dem Volke zu Hilfe zu kommen.
Das Open Market Committee des Federal-Reserve-Systems besteht aus
den 7 Mitgliedern des Board und 5 Mitgliedern, die Leiter von Federal-Re-
serve-Banken sind und nach privaten Handelsbank-Interessen gewählt
werden. Das Komitee hat das Recht, Banknoten der Vereinigten Staaten —
Federal-Reserve-Noten — aus der amtlichen Druckerei zu erhalten und
wechselt diese Banknoten, die natürlich keine Zinsen bringen, in Regie-
rungsobligationen der Vereinigten Staaten um, die Zinsen bringen. Nach-
dem dieser Umtausch vollzogen wurde, verbleiben diese zinstragenden
Obligationen bei den 12 Federal-Reserve-Banken und die jährlichen Zin-
sen gehen in ihre eigenen Fonds. Diese Fonds werden von dem System ohne
einen entsprechenden Bericht an den Kongreß verwendet. Noch nie hat
eine unabhängige Revision stattgefunden, weder der 12 Banken noch des
Federal-Reserve-Board, die vom Kongreß registriert worden wäre und die
man hätte einsehen können. Der oberste Rechnungshof besaß keine Ge-
richtsgewalt über das System. 40 Jahre lang verfügte man frei über die
Gelder der Regierung und legte niemals einen Rechenschaftsbericht vor.
Die Tätigkeit des Open Market Committeeist das Wichtigste im ganzen
Federal-Reserve-System. Es liefert entweder teures oder billiges Geld; es
gestaltet unsere Lage gut oder schlecht. Es bestimmt, ob das Land in Wohl-
stand weiterleben kann oder in eine Wirtschaftskrise gerät.«
164
VERZEICHNIS DER WICHTIGSTEN BENUTZTEN QUELLEN
Carter Glass, Adventure In Constructive Finance, Doubleday, 1927.
E. W. Kemmerer, AB C ofthe Federal Reserve System, Princeton Univer-
sity Press, 1919.
Paul Moritz Warburg, Banking Reform in the United States, Academy of
Political Science, Columbia University, July, 1914.
Paul Moritz Warburg, The Federal Reserve System, MacMillan, 1930.
H. Parker Willis, The Federal Reserve System, Ronald Co., 1923.
Poor’s Directory of Directors, Standard and Poor Publishing Corp. Volu-
mes referred to from 1928 to 1951.
Who’s Who In America, A. N. Marquis Co. Volumes referred to from
1896 to 1951.
Who’s Who In American Jewry, 1926-1939.
U. S. Federal Reserve Board Bulletins. Volumes referred to from 1914 to
1951.
U. S. Federal Reserve Board Annual Reports. Volumes referred to from
1914 to 1950.
Senate Committee Hearings on Federal Reserve Act, 1913.
House Committee Hearings on Federal Reserve Act, 1913.
House Committee Hearings on the Money Trust (Pujo Committee) 1913.
House Report on Nomination of Thomas D. Jones to be a Governor ofthe
Federal Reserve Board. 1914.
House Investigation of Federal Reserve System, 1927-1928.
Senate Investigation on Fitness of Eugene Meyer to be a Governor of the
Federal Reserve Board, 1930.
Senate Hearings on Office of Price Administration. 1941.
Senate Hearings on Office of Price Administration, 1944.
House Committee Hearings on Extension of Public Debt, 1945.
Senate Hearings on Thomas B. McCabe to be a Governor of the Federal
Reserve System, 1948.
165
WEITERFÜHRENDE ODER ERGÄNZENDE, DERZEIT LIE-
FERBARE BÜCHER:
Hans Kühn, 5000 Jahre Kapitalismus
Felix G. Bim, Silvio Gesell - Der verkannte Prophet
Karl Walker, Das Weltwährungs-System
Des Griffin, Die Herrscher
Gerhard Müller, Überstaatliche Machtpolitik im 20. Jahrhundert
Gerd Schmalbrock, Die politischen Falschspieler (5 Bände)
Jean Ledraque, Springers Nazionismus
Gary Allen, Die Insider
Alle Bücher zu beziehen über die Versandbuchhandlung Bohlinger, 2251
Wobbenbüll
166
Anhang
Monetarismus - Anstoß zur Völkerbefreiung und Aussöhnung
zwischen »Esau und Jakob« oder Kulmination in der
apokalyptischen Zerstörung der Erde?
167
»Eine Lüge kann sich nicht selbst aufrechterhalten. Ihrer Natur gemäß
muß sie sich auf eine weitere Lüge stützen. Diese beiden bedürfen wieder
anderer Lügen. So entsteht sehr bald ein undurchdringliches Gewirr von
Betrug und Tatsachenverdrehung, das die Wahrheit nach und nach immer
mehr überwuchert.
Die Wahrheit dagegen ruht in sich selbst, stark, unverrückbar, dauer-
haft. Die an sie glauben, brauchen sie nicht zu verteidigen. Sie bewahrt
sich selbst vor allen Feinden und geht aus allen Angriffen unverfälscht,
einfach und unversehrt, eben wahr wie immer hervor.
Der große Kraftfahrzeugpionier Henry Ford I. hat das sehr prägnant
ausgedrückt, als er schrieb: »Die Wahrheit sieht häufig unvernünftig aus;
sie ist oft deprimierend und scheint manchmal böse zu sein. Aber sie hat
den ewigen Vorzug, wahr zu sein, und was auf sie gebaut ist, ist nie ver-
wirrend und gibt Verwirrungen nicht nach.« (Aus D. Griffin: Die Herr-
scher, Vaduz/Liechtenstein 1980, S. 11)
»Wenn dein Bruder neben dir verarmt und sich dir verkauft, so sollst du
ihn nicht als Sklaven dienen lassen; sondern wie ein Tagelöhner, wie ein
Beisasse soll er bei dir sein und bis an das Erlaßjahr« (auch Hall- oder Jo-
beljahr genannt) »bei dir dienen. Dann soll er von dir frei ausgehen und
seine Kinder mit ihm und soll zurückkehren zu seiner Sippe und wieder zu
seiner Väter Habe kommen. « (3. Mose 25, Vers 39-41)
»In meiner Kindheit gab es ein Sprichwort, daß »nur ein Maultier und
ein Meilenstein niemals ihren Sinn änderten«. Ich habe nie zu jener Kate-
gorie gehören wollen und habe daher hinsichtlich der Deutschlandpolitik
meine Ansicht geändert.« Bernard M. Baruch (1956)
»Der Haß der Volksseele ist auch vollkommen im Einklang mit dem
Erhaltungswillen wie der des Tieres, denn er kümmert sich nicht um den
Feind von dem Augenblick an, da dieser seine drohenden Vernichtungs-
pläne aufgibt, aber trifft den Feind, solange dieser seine volksvernichten-
den Absichten noch weiter hegt.« Mathilde Ludendorff
168
Roland Bohlinger 18.12.1980
2251 Wobbenbüll/Husum
An das
Oberverwaltungsgericht Lüneburg
Uelzener Str. 40
2120 Lüneburg
Betr.: Brokdorf-Verfahren
Az. 7 OVG A 9/80
Ergänzender Schriftsatz
1. In meiner Untersuchung Anmerkungen zur Kosten-Nutzen-Analyse
der Atomspalttechnologie, die in Kürze im Verlag für biologische Si-
cherheit, 2251 Wobbenbüll, erscheinen wird, weise ich nach:
a) Uran, der Brennstoff für konventionelle Atomspaltwerke, kommt
auf der Erde in so geringen Mengen vor, daß hiermit nur insehr be-
schränktem Umfang Strom erzeugt und eine drohende Energie-
lücke nicht geschlossen werden kann.
b) Die Gewinnung und Aufbereitung von Uran ist noch viel stärker
monopolisiert als die jedes anderen Energieträgers.
c) Die Erzeugung von Strom mit Hilfe von Uran ist die weitaus teuer-
ste Form der Energiegewinnung.
d) Die Energiebilanz weist bei Atomspaltwerken das schlechteste Er-
gebnis von allen modernen Energiegewinnungsformen auf.
e) Eine umfassende, rein wirtschaftliche Kosten-Nutzen-Analyse er-
weist, daß jede Energiegewinnung durch Atomspaltwerke vom
volkswirtschaftlichen Standpunkt aus die weitaus ungünstigste dar-
stellt. Zusätzlich bestehen dann noch die vielen nichtwirtschaftli-
chen Einwände: vor allem die Schädigung von Leben und körperli-
cher, seelischer und genetischer Gesundheit, die Einschränkung
freiheitlich-rechtsstaatlicher Verhältnisse, die verheerenden E olgen
169
im Falle einer Reaktorkatastrophe, sei es aufgrund eines Versagens
der Sicherheitseinrichtungen oder durch Terrormaßnahmen und
Kriegseinwirkungen.
f) Die Genehmigung eines Weiterbaus in Brokdorf muß unter ande-
rem von wirtschaftlichen Zweckmäßigkeitserwägungen abhängig
gemacht werden. Das ist nicht zuletzt deshalb erforderlich, weil
derartige Erwägungen seitens der Befürworter des Plutoniumpro-
gramms als erstrangig hingestellt werden.
Falls die hier kurz zusammengefaßten Schlußfolgerungen aus meiner
Untersuchung vom Gericht angezweifelt werden,
beantrage ich
die Beweiserhebung.
. Die Durchführung des Plutoniumprogramms im geplanten weltweiten
Maßstab erfordert einen jährlichen Finanzbedarf von Hunderten von
Milliarden DM. Das macht die Durchführung zwangsläufig zu einer
Angelegenheit von Kreisen innerhalb der Hochfinanz.
In den hier vorgelegten Unterlagen wird aufgezeigt, was durch eine
Fülle weiterer Materialien erhärtet werden kann, daß sich nämlich das
Geldwesen inzwischen weitgehend in der Hand weniger, überwiegend
privat kontrollierter Zentralbanken befindet.
Ursprünglich bestand für jene Kreise innerhalb der Hochfinanz, die an
der Durchführung des Plutoniumprogramms interessiert sind, die Ge-
fahr, daß die stromerzeugende Industrie sich ihren weiteren Ausbau
durch Eigenmittel selbst finanzieren würde. Sie hätte sich die Eigen-
mittel, die sie für den Ausbau benötigte, im voraus durch Erhöhung
der Stromrechnungen beschaffen können. Dem wurde vorgebeugt. So
wird in der Bundesrepublik Deutschland die Errichtung stromerzeu-
gender Werke steuerlich erheblich benachteiligt, wenn für die Investi-
tionen mehr als 25 % Eigenmittel der Stromerzeuger eingesetzt wer-
den. Damit wird der Einsatz von Leihkapital stark begünstigt, und das
wiederum verschafft den interessierten Kreisen der Hochfinanz einer-
seits Zinsgewinne und andererseits eine gewisse Verfügungsmacht
über den Kreditnehmer. Gleichzeitig wird damit begünstigt, daß sich
Kreise der Hochfinanz auch direkt beteiligen, was deren Verfügungs-
macht über die Energieversorgung weiter erhöht.
Außerdem wurde dafür gesorgt, daß neben wachsender finanzieller
Kontrolle auch noch weitgehend die Kontrolle über den Rohstoff, das
170
Uran, erlangt wurde: diese scheint vor allem in der Hand der Roth-
schild-Banken und der mit diesen köoperierenden Finanz- und Wirt-
schaftsleute zu liegen. So stand z.B. in dem US-Finanzmagazin Forbes,
das Rockefeller nahesteht, am 15. 6. 1975 über ein nach OPEC-Vor-
bild aufgezogenes Urankartell:
»Die Kontrolle über das Urankartell mag sehr viel mehr in einer
Hand konzentriert sein als ein erster Blick [auf die Mitgliedsliste]
vermuten läßt . . . die Rothschilds von Frankreich und England sind
an beinahe jeder großen Urangesellschaft der Welt beteiligt.«
Anschließend hieß es:
»Die Minengesellschaft Rio Tinto Zinc (RTZ), an der die französi-
schen Rothschilds traditionell als Großaktionäre beteiligt sind, halt
eine beherrschende Beteiligung an der Rio Algom Mines, deren ka-
nadische Minen die größten Uranreserven in Nordamerika besitzen.
RTZ gehört nahezu zwei Drittel der riesigen nenen Rössing Uran-
mine in Südwestafrika. RIZ kontrolliert ebenfalls Mary Kathleen
Uranium, die einzige australische Uranmine, die ihre Produktion
bald aufnehmen kann.
Der größte südafrikanische Goldproduzent, Anglo American Cor-
poration, ist auch der größte Uranproduzent des Landes, da Uran als
ein Nebenprodukt der Goldproduktion anfällt. Eine mit Anglo
American verbundene Gesellschaft, Charter Consolidated, hat ei-
nen Rothschild im Aufsichtsrat und hält etwa 10 % der Anteile von
RTZ.
Der Zentralpunkt von Rothschilds Nichteisenmetall-Gruppe ist Im&-
tal (früher Le Nickel), die einen beherrschenden Anteil an den Ge-
sellschaften Mokta und Pennaroya hält, zwei der größten Uranpro-
duzenten in Frankreich und den früheren französischen Kolonien
Gabun und Niger. Sie sind auch beteiligt an Gemeinschaftsunter-
nehmungen mit dem anderen großen französischen Chemieprodu-
zenten, Pechiney Ugine Kuhlmann.
Die Rothschilds sind überall vertreten. Baron Guy de Rothschild lei-
tet Imetal. Er sitzt auch im Aufsichtsrat von RTZ.
Ihrerseits sind Harry Oppenheimer, der Chef von Anglo American
und Sir Val Duncan, Chef von RTZ, Mitglieder des Aufsichtsrates
von Imetal. Nur in Australien verfügen die Rothschild-Gesellschaf-
ten über einen relativ kleinen Anteil an den Gesamturanreserven. In
der Tat ist es so, daß abgesehen von einigen unabhängigen Urange-
sellschaften in Kanada und einer möglichen Erhöhung der australi-
171
schen Produktion die Uran-Opec ihre Aufgabe auf einer Sitzung des
Verwaltungsrates von Imetal erledigen könnte.«
Am 15.9.1976 schrieb die gleiche Zeitschrift:
»In diesem von Südafrika regierten Land liegt die weltgrößte Uran-
mine, die Rössing Mine von Rio Tinto Zinc. Rio Tinto hat im Stillen
Kontakte mit der South West African Peoples Organization (SWA-
PO) aufgenommen für den Fall, daß diese im Steit über die Zukunft
dieses Gebietes die Oberhand gewinnt. «
Richtig ins Licht der Öffentlichkeit geriet das Urankartell jedoch erst
Mitte 1976, als der Reaktorhersteller Westinghouse verschiedene
Uranproduzenten verklagte. Westinghouse hatte langfristige Uran-
Lieferverträge mit Betreiberfirmen abgeschlossen und hatte Milliar-
denverluste wegen unerwartet hoher Preissteigerungen bei Uran zu
erwarten.
» Während die Rothschild-Interessen insgesamt den größten Teil der
Welturanreserven kontrollieren, verfügen die USA (keiner ihrer
Produzenten ist Mitglied des Kartells) über die höchsten, gleichzeitig
aber auch ähnlich wie beim Öl, teuersten Uranreserven der Welt.
Über die den Rockefeller-Interessen verbundene Getty Oilhalten sie
auch einen 35Joigen Anteil am riesigen Jabiluka-Vorkommen (ca.
115000 t Uran) im Nordwesten Australiens. Die beispiellose Abset-
zung der Labor-Regierung unter Whitlaw im Dezember 1975 durch
den englischen Generalgouverneur Sir John Kerr erfolgte aufgrund
von deren Widerstand gegen den Abbau dieser Vorkommen durch
das ausländische Monopolkapital und das hierauf zurückzuführende
Verbot von Uranexporten. Die liberale Regierung von M. Fraser
wird Abbau und Export erlauben ... .« (Politisches Lexikon von
C.O.D.E., 1/3, Stichwort Atomenergie und Monopol)
Zusätzlich sind die großen Banken, wie bereits erwähnt, auch noch an
Hersteller- und Betreiberfirmen erheblich beteiligt, wobei viele Betei-
ligungen nicht offen sondern verdeckt vorliegen. Eine führende Rolle
spielen hierbei innerhalb der Bundesrepublik Deutschland folgende
Banken: Dresdner Bank, Deutsche Bank, Commerzbank, Westdent-
sche Landesbank, Bayerische Landesbank und Hessische Landesbank.
Diese Banken werden auf dem Kreditsektor weitgehend international
kontrolliert. Falls erforderlich, kann hierzu noch detailliert vorgetra-
gen und dokumentiert werden.
172
Wenn, wie in den Anlagen aufgezeigt, die internationale Hochfinanz
das Geldwesen und hierbei vor allem das Kreditwesen und daneben
zunehmend die Schlüsselstellungen der Wirtschaft kontrolliert, bedeu-
tet das unabhängig von der Qualität der hierbei vorgenommenen
Handlungen, von vornherein eine verfassungswidrige Einschränkung
der Souveränität der Bundesrepublik und der Rechte ihrer Bewohner.
Wenn sich obendrein aus der Geschichte klar ergibt, daß die interna-
tionale Hochfinanz immer wieder ihre Macht mißbrauchte und danach
trachtete, noch mehr und uneingeschränkter Macht zu erlangen, hier-
bei Enteignung und Ausbeutung weltweit betrieb, und verschiedene
Gruppen innerhalb der Hochfinanz Kriege, Revolutionen, Diktaturen
und große Wirtschaftskrisen förderten, dann weisen diese Kreise nicht
die nach $ 7/2/1 des Atomgesetzes erforderliche Eignung auf, um auf
dem Gebiet der Nutzung der Atomspaltung maßgebend Einfluß zu
nehmen. Aber auch ohne jede gesetzliche Sonderbestimmung ist es of-
fensichtlich, daß in einem Rechtsstaat irgendwelchen Unternehmen mit
verfassungs- und strafgesetzwidrigen Verhaltensweisen niemals wirt-
schaftlicher und politischer Einfluß, schon gar nicht auf einem Gebiet
mit höchstem Gefahrenpotential, gestattet werden kann. Sogar der
Pressechef der KWU gab zu:
»Es ist schon richtig - manchmal erinnern die Praktiken [der Atom-
wirtschaft] an Mafia-Methoden.« (Neue Kronen-Zeitung, Wien
12.6.1975)
Von Firmen, deren Methoden an die der Mafia erinnern oder die sich
mit Mafia-Methoden durchsetzen, dürften weder verläßliche Aussa-
gen über die Qualität ihrer Leistung noch eine Tätigkeit unter voller
Beachtung der Gesetze und des Volkswohls zu erwarten sein. So wie
maßgebende Teile der im Hintergrund stehenden Finanzoligarchie be-
reit sind, ihrem Machtstreben je nachdem das Leben oder die wirt-
schaftliche Existenz ungezählter Menschen zu opfern, so sind die im
Vordergrund stehenden Atomfirmen aus gleichen oder verwandten
Gründen bereit, unabsehbare Gefahren für das Leben, die Gesundheit
und die politische Zukunft der Menschheit zu erzeugen, wobei die
Sach- und Entwicklungszwänge, die in ihrem Tätigkeitsbereich herr-
schend geworden sind, eine nicht zu unterschätzende Rolle spielen.
Als Edward Teller, Enrico Fermi, Leo Szilard, Robert Oppenheimer
und Albert Einstein erfuhren, daß die Deutschen mit der Kernspaltung
experimentierten, befürchteten sie, das Dritte Reich könnte eine
Atombombe entwickeln. Daraufhin bemühten sie sich - und zwar
173
noch vor Ausbruch des Zweiten Weltkrieges — möglichst rasch zum
Bau einer eigenen Atombombe zu gelangen, um gegen das Dritte Reich
gerüstet zu sein. (1)
»Dr. Leo Szilard spielte zweifellos das enfant terrible dieser Gruppe.
Der äußerst intelligente . ... Physiker führte ein ruheloses Leben,
das sich zu einem permanenten Kreuzzug auswuchs . . . Doch seine
Krenzzüge strebten zugegebenermaßen Wichtiges an: den Sieg über
Hitler, die Schaffung einer Weltregierung und die Entwicklung der
Atomenergie.« (2)
Die Atombombe sollte die vernichtende Kreuzzugswaffe werden.
Doch es dauerte einige Zeit, bis sich die führenden Kreise in den USA
von der Machbarkeit der Bombe überzeugen ließen. Als sie aber über-
zeugt waren, stimmten sie sofort dem Bau zu.
Nach dem Zweiten Weltkrieg kamen die Verantwortlichen auf den
Gedanken, die Atomspaltung nicht nur als militärisches sondern auch
als nichtmilitärisches Machtmittel einzusetzen. Die militärische Nut-
zung der Atomspaltung sollte nur einem auserwählten Kreis besonders
botmäßiger Staaten vorbehalten bleiben, die nichtmilitärische jedoch
allen Völkern gebracht werden, denn die Gefahren der nichtmilitäri-
schen Nutzung zwangen zu internationaler Kontrolle und zur Mono-
polisierung des Wissens, zugleich machte sie jeden Staat, der Atom-
spaltwerke betrieb, einerseits durch Terrormaßnahmen erpreßbar und
andererseits im Kriegsfall nur noch beschränkt verteidigungsfähig.
Eine zentral gelenkte militärische und nichtmilitärische Nutzung der
Atomspaltung war also vorzüglich geeignet, Weltherrschaftszielen zu
dienen.
In der im Jahre 1957 herausgegebenen Schrift des US-Informations-
dienstes Bad Godesberg 1, Atomenergie für den Frieden, heißt es im
Anschluß an den Artikel: »Amerikanische Reaktoren für die friedliche
Entwicklung anderer Länder«:
»Chronologische Übersicht
über die Bemühungen der Regierung der Vereinigten Staaten um die
Beteiligung aller Länder an der Weiterentwicklung und Verwen-
dung der Atomenergie für friedliche Zwecke.
14. Juni 1946: Der Vertreter der Vereinigten Staaten bei der UN-
Atomenergiekommission, Bernard Baruch, machte das Angebot,
die gesamte Atomkapazität der Vereinigten Staaten in den Dienst ei-
174
ner internationalen Organisation zu stellen, die über ein wirksames
Überwachungs- und Kontrollsystem verfügt. «*
Worauf Baruchs Ziel hinauslief, verdeutlichte Dr. A. Weinberg, sei-
nerzeit Direktor des Staatslaboratoriums Oak Ridge in völliger Offen-
heit in der Zeitschrift Science vom 7.7.1972:
»Wir bei der Atomenergie tätigen Personen haben mit der Gesell-
schaft einen Pakt abgeschlossen wie Faust. Einerseits bieten wir im
katalytischen Kernbrenner eine unerschöpfliche Energiequelle... .
Aber der Preis, den wir für diese magische Energiequelle von der Ge-
sellschaft fordern müssen, sind sorgsame Wachsamkeit und eine
Dauerhaftigkeit unserer gesellschaftlichen Einrichtungen, an die wir
gar nicht gewöhnt sind. «
Etwas später schreibt er:
»Wir erheben zwei Forderungen. Die erste halte ich für leichter zu
erfüllen: Wir müssen in der Atomtechnologie die allerbesten techni-
schen Verfahren einsetzen, und wir müssen Personen mit großer
Sachkenntnis und Gewissenhaftigkeit beschäftigen. »Unbedingte
Qualität ist die Losung, die nun in weite Bereiche dieser atomaren
Gemeinschaft Eingang findet. Das bedeutet, daß man die strengsten
Maßstäbe beim technischen Entwurf und seiner Ausführung ein-
setzt. Daß man sich bei den Atomanlagen strikt an die erforderlichen
Betriebszustände halt - und dies trotz der angeborenen Neigung, in
der Sorgfalt nachzulassen, wenn eine solche Anlage älter wird und
mehr vertraut ... . Mit einem Wort also: Wir müssen eine ununter-
brochene Tradition schaffen für peinlichste Sorgfalt in allen Einzel-
heiten...
Die zweite Forderung ist weniger augenscheinlich ... . Das ist die
* Bernard Manasse Baruch war Berater aller Präsidenten von Wilson bis Eisenhower, Or-
ganisator der Kriegsindustrie im Ersten und Zweiten Weltkrieg und Exponent der Hochfi-
nanz. Für die Organisierung des Baus und der Anwendung der Atombombe scheint nicht er
sondern eine rivalisierende Machtgruppe verantwortlich zu sein. Nach dem Ersten Welt-
krieg trat Baruch für eine milde, nach dem Zweiten Weltkrieg für eine strenge Behandlung
Deutschlands ein. In den fünfziger Jahren rückte er von seiner strengen Einstellung gegen-
über Deutschland ab, gegen Ende seines Lebens setzte er sich für die Verhütung eines Dritten
Weltkrieges ein.
Baruch scheint ein Exponent jener Kreise innerhalb der internationalen Hochfinanz zu sein,
die sich nicht dem Nihilismus, apokalyptischen Endzeiterwartungen oder ungezügeltem
Haß und Machtstreben ergeben haben, sondern an eine letztlich religiös motivierte Sendung
glauben.
175
Forderung nach dauerhaften Strukturen in der menschlichen Gesell-
schaft. Wir hätten relativ wenig Sorge mit den radioaktiven Abfal-
len, wenn wir immer davon ausgehen könnten, daß es intelligente
Leute gibt, welche mit unvorhergesehenen Umständen fertig werden
können, an die wir nicht gedacht hatten. Wenn die atomaren Zonen,
die ich erwähnte, einmal fester Bestandteil unserer Zivilisation sind,
dann haben wir wohl auch den sozialen Apparat und vermutlich die
Plätze, um mit dem Atommüäll dauernd fertig werden zu kön-
nen... .«
Dr. Weinberg spricht dann vom
»Ausgeliefertsein an eine unverrückbare soziale Ordnung als möglı-
che Folge der Atomenergie . . . solange wie wır eine andere praktisch
verwertbare Energiequelle von unbegrenztem Ausmaß nicht gefun-
den haben.«
Etwas später heißt es dann:
»Man könnte sagen, wir haben eine militärische Priesterschaft ge-
schaffen, die auf der Wacht steht gegen einen versehentlichen Einsatz
von Atomwaffen und die an sich ein bedenklich scheinendes Gleich-
gewicht erhalt zwischen der Bereitschaft zum Kriege und der Wach-
samkeit gegenüber menschlichen Fehlhandlungen, die uns in einen
Krieg hineinstürzen könnten. Und dieser Zustand wird sich auch
nicht mehr ändern, jedenfalls nicht bald. Die Erfindung der Bombe
hat unseren gesellschaftlichen Strukturen einen zusätzlichen Zwang
auferlegt. Sie hat diese militärische Priesterschaft erst geschaffen, von
der wir in gewisser Weise alle um unseres Überlebens willen abhängig
sind. «
Schließlich betont Dr. Weinberg:
»Es will mir so scheinen . . . daß die friedliche Nutzung der Atome-
nergie Anforderungen gleicher Art an unsere Gesellschaft stellen
wird - vermutlich nur von noch längerer Dauer.«
Dr. Weinberg stellte also fest, daß wir von einer atomaren Priester-
schaft mit einer neuen Religion, einer technologischen Sicherheitsreli-
gion, abhängig geworden sind, und uns um der Sicherheit und des
Wohlstandes willen einer dauerhaften und natürlich bestens kontrol-
176
lierten und reglementierten und weltweit geltenden Gesellschaftsord-
nung ausliefern müßten. .
Weinbergs Sicht ist schlüssig. Allein schon jene Sach- und Entwick-
lungszwänge, die entstehen, wenn sich die Welt erst genügend auf die
Errichtung und den Betrieb von Atomspaltanlagen eingelassen hat,
führen zwangsläufig zu einem Plutoniumstaat mit allen daraus resultie-
renden Folgen, wie ich das in meiner Schrift Artikel 9 II GG und die
Errichtung eines Plutoniumstaates nachgewiesen habe. (3)
Die Entwicklung einer atomaren Priesterschaft ist nur die letzte Kon-
sequenz, willig aufgenommen von Kreisen innerhalb der »alten Mäch-
te«, die hier in ein neues Gewand schlüpfen können. Das fällt ihnen
nicht sonderlich schwer, sind sie doch reich erfahren in der Entwick-
lung von Priesterschaften, Männerbünden, Geheimorganisationen,
gesellschaftlichen Umwälzungen, der geistigen und politischen Ent-
mündigung, besonders der Frau, und der seelischen Zurechtknetung
der Massen, um sie für irgendeine neue Heilsbotschaft zu begeistern.
Frappierend und zugleich äußerst kennzeichnend ist hierbei, daß der
eine zentrale Baustein dieser Herrschaftsform ein künstlich geschaffe-
nes, völlig lebensfeindliches, hochexplosives Element darstellt, dessen
Bezeichnung ebenso wie jene deszweiten zentralen Bausteins, nämlich
des nicht auf der natürlichen und menschlichen Produktivität aufge-
bauten sondern ebenfalls künstlich geschaffenen, letztlich auf Willkür
gegründeten Mittels der Finanzoligarchie, nämlich das der ungehemm-
ten Kreditvergabe und Ausbeutung, vom griechischen Gott Pluto,
dem Herrn der Unterwelt und des Reichtums abgeleitet ist: Plutonium
und Plutokratie.
Eine Herrschaft, deren Zentrum auf Machtwahn und List, Lebens-
feindlichkeit und Willkür, letztlich in der Verneinung des Göttlichen
ruht, kann aber nicht Bestand haben. Entweder wird sie allein herr-
schend, dann löscht sie auf die Dauer den Menschen, aufgrund herr-
schender Seelen- und Naturgesetze, psychisch oder physisch aus; oder
sie wird, weil sie den Bogen überspannt, von Gegenkräften in den Völ-
kern und sogar innerhalb der herrschenden Kreiseüberwunden. In vvie-
len Mythen und Religionen wird der Menschheit ein schreckliches
Ende durch die Entgöttlichung ihres Lebens vorausgesagt. Aber nicht
in allen wird das von Pessimismus begleitet. In der nordischen Mytho-
logie folgt auf die »Götterdämmerung« eine neue Zeit, »so gut und
schön wie in Urvätertagen«. In der mosaischen Religion streiten sich
apokalyptische Visionen und irdische Heilserwartungen. Als Quelle
vieler weiterer Religionen und als geistige Grundlage und Motivation
politisch mächtiger Kreise in der Welt, besitzen die Zukunftserwar-
177
5
Du
tungen der mosaischen Religion heute eine zentrale seelische und poli-
tische Bedeutung. Der Angelpunkt dieser Zukunftserwartungen be-
findet sich in der Thora (1. Mose 27): Nachdem der von Isaak dem Ja-
kob erteilte Segen sich erfüllt hat, nämlich der durch List erlangte Se-
gen, der die Weltherrschaft verhieß, gelangt der zweite, dem Esau er-
teilte Segen zur Erfüllung, nämlich der einer Befreiung vom Joch der
Weltherrschaft des Jakob. Danach werden alle Völker, die Nachkom-
men des Jakob ebenso wie die des Esau, gleichberechtigt, selbstbe-
stimmt und frei einer neuen Zukunft entgegengehen.
Ich stelle folgenden Beweisantrag:
Das Gericht möge überprüfen, ob nationale und internationale Fi-
nanz- und Wirtschaftsmächte bei der Verwirklichung des Plutonium-
programms den politischen Willen des deutschen Volkes verfälschen,
mißachten, ausschalten oder manipulieren, sich dadurch gegen die freie
Selbstbestimmung des deutschen Volkes richten, gegen eine Reihe Ver-
fassungsgrundsätze und Strafbestimmungen verstoßen und die Ge-
nehmigungsbehörde der Fähigkeit berauben, ausschließlich nach
Recht und Gesetz zu handeln, und zwar
o durch Einflußnahme über gesetzlich nicht vorgesehene, aber in das
Regierungsgeschehen grundlegend hineinwirkende Lenkungsgre-
mien (z.B.: 1. ICRP, GRS, SSK, RSK; 2. Weltbank, Urankartell;
3. Geheimgremien wie CFR, Trilateral Commission, Bilderberg-
Gruppe, Jerusalem-Stiftung, Rockefeller- und Rothschild-Clan,
Führung des Tempelherren-Ordens, der Freimaurerei, des B’nai
B’rith und anderer Geheimbünde)”
o durch Abschluß von Verträgen, insbesondere zwischen in- und aus-
ländischen Finanz- und Wirtschaftsunternehmen, zwecks Umge-
hung der Gesetze oder des Mitspracherechts der Regierung und des
Volkes (z.B. Geheimvertrag zwischen DWK und Cogema; geheime
*Abkürzungen:
CFR - Council on Foreign Relations
Cogema - Französische Firma zur Wiederaufbereitung von Brennstoffen
DWK - Deutsche Gesellschaft zur Wiederaufbereitung von Kernbrennstoffen
LAEO - Internationale Atomenergie-Organisation
ICRP - Internationale Strahlenschutz-Kommission
RSK - (Deutsche) Reaktorsicherheitskommission
SSK - (Deutsche) Strahlenschutzkommission
WGO - Weltgesundheitsorganisation
178
Abmachungen zwischen DWK und der sowjetischen Wirtschaft;
Vertrag zwischen JAEO und WGO vom 28.5.1959)* —
o
durch Bestechung (z.B. Wahlspenden an Parteien und Parteiführer;
Geldgeschenke an Gemeinden, in deren Gebiet eine Atomanlage er-
richtet werden soll) -
o durch künstliche Verknappung nutzbarer Energieträger und durch
Monopolisierungen (z.B. Zerstörung deutscher Kohlegruben;
Kampf gegen Stromerzeugung aus Industrieabwärme, Sonnen-,
Wind- und Gezeitenenergie sowie Erdwärme; künstliche Hochstei-
gerung der Ölverknappung und der Ölpreise zum Zweck der Ver-
billigung der zu teuren Nutzung der Atomspaltenergie) —
o durch das Vorschieben manipulierter, präparierter oder erpreßter
»Gutachter« und »Wissenschaftler«
o Im Laufe des Verfahrens wird zu den einzelnen Punkten dieses Be-
weisantrags noch detailliert Beweismaterial vorgelegt.
Roland Bohlinger
Anmerkungen:
(1) Gespräch zwischen Prof. Dr. H. Haber und Prof. Dr. E. Teller, ab-
gedruckt in Bild der Wissenschaft, Oktober 1975, Seite 94ff.
(2) Stephane Groueff, Projekt ohne Gnade, Gütersloh 1968, Seite 28
(3) Roland Bohlinger, Artikel 9 II GG und die Errichtung eines Pluto-
niumstaates, Wobbenbüll, 1980
Anlagen:
(1) Neuübersetzung des Bandes von Eustace Mullins, Die Bankierver-
schwörung, Wobbenbüll 1980
(2) Auszüge aus einem Brief von Walther Soyka-an mich vom 14.12.1980.
(3) Meldung aus Newsweek vom 17. März 1980, betreffend ein neues Ge-
setz zugunsten des Federal-Reserve-Systems.
(4) Zwei Meldungen aus den Husumer Nachrichten vom 4.10.1980 über
die derzeitige Kreditpolitik des Federal-Reserve-Systems.
(3) Bericht von John K. Galbraith im Spiegel über die monetaristische Po-
litik von Milton Friedman.
179
(6) Bericht aus C.O.D.E. 1/4-5 über: »Wir werden ein Weltregierung
haben, ob Sie es wollen oder nicht, mit Gewalt oder mit Zustim-
mung.«
(7) Auszüge aus dem Bericht von Bruno Bandulet: »Eine schwarze Flüs-
sigkeit, ein gelbes Metall, ein grünes Papier«, erschienen in Trans-At-
lantik, München, November 1980, S. 44-52
(8) Bericht aus Salzburger Nachrichten vom 28.10.1961: »Atomare Ver-
seuchung als Machtprogramm«.
180
Walther Soyka
Wendtstraße 22 .
2800 Bremen 1 18.12.1980
Lieber Roland!
Kurz vor Druckbeginn der BANKIERVERSCHWÖRUNG noch einige
Gedanken zur vielfach angekündigten atomaren Apokalypse,
Das Brockhaus-Taschenbuch 75 "Christliche Prophetie und
Nuklearenergie" von Bernhard Philberth ist seit schon
oft nachgedruckt worden. Vor fast 19 Jahren schrieb Phil=-
erth u.2.:
"Daß wir die nächsten Monate in Frieden überdauern, ist
sehr wahrscheinlich; daß wir die nächsten Jahrzehnte in
Frieden überdauern, ist sehr unwahrscheinlich: voraus=
gesetzt, daß keine religiöse Umkehr die geistige Situ=
ation wandelt."
Als Nichtchrist habe ich am 7.12.1980 an Bundeskanzler
Helmut Schmidt geschrieben. Ich wies ihn auf das "Gesetz
über Sabbatjahr und Erlaßjahr" hin, das seit der Zersto=-
rung des Tempels Salomos 150 n.2w.) nicht mehr angewendet
wird. Das im 5. Buch Moses, Kapitel 25 als Erlaßjahr, Hall=
Jahr oder Jobeljehr beschriedtenre Umverteilen
von angehäuften Vermögenswerten in jedem 50. Kalenderjahr
macht mit der Einsicht ernst, daß der Planet Erde end=
liche Größe hat. Anders die Zins- und Zinses=
zinswirtschaft, die von der Vorstellung eines unendäd=
lich aufblähbaren Eräballes ausgeht.
Bei der Absendung meines Briefes an Schmidt wußte ich noch
nichts von der Aktion des Bad Harzburger Taschenbibelbundes,
von der am 4.12.1980 die Mainzer Allgemeine Zeitung berich-
tete:
"Alle Abgeordneten des neuen Bundestages haben vom Ta-
schenbibelbund in Bad Harzburg eine Schrift mit den
Kernaussagen der Bibel zugesandt bekommen. Wie der In-
formationsdienst der evangelıschen Allianz berichtet,
hat der Taschenbibelbund in einem Begleitschreiben den
Abgeordneten "Kraft, Weisheit und den erforderlichen
Mut zur rechten Entscheidung" gewünscht."
Ich hoffe, daß Helmut Schmidt und die ‚Bundestagsabgeordne=
ten in diesen "Kemmaussagen" auch 3. Mos. 25, Vers 10, 13,
14, 17, 25, 28, 35, 36, 47, 48 und 54 finden, ebenso wie
41. Mos. 33, wo die Versöhnung Esaus mit Jakob geschildert
wird. Auch ich hoffe auf Kraft, Weisheit und Mut bei den
anstehenden, vor allem innerseelischen Entscheidungen, die
wohl im Sinne von Philberth als "religiöse Umkehr" bezeich-
net werden können.
Für mich ist es aus seelengesetzlichen Gründen undenkbar,
daß es eine einheitlich planende und handelnde Fochfinanz
gibt. Obwohl die nach außen wirkenden Ereignisse zunächst
eine solche "Einheit" vermuten lassen, habe ich beim Lesen
der beiden Bände von Bernard M. Baruch ' s Lebens-
erinnerungen ("Gute 88 Jahre" (1958) und "Die Jahre des
Dienens" (1962), beide im Kindler Verlag München) Äußerun=
gen gefunden, die mich lebhaft an eine bestimmte jüdische
Legende erinnert haben. Sie kommt in verschiedenen Lesar=
ten vor, über die Gershom Scholem in seinem Buch "Judaica"
(Suhrkamp Verlag 1968, S. 223) schreibt:
"Nach manchen dieser Legenden ist einer der 36 Verbor=
genen der Messias. Wäre das Zeitalter dessen würdig,
würde er als solcher offenbar werden." ("Die 36 ver=
borgenen Gerechten in der jüdischen Tradition")
Im selben Buch schreibt Scholem "Zum Verständnis der mes=
sianischen Idee im Judentum" (S. 72):
"Die Ankunft des Messias selber ist an unmögliche, jeden=
falls höchst paradoxe Bedingungen gebunden, niemals wohl
melancholischer und menschlich-vertrackter als in dem,
einen Gedanken des Sohar zuspitzenden Wort, der Messias
werde nicht eher kommen, als bis die Tränen Esaus ver=
siegt sein werden. Unter allen Bedingungen der Erlösung
wahrlich die überraschenäste und zugleich unmöglichste!
Denn die Tränen Esaus sind die, die er nach Genesis 27:
38" (1. Mos. 27, Vers 38) "vergoß, als er von Jakob um
den Segen Isaks betrogen wurde."
Ich gehe davon aus, daß wir geistig-meta-=
physisch das "Joch Jakobs" bereits abgeschüttelt
haben. Das Schreibt u.a. auch Seefahrtoberlehrer Kapitän
Harm Menkens in einem Brief, den er am 9.12.1980 an alle
Bonner Bundestagsabgeordneten schickte und in dem es heißt:
"Als ich Herrn Rabbiner Berger (Bremen) am 11.5.1979 be=
suchte, betonte dieser, daß die Juden als auserwähltes
Volk auch "besondere Pflichten" hätten. Den gleichen
Tbesonderen Pflichten" unterliegen aber auch diejenigen
Nachkommen Esaus, die das Joch Jakobs -— ohne diesem zu
fIuchen - entsprechend dem Esau erteilten Segen (1.Mose
27,40) vom Halse gerissen haben und auch Herr sinä.
Dieses war aber erst möglich, nachdem der Jakobssegen
(1. Mose 27, 28-29) mit Eintritt des messianischen Zeit-
alters am 14.5.1948 volI erfüllt war. Aus der hohen Ver=
antwortung heraus, daB sıc er Unterzeichnende zu den
Nachkommen Esaus rechnen darf, die den von Isaak im Na=
men Jahwes erteilten Esausegen erfüllen, bitte Ich Sie,
den Inhalt dieses Briefes und der beigefügten Anlagen
sorgfältig zu lesen und zu prüfen!
Zunächst darf ich Ihnen die Broschüre "Atomkrieg 19
80?" überreichen. Diese Schrift hatte ich bereits den
Abgeordneten des vorherigen Bundestages im Mai 1979 aus
aktuellem Anlaß unter dem Titel "Atomkrieg im Mai?" zu=
gestellt. Da sich die von mir aufgezeigten Gefshren in
den vergangenen Monaten zu politischen Tatsachen entwik=
kelt haben und in zunehmendem Maße zu eskalieren drohen,
erlaube ich mir - auch wegen der zwischenzeitlich er-
folgten Mandatsänderungen —, Ihnen diese Druckschrift
nochmals zuzusenden. Als Ergänzung zu meinen Ausführun=
gen füge ich noch ein Flugblatt "Aufruf an alle Bürger
Europas: Wehrt Euch!" von Prof, Dr, Karl Bechert bei.
Gleichfalls überreiche ich einen offenen Brief von Wal=
ther Soyka (Absolv.rer.pol.) an den Herrn Bundeskanzler
vom 7.15.1980 mit den Aufsätzen "Jüdischer Glaube ge=
stalte e
alpolitik" und "Noch einmal der Esau-Segen"
von Dr. Mathilde Iudendorff sowIe der Druckschrift
Ausführungen zur Frage des Jakob- und Esau-
Segens. Insbesondere werden Vorschläge gemacht, wie man
die ideologischen Gegensätze zwischen Ost und West mit=
tels der Religionsphilosophie Dr. Mathilde Tudendorffs
abbauen kann. ann kame auch ze Zeit für eine Be=
schränkung der Atomrüstungen mit dem Ziel ihrer gänz=
lichen Beseitigung." Bedeutsam scheinen mir auch die
Ausführungen über das Halljahr (3. Mose 25) zu sein;
statt eines Wirtschaftskrieges müßte das Jahr 1981
fünfzig Jahre nach der Wirtschaftskrise von 1931 ge=
mäß . Mose 25, 10 als Halljahr (= Jobeljahr = Erlaßs
jahr) ausgerufen werden, in dem jeglicher wieder zu
seiner Habe und zu seiner Sippe kommen sollte."
In seinem Buch "Gesinnung und Tat" (Verlag Huber, Frauen=
feld und Stuttgart 1969, S. 102) zitiert Lothar Rothschild
aus dem jüdischen Midrasch:
"Will aber jemand ein Gerechter sein, so kann er es,
selbst wenn er ein Heide ist."
Offenbar ist es daher unschädlich, daß B.M. Baruch
über sich in seinem Buch "Gute 88 Jahre" schreibt:
"Opwohl ich an keinem bestimmten Glauben hänge, achte
ich alle Religionen, und ich weiß, daß ein wahrhaft
religiöser Mensch aus seinem Glauben Glückseligkeit
bezieht."
Mir wurde schon vor mehr als 20 Jahren in Wien vom ehema=
ligen Knesset-Abgeordneten Eliezar Livneh, der aus altem
Rabbinergeschlecht stamnt, gesagt, daß mit dem Eintritt
ins messianische Zeitalter "das alte Gesetz" seine Wirk=
samkeit für die Gläubigen verliert. Ohne Verrat an ihrem
Volk zu begehn, können daher er, ebenso wie Baruch und
auch Bruno Kreisky von sich sagen, daß sie nicht mehr dem
mosaischen Glauben anhängen. Allerdings ist dies keines=
wegs schon eine allgemein anerkannte Haltung oder religiöse
"Umkehr", wie z.B. ein als "Bericht aus Jerusalem" bezeich=
neter Aufsatz zeigt, der u.a. Worte des Thora-Weisen Scha=
batai Schiloh im Terra Sankta Gebäude zu Jerusalem wieder=
gibt. Der Bericht erschien im August 1980 in der Monats=
Schrift "Nachrichten aus Israel" (Herausgeber: Verein für
Bibelstudium in Israel Beth-Shalom, CH-8330 Pfäffikon ZH).
Dort wird über Schiloh unter der Überschrift berichtet
"Der Messias kommt":
"Mit einer Fülle von Bibelstellen wies er nach, daß das
Kommen des Messias in der Zeit von frühestens 1978 bis
spätestens 1981 geschehen sein muß. ... Immer wieder
betonte er: "Ich zeige ihnen nicht eine Sache, die man
glauben muß, sondern die sie offen sehen können." Da=
bei nahm er seinen Stift und begann zu rechnen.
‘1517 begann in Jerusalem die Herrschaft der Osmanen,
die nach acht Jubeljahren, das sind 400 Jahre, enden
sollte, was auch durch die Briten 1917 geschah. Dem
sollte ein weiteres Jubeljahr (50) Niemandszeit fol=
gen und danach sollte Jerusalem wieder dem Volk Is=
rael zufallen, siehe 1967. Alle diese Berechnungen
finden ihre Wurzel im Buch Daniel und im kabbalisti=
schen Werk Sohar aus dem 13. Jahrhundert. Sohar sagt,
daß sechseinhalb Jahre nach der Heimholung Jerusalems
(1967) Gog und Magog (1973) beginnt. Der nächste Krieg
wird dann schon der "push-button" Krieg der Supermächte
gegen Israel sein. Durch ein weltweites Holocaust, be=
ginnend in Nah-Ost, werden zwei Drittel der Menschheit
vernichtet,
Daß solche apokalyptischen Voraussagen in Erfüllung ge=
hen können, steht fest, SSemüssen es
aber nicht. Gemäß der oben erwähnten Legende, die mir
beim Lesen von Baruch's Lebenserinnerungen einfiel,
ruht das Schicksal der Welt auf 36 unbekannten oder
verborgenen Gerechten. Wenn auch nur ein einziger von
ihnen ausfällt, geht die Welt unter, weil ihr das
Fundament fehlt.
Gershom Scholem beendet seinen Bericht Über diese Legende:
"Der verborgene Gerechte, wenn er irgend etwas ist, ist
eben dein und mein Nachbar, dessen wahre Natur uns ewig
unergründlich bleibt und über den kein moralisches Ur=
teil abzugeben uns diese Vorstellung ermahnen will, Es
ist eine von einer etwas anarchischen Moral getragene,
aber eben deswegen um so eindrucksvollere Warnung. Der
Mitmensch mag der verborgene Gerechte sein." (S, 225)
Im Jahr 1960 schrieb Bernard M. Baruch im Buch "Die Jahre
des Dienens":
"Nach fünfzehn Jahren ist die Deutschlanäfrage noch im-
mer das Hauptproblem des Friedens. Aber die Geschehnisse
der letzten Jahre haben die meisten von uns dazu ge=
bracht, unsere Ansichten über Deutschlands Behandlung 4
zu überprüfen. In meiner Kindheit gab es ein Sprichwort, 9
daß "nur ein Maultier und ein Meilenstein niemals ihren
Sinn änderten". Ich habe nie zu jener Kategorie gehören
wollen und habe daher hinsichtlich der Deutschlandpoli=
tik meine Ansicht geändert."
Baruch schrieb dies, nachdem 1952 Mathilde Ludendorff öffent
lich auf die. zentrale Bedeutung nicht nur des "Jakobsegens" 1
sondern auch des "Esausegens" a. Mos. 27:40) für alle Thora4
und Bibelgläubigen hingewiesen hatte, da dort als gottgewollt
das "Abreißen des Jochs Jakobs", d.h. die allgemeine Völker- %
befreiung und die damit einhergehende Versöhnung zwischen F;
"Jakob und Esau" verkündet wird. Ich finde, daß Baruchs Sin-:;
neswandel in den fünfziger Jahren den Beginn einer grundle- .
genden Weichenstellung innerhalb von Kreisen der Hochfinanz
anzeigt, welche die Beschreitung eines Wegs ermöglicht, der
die "Träner Esaus" versiegen läßt, da er beiden Seiten Ge- |;
rechtigkeit, Freiheit und schließlich die Versöhnung bringt. 4
Die Neuauflage der "Bankierverschwörung"” hat gerade diesen
Kreisen zu signalisieren, daß Esau aufgestanden ist, um der
menschlichen Entwicklung den "apokalyptischen Stachel" zu
nehmer Die Hand Esaus zu ergreifen, ist jetzt die Aufgabe 4
Jakobs. Vielleicht ist ein Hinweis hilfreich, den ich in der.
Abhandlung von Gershom Scholem "Zur Neuauflage des 'Stern
der Erlösung'"” fand ("Judaica", 3.2327):
"Freilich, in der so faszinierenden wie problemati=
schen Lehre von der Vorwegnahme der Erlösung im jü=
dischen Leben hat Rosenzweig entschlossen und feind=
selig Stellung gegen die offene Tür im sonst so ge=
ordneten Haus des Judentums genommen: gegen die ka=
tastrophentheorie der messianischen Apokalyptik, die
man wohl als den Funkt bezeichnen darf, an dem sich
heute noch theokratische und bürgerliche Lebenshal=
tung unversöhnlich gegenüberstenn,. Die tiefe Tendenz,
dem Organismus des Judentums den apokalyptischen Sta=
chel zu nehmen, mit der Rosenzweig der letzte und si=
cher einer der stärksten Exponenten einer sehr alten
und sehr mächtigen, in vielen Gestalten kristallisier-
ten Bewegung im Judentum ist, bedingt bei ihm wohl
auch den seltsam kirchlichen Aspekt, unter dem hier.
manchmal unversehens das Judentum erscheint. Die Apo=
kalyptik, die als ein ohne Zweifel anarchisches Ele=
ment für Lüftung im Haus des Judentums gesorgt hat,
die Erkenntnis von der Katastrophalität aller histo=
rischen Ordnung in einer unerlösten Welt, hat hier in
einem tief um Ordnung besorgten Denken eine Metamor=
phose durchgemacht, in der die zerstörende Macht der
Erlösung nur mehr als Unruhe in das Uhrwerk des Lebens
im Licht der Offenbarung eingebaut erscheint. Denn daß
der Erlösung nicht nur eine befreiende, sondern auch
eine zerstörende Gewalt innewohnt - eine Wahrheit, der
nur allzuviele Theologen des Judentums sehr ungern sich
eröffnen und der auszuweichen eine ganze Literatur sich
plagt - konnte freilich einem Denker vom Range Rosen=
zweigs niemals verborgen bleiben: so suchte er sie we=
nigstens in einer höheren Ordnung der Wahrheit aufzu=
heben. Wenn der Blitz der Erlösung das Weltall des
Judentums steuert, so ist hier das Leben des Juden
der Blitzableiter, der seine zerstörende Gewalt zu
brechen bestimmt ist." (Erstmals im "Frankfurter
Israelitischen Gemeindeblatt" Sept. 1931, S. 15-18
zur Neuauflage des "Stern der Erlösung” von Franz
Rosenzweig zehn Jahre nach dessem ersten Erscheinen
von Gershom Scholem veröffentlicht.)
Franz Rosenzweig, der sich 1921 dem Dienst an der Wahrheit
als einem Dienst für eine höhere Ordnung zugewandt hatte,
trug auf Seiten Jakobs erheblich zur Wandlung der geistigen
Situation bei, die der Gründung der "Internationalen Banken-
allianz" 1943 in Paris zugrunde gelegen war. Baruch kenn-
zeichnete diese Situation so:
"Solange ein Mensch glaubt, er könnte einen Mitmenschen
überlisten und ausspielen, wird immer der Zeitpunkt
eintreten, da er das versuchen wird." ("Gute 88 Jahre",
5.307)
Im Gegensatz zum hier beschriebenen Listdenken, das auch die
Bankierverschwörung kennzeichnet, sagt Baruch in "Die Jahre
des Dienens":
"Ich habe stets den Standpunkt vertreten, daß jeder Mensch
das Recht hat, eine falsche Meinung zu haben, aber kein
Mensch darf Tatsachen falsch darstellen." (S. 512)
Mit dieser Haltung läßt sich sowohl die drohende atomare
Apokalypse abwenden, als auch der "Bankierverschwörung" ein
unblutiges Ende bereiten.
A New Charter
For U.S. Banking
Virtually unnoticed in all the furor about
runaway prices, the most important bank-
ing legislation since the Great Depression
took final shape in Congress last week.
Senate and House conferees agreed on a bill
that will promote more competition be-
tween commercial banks and thrift institu-
tions. It finally gives small savers abreak on
interest rates and increases Federal insur-
arlce on savings accounts. Formally known
as the Financial Institutions Deregulation
and Monetary Control Act of 1980, the bill
was ten years in the making and is all but
certain to be passed by both ouses and
signed into law by the Presi
* The bill also extends Bapl Re-
serve’s power to cantrol the 3 of the
nearly 9,000 banks that do not long to
the Federal Reserve system. Inability to
control these “outside” reserves has
played hob with the Fed’s inflation-fight-
ing plans in recent years, but eventually,
the Fed will also be able to, impose higher
reserve requirements on its member banks
as well.
Meldung aus Newsweek, 17. März 1980.
Kern der Meldung: Nach rund 10 Jahren der Bearbeitung passierte jetzt,
unter der Bezeichnung »Financial Institutions Deregulation and Mone-
tary Control Act«, ein neuer Gesetzentwurf die Ausschüsse des Kongres-
ses. Das Gesetz verleiht dem Federal-Reserve-System u.a. Kontrollrechte
über die Reserven der rund 9000 Banken der USA, die dem System nicht
angehören.
Neuerlicher US-Zinsanstieg
macht die Lage schwieriger
Bundesbank zum „Mithalten“ gezwungen
Sorge um die konjunkturellen Auswirkungen
Washington. Die Zinsen in den
USA klettern unaufhaltsam welter, Die
New York City Bank hat ihren Basis-
Zinssatz für Kredite von 13 auf 14 Prozent
angehoben. Am Tag zuvor hatten die mel-
sten Banken ihre Zinssätze lediglich um
ein halbes Prozent auf 23,5 Prozent er-
höht, Nach dem Vorstoß des New Yorker
Guldinstituts erwarten US-Bankenkreise ein
Nachziehen der anderen. Unter den in
Washington zur Jahrestagung des Interna-
tionalen Währungsfonds (IWF) versammel-
ten Experten wuchs der deutliche Unmut
über diese Entwicklung.
Es heißt, dieser neuerliche Zinsanstieg
in USA werde weltweite Auswirkungen
haben. Er könne die wirtschaftliche Erho-
lung in anderen Ländern dämpfen und ma-
che es wahrscheinlicher, daß es im näch-
sten Jahr zu einer weltweiten Rezession
komme. Die bei der IWF-Konferenz anwe-
senden Bankiers und Finanzfachleute er-
klärten, so werde es gerade auch für die
Regierungen in Bonn und London schwie-
riger, eine Verringerung der Zinsen im
eigenen Land zu erreichen. Solange die
Konditionen in den USA so attraktiv sei-
en, werde die „Flucht“ aus der DM und
dem Pfund Sterling in den Dollar wahr-
scheinlicher. Vertreter der Bundesbank de-
mentierten aber noch einmal, daß sie bei
der amerikanischen Zentralbank einen
Vorstoß zur Lockerung der Geldpolitik un-
ternommen haben,
Der Vizepräsident der Bank of America,
Prussia, meinte, eine straffe Geldmengen-
politik der US-Zentraibank gefährde zwei-
felsohne den wirtschaftlichen Aufwärts-
trend in den Staaten. „Wir sind nicht aus
der Rezession heraus”, unterstrich er, auch
wenn „der schlimmste Teil" vorüber sei.
Doch das Minus in den Statistiken über
das Wirtschaftswachstum werde noch in
den nächsten Monaten und zum Beginn
des nächsten Jahres teilweise anhalten,
Der erneute Anstieg der Zinsen in den
USA hat die Finanzwelt überrascht, Die
Erhöhungen um insgesamt drei. Prozent in-
nerhalb von sechs Wochen hatten die we-
nigsten erwartet, „Wir müssen unsere An-
sichten über das kommende Jahr ändern‘,
sagte ein bundesdeutscher Bankier am
Rande der TWF-Tagung. Vielleicht sei das
aber nicht schlecht. Einige Experten glau-
ben, daß ein langsameres Wirtschafts-
wachstum in den USA die Chancen für
eine Bekämpfung der Inflation verbessere.
" Das wiederum könnte die Ulexportie-
renden Staaten dazu bewegen, Mäßigung
in der Erhöhung der Olpreise zu zeigen.
Carter attackiert
Währungshüter
Washington. Zu einem schweren Zu-
sammenstoß ist es In den USA zwischen
Präsident Carter und dem US-Zentralbank-
system wegen dessen restriktiver Wäh-
rungspolitik gekommen. Carter attackierte
die Währungshüter während einer Wahl-
kampfveranstaltung und warnte, daß er zu-
sammen mit dem Kongreß das oberste No-
tenbankgremium, den Federal Reserve
Board, durch Gegenaktionen teilweise über-
stimmen könne. Carters Zorn richtet sich
vor allem gegen den von ihm selbst vor
mehr als einem Jahr ernannten Notenbank-
chef Volcker und dessen Geldmengenpoli-
tik, Sie hat zu starken Zinsschwankungen
und dazu geführt, daß in den letzten Wo-
chen ein steiler Zinsaufwärtstrend die von
Carter dringend erhoffte Konjunkturbele-
Hd gefährdet (siehe nebenstehenden Be-
Carter nannte die Notenbank-Politik
„schlecht beraten”. Der Präsident glaubt,
daß Volcker und seine Kollegen „die ne-
gativen Konsequenzen” steigender Zins-
sätze beachten sollten, wenn sie ihre Geld-
mengenentscheidungen treffen,
Hasuner Nachrichhen
4,410,41380
Friedmans Versuchskaninchen
John K. Galbraith über Milton Friedman als Ratgeber der Briten
n einem Memorandum, das er im
Frühsommer dem _ britischen
Schatzamt und dem Ausschuß für
den öffentlichen Dienst vorlegte,
stellte Professor Milton Friedman
dar, wie die modeme Volkswirt-
schaft zu lenken sei, und — wie im-
mer — tat er das klar und bündig.
„Inflation über eine längere Zeit
hinweg“, erklärte er, „ist immer und
überall ein monetäres Phänomen.
Sie entsteht dadurch, daß die Geld-
menge schneller als die Produktion
von Gütern wächst.“ Nur „wenige
ökonomische Lehrsätze“, fügte er
hinzu, „basieren so fest auf Erfah-
rung — Erfahrung, die sich über
Tausende von Jahren und den ge-
samten Globus erstreckt“.
Die britische Regierung hat die
Botschaft meines Landsmannes
wärmstens aufgenommen. In einer
Rede vor dem Unterhaus sagte Frau
Tbatcher, daß verschiedene Opposi-
tions-Vorschläge ihre Regierung
zwingen würden, „Geld zu drucken,
was wir nicht tun werden“. Nur da-
durch, daß Geld knapp gehalten
werde, könnten „Hyper-Inflation
und Hyper-Arbeitslosigkeit“ vermie-
den werden.
Professor Friedman hätte es nicht
besser sagen können. Das Gute an
Frau Thaichers Glauben ist, daß
wir nun endlich sehen, was dabei
herauskommt, wenn Friedmans
Lehre voll und richtig in die Praxis
umgesetzt wird.
Ich muß meinen eigenen Glauben
bekennen — soweit er nicht schon
bekannt ist: Ich bin überzeugt, daß
Friedmans Monetarismus nicht
funktioniert.
Denn da herrscht zunächst einmal
in der modernen Volkswirtschaft
die schreckliche Ungewißheit, was
eigentlich Geld ist. In nahezu all
den „Tausenden von Jahren“, auf
die sich Friedman in seinem
Schatzamts-Papier bezog, bestand es
aus Gold, Silber oder Kupfer. Nun
haben wir Münzen und Papier, Giro-
konten, Spareinlagen, die Kaufkraft,
die hinter Kreditkarten und Kredit-
zusagen steckt, und noch eine Reihe
anderer Kandidaten, die als Geld
zählen könnten.
Es ist schwer, etwas zu kontrollie-
ren, wenn man nicht genau weiß,
was kontrolliert werden soll. Aber
dies ist nur der Anfang.
Durch starkes Drosseln der Bank-
kredite für staatliche oder private
Kunden ist es möglich, einen erheb-
lichen Teil der Geldmenge zu ver-
Fingern, nämlich die Bankeinlagen,
die als Geld verwendet werden kön-
nen. Und wenn man scharf genug
durchgreift, verfügen die Leuter
schließlich über so wenig Geld, daß
sie ihre Nachfrage nach Gütern
drosseln.
Strittig ist, was danach geschieht.
In der Marktwirtschaft Friedmans
sind alle Firmen etwa gleich.
stark. Den Einwand, daß große
Unternehmen mehr eigene Mittel
haben, in der Schlange vor der
Bank ganz vome stehen und eine
Phase knappen Geldes daher besser
Friedman-Kritikor Galbraith
„Was ist eigentlich Geld?“
als die kleinen durchstehen können,
läßt er nicht gelten.
Auch die Macht der Gewerk-
schaften kümmert Friedman nicht.
Die Gewerkschaften aber se-
hen die Preise steigen und drängen
auch in einer Rezession auf höhere
Löhne, ‚sosehr sie sich um ihre ar-
beitstosen Mitglieder grämen mö-
gen. Und dieser Druck führt dazu,
daß die Preise weiter steigen.
Bei den Agrarpreisen müßte
Friedmans Politik eigentlich mehr
Erfolg haben. Denn die einzeinen
kleinen Produzenten haben keine
Marktmacht. Aber hier greifen die
modernen Regierungen ein, um die
Preise zu stützen oder zu erhöhen.
Eine Geldpolitik, die hart genug
ist, um eine Rezession herbeizufüh-
ren, kann den Energieverbrauch
senken. Aber da ist die Opec, um
die Ölpreise hochzuhalten und sogar
anzuheben.
In einer Welt freier Märkte wäre $
Professor Friedman ein Prophet. @
Aber, ach, wir haben leider auch #
noch Gewerkschaften und Bauern %:
und diese Opec.
So steht die Sache, wenn es um .$
die Funktionsfähigkeit der Fried-
manschen Formel geht. Doch die % |
Erfahrung lehrt, daß dies alles die ')
Friedman-Getreuen nicht überzeu- {f '
gen kann. :
Es war daher notwendig, einmal : 4
einen praktischen Versuch durchzu- 3 ;
führen. Und wir haben Großbritan- / 5
tatsächlich freiwillig als Friedman-
sches Versuchskaninchen zur Verfi
gung stellte.
Man. hätte keine bessere Wahl
treffen können. Die politischen und
sozialen Institutionen des Landes:
sind solide. Die Briten gehen nicht‘
so schnell auf die Straße.
Nach 15 Monaten Friedmanscher
Politik in Großbritannien betrug die
Inflation 21 Prozent, war der Aus
stoß der Industrie um acht Proze
niedriger als zu Beginn dieser Ph
se, häuften sich die Pleiten von klei
nen Firmen. Und die Arbeitslosig-
keit, knapp unter zwei Millionen,
war die höchste seit der Weltwi
schaftskrise.
Niemand behauptet, daß die brit
sche Demokratie untergraben wir:
daß die Briten mit mehr als der ste
fen Oberlippe reagieren. Die briti
sche Sozialversicherung und andere!
soziale Einrichtungen erleichtern 4
bare Last sein würde.
Das britische Phlegma ist ein gu
tes Gegengift gegen Zorn, und auch
eine ausreichende Arbeitslosenversi
cherung dämpft den Ärger.
Und überhaupt ist ja na
Friedmans Lehre für ein Wii
schaftssystem nichts°so gut wie Lei“4
den. Schwache Manager werden
entlassen; sehwache Firmen gehen
pleite, Arbeitslosigkeit lehrt dieif
Leute den Wert der Arbeit. Te,
schlimmer die Dinge stehen und je
länger das anhält, desto besser.
Professor Friedman sollte den Bri-
ten noch weitere sechs Monate odı
ein Jahr Zeit lassen. Das ist eine
lange Leidenszeit, auch wenn ja nicht
er selbst leidet, sondern andere lei
den müssen.
Israel und Chile, zwei Länder, di
sich früher an Friedmans Politik$
versucht hatten, sind von ihremi
Lehrer nicht als Testfail anerkannt}
worden — Chile aus sehr zivilisier-4
ten Gründen. Es wird nicht über:2
zeugend sein, wenn er sich auch von
Großbritannien distanziert.
POLFTISCHES LEXIK(
VON CO.D.E. Nr. 14-5
ON
Editorial
«Wir werden eine Weltregierung haben, ob Sie es wollen öder nicht, nit Gemalt oder zeit
Zustinimung,
.r
James Paul Warburg, der einem da-
mal’(19.2.1950) noch konservativen
Senatssusschuss
sprach. Als Bohn eines der Finanzge-
waltigen - darunsee Jacob Schiff. John.
D,Rockefeller, J.P. Morgan, Otto‘
Kahn und Paul Warburg -, die sich.
1910 eine eigene Zentralbank zuleg-
tco, die sio In gutem Newspeak kurz
sioteles verstanden, der vor 2000 Jah-
ren gesagt hatte;
schaft durch den Wert ersetzt werden
köanis, der in der staatlichen Kon-
trolle bestünde, Damit dies jedoch g6-
scheben kam, muss die staatliche
‚Autorität vollkommen und die ihr zu-
wrundeliegende Intelligenz göttlich
”
Genau das hatten auch die Gründer
4a Round Table", des Vorläufer von
Nebeneinan-
derjeben der Russen zu fördern, berel-
schenrechte*» den Genozid* an den.
weisse,
halter vor, Ihre «UNO*®», die kein
Wort mehr über die dem Phoaphai-
mopol Sahkrauis ver-
Theo
«Zeit», über die Möglichkeiten, die
Welt mit Kapital «neu zu schaffen»,
zu phantasieren. Nach einem Rück«
blick sof den Marshall-Plan und
Asbesons Buch «Zugegun bei der Er-
schaffung der Weit» lärst er «nach-
enkliche Wirtschaftspolitiker» nach
‚Entwicklungsfonds von
109 Millierden DM rufen. Hat er in-
mer noch nicht verstanden, dass die in
New York
ung - mit Mittelostkrieg als Ausld-
ser, in der nächsten Ausgabe unter
«Öl®» - einer gigantischen Stoueren-
höbung oder Entwicklungshilfe
Seichkommt? Allerdiags nicht zu-
‚gansıen der immer im Munde geführ-
ten «Dritten Welt», sondern zur Sl-
charung des Primats des Dollart und
der in Händen der Verschwörer be
findlichen New Yorker Grossbenken,
der Ristungsinchatrie, der internatio-
nalen und sowjetischen ErdBlindustrie
schwärmt indessen:
«Wen heute not tut, in einer neuen
Weltzeit mit naoen Problemen, ist ein
ähnlich achöpferischer Wille (gemeint
ist der Marıhall-Plan), sind ebenso in-
spirierende
lige Erschaffung der Weit» (Die Zeit,
10.6.1977), -
Win lange noch können Familie, VOL-
ker und Staaten dieser Verfülschung
der Wirklichkeit — siche heute unter
«Ideologis*» —, diesem Terroriımus®
der-
eine
it, Iodam er
zu de
‚Redigieri von C.0,D.B. (Confoderaken
EIN Vaduz |
erinnern, was. sein Mentor Dr.Otio
von
”
ein Zeitereigulne
bang stellen wollten, in dem sie ver-
köcnen,
..tanden werden.
Au an Destoformation* hat sich so
Tateit-
> (New. York, 1.6.1977)
Organisch
Denkender Euro;
achn, wir. nur die wichtig.
dick. a yirvur tig»
demnächst das Stichwort
ÖM*. «Finanz uod Geki» sieht. im üb-
rigen weitare Kurchancen in Royal
Für den Andaktiohsansschumg van
CODE. er
&
PD, Vilemerest
® Belchwort Nage vor oder ist vorgemahnn,
DROHT EINE NEUE WELTWIRTSCHAFTSKRISE?
In der Zeitschrift Trans-Atlantik erschien im November 1980 folgende,
hier auszugsweise abgedruckte Untersuchung von Bruno Bandulet:
»EINE SCHWARZE FLÜSSIGKEIT,
EIN GELBES METALL, EIN GRÜNES PAPIER
Öl, Dollar, Gold - auf dieses Dreiecksverhältnis werden die Historiker
später einmal stoßen, wenn sie die Geschichte der heraufziehenden gro-
ßen Krise des westlichen Kapitalismus schreiben. . .
Mit dem Öl hat es angefangen; genauer gesagt, mit einer Konferenz von
fünf Nationen am 9. September 1960 in Bagdad, die den Zeitgenossen so
völlig belanglos erschien, daß selbst dieNew York Times erst 15 Tage spä-
ter eine einspaltige Meldung darüber veröffentlichte. 15 Tage später! Und
dabei war an jenem 9. September in Bagdad ein Kartell gegründet worden,
das später die Welt das Fürchten lehren sollte: die » Organisation erdölex-
portierender Länder«, kurz OPEC genannt. Erklärtes Ziel der OPEC war
es, dem ständigen Rückgang der Ölpreise entgegenzuwirken, aber lange
Zeit gelang ihr nicht einmal dies. Bis Ende 1969 rutschte der Preis für ein
Faß Öl vom Persischen Golf auf 1,20 Dollar ab.
Ohne die Einwilligung, ja sogar Ermunterung der USA hätten die Sau-
dis den Ölpreis zwischen 1970 und 1973 nicht von 1,80 auf 3,01 Dollar
und erst recht nicht im Winter 1973/1974 auf 11,65 Dollar erhöhen kön-
nen.
Die amerikanisch-arabische Komplizenschaft erscheint im nachhinein
unglaublich, aber es gibt inzwischen genügend Beweise dafür. Der wich-
tigste Drahtzieher bei dieser Konspiration war ein gewisser Mr. James E.
Akins, der in Washington dem »Fuels and Energy Office« vorstand, bis er
im Juli 1973 als amerikanischer Botschafter nach Saudi-Arabien ging. In
den kritischen Jahren saß er also in Schlüsselpositionen. Übrigens wird er
uns im Verlauf unserer Geschichte im Jahre 1980 noch einmal begegnen.
Jener Akins war es, der Ende Mai 1972 auf der 8. Erdölkonferenz der
Arabischen Liga in Algier erschien und den staunenden Herren im Burnus
eröffnete, sie könnten damit rechnen, »daß die Ölpreise scharf nach oben
gehen werden«. Akins war es auch, der schon im Februar 1971 dem ver-
blüfften Schah in einem vertraulichen Gespräch geschildert hatte, welch
verheerende Auswirkungen ein Ölembargo auf Japan und Westeuropa
hätte.
Noch vier Jahre später schlug der trickreiche Henry Kissinger in die-
selbe Kerbe. Im Februar 1975 gestand er dem Schah von Persien im Zür-
190
cher Grandhotel Dolder: » Die Vereinigten Staaten verstehen den Wunsch
des Iran nach höheren Ölpreisen.«
Daß dies keine bloße Schmeichelei, sondern wohlüberlegte Politik war,
geht unter anderem aus einem Brief hervor, den der saudische Ölminister
Yamanı am 3. September 1975 an den amerikanischen Finanzminister
William E. Simon schrieb. Yamani: »/ch möchte Ihnen sagen, daß es bei
uns Leute gibt, die der Meinung sind, daß die US-Regierung im Grunde
nichts gegen eine Erhöhung der Ölpreise einzuwenden hat. Manche Leute
glauben sogar, daß Sie aus offensichtlich politischen Gründen Preiserhö-
hungen wünschen und, daß die gegenteiligen Standpunkte, die Sie offiziell
vertreten, nur dazu da sind, diese Tatsache zu verschleiern.«
In einer Analyse, die in Paris erschien, hat der Ölberater der libyschen
Regierung, Taki Rifai, zu Recht darauf hingewiesen, daß die Ölpreise im
Mittleren Osten stets eine Funktion der strategischen Interessen Amerikas
gewesen seien und, daß das grüne Licht für die Preiserhöhungen selbstver-
ständlich aus dem Weißen Haus kommen mußte. »So ist eine Interessen-
gemeinschaft zwischen den USA, den Erzeugerländern und den Ölgesell-
schaften zugunsten höherer Preise entstanden -und Europa und Japan wa-
ren wegen ihrer fast totalen Energieabhängigkeit wehrlos dagegen.«
Um die Logik hinter diesem Komplott ganz zu verstehen, muß man be-
denken, daß wirkliche Großmächte notwendigerweise nach Autarkie
streben. Sie versuchen, bei lebenswichtigen Rohstoffen und Einfuhren so
weit wie möglich unabhängig zu werden. Für Amerika ist dieses Ziel jetzt
in greifbare Nähe gerückt: Die USA sind zusammen mit ihren Nachbarn
Kanada und Mexiko potentiell autark, die Reserven an Öl, Ölschiefer und
Ölsänden reichen für ein ganzes Jahrhundert. Nur aus langfristigen stra-
tegischen Überlegungen heraus wurden diese gigantischen Reserven bis-
lang kaum angegriffen; denn solange es geht, verbrauchen die Amerikaner
selbstverständlich lieber fremde als eigene Vorräte.
Aber das Öl stellt die westliche Welt nicht nur vor ein Versorgungspro-
blem. Der explodierende Ölpreis hat nämlich schwerwiegende Folgen für
das gesamt ökonomische System der westlichen Welt. Er wird wahr-
scheinlich schon in den nächsten Jahren zu einer Hyperinflation, zu Fi-
nanzpaniken und zu ungeahnten Währungskrisen führen.
Es gibt eine weitere Möglichkeit, den Konsequenzen der Ölpreis-
schocks von 1973/74 und 1979/80 zu entkommen; aber dieser Ausweg
stand nur den USA offen. Öl wird bekanntlich in Dollars berechnet und
bezahlt, und der Dollar ist die Weltreservewährung. Wer Dollars braucht,
um Öl zu kaufen, muß sie verdienen, indem er arbeitet und exportiert.
Das gilt für Japaner, Afrikaner und Europäer gleichermaßen. Drucken
191
darf die grünen Scheine nur einer: der, der diese wunderbare Währung
ausgibt.
Die Bindung des Öls an den Dollar läuft also darauf hinaus, daß die
Höhe der Ölpreise den Amerikanern ziemlich gleichgültig sein kann; sie
werden nämlich immer dafür bezahlen können, indem sie ganz einfach
Geld drucken. Ihr Handelsbilanzdefizit mag noch so groß sein, sie kön-
nen dennoch nie zahlungsunfähig werden; denn die Maschine, die die
Scheine ausspuckt, steht bei ihnen im Keller. Außerdem sind die Ameri-
kaner von Anfang an davon ausgegangen, daß ein Großteil der Dollars,
die in den Mittleren Osten flossen, umgehend wieder zurückströmen
würde.
Eine entsprechende geheime Vereinbarung wurde im Dezember 1974 in
Dschidda zwischen dem US-Finanzministerium und der Saudi Arabian
Monetary Agency (SAMA) getroffen, die in dem Wüstenstaat eine noten-
bankähnliche Rolle spielt; notenbankähnlich deshalb, weil es in Sau-
di-Arabien keine Trennung zwischen privaten und staatlichen Geldern
ibt. ...
ö Vereinbart wurde im Dezember 1974, daß die Saudis innerhalb von
sechs Monaten US-Staatsobligationen mit einer Laufzeit von einem Jahr
oder mehr im Gesamtbetrag von etwa 2,5 Milliarden Dollar kaufen soll-
ten, und zwar über die New Yorker Federal-Reserve-Bank.
Mit anderen Worten: Die Ölgelder, die die Saudis gerade erst einge-
nommen hatten, wurden dem Kunden sogleich wieder retourniert. Die
Saudis spielten von Anfang an das amerikanische Spiel, und amerikanische
Zeitungen, die das Königreich manchmal spöttisch als 51. US-Bundes-
staat apostrophieren, übertreiben nicht einmal sonderlich.
Da die saudische Königsfamilie in der arabischen Welt jedoch nicht als
Agent des US-Imperialismus dastehen wollte, wurde zusätzlich beschlos-
sen, daß Riad US-Staatspapiere auch unter Umgehung des offenen Mark-
tes kaufen und vor allem, daß Washington die Statistiken so manipulieren
sollte, daß die Gesamtsumme solcher Anlagen nicht publik würde.
Im Februar 1975 schrieb der stellvertretende amerikanische Finanzmi-
nister Jack Bennett an Außenminister Kissinger: »Die conditio sine qua
non der Saudis bei diesem Arrangement ist Vertraulichkeit, und wir haben
ihnen zugesichert, daß wir alles in unserer Macht Stehende tun würden,
um ihren Wünschen zu entsprechen. «
Weder der amerikanische Kongreß noch die verbündeten Regierungen
wurden von diesen geheimen Abmachungen zwischen der mächtigsten
demokratischen Nation und einem Familienkonzern unterrichtet, der von
60 Prinzen gesteuert wird und der nun mithelfen durfte, das amerikani-
sche Haushalts- und Leistungsbilanzdefizit zu finanzieren. In der Fach-
192
sprache nennt man das »Recycling«: Das Geld kehrt dorthin zurück, wo
es herkam.
Der Leser wird an dieser Stelle schadenfroh konstatieren, daß es von
Anfang an die Absicht der Amerikaner war, ihre arabischen Freunde
übers Ohr zu hauen. Das stimmt zwar; aber der Vorgang ist komplizier-
ter, als es scheint, und diabolischer obendrein.
Denn je mehr die Dollaranlagen der Ölproduzenten wuchsen, desto
mehr Macht gewannen sie über das westliche Finanzsystem. Sie brauchten
diese Dollars nur über Nacht von ihren Konten in New York und an-
derswo abzuziehen, und der Wert der westlichen Leitwährung würde ins
Bodenlose stürzen. Einen Vorgeschmack darauf lieferten die Ereignisse
im Herbst 1978, als die Araber einen Teil ihrer Anlagen in amerikanischen
Staatspapieren nicht erneuerten. Aufs ganze Jahr 1978 gerechnet, redu-
zierten sie ihre internationalen Reserven um 11,7 Milliarden Dollar.
Im Gegensatz zur Vorstellung vieler Europäer besitzt die amerikani-
sche Regierung keineswegs die Gabe der Naivität. Sie hatte sich nämlich
auch für solche Eventualitäten rechtzeitig gerüstet, und zwar mit dem /n-
ternational Emergency Economic Powers Act, einem Gesetz, das, von der
Weltöffentlichkeit nahezu unbemerkt, schon am 28. Dezember 1977 vom
US-Kongreß beschlossen wurde.
Das Gesetz gibt dem amerikanischen Präsidenten die Möglichkeit, aus-
ländische Dollar-Guthaben im Ernstfall ohne vorherige Zustimmung des
Kongresses zu sperren. Das heißt, daß sich die Araber und auch andere
Ausländer seitdem nicht mehr darauf verlassen könne, daß diese Dollars
ihnen wirklich gehören.
Das Gesetz vom Dezember 1977 war im Grunde nur die logische Ant-
wort auf die Vervierfachung der Ölpreise 1973/1974; eine Konsequenz,
die sich aus der festen Absicht der Amerikaner ergab, Herr über ihre ei-
gene Währung zu bleiben.
Selbst im Juni 1979 klang dies noch ziemlich theoretisch, aber schon
sechs Monate später begriffen die Araber, daß Amerika es ernst meinte:
Carter blockierte am 14. November 1979 iranische Konten in Höhe von
acht Milliarden Dollar — und setzte damit die größte Goldhausse des 20.
Jahrhunderts in Gang.
Die Amerikaner glauben von jeher, daß nahezu alles manipulierbar,
machbar und kontrollierbar sei, - und wenn sie Recht hätten, wäre unsere
Geschichte an dieser Stelle zu Ende. Sie beginnt aber hier erst richtig, weil
inzwischen auch den Experten die Erkenntnis dämmmert, daß die auf Pe-
193
trodollars aufgebaute internationale Kreditpyramide letzten Endes doch
einstürzen könnte - und weil den USA jetzt auch die politische Kontrolle
über den Mittleren Osten zu entgleiten beginnt.
Aufgetürmt wurde die internationale Kreditpyramide auf dem Euro-
dollar-Markt. . .
Eurodollars sind... . Dollars, die sich außerhalb der USA befinden -
und es gibt inzwischen mehr davon als Dollars, die in den USA selbst zir-
kulieren. Der Euromarkt beschränkt sich inzwischen weder auf Europa
noch auf Dollars: auch Deutsche Mark, englische Pfund, Schweizer Fran-
ken und japanische Yen zählen dazu, soweit sie sich nicht im inneren
Geldumlauf der betreffenden Länder befinden. Eurowährungen sind
heimatlos und unterliegen keiner Mindestreservepflicht. Eine deutsche
Bank mit Sitz in Frankfurt zum Beispielmuß von jeder Kundeneinlage zur
Sicherheit einen gewissen Prozentsatz zinslos stillegen, bevor sie das Geld
- mit Gewinn — weiterverleiht. Das bedeutet, daß dem Prozeß der Geld-
schöpfung Grenzen gesetzt sind. Anders auf dem Euromarkt: Geld, das
dorthin fließt, kann zu 100 Prozent weiterverliehen werden — nicht nur
einmal, sondern theoretisch immer wieder. So türmt sich dann Kredit auf
Kredit.
Wie groß das Kreditvolumen auf dem Euromarkt wirklich ist, weiß
niemand ganz genau. Am zuverlässigsten sind immer noch die Erhebun-
gen der Baseler Bank für Internationalen Zahlungsausgleich. Sie schätzte
das Volumen des Marktes für Ende 1979 auf 1110,9 Milliarden Dollar.
Fachleute wissen, daß diese Summe von 1110 Milliarden Dollar sich
nicht völlig mit dem Volumen des Eurodollar-Marktes deckt... .
Immerhin ist diese Zahl zuverlässig genug, um eine korrekte Vorstel-
lung von der Größenordnung der weltweiten Verschuldung zu vermit-
teln.
Verschuldet sind der Ostblock und die Dritte Welt bei den Industrie-
ländern des Westens, und diese wiederum haben Schulden bei der OPEC.
Verschuldet sind aber auch die westlichen Industrieländer untereinander,
und verschuldet sind sogar diejenigen OPEC-Länder, die mehr ausgeben,
als sie einnehmen.
Da viele Ölländer ihre Einnahmen beim besten Willen nicht vollständig
für Importe ausgeben können, bauen sie unweigerlich Überschüsse auf,
die sie irgendwo zinsbringend anlegen müssen - zum großen Teil eben an
den Euromärkten. ...
Solche Überschüsse bedingen aber stets ein Loch in den Leistungsbilan-
zen anderer Länder. Am größten ist es bei den Entwicklungsländern, de-
ren Gesamtverschuldung 1980 450 Milliarden Dollar erreichen dürfte.
194
Allein die Bedienung dieser Schulden kostet etwa 88 Milliarden Dollar.
Überraschenderweise sind aber 1979 auch Hartwährungsländer wie Japan
und die Bundesrepublik Deutschland in die roten Zahlen geraten. .
Dennoch sind die Probleme, denen sich die Deutsche Bundesbank in
den kommenden Jahren gegenüber sieht, unerheblich im Vergleich zu der
tödlichen Gefahr, die aus der Dritten Welt heraufzieht und schon bald das
gesamte westliche Banksystem an den Rand des Kollaps stoßen wird.
Weil sie jahrelang über ihre Verhältnisse gelebt haben, und natürlich
auch wegen der grotesken Ölverteuerung, sind Länder wie Brasilien, Ja-
maika, Zaire oder die Türkei, aber auch Ostblockstaaten wie Polen heute
praktisch pleite. Sie werden ihre Schulden zie zurückzahlen können, und
die Bankrotterklärung wird nur dadurch hinausgeschoben, daß westliche
Banken neue Kredite geben, damit wenigstens die Zinsen für die alten be-
zahlt werden können.
Die Stunde der Wahrheit läßt sich jedoch nicht endlos vertagen, und die
Kreditpyramide wird einstürzen, sobald sie nicht weiter wachsen kann -
mit verheerenden Folgen nicht nur für die Schuldner, sondern auch für die
Gläubiger, also für die westlichen Banken.
Beide Behauptungen müssen anhand von Beispielen näher begründet
werden.
Brasilien, der größte Schuldner der Welt, muß 7980 zwölf Milliarden
Dollar an Zinsen zahlen. Das macht zusammen mit den Rückzahlungsra-
ten 21 Milliarden. Die gesamten Erlöse aus dem brasilianischen Export für
1980 werden aber nur auf 20 Milliarden Dollar veranschlagt. Das ist ein
Zustand, der auf die Dauer untragbar ist. Die Brasilianer werden ihre Ge-
samtschulden von 155 Milliarden Dollar beim besten Willen nicht zurück-
zahlen können,
Andere Länder nähern sich noch schneller dem Ende des Weges. Die
Türkei wurde 1980 nur durch eine internationale Rettungsaktion vor der
Zahlungsunfähigkeit bewahrt. Ein ähnlicher Schritt war im Fall von Zaire
schon früher notwendig; und Polen erhielt erst im August 1980 von einem
Konsortium deutscher Banken die grundsätzliche Zusage über einen Kre-
dit von 1,2 Milliarden Mark. Auch hier darf niemand auf Rückzahlung
hoffen: Polen gibt inzwischen 70 Prozent aller Deviseneinnahmen, die es
durch Exporte erzielt, für den Schuldendienst aus.
Diese Zahlen lassen auf den ersten Blick erkennen, daß Polen, Brasilien
und andere Länder in dem Augenblick die Zahlungen einstellen müssen,
da die westlichen Banken ihnen neue Kredite verweigern. ...
Wenn Mobutu die Zahlungen einstellt, wachsen die Bananen in Zaire
weiter. Eine empfindliche Volkswirtschaft, die durch finanzpolitische
Steuerungskrisen aus dem Gleichgewicht gebracht werden könnte, exi-
stiert im Kongo nicht. Warum also soll Mobutu nicht eines Tages auf die
195
Idee kommen, seine Schulden, am besten gemeinsam mit einigen Gleich-
gesinnten, mit einem Federstrich zu beseitigen? Daß die Bank X oder Y in
New York dann am Ende ist, daß auch andere Banken wie Dominos fallen
würden, daß der ganze Westen in den Strudel einer ungeheuren Finanzpa-
nik geraten könnte, braucht ihn nicht sonderlich zu stören.
Auch der Internationale Währungsfonds in Washington dient im Prin-
zip dieser Hegemonie, als eine Art von Weltwährungsbehörde, in der die
Amerikaner von jeher den Ton angeben. Der IWF kreiert Geld aus dem
Nichts, er schreibt zum Beispiel den bedürftigen Entwicklungsländern so-
genannte Sonderziehungsrechte gut, wofür diese den Gegenwert in Dollar
in New York abrufen können. Solche Sonderziehungsrechte werden ko-
stenlos zugeteilt, nur müssen es sich die Empfänger gefallen lassen, daß der
IWF ihnen dann bestimmte Auflagen macht undin ihre Volkswirtschaften
hineinregiert.
Der IWF läßt Dollarscheine regnen wie Manna vom Himmel. Dennoch
sind ihm die Russen bislang nicht beigetreten. .
Im großen Währungsspiel stehen die Sowjets noch immer draußen vor
der Tür, und ihr vielleicht einziger Trumpf ist das Gold... .
Weil sie Gold haben, schaffen es die Russen, an jeder internationalen
Krise, die sie auslösen, zugleich zu verdienen. Ihr Einmarsch in Afghani-
stan im Dezember 1979 war, wie jede Militäraktion, mit beträchtlichen
Kosten verbunden - aber er trieb den Goldpreis noch im Januar 1980 auf
850 Dollar und ermöglichte es Moskau, 1980 weniger Gold zu höheren
Preisen als je zuvor zu verkaufen und damit das afghanische Abenteuer
von goldhungrigen westlichen Privatanlegern indirekt mitfinanzieren zu
lassen... . Es ist auch eine andere Variation denkbar, die noch gefährli-
cher wäre. Ein Brüsseler Nato-Analytiker sagte dazu: »Unser schlimm-
ster Alptraum ist es, daß die Schulden den Sowjets einen Hebel in die
Hand geben könnten, um die finanzielle Struktur des Westens und damit
seine wirtschaftliche und militärische Machtabsichtlich zu erschüttern. Zu
einem möglichen Szenario in einer Zeit wachsender Spannungen gehört
ein koordinierter Stop der Rückzahlungen mit einem sich multiplizieren-
den Effekt von Zusammenbrüchen. «
Die amerikanische Hegemonie beruht auf bestimmten finanziellen und
monetären Voraussetzungen, und ohne die weltumspannende Geschäf-
tigkeit der New Yorker Banken wäre sie nicht denkbar.
Bevor wir das Szenario des kommenden Crash entwickeln, müssen wir
uns noch einmal dem Öl und dem Mittleren Osten zuwenden. Wie wir be-
reits sahen, wünschten die Amerikaner, daß das Öl teurer würde - aller-
dings nicht zu teuer. Und zweitens gingen sie davon aus, daß die Araber
stets genug davon liefern würden, denn rund um den Golf gab es keine
ernst zu nehmende Macht außer den Amerikanern.
196
Erst 1979 sind die Ölpreise, zugleich mit der politischen Machtbalance
am Persischen Golf, in Bewegung geraten, und zwar nicht ohne Mitver-
schulden der USA.
Nur Saudi-Arabien hat den finanziellen und mengenmäßigen Spiel-
raum, um darüber zu entscheiden, ob auf der Welt genug oder zu wenig
Öl fließt.
Mit 9,5 Millionen Faß am Tag produzieren die Saudis zugegebenerma-
ßen vielmehr, als eigentlich ihren Interessen entspricht. Sie plündern den
Schatz im eigenen Boden und tauschen dafür Papier- beziehungsweise Gi-
ralgeld ein, das ständig an Wert verliert, das auf ausländischen Konten
liegt und ihnen im Ernstfall jederzeit gesperrt werden kann.
Daß sie dies tun, liegt an ihrem Bündnis mit den USA - einem Bündnis
der 3000 männliche Angehörige zählenden Königsfamilie, deren Ge-
schicke von einem inneren Kern von 60 Prinzen geleitet werden, mit der
mächtigsten Nation des Westens. Zerbricht dieses Bündnis, dann steht der
Westen vor der Existenzkrise. Denn ein radikales Regime in Riad könnte
beschließen, die Ölförderung zu halbieren. Oder es könnte mit den gigan-
tischen Einnahmen - etwa 90 Milliarden Dollar allein 1980 - unvorstell-
bare Störmanover anzetteln.
In dieser Situation wirkt es entnervend, daß im Westen über die politi-
schen Interna Saudi-Arabiens ebenso wenig bekannt ist wie über die Ge-
heimnisse seiner Harems - also fast nichts, weniger jedenfalls als über die
Vorgänge im Kreml. Immerhin ergeben vertrauliche Informationen, die
uns in Bruchstücken in den letzten Monaten erreichten, das Bild eines la-
bilen Regimes, das nur noch auf Abruflebt. Die nicht schlecht informierte
französische Regierung glaubt tatsächlich, daß das Ende der Dynastie
nicht mehr eine Frage des Ob, sondern nur noch des Wann ist. Selbst bei
der CIA gelangte man zu ähnlichen Erkenntnissen.
Tatsächlich stellt die saudische Politik eine stets neu zu formulierende
Antwort auf eine ständige Frage dar, vor wem man mehr Angst haben soll:
vor den Russen, die im Jemen und in Syrien sitzen; vor dem Irak, der nach
dem Sturz des Schah zur stärksten Militärmacht am Golf wurde; vor
Khomeni und seinen Schüten, die die Hälfte der Arbeiter auf den Ölfel-
dern stellen; vor der eigenen Armee, in der es seit 1977 immer wieder zu
Putschversuchen kommt; oder vor den Palästinensern, dem politisch un-
ruhigsten Element unter den Ausländern am Golf.
Am Golftickt also eine Zeitbombe mit gefährlicher sozialer Sprengkraft
"Wie diese Politik [der OPEC] aussehen wird, läßt sich erstmals einem
197
OPEC-Dokument entnehmen, das seit ein paar Monaten in informierten
Zirkeln des Westens bekannt ist. Es handelt sich um die geheime Studie
des Minister-Komitees der OPEC für langfristige Strategien vom 7. Mai
1980. Vorsitzender des Komitees ist kein geringerer als Yamani, der mit sei-
nen wenig gemäßigten Empfehlungen offensichtlich den Beweis erbringen
wollte, daß er doch kein Lakei der Amerikaner ist.
Die Langzeitstrategie der OPEC, so wie sie aus dem Papier deutlich
wird, läßt weniger Öl fördern, es dafür aber teurer verkaufen.
Laut Studie soll für Öl ein »Preisboden«, also ein Mindestpreis, instal-
liert werden, der kontinuierlich nach oben rückt, und zwar nach drei
Maßstäben: Anpassung an die internationale Inflation, Anpassung an
Wechselkursänderungen (zum Beispiel an sinkende Dollarkurse) und Er-
höhung in demselben Tempo, in dem die Volkswirtschaften der Industrie-
länder real wachsen.
Wie sicher sich die Herren sind, geht aus folgenden Bemerkungen her-
vor: »die Tatsache, daß die OPEC-Mitglieder selbst in der Lage sind, zu
entscheiden, wieviel Ölsie produzieren, wann sie es verkaufen und zu wel-
chem Preis, hat die Beziehungen zwischen Ölproduzenten und Ölverbrau-
chern drastisch geändert. « Weiter: »In der gegenwärtigen Phase des Spiels
hält die OPEC die Macht in Händen. Die industrialisierte Welt mag da-
von träumen, die OPEC zu zerbrechen, aber dies steht nicht in ihrer
Macht. «
Jetzt, an der Schwelle zum neuen Jahrzehnt, haben sich die Verhältnisse
grundlegend geändert. Die Ölkonzerne, die lange Zeit das wirkliche Ge-
gengewicht zur OPEC darstellten, sind entmachtet. Die »sieben Schwe-
stern«-Exxon, Mobil, Texaco, Gulf, Standard Oil of California, BP und
Royal Dutch/Shell — kontrollieren nicht mehr 61 Prozent der Weltpro-
duktion wie 1970, sondern nur noch 25 Prozent. Und was noch wichtiger
ist: Die Experten sind sich darüber einig, daß bis 1985 und erst recht da-
nach eine empfindliche Lücke zwischen Angebot und Nachfrage klaffen
wird...
Wenn Öl aber wirklich knapp wird, was es bisher nie war, bleiben nur
zwei Möglichkeiten: Die Menge wird über den Preis rationiert, dann ko-
stet das Faß bald 100 Dollar - oder die Amerikaner und Europäer holen
sich, was sie brauchen, mit Gewalt.
Vor der Besetzung der Ölfelder haben die Araber tatsächlich Angst,
und da ihre kriegerische Begabung im wesentlichen beim Bombenlegen
endet, haben sie auch schon mehrmals angekündigt, sie würden die För-
dertürme, Pipelines und Pumpstationen in die Luft jagen, sobald sich der
Feind ihren Küsten nähert.
Kein Geringerer als James E. Akins zerbrach sich den Kopf über dieses
198
Problem der Araber, als er im Oktober 1979 vor einem OPEC-Seminar in
Wien referierte. Er steckte, wie wir uns erinnern, in dem Ölkomplott der
früheren siebziger Jahre und diente der amerikanischen Regierung nach
1973 als Botschafter in Riad. Heute bezeichnet er sich als internationalen
Ölberater. Wen er berät, das läßt sich aus seinen internen Ausführungen
in Wien unschwer erkennen.
Akins empfahl seinen arabischen Zuhörern, im Falle eines Überangebo-
tes an Öl die Produktion zu drosseln, also keinen realen Rückgang der
Preise mehr zuzulassen. Lediglich »plötzliche, scharfe Preiserhöhungen«
gelte es zu vermeiden, weil sie, so Akins, politische, wirtschaftliche oder
militärische Vergeltungsmaßnahmen des Westens provozieren könnten .
Die Überlegung, daß es zum Krieg ums Öl kommen könnte, zog sich
wie ein roter Faden durch den Vortrag...
Allerdings: »Jeder, der eine Lösung unseres Energieproblems durch eine
Invasion Saudi-Arabiens vorschlägt, ist ein Verbrecher, ein Verrückter
oder ein Agent der Sowjetunion.« ...
Überlegungen und Denkspiele, die auch in den Köpfen westlicher Poli-
tiker angestellt werden. »Die achtziger Jahre werden das gefährlichste
Jahrzehnt des Jahrhunderts«, meinte der ehemalige britische Schatzkanz-
ler Lord Chalfont. »/m Wettrennen um Öl und Gas werden sogar Kriege
möglich sein«, orakelte der deutsche Kanzler Schmidt. Und der wohl an-
gesehenste westliche Ölexperte, Walter J. Levy, kam in einer großen Stu-
die in der Zeitschrift Foreign Affairs zu dem Schluß: » Wir werden wahr-
scheinlich mit einer Serie von größeren Ölkrisen konfrontiert werden, die
verschiedene Formen annehmen können: Kampf der Einfuhrländer oder
der Supermächte um die Kontrolle des Öls; wirtschaftliche Krisen in den
Importländern; regionale Konflikte in den Regionen, wo Öl gefördert
wird; Revolutionen oder andere Umwälzungen im Mittleren Osten. «
Die wirtschaftliche Krise, von der Levy sprach, bestünde in einem Fi-
nanzkrach auf dem Boden galoppierender Inflation und nicht mehr trag-
barer internationaler Verschuldung.
Die internationale Verschuldung gleicht einer auf dem Kopf stehenden
Pyramide. An der Spitze, auf der sie ruht, befinden sich die relativ gerin-
gen Zahlungsversprechen solider Schuldner wie der Bundesrepublik, und
je weiter man nach oben blickt, desto breiter und illiquider werden die
Kreditschichten.
Sobald sich ein größerer Stein aus der Pyramide löst, beginnt sie, vor-
ausgesetzt, das Loch wird nicht sofort gestopft, zu bröckeln, bis die
kunstvolle Struktur schließlich vollends zusammenstürzt. In diesem Au-
genblick wird man feststellen, daß die im nationalen und internationalen
Bereich zirkulierenden Geldmengen auf einer Fiktion beruhen; daß Buch-
199
geld noch dubioser ist als Papiergeld; daß Banknoten kein echtes Geld dar-
stellen, sondern nichts weiter sind als Schuldscheine: »Diese Note ist ge-
setzliches Zahlungsmittel für alle privaten und öffentlichen Schulden«, so
heißt es völlig korrekt auf den grünen Dollarscheinen.
Im Prinzip wird der Crash der achtziger Jahre zunächst nicht vielanders
ablaufen als der von 1929/33. Auch in der Zeit nach 1918 war fast jeder bei
fast jedem verschuldet, wenn auch mit vergleichsweise geringen Summen:
die kleineren Staaten bei Frankreich und Großbritannien, diese bei den
Amerikanern, und schließlich hatte sich auch das Deutsche Reich, von
dem 67 Milliarden Goldmark Reparationen verlangt wurden, bei den
USA verschuldet. Als dann die Wirtschaft der USA, wo im Spekulations-
rausch der zwanziger Jahre gute zwei Drittel der Aktien auf Kredit ge-
kauft worden waren, in die Krise stolperte, wurden die Darlehen aus
Deutschland gekündigt, und die Kreditpyramide brach zusammen. In
Deutschland und Österreich mußten Banken und Börsen schließen. In
den USA gingen bis 1933 nicht weniger als 9765 Banken pleite - und mit
den Banken lösten sich auch die Einlagen der Kunden in Nichts auf. Die
umlaufende Geldmenge schrumpfte drastisch.
Diesmal ist die internationale Kreditpyramide ungleich gewaltiger, aber
keineswegs stabiler. Die Todsünde besteht, kurz gesagt darin, daß die
Banken kurzfristige Gelder entgegennehmen, um sie langfristig auszulei-
hen. Dennoch kann man die Banken kaum dafür tadeln, daß sie im Casino
des Euromarktes mit immer höheren Einsätzen spielen. Denn wo hätte die
Alternative gelegen, um die unter der Last teuren Öls stöhnende Welt li-
quide zu halten?
Ein Alarmzeichen ist es, daß die Ölausfuhrländer kaum noch langfri-
stige Anlagen tätigen, sondern neuerdings — mißtrauisch, wie sie sind -
lieber kurzfristig auf den Geldmarkt gehen...
Wenn nun eines Tages ein großer Schuldner oder gleich mehrere erklä-
ren, sie könnten weder ihre Zinsen überweisen noch die Schulden zurück-
zahlen, und wenn gleichzeitig ein Teil der Guthaben, mit denen die Ban-
ken arbeiten, gekündigt wird, dann ist das Spiel aus. Dann kommt es un-
weigerlich zu einem Run auf die Banken. Plötzlich erscheinen viele Einle-
ger am Schalter und wollen ihr Geld abheben. Wenn zu viele Kunden
gleichzeitig auf dieselbe Idee kommen, wird man feststellen, daß dieses
Geld gar nicht vorhanden ist. Also müssen die Banken erst einmal ihre
Pforten schließen.
Dabei tritt der Crash nicht unbedingt mit einem Paukenschlag an einem
bestimmten Tag ein - so, daß jeder wüßte: Jetzt ist es soweit. Man wird
sich später vielleicht sogar darüber streiten, wann genau der Zusammen-
bruch eingetreten ist. Die Katastrophe kann durchaus mit einzelnen
200
Bankpleiten beginnen, die für sich genommen nicht allzu drastisch er-
scheinen... ..
Der Bankrott einzelner Geldinstitute scheint zunächst nichts anderes
anzukündigen als den Beginn einer klassischen Deflationskrise. Der eisige
Hauch eines solchen Debakels wehte zuletzt im März 1980 durch die Wall
Street, wenn auch nur für wenige Tage. In der Deflation schrumpft die
Geldmenge, die Preise sinken, auch das Gold wird billiger.
Nach den klassischen Gesetzen des Kapitalismus müßte sich eine solche
Deflation durch das ganze System hindurch fortpflanzen. Sie würde es
von seinen Exzessen purgieren, von der Krankheit der Inflation heilen
und die drückende Schuldenlast in einem schmerzhaften Prozeß beseiti-
gen, einem Prozeß, der sinkenden Lebensstandard und Massenarbeitslo-
sigkeit mit sich bringt. So wie die Inflation einer Droge gleicht, so ist die
Deflation nichts anderes als die nachfolgende Entziehungskur.
Nur halten die Politiker, anders als noch 1929/33, und wohl auch ihre
Wähler, eine solche Entziehungskur nicht mehr für zumutbar. Deswegen
werden die Regierungen und die Zentralbanken den deflationären Prozeß
schon im Ansatz stoppen. Während die Schalter noch geschlossen sind,
wird der amerikanische Präsident vor die Nation treten und ankündigen,
daß die Banken am soundsovielten des Monats wieder aufmachen und daß
jeder, der es wünscht, sein Geld dann abheben kann.
Unterdessen fährt eine gewaltige Flottevon Lastwagen ins Landhinaus, _
um Zehntausende von Geldinstituten zu beliefern - mit frisch gedruckten
Dollarscheinen, Dollarscheinen in riesigen Mengen, genug jedenfalls, um
alle mißtrauischen Amerikaner zu beruhigen. Daß es dahin kommen
wird, ist keine bloße Vermutung. Der amerikanische Kongreß hat un-
längst fast unbemerkt ein Gesetz zur Abwendung von Bankzusammen-
brüchen beschlossen. Es trägt den umständlichen Titel » Depository Insti-
tutions Deregulation and Monetary Control Act«.
Das Gesetz ermöglicht es der Federal Reserve, dem amerikanischen
Notenbanksystem, die Mindestreservesätze auf Null zu senken, Bankno-
ten inunbeschränkter Menge zu drucken und zu lagern, mitanderen Wor-
ten: den Geldumlauf ins Astronomische auszuweiten.
Kein Zweifel, daß die Politiker entschlossen sind, eine Wiederholung
der Depression der dreißiger Jahre auf keinen Fall zuzulassen. Und im
Gegensatz zur damaligen Zeit wissen sie heute, wie man Deflation ver-
meidet. Dafür nehmen sie ein nicht weniger verheerendes Resultat in
Kauf: Crash und beginnende Deflation schlagen um in eine Hyperinfla-
tion, der Goldpreis steigt, nachdem er kräftig gefallen war, auf schwin-
delnde Höhen, und am Ende steht ein Währungsschnitt.
Aber vielleicht läßt sich die große Finanzpanik abwenden? Es gibt
Fachleute, die dieser Ansicht sind. Sie setzen auf das Gold. Gold, so be-
201
haupten sie, sei der letzte Rettungsanker für die Währungen der kapitali-
stischen Welt. Die Politiker müßten nur intelligent genug sein, um auf ihn
zurückzugreifen.
Wer den Verlauf des Goldkrieges der siebziger Jahre studiert, wird be-
merken, wie hinterlistig es in der Finanzgeschichte zugehen kann. Die
Amerikaner haben nämlich, ebenso wie die Europäer, beim Ölkomplott
in irgendeiner Weise verloren - und zugleich gewonnen. Möglich war
dies, weil es nicht nur Öl in der arabischen Wüste, sondern auch das Gold
in den Kellern westlicher Zentralbanken gibt, und weil der Ölpreis seit
langem in wunderbarer Weise an den Goldpreis gekoppelt ist.
1971 bekam man für eine Unze Gold 17 Faß Öl, 1979 die gleiche Men-
ge, Anfang September 1980 sogar ein bißchen mehr, nämlich 19 Faß. Na-
türlich gab es Jahre, in denen sich das Preisverhältnis nach unten oder
oben verschob, aber im großen und ganzen marschierten das schwarze
und das echte Gold im Gleichschritt.
Die Folge: Ende 1979 waren die 831,4 Millionen Unzen Gold im Besitz
der Zentralbanken der industrialisierten Welt genau 435,6 Milliarden Dol-
lar wert. Die Devisenreserven beliefen sich dagegen nur auf 142,7 Milliar-
den Dollar. Die Ölausfuhrländer aber besaßen Ende 1979 offiziell nur
37,2 Millionen Unzen Gold im Wert von 19,5 Milliarden Dollar.
Nach einem knappen Jahrzehnt permanenter Ölverteuerung waren die
Araber zwar reich an Papiergeld geworden, ihre Opfer aberreich an Gola.
Das Gold hatte es den Europäern und Amerikanern ermöglicht, im gro-
ßen Spiel zu gewinnen, während sie scheinbar verloren.
Der Dollar ist schwach, weil die Gläubiger der USA sich mit Recht fra-
gen, womit ihre Forderungen eigentlich gedeckt sind. Kein Problem, sa-
gen neuerdings immer mehr amerikanische Nationalökonomen: Wir keh-
ren zurück zu irgendeiner Form von Goldbindung, und niemand wird
mehr daran zweifeln, daß der Dollar stabiles Geld ist. Jedenfalls steht
diese Option den USA schon jetzt offen, denn die 264,6 Millionen Unzen
in Fort Knox sind bei einem Goldpreis von 600 Dollar 758,76 Milliarden
Dollar wert. Die USA sind nach wie vor mit Abstand der größte Goldbe-
sitzer der Welt.
Gut 20 Entwicklungsländer kaufen daher seit dem Winter 1979/80
heimlich, aber planmäßig Gold. Neben Ländern wie Chile, Peru, Rumä-
nien oder Indonesien treten auch Saudi-Arabien und alle übrigen Golf-
staaten als Käufer auf, denn in Sachen Gold zählen auch die Araber zu den
Habenichtsen.
Dafür, daß die Ölproduzenten Gold kaufen, gibt es eine einfache Erklä-
202
rung: Alles andere haben sie schon, und sie ahnen, daß das Gold bei einer
kommenden Neuordnung des Weltwährungssystems eine zentrale Rolle
spielen wird.
Kommentar:
Dann sind die Gewinner dieselben wie bisher — oder die »Revolution
frißt ihre Kinder«, da der Bogen diesmal überspannt wurde! '
203
28. OKTOBER 1961 Sabburger Nachrichten POLITISCHE RUNDSCHAU / 3
—_ I EN FOLITISCHE RUNDSCHAU / 3
ATOMARE VERSEUCHUNG ALS MACHTPROGRAMM
Gespräch mit einem Kenner der sowjetischen Welt
Aus einer uns äufjerst gut be»
kannten Quelle erhlelten wir fol-
gendes Dokument zur Veröffent-
Nichung, dessen Autor ein aner-
kanntes und als Gelehrter tätiger
Sowjetkenner ist. Obwohl das Da-
kument stellenweise phantastische
Züge anzunehmen scheint, möch-
ten wir es unseren Lesern nicht
vorenthalten, weil es ahne Rück-
sicht auf Einzelheiten den Kern
unserer Laga beleuchtet, der eina
Unterscheidung von Tesis und
Kane wohl nicht mehr zu-
— „Sehr geehrter Herr Doktor!
Gestatten Sie einige Fragen zu jenem
Bereich, dem Ihre Lebensarbeit ge-
widrnet ist. Wie beurteilen Sie auf
Grund Ihrer Informationen die so-
wjetischen Atomtests?*
= „Es handelt sich bei diesen auf
europäischen Boden zur Zündung
gebrachten Kernwaffen nichtmehr
um Tests. Dies wäre eine der tra-
gischsten und folgenschwersten Irr-
meinungen der freien Menschheit.
Wir haben es hier mit der Durch-
führung eines Konzepts zu tun, des-
sen Vorbereitung, wie wir vermuten,
mit einer Konferenz auf transurali-
schem Boden im Jahre 1951, also vor
über einem Jahrzehnt, begann. Da-
mals legten sich Führungsgremien
der UISSR auf eine neue Form des
biologischen Krieges fest, der ohne
Kriegserklärung und ohne Rück»
sichtnahme auf die Völker des so-
wjetischen Machtbereiches bis zur
völligen Lähmung des Widerstands-
willens der freien Welt geführt wer-
den soll, Es wäre der zweite Irrtum
des Westens, in diesem Zusammen-
hang von einer Erpressung zu spre-
chen. Es geht der heute an die Macht
gekommenen Sowjetgruppe primär
ulcht mehr darum, Gelände- oder
Positionsgewinne zu erzielen, Selbst-
verständlich ist sie jederzeit bereit,
diese gleichsam als Abfallprodukte
nervlicker Zusammenbrüche des
Westens zu kassieren, schon deshalb,
weil sich solche Züge am Schachbrett
der offiziellen Weltpolitik hervor-
ragend zur Tarnung der eigentlichen
Zielsetzung eignen. So Ist die sowJje-
tische Strategie weder an Laos, noch
an Berlin unmittelbar interessiert,
Wohl aber eignen sich beide recht
gut, die Zug-um-Zug-Geschäfte der
offiziellen Ebene zu betreiben und
die fünfte Kolonne voll zum Einsatz
zu bringen.
Ich meine damit unter anderem
die publizistische Tätigkeit führen-
der US-Kreise, die jederzeit bereit
sind, die Wirkung von Megatonnen-
Bomben zu übersehen oder zu ver-
fälschen, falls ein Sowjet£unktionär
in Berlin zeitweilig nicht mit der
Maschinenpistole argumentiert. Mr.
Hunter, Beauftragter für innere
Sicherheit der USA, nannte vor dem
Von®’**
Senat diese Kreise die verläßlichsten
Helfershelfer der Sowjets. Auch In
dieser Formel liegt ein Irrtum. Jene
„Geutlemen“ sind nicht Helfer, son-
dern Angehörige der handelnden so-
wjetischen Gruppe, deren Ziel ein
Rassenvernichtungskampf ist, wie
Ihn die Weltgeschichte bisher nicht
sah.“
— „Gestatten Sie eine Zwischen-
trage: Sie sprechen von handelnder
sowjetischer Gruppe, Ist diese nicht
identisch mit dem Exekutivkomitee
der Partei oder mit dem jeweiligen
Regierungschef?“
= „In keiner Weise! Und dies ist
eine der sowjetischen Geheimwaf-
fen. Beide genannten Organe dienen
lediglich der Verschleierung der
wirklichen Machthaber,
Ich möchte Sie in diesem Zusam-
menhang auf eine für uns alle be-
schämende, aber unwiderlegbare
Tatsache aufmerksam machen: Die
westlichen“ Leitartikel und Kom-
mentare zu den Regierungswechseln
seit der Liquidierung Stalins füllen
eine Bibliothek. Gemeinsam ist
ihnen, daß die jeweiligen „Ostexper-
ten“ den eben an die Macht gelang-
ten Exponenten bescheinigten, daB
sich. in ibrer Hand alle Macht ver«
einige, daß ein neuer Roter Zar ge-
boren sei usw. Dies wurde und wird
behauptet über Leute wie Berla
oder Malenkow, Bulganin oder
Woroschilow, Chruschtschow oder
Schukow, Keiner dieser Kommen-
tatoren kam beim unausbleiblichen
Sturz des eben an der „totalen
Macht“ befindlichen Alleinherrschers
auf die Idee, die Frage zu stellen:
wer war stärker als diese Stroh-
männer?
Wer stürzte sie, wer verbirgt sich
dahinter? Denn logischerweise
mußte die Gruppe im Hintergrund,
die in Wahrheit eine vorwiegend
nichtrussische, völllg der end-
gültigen Weltherrschaft verschwo-
rene Minderheit darstellt, um vieles
stärker sein als die jeweils heraus-
gestellten Werkzeuge. Die handelnde
Gruppe Ist daher nicht identisch mit
den in Erscheinung tretenden Funk-
tionären. Dieser . kardinale Tat-
bestand sollte dem noch freien Teil
der Menschheit ein für allemal klar-
werden.®
— „Wen oder welche Regierung
betrachtet diese Gruppe als vorzüg-
lichsten Gegner?“
= „Weder einen einzelnen, noch
ein einzelnes Volk. Diese Gruppe
denkt in weltweitem Maßstab. Sie
sieht ihre Weltherrschaft in erster
Linie gefährdet durch den Bestand
der, wie sie es nennen, ‚Aktiv-
rassen‘, welche vorwiegend die nörd-
lichen Geblete der Erde bewohnen
und die USA, Kanada, Europa, die
russischen Völker, China und Japan
umfassen. .
Noch vor wenigen Jahren wäre es
undenkbar erschienen, diesem ge-
waltigen schöpferischen Bereich der
Menschheit den Vernichtungskampf
anzusagen, und zwar gielchsam aus
seinen eigenen Zentren heraus in
skrupellosem Mißbrauch jener tech-
nischen Mittel, die diese Völker
selbst schufen.
Die Voraussetzung dafür war, sich
jener wissenschaftlichen Schlüssel-
positionen zu versichern, die die s0-
genannten Staatsmänner zu Erfül-
lungsgehlifen und Befehlsempfängern
der kastenartig abgeschirmten Kom-
imandostellen macht, Diese Schlüssel-
positionen wurden besetzt. Es ist
eines der düsteren Kapitel der
Menschbeitsgeschichte, in welchem
Umfange der Westen durch Verrat
seine eigene Versklavung mitveran-
laßte und weiterhin duldet.“
..— „Besitzen wir Unterlagen über
die experimentelle Tätigkeit dieses
kriminellen Braintrusts auf sowje-
tischem Boden?"
"= „Ja, In gewissem Umfange. Die
sowjetischen Versuche der Jahre
1948 bis 1956 gingen in erster Linie
auf Kosten des nordrussischen und
ribirischen Raumes. Wir wissen
heute um Gebiete, die auf Jahre hin-
aus durch Totalverseuchung unbe-
tretbar geworden sind, und wir ken- .
nen Sondermaßnahmen zur Bekämp-
fung der Massenleukimie, um dem
Produktions- und Leistungsausfall
der Straflager, die Millionen Men-
schen umfassen, zu begegnen. Ja,
wir verfügen über Berichte einge-
setzter Ärzte, die das Ergebnis sol-
chen Bemühens erklären. Es gelang
in einzelnen Fällen, das Massenster-
ben um sechs bis zwölf Monate hin-
auszuschieben, Weit über den Be-
reich der tödlich verseuchten Gebiete
wurden in Räumen, die Tausende
Kilometer von den Teststationen
entfernt waren, lähmende Wirkun-
gen auf die Menschen registriert.
Dies wurde derart wirksam, daß die
dadurch begründete Nichterfüllung
des vorgeschriebenen Plansaolls vom
sowjetischen Geheimdienst ° unter
einer eigenen Chiffre an die Kom-
mandostelle gemeldet wurde, (Als
Abkürzung wurde das aus dem rus-
sischen Alphabet eliminierte „harte
Zeichen" verwandt!)
Die ‚handelnde Gruppe‘ verfügt
heute ohne Zweifel über großes Er-
fahrungsmaterial und vermag sich
zumindest über die unmittelbaren
Folgen der Atomwalfe ein unge-
tähres Bild machen. Sie hat für
ihren Internbereich prüventive Maß-
nehmen veranlaßt. Die rein gene-
tischen Wirkungen werden vermut-
lich erst in Jahrzehnten zup Gänze
überschaubar sein,“
— „Welche Haltung können wir
angesichts solch akuter Bedrohung
einnehmen?*
«= „Das Wichtigste scheint mir,
über die Größe der Gefahr illusions-
los zu werden. Denn die Taktik der
Mörder besteht darin, das Opfer in
Sicherheit oder Unkenntnis zu wie-
gen oder es durch Ablenkung wehr-
los zu machen.“
Randolph Charles Darwin
Die Entwicklung
des Priestertums
und der Priesterreiche
420 Seiten, 88 Abb., kart., Faksimiledruck
der Ausgabe von 1929, DM 38,-
Wissen ist Macht. Nichtwissen und Falschwissen ist
Ohnmacht. Das erkannte schon früh eine bestimmte
Gattung von Menschen: die der Schamanen, Geisterbe-
schwörer, Magier und Priester.
Darwin schreibt die Geschichte dieser Menschengattung. Er schreibt sie spannend,
vielseitig, lehrreich, mit klarem Blick für das Wesentliche. Wie aktuell seine Betrach-
tung ist, zeigt u. a. das politische Geschehen der Gegenwart. Fast alle führenden Politi-
ker dieses Jahrhunderts beriefen sich auf Gott, was immer sie auch darunter verstanden.
Sogar Breschnjew berief sich kürzlich darauf. Kurz zuvor hatten bereits Carter, Begin,
Sadat und Khomeini öffentlich bekannt, ihre Politik habe religiöse Grundlagen und
Antriebe. Weinberg, einer der Väter des Atomzeitalters, forderte vor einigen Jahren
eine »atomare Priesterschaft«, die Jahrtausende unumschränkt und weltweit herrsche,
damit das atomare Feuer nicht die Welt vernichte. Und waren nicht die beiden für Hi-
roshima und Nagasaki bestimmten Atombomben vor ihrem Abwurf von Priestern ge-
segnet worden? Wenn Sie das Buch von Darwin gelesen haben, werden Sie die heutigen
politischen Entwicklungen in einem anderen und klareren Licht sehen! Und Sie werden
dann auch einiges wissen über Tempelgeheimnisse des Altertums, über wunderliche
Heilige und geheimnisvolle Orakel, über Liebeszauber und Rachepuppen, Wetterma-
cher, Reliquien, Hexenwahn, Praktiken der Massenbeeinflussung u.a.m. Dringen Sie
ein ın eine Welt der Geheimnisse!
Roland Bohlinger
Reaktor-»Sicherheit« und Hexenwahn
In Kürze, etwa 64 Seiten, zahlr. Abb., DM 7,80
Hier wird die Plutoniumindustrie und die dahinterstehende Wissenschaft und Macht-
politik an ihrer Achillesferse getroffen: bei den Grundlagen und Methoden ihres Um-
gangs mit Wahrheit, Recht und Freiheit. Die einzelnen Kapitelüberschriften: Entmün-
digende Expertenherrschaft - Gesichert ist, daß nichts gesichert ist - Dogmenfabrika-
tion anstatt Forschung - Kirchenähnliche Expertenzunft - Rechenknechtschaft - Paral-
lele zu mittelalterlichen Vorgängen — Exkurs. Insbesondere wird in dieser Schrift die
kaum zu übersehende Parallele zwischen heutigen Vorgängen auf dem Gebiet der
Atompolitik und Vorgängen im Mittelalter herausgearbeitet, nämlich zur Scholastik,
zu Inquisitionsverfahren gegen Hexen und Ketzer, zu den Herrschaftsmethoden der
römisch-katholischen Kirche. Eine vernichtende Analyse der geistigen und morali-
schen Grundlagen!
EIN EINMALIGES WERK
— hervorragend in seinen Beschreibungen -
— umfassend in seiner Darstellung —
— außergewöhnlich in seinen Illustrationen —
Johannes Scherr
Germania
516 Seiten im Großformat (21 x 30 cm),
312 z. T. mehrfarbige und ganzseitige Abbildungen,
in »Elefantenhaut« gebunden, DM 78,-
Eine Geschichte des deutschen Volkes, um die Jahrhundertwende als Prachtband er-
schienen, in Antiquariaten mit hohen Preisen gehandelt, liegt jetzt zu einem günstigen
Preis als Faksimiledruck wieder vor!
Johannes Scherr schreibt lebendig, spannend, aus der Sicht eines leidenschaftlichen Pa-
trioten und Demokraten. Er weiß um viele Hintergründe der politischen Entwicklun-
gen und scheut sich nicht, sie aufzuzeigen. Auch finden Sie in seinem Werk vieles un-
verfälscht beschrieben, was heute in den Büchern über die Geschichte des deutschen
Volkes verschwiegen oder verzerrt dargestellt wird.
Zahlreiche Illustrationen führender Graphiker der Jahrhundertwende machen das
Werk obendrein zu einer Augenweide und zu einer Besonderheit in Ihrem Bücher-
schrank.
Ausführlicher Sonderprospekt auf Anforderung.
Roland Bohlinger
‚Volksschöpfung
oder Ziel, Wege und Mittel einer ganzheitlichen Befreiung und Höherentwicklung
3. Auflage, 16 S., DM 3,-
40 Seiten, 4. erw. und verb. Auflage in Vorbereitung (11.-13. Tsd.), DM 4,-
Neue Gedanken und Erfahrungen zu einem alten Thema. Warum heutzutage Parteien,
Verbände und Umsturzbewegungen in den wesentlichen Fragen zum Scheitern verur-
teilt sind. Wie trotzdem ein grundlegender Wandel herbeigeführt werden kann. In der
4. Auflage Betrachtung folgender strategischer Beispiele: Das Wehrwesen als Feld für
einen antiimperialistischen Kampf; die Entwicklung von Wissenschaft aus dem Volke
für das Volk; die Landwirtschaft, das Ernährungswesen und die Energieversorgung als
Ausgangspunkte für die Entwicklung einer wirklich freiheitlich-demokratischen, allen
Menschen dienenden Wirtschaftsweise.
Wurde das Papsttum
erst im Jahre 1409 in Pisa gegründet?
Die Fälfehing der
deutfehen Gefchtchte Ist die Germania des Tacticus eine Fälschung?
Fand der Gang Heinrichs IV. nach Canossa wirklich statt?
Solche Fragen finden Sie nicht in unseren gängigen Schulge-
schichtsbüchern. Dort wird so getan, als wären alle Fragen
längst gelöst. Doch das umgekehrte ist der Fall, nur ver-
schweigt das die herrschende Geschichtswissenschaft, und
zwar sich selbst ebenso wie dem Volk. Vor allem verschweigt
sie die wichtigste offene Frage: Gab es im Mittelalter eine
große Aktion zur umfassenden Geschichtsverfälschung?
Wilhelm Kammeier stieß bei seinen Forschungsarbeiten auf zahllose Widersprüche, auf Wider-
sprüche in der Überlieferung und auf Widersprüche in den Darstellungen der Fachleute. Nach
gründlichster Forschungsarbeit gelangte er zu umstürzenden Erkenntnissen. Insbesondere
mußte er erkennen, daß im ausgehenden Mittelalter die Geschichtsschreibung einer umfassen-
den und systematischen Verfälschung unterworfen war.
Selten wurde die herrschende Wissenschaft und Lehrmeinung so herausgefordert wie durch
Wilhelm Kammeier. Und selten geschah das so überzeugend und zugleich so allgemeinverständ-
lich, spannend und humorvoll.
Die ersten Arbeiten des Autors erschienen in verschiedenen Einzelheften und Buchausgaben in
den Jahren 1935 bis 1941. In der jetzterscheinenden Gesamtausgabe enthalten die ersten beiden
Bände Faksimiledrucke jener Erstausgaben. Ein dritter Band erscheint in Kürze, er enthält
hauptsächlich ein bis vor kurzem verschollenes Manuskript.
Kammeier erntete von Anfang an Totschweigen und Verfolgung. Nach dem Zweiten Weltkrieg
lebte er inder DDR. Obwohl sein Werk sich nicht gegen die dortigen Machthaber richtete, wur-
den er und seine Angehörigen enteignet. Er starb an Unterernährung.
Wilhelm Kammelier:
Die Fälschung der deutschen Geschichte
304 $., Faksimile, kart., mit Schutzumschlag, DM 28,-
Wilhelm Kammeier:
Die Wahrheit über die Geschichte des Spätmittelalters
440 S., Faksimile, kart., mit Schutzumschlag, DM 36,-
Wilhelm Kammeier:
Die Fälschung der Geschichte des Urchristentums
In Kürze, etwa 420 $., kart. DM 39,-
Reihe Kernpunkte
Eine neue Reihe im Verlag für biologische Sicherheit, 2251 Wobbenbüll
Bisher sind erschienen:
Roland Bohlinger
Art. 9 II Grundgesetz und die Errichtung eines Plutoniumstaates
Hier wird nachgewiesen, daß hinter dem Plutoniumprogramm ein Weltherrschaftspro-
gramm steht und daß seine Durchsetzung durch Vertreter aus Priesterbünden, Banken, In-
dustriefirmen, Verbänden, Expertengruppen und Geheimorganisationen nach den herr-
schenden Gesetzen als Tätigkeit einer verfassungs- und strafgesetzwidrigen Vereinigung
verboten ist.
64 Seiten, kartoniert, DM 7,80
Roland Bohlinger
Eine neue Strategie zur Überwindung der wachsenden Kriegsgefahr
Hier wird in aller Kürze eine neue Strategie, wie der drohenden Vernichtung Mitteleuropas
begegnet werden kann, aufgezeigt.
32 Seiten, kartoniert, DM 3,00
In Vorbereitung sind außerdem u.a. folgende Hefte:
Walter Soyka: Die Plutoniummaffia als Rechtsbrecher, DM 7,80
Roland Bohlinger: Reaktor-»Sicherheit« und Hexenwahn, DM 7,80
Roland Bohlinger: Anmerkungen zur Kosten-Nutzen-Analyse der Atomspalttechno-
logie, DM 4,00
Der Rechtsweg, Dokumentenreihe aus dem Archiv für biologische Sicherheit
Inhalt von Heft 6 (verantwortlich Roland Bohlinger) u.a.:
Restsicherheit oder Massensterben ist vom Gesetzgeber auferlegtes »Restrisiko« (Urteil des
VG Schleswig) / Reaktorsicherheit und Hexenwahn / Kein mutloses Herdenwesen bleiben /
Im Notstand / Ein Urteil der vierten Gewalt / Fragen an den niedersächsischen Sozialmini-
ster / Fortsetzung der Wissenschaftsimitation im Fall Lingen / Bremer Frauenappell gegen
ein »Recht« auf den atomaren »Erstschlag«. Einzelheft DM 5,00
Inhalt von Heft 7 (verantwortlich Roland Bohlinger) u.a.:
Notstand der Justiz? - Die Plutoniummaffia als Rechtsbrecher / Erfolge von Harm Menkens .
im Fall Brunsbüttel / Kurzberichte aus laufenden Prozessen / Schriftsatz an OVG Rhein-
land-Pfalz wegen Prozeßbevollmächtigung / Streitwertbeschwerde im Grafenrhein-
feld-Verfahren / Strafanzeige gegen den 10. Senat des VGH Baden-Württemberg / Verwei-
gerung der Bezahlung von Gerichtskosten. Einzelheft DM 10,00
»Die Stunde hat geschlagen für die Hochfinanz, öffent-
lich ihre Gesetze für die Welt zu diktieren, wie sie es bis-
her im Verborgenen getan hat . . . Die Hochfinanz ist
berufen, die Nachfolge der Kaiserreiche und Königtü-
mer anzutreten, mit einer Autorität, die sich nicht nur
über ein Land, sondern über den ganzen Erdball er-
streckt. « =
Erklärung anläßlich der Gründung der internationalen
Bankenallianz 1913 in Paris
Internationale Finanzmächte haben sich in unserem Jahrhundert an fast
allen bedeutenden Unternehmungen fördernd bis maßgebend beteiligt.
Meist geschah das nicht offen sondern verdeckt, häufig auch mit unter-
schiedlicher Motivation der einzelnen Finanzmächte und ihrer Führer,
was dann immer wieder zu Rivalitäten führte. Derzeit bereitet die an-
scheinend führende Gruppe innerhalb der Hochfinanz eine Weltwirt-
schaftskrise vor, neben der jene von 1929-33 völlig verblassen soll. Falls -
sie eintrifft, wird sie weltweit Hungerkatastrophen, Massenarbeitslosig-
keit, unzählige Firmenzusammenbrüche und einen umfassenden politi-
schen Wandel herbeiführen. Näheres erfährt der Leser in diesem Buch.
Die erste Veröffentlichung der von Eustace Mullins vorgenommenen
Untersuchung erfolgte 1954 in den USA. 1956 erschien eine deutsche
Ausgabe. Diese wies erhebliche Mängel in der Übersetzung auf. Sie wurde
beschlagnahmt, wobei als Vorwand vor allem ein Satz im Anhang diente.
Vor rund zwei Jahren stieß ich auf die Schrift von Mullins. Ich legte sie
in der deutschen Ausgabe von 1956 in einem Atomprozeß vor, und zwar
als Teil des Beweismaterials für eine bestehende Verschwörung. Zugleich
entschloß ich mich, die Schrift von Mullins neu herauszugeben. Die jetzt
vorgelegte Ausgabe bietet eine gründliche Neuübersetzung. Die seiner-
zeit beanstandeten Stellen sind gestrichen, sie besaßen keine wesentliche
Bedeutung. In der Neuübersetzung legte ich am 15. 12. 1980 die Schrift
zusammen mit anderen Materialien, die den von Mullins aufgenommenen
Faden bis in die Jetztzeit weiterverfolgen, im Brokdorf-Prozeß vor.
Ursprünglich sollte die hier vorgelegte Veröffentlichung mit dem Ab-
druck des Prozeß-Schriftsatzes beginnen, um deutlich zu machen, daß die
Veröffentlichung im Rahmen einer Prozeßdokumentation erfolgt. Ich -
entschloß mich jedoch, die Ausführungen von Mullins voranzustellen;
das wird der Bedeutung und Leistung des Verfassers besser gerecht.